Annika Bleier im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 13.04.2022.

ESG in Kanzleien: Nachhaltige Beratung

Rechtsanwältin Annika Bleier im New Lawyers Podcast

Begeisterungsfähigkeit und Neugierde: Diese beiden Eigenschaften weiß Annika Bleier an anderen Menschen besonders zu schätzen. Wenn man ihr zuhört, merkt man schnell, dass auch sie selbst diese Kriterien erfüllt: Sie arbeitet als Rechtsanwältin für Verfassungsrecht bei der Kanzlei Graf von Westphalen, unterstützte dort den Ausbau der Probono-Arbeit und ist nun zusätzlich als Head of ESG und Sustainability für Nachhaltigkeitsthemen in der Kanzlei zuständig. Mit Alisha Andert spricht Bleier im New Lawyers Podcast von TalentRocket über Nachhaltigkeit in Kanzleien und über ihre neue Position.

 

500 Mitarbeiter:innen, davon 200 Anwält:innen, und 3 Standorte im Ausland: Trotz ihrer Größe bezeichnet sich die Kanzlei Graf von Westphalen noch immer als mittelständische Kanzlei, auch die meisten ihrer Mandanten sind im Mittelstand angesiedelt. Besonders spannend findet Bleier an ihrem Arbeitgeber die Vielfalt sowohl was die Mandanten als auch die Fachgebiete angeht. Sie selbst ist in einem Rechtsgebiet tätig, welches – wie sie selbst sagt – wohl in der Praxis am meisten der Uni ähnelt: Dem Verfassungsrecht. Sie arbeitet tagtäglich mit Kolleg:innen zusammen, welche ihre Expertise in diesem Rechtsbereich benötigen, der sowohl Berührungspunkte mit dem Zivilrecht und dem Strafrecht als auch dem öffentlichen Recht hat. Gutachten und Stellungnahmen gehören für Bleier zum Alltag – und auch Verfassungsbeschwerden sind für sie keine Seltenheit.

ESG & Sustainability: Auch Kanzleien müssen nachhaltig denken

Neben ihrer Arbeit im Verfassungsrecht hat Bleier bei Graf von Westphalen nun die neue Rolle des Head of ESG and Sustainability übernommen. ESG, so erklärt sind, steht für Evironmental Social Governance und beschreibt eine Unternehmensführung, welche mit sozialen und ökologischen Herausforderungen im Einklang ist – insbesondere mit Bezug auf regulatorische Anforderungen an den Markt. Bleier betont, dass es dabei nicht nur um ökologische Nachhaltigkeit geht, sondern auch um soziale Verantwortung: zum Beispiel im Umgang mit Diversität und Humanressourcen. Der Begriff, der ursprünglich aus der Finanzwelt kommt, sei nun praktisch überall zu finden. So auch bei Graf von Westphalen: Angefangen bei der Probono-Beratung der Kanzlei (welche von Bleier mit aufgebaut wurde) entwickle sich das Thema sowohl intern als auch bei den Mandanten immer weiter.

Mit der Ernennung des Head of ESG erkennt die Kanzlei einerseits den Wandel in der Wirtschaft an. Obwohl die Rechtsberatung selbst nicht berichtspflichtig ist, sind es dennoch viele der Mandaten. Als deren Dienstleister sind Kanzleien aufgrund des Lieferkettengesetzes ebenfalls relevant für Reportings und müssen den Ansprüchen in Sachen ESG genügen. Andererseits möchte auch die Kanzlei selbst ihre eigene Rolle im gesellschaftlichen Transformationsprozess anerkennen und Verantwortung für dieses wichtige Thema übernehmen – besonders angetrieben durch die jüngere Generation, die auf Themen wie Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung großen Wert legt und diese auch beim Arbeitgeber sucht.

Mitarbeiterbindung & Klimaneutralität: Die Themen der Zukunft

Als Herausforderungen beim Thema Nachhaltigkeit in Kanzleien sieht Bleier unter anderem Mobilitätskonzepte, Raum- und Energiekosten von großen Officegebäuden und die Förderung von Vielfalt. Eine besondere Rolle spricht sie dem Thema Mitarbeiterbindung zu: Ihrer Meinung nach ist es nur wenig nachhaltig, Mitarbeiter:innen nach drei bis fünf Jahren zu verlieren, weil sie ausgebrannt sind. Deshalb müssten neue Konzepte gefunden werden, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu verbessern.

Letztlich ist das Thema ein All-Win-Thema: Es ist einfach ein Thema, von dem wir doch alle nur profitieren können – wenn man endlich anfängt, Nachhaltigkeit und Wirtschaft zusammenzudenken.
Annika Bleier

Ihre neue Position bedeutet für Bleier nicht nur die Möglichkeit, sich für ein wichtiges Thema einzusetzen und sich weiterzuentwickeln, sondern auch viel zusätzliche Arbeit. So spricht sie mit vielen Mitarbeiter:innen, versucht herauszufinden, wer sich einbringen möchte und kann. Auf ihrem Tisch liegt außerdem das Thema Klimaneutralität und – im Kontext der Ukrainekrise für Graf von Westphalen gerade besonders relevant – die Probono-Arbeit, die in der Kanzlei Tradition hat. Ein wichtiges Projekt ist zudem die ESG-Bilanz: Eine Aufstellung der ESG-relevanten Zahlen, die bei der Mandatsarbeit ins Gewicht fallen (wie etwas die Mobilität oder der Energieaufwand). Diese sollen den Mandanten für ihre eigenen Bilanzen nach Abschluss eines Projekts mit auf den Weg gegeben werden.

Bleier hofft, dass ihre Kanzlei mit ihrem Engagement ein Zeichen setzt, dem auch andere folgen: „Letztlich ist das Thema ein All-Win-Thema: Es ist einfach ein Thema, von dem wir doch alle nur profitieren können – wenn man endlich anfängt, Nachhaltigkeit und Wirtschaft zusammenzudenken“, fasst sie zusammen.

 

Wenn du mehr über das Thema ESG wissen und erfahren möchtest, wie Annika Bleier als Associate diese wichtige Rolle in der Kanzlei übernehmen konnte, dann hör doch mal in diese Folge des New Lawyers Podcast rein!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 2:28: Icebreaker-Frage: Welche Eigenschaft gefällt dir an anderen Menschen?
  • Ab 3:45: Die Kanzlei Graf von Westphalen
  • Ab 5:30: Wie sieht die Arbeit im Verfassungsrecht im Kanzleikontext aus?
  • Ab 7:34: Was ist ESG?
  • Ab 9:01: Was macht deine Rolle als Head of ESG and Sustainability aus?
  • Ab 12:15: Warum ist ESG für euch relevant?
  • Ab 14:24: Fordern gerade Jüngere ESG-Maßnahmen ein?
  • Ab 17:20: ESG als Alleinstellungsmerkmal für juristische Arbeitgeber
  • Ab 19:41: Ist ESG in der Zukunft ein Muss?
  • Ab 21:05: Wie sieht die nachhaltige Kanzlei der Zukunft aus?
  • Ab 23:45: Mitarbeiterbindung als nachhaltiges Konzept
  • Ab 26:45: Wie konntest du als Associate diese wichtige Rolle übernehmen?
  • Ab 29:32: Wie können wir uns deine Arbeit vorstellen?
  • Ab 31:52: Was waren deine ersten Maßnahmen?
  • Ab 37:14: Hat deine Kanzlei eine Vorbildfunktion?