Richterin Dr. Christina-Maria Leeb im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 29.03.2023

Christina-Maria Leeb - Von der Justizfachwirtin zur Richterin

Richterin Dr. Christina-Maria Leeb im New Lawyers Podcast

Christina-Maria Leeb ist Richterin am Amtsgericht Passau. Ihr Weg dorthin war jedoch alles andere als geradlinig: Mit Alisha Andert spricht sie in dieser Folge des New Lawyers Podcast darüber, wie sie von der Justizfachwirtin zur Richterin wurde, welche Erfahrungen sie als Verfahrensbeiständin gemacht hat und über ihre Promotion im Bereich Legal Tech.

 

Vom Jurastudium träumte Christina-Maria Leeb schon als Dreizehnjährige. Erfüllen konnte sie sich diesen Wunsch mit einem Realschulabschluss aber erst einmal nicht – stattdessen absolvierte sie eine Ausbildung zur Justizfachwirtin. In diesem Job protokollierte sie zum Beispiel in Strafsachen, organisierte die Aktenverwaltung und war zuständig für telefonische Auskünfte.

Schließlich entschloss sie sich dafür, auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nachzuholen und doch noch Volljuristin zu werden. Schon während dieser Zeit arbeitete sie selbstständig als Verfahrensbeiständin: Sie wurde in familienrechtlichen Verfahren ans Gericht bestellt und vertrat dort die Interessen der Kinder. Als deren „Sprachrohr“ gab sie ihren Input aus Interaktionsbeobachtungen an die Richter:innen weiter. In ihrer Zeit als Verfahrensbeiständin erlebte sie viel Belastendes, war Teil hoch-konfliktärer Verfahren, die schon seit Jahren liefen.

Verfahrensbeiständ:innen sind nicht nur parteilich, sondern auch objektiv dem Kind verpflichtet, erklärt Leeb. Sie seien entweder Familienrechtsanwält:innen, die sich psychologische Kenntnisse aneignen – oder Psycholog:innen, die sich rechtliche Kenntnisse aneignen.

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Weg von der emotionalen Ebene, hin zu Legal Tech

Wer jetzt denkt, dass sich Leeb während ihres Studiums auf Familienrecht spezialisiert hat, hat weit gefehlt. Ihre Doktorarbeit schrieb sie über Legal Tech – genauer gesagt sah sie sich das anwaltliche Berufsrecht an und analysierte es in Hinsicht auf Restriktionen für eine digitale Arbeitsweise. Dabei stieß sie auf überraschende Fragen: zum Beispiel danach, wie eine virtuelle Sozietät der Vorgabe eines Kanzleischildes nachkommen kann.

Als sie 2016 auf der Suche nach einem Thema für ihre Doktorarbeit war, galt Legal Tech noch als Nischenthema. Tatsächlich war sie die zweite Person in Deutschland, die zu diesem Bereich promovierte. Im Gegensatz zu ihren Erfahrungen in der Arbeit als Verfahrensbeiständin reizte sie am IT-Recht gerade die Möglichkeit, sich mit rechtlichen Themen außerhalb dieser hochemotionalen Ebene auseinanderzusetzen. Sie ist fasziniert von der Geschwindigkeit, mit der sich Legal Tech bewegt – auch wenn sie gerade diese schnellen Veränderungen während des Schreibens ihrer Doktorarbeit gerne einmal ins Schwitzen brachten.

Anders als viele Jurist:innen kommt Leeb aus einem nicht-juristischen Haushalt und musste sich ihr Netzwerk selbst aufbauen. Als Nachteil hat sie das nie gesehen. Im Gegenteil: Es helfe ihr dabei, ihr Wissen besser zu reflektieren. So hat sie festgestellt, dass sie komplizierte Zusammenhänge erst dann richtig verstanden hat, wenn sie diese so herunterbrechen kann, dass ihre Familie sie verstehen würde. Verirre sie sich stattdessen in Floskeln, sei es ihr vielleicht selbst noch nicht ganz klar.

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Nach ihrer Promotion nimmt Leebs beruflicher Weg erneut eine unerwartete Wendung. Anstatt im IT-Recht oder im Legal Tech Bereich Karriere zu machen, kehrt sie zurück zur Justiz. Auf die Frage nach dem Warum hat sie eine ganz einfache Antwort: „Ich kann das wirklich nur so beantworten, [...] dass ich meinem Herzen gefolgt bin.“ Als die im Referendariat wieder im Gerichtsaal stand, wusste sie vom ersten Tag an, dass dies das Richtige für sie ist.

Ich kann das wirklich nur so beantworten, [...] dass ich meinem Herzen gefolgt bin.
- Christina-Maria Leeb

Legal Tech ganz den Rücken kehren, kann Leeb aber nicht. So beschäftigt sie sich weiterhin publizistisch mit neuen Rechtsfragen – aber auch in ihrem Alltag spielt Technik eine Rolle. Sie verhandelt zum Beispiel hin und wieder per Video, begleitet aber auch fachliche Themen mit und hat zusammen mit zwei Kollegen ein Forum innerhalb der Justiz geschaffen, um sich über die Digitalisierung auszutauschen. Teil davon sind Fachvorträge im Gerichtsaal, bei denen auch ein Austausch mit anderen Professionen stattfindet.

 

Du möchtest wissen, was sich Christina-Maria Leeb für die Justiz in Zukunft wünscht? Oder du willst mehr über ihren Alltag als Richterin erfahren? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 02:01: Icebreaker-Frage: Was ist dein Tipp, um morgens besser aus dem Bett zu kommen?
  • Ab 03:39: Wie bist du zum Jurastudium gekommen?
  • Ab 04:28: Was macht eine Justizfachwirtin?
  • Ab 05:34: Arbeit als Verfahrensbeiständin
  • Ab 08:57: Wie wird man Verfahrensbeiständin?
  • Ab 10:47: Wie bist du zum IT-Recht gekommen?
  • Ab 12:21: Was fasziniert dich an Legal Tech?
  • Ab 14:22: Worum geht es in deiner Doktorarbeit?
  • Ab 17:58: Promotion nach dem zweiten Bildungsweg
  • Ab 21:18: Warum bist du in die Justiz zurückgekehrt?
  • Ab 23:12: Wie sieht dein Alltag als Richterin aus?
  • Ab 27:30: Gibt es Möglichkeiten, Legal Tech in der Justiz zu nutzen?
  • Ab 29:14: Was wünschst du dir für die Justiz in Zukunft?

Hier findest du das komplette Transkript der Folge mit Christina-Maria Leeb

Intro & Icebreaker

 

Alisha Andert: Viele kennen Christina Maria Leb vermutlich aus der Legal Tech Welt, denn zu diesem Thema, Legal Tech aus Anwaltssicht, hat sie bereits promoviert. Seit einigen Monaten ist sie nun aber Richterin am Amtsgericht Passau. Warum sie sich nach dem Referendariat für den Weg in die Justiz entschieden hat und wo sie Überschneidungen der beiden Bereiche sieht, darüber werden wir heute sprechen. Schön, dass du da bist, Christina-Maria Leeb.

Christina-Maria Leeb: Herzlichen Dank, liebe Alisha. Ich freue mich sehr, hier zu sein.

Alisha: Ich freue mich auch, dass du da bist. Auch wir kennen uns schon. Das sage ich immer vorab, aber das heißt nicht, dass du verschont wirst von etwaigen Icebreakerfragen. Die kriegst du trotzdem und diesmal wieder eine aus meinem Fundus von Lebenstipps, die ich eigentlich für mich sammel heimlich. Und deswegen möchte ich gerne mal von dir wissen, was ist dein Tipp, um morgens besser aus dem Bett zu kommen?

Christina: Sehr schön. Das sind im Wesentlichen zwei Dinge. Also ich stelle mir auch mal am liebsten zwei Wecker, dass ich noch so ein bisschen Zeit habe und nicht sofort beim ersten Augenaufschlag aus dem Bett muss. Und das zweite ist, dass ich halt auch so einen ganz klaren Ablauf habe, der im Wesentlichen immer relativ gleich ist. Also zum Beispiel starte ich auch immer mit den zwei gleichen Podcasts in den Tag. Und es gibt dem Ganzen so eine Struktur, die mich dann einfach in eine Routine verfallen lässt und dann kommt man eigentlich auch ganz gut in den Tag.

Alisha: Ja, welche zwei Podcasts sind das? Vielleicht helfen die mir auch.

Christina: Ja, gerne. Das ist einmal das Morning Briefing von The Pioneer und das andere ist 0630, so auch so ein News Podcast, also alles Nachrichten Podcast, die interessanterweise auch teilweise das gleiche Thema im gleichen Tag behandeln, aber aus einer anderen Perspektive. Und ich mag die Kombi auch in der Reihenfolge hintereinander unglaublich gerne.

Alisha: Okay, das nehme ich auf jeden Fall auch schon mal mit. Gute Podcast-Tipps sammle ich immer gerne. Das Morning Briefing habe ich tatsächlich auch schon einige Male gehört. Ansonsten starte ich immer mit Apokalypse & Filterkaffee und Lage der Nation, aber das ist immer ein bisschen länger. Das schafft man nicht an einem Morgen.

Christina: Das stimmt. Und es ist auch, glaube ich, nur einmal die Woche.


Ausbildung und Anfänge als Justizfachwirtin

 

Alisha: Na ja, gut, sagen wir, das haben wir schon mal geklärt, gleich noch ein paar Podcast-Tipps abgestaubt. Und jetzt kommen wir mal zu dir und wir fangen mal relativ weit vorne an. Und zwar bei der Frage, wie du eigentlich zum Jurastudium überhaupt gekommen bist. Wie war so dein Weg? Du hast Abi gemacht und dann bist du direkt gestartet oder wie sah das bei dir aus?

Christina: Ja, ein bisschen ein verschlungenerer Weg tatsächlich. Also ich habe Realschule gemacht und dann erst eine Ausbildung in der Justiz angefangen, in der zweiten Qualifikationsebene. Als Justizfachwirtin die Lehre gemacht, also die Ausbildung und habe dann erst auf dem zweiten Bildungsweg in der Berufsoberschule das Abitur nachgeholt und dann erst Jura studiert. Und das war tatsächlich auch schon immer mein großer Lebenstraum, seit ich 13 bin. Ich weiß bis heute nicht, woher es kam, aber das habe ich mir dann Step by Step erfüllt und ja, es ist dann wahr geworden und es ist sehr, sehr erfüllend dann auch für mich gewesen und immer noch.

Alisha: Kannst du mal erklären, was eigentlich eine Justizfachwirtin macht?

Christina: Ja, natürlich. Also das kennt man typischerweise von der Protokollierung in Strafsachen zum Beispiel. Da müssen immer noch Justizfachwirte dabei sein und mitprotokollieren. Und die andere Tätigkeit ist eine Geschäftsstelle. Also man organisiert die ganze Aktenverwaltung, man ist zuständig für telefonische Auskünfte. Das sind so die ganz wesentlichen Dinge.

Alisha: Und da hast du quasi schon in der Ausbildung immer gedacht, eigentlich würde ich total gerne den juristischen Job machen.

Christina: Ja, ganz genau. Ich dachte immer, es wäre so schön, das auch inhaltlich lesen zu dürfen und zu verstehen. Und ja, aber ich fand's auch schön, die Seite zu sehen. Und es ist auch jetzt in meiner Tätigkeit natürlich auch von Vorteil, wenn ich die Seite verstehe und weiß, wie die Zusammenhänge sind. Und der Lauf der Akte war mir von Anfang an ja dann bewusst. Und auch die technischen Programme natürlich haben wir auch gelernt in der Ausbildung und dann ist das schon ein bisschen einfacherer Einstieg gewesen.


Arbeit als Verfahrensbeiständin

 

Alisha: Kann ich mir sehr gut vorstellen. Zu deinem Einstieg später als Richterin kommen wir natürlich auch noch. Schauen wir nochmal auf deinen weiteren Weg. Ich meine, du hast gesagt, du hättest während des Jurastudiums weiter in der Justiz gearbeitet?

Christina: Tatsächlich in einer gewissen Weise. Also ich habe während des Nachholens des Abiturs und auch während des Studiums als Verfahrensbeiständige gearbeitet. Das ist aber eine selbstständige Tätigkeit, aber man wird eben bestellt von den Familienrichter und Familienrichterinnen. Also das ist quasi eine Tätigkeit, die im weitesten Sinne der Justiz gehört, aber man ist nicht bei der Justiz quasi tätig, sondern im Auftrag sozusagen. Aber man vertritt dort, um das kurz zu erklären, die Kinder in den familienrechtlichen Verfahren und ist quasi deren Anwalt, deren Anwältin. Und das ist natürlich auch eine sehr spannende und erfüllende Tätigkeit gewesen, weil man auch schon in gewisser Weise bei älteren Kindern auch beratend tätig ist, auf der anderen Seite aber immer, und das ist der Unterschied zum klassischen Parteivertreter, aber auch nicht nur parteilich fürs Kind, sondern auch objektiv dem Kindesinteresse, also dem, was das Beste ist fürs Kind, verpflichtet ist. Also so eine gewisse Zwitterstellung von der Aufgabenstellung her und man gibt dem Gericht dann quasi den Input aus den Interaktionsbeobachtungen mit dem Kind. Ich war dann immer daheim bei den Kindern und habe mit denen zum Beispiel, wenn sie kleiner waren, im Spielzimmer gespielt und dann mal so ein bisschen reingehört, wie es denen geht und was sie zu den entsprechenden Fragestellungen sagen im Kindschaftsrecht, zum Beispiel eben Umgangsverfahren oder ältliche Sorgeverfahren und habe das dann quasi als Sprachrohr in das Verfahren reingetragen und habe dann Bericht verfasst und war auch in der Verhandlung dann dabei, wenn zum Beispiel das Kind angehört wurde.

Alisha: Also ich finde das klingt total spannend. Mir war mal wieder überhaupt nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Rollen es in diesen ganzen Verfahren überhaupt gibt, vor allem in den familienrechtlichen Verfahren. Und das klingt ja erstmal - Verfahrensbeistände - so ein bisschen formal, aber wie war das denn für dich? Ich stelle mir vor, dass es schon auch ziemlich krass sein muss, wenn man so tief in diesen Fällen drin steckt mit Kindern, mit Familien, die vielleicht zerrüttet sind oder wo es eben Probleme gibt.

Christina: Absolut, also da erlebt man schon sehr viel und auch sehr belastendes mitunter. Also es gibt ja tatsächlich hochkonfliktäre Verfahren, die schon über sehr viele Jahre gehen und wo man auch sich sicher ist, dass es zum OLG geht. Das ist in Familiensachen dann immer die Berufungsinstanz, nicht am LG, sondern am OLG gleich. Das habe ich dann auch ein paar Mal mitgemacht und es können sich schon Verfahren über Jahre hinweg ziehen. Und da merkt man dann auch mit jedem Jahr die Belastung des Kindes, das ist natürlich klar. Auf der anderen Seite gibt es aber auch sehr verständige Eltern, die das schon auch verstehen, was man quasi sagt, wie wichtig das ist, dass man sich auf der Elternebene noch gut verstehen sollte und einfach einen harmonischen Umgang haben sollte, auch wenn man auf der Paarebene nicht mehr harmoniert. Also da gibt es schon auch sehr Positives, aber wie gesagt, man erlebt die breite Palette des Lebens. Das sind die einen Verfahren... und was natürlich auch immer sehr belastend war, waren sogenannte 1666 und 1666a BGB-Verfahren, also wo es dann um Kindeswohl-Gefährdung geht. Und das hat man nicht so häufig zum Glück, aber das ist dann auch meistens eilig und schon sehr intensiv auch tatsächlich.

Alisha: Und wie qualifiziert man sich dafür eigentlich? Also bist du einfach auf die Idee gekommen, du möchtest machen, weil du es mal gesehen hast? Oder muss man eine Ausbildung durchlaufen?

Christina: Da ist es so, im Gesetz steht tatsächlich nur ein geeigneter Verfahrensbeistand, wird vom Gericht bestellt. Also es ist eine Entscheidung des Gerichts, wer für eben entsprechend geeignet gehalten wird. Und die Personen, die dort tätig sind, sind im Wesentlichen in zwei Professionen aufgeteilt. Einmal sind es die Familienrechtsanwälte und -rechtsanwältinnen, die also den rechtlichen Aspekt abdecken und dann halt die psychologischen Kenntnisse sich aneignen und eben Familienpsychologen, Psychologinnen tatsächlich auch, oder auf der tatsächlich eher psychologischen Schiene in verschiedenen Ausbildungsberufen. Oder auch im Sozialbereich, die sich dann halt den rechtlichen Teil aneignen. Und bei mir war es eben aus der juristischen Ecke. Ich wurde damals gefragt, weil da die Familienrechtsnormen sich geändert haben. Also die große FamFG-Reform war zum 01.09.2009 und dann deswegen war der größere Bedarf da, weil die Normen auch reformiert wurden. Und dann wurde ich gefragt, tatsächlich bei uns am Familiengericht, ob ich das machen könnte. Dann habe ich mir entsprechende Kenntnisse da noch angeeignet. Und so ist man immer irgendwie einer Profession zugehörig, aber versucht, die andere dann auch durch Fortbildung abzudecken, durch ganz viel Austausch auch. Das war ja alles noch relativ jung. Auch habe ich da mal einen deutschlandweiten Austausch gestartet. Und das war sehr, sehr spannend, wie alle anderen arbeiten. Und haben wir da so auch in gewisser Weise Vision betrieben. 


Der Weg zum IT-Recht & Legal Tech

 

Alisha: Also damals schon die Netzwerkerin. Wie es später dann auch weiterging, du bist beim Familienrecht nicht geblieben, sondern es hat dich irgendwie zum IT-Recht verschlagen. Wie bist du dahin gekommen und war das eine Umstellung für dich? Inwiefern war es eine Umstellung?

Christina: Oh ja, großer Unterschied ist da natürlich auf der Hand. Das war so, ich war, meine ich, im zweiten Semester und hatte da eine Stelle in Aussicht der studentische Hilfskraft, erstmal bei einem rundfunkrechtlichen Lehrstuhl, also schon so ein bisschen, in die technische Ecke und später dann tatsächlich bei meinem Doktorvater, der IT und Datenschutzrecht im Schwerpunkt bearbeitet und forscht und da habe ich dann gemerkt, dass es halt auch sehr spannend ist, sich außerhalb dieser oft sehr hochemotionalen Ebene über Rechtsthemen zu unterhalten, also dass das natürlich auch schon manchmal auch sehr viel rausnimmt, was an Belastungen da ist und IT-affin war ich privat schon immer und da kam dann eins zum anderen, dass ich das so schön fand und immer mehr mich da rein vertieft habe, da muss ich auch ganz klar sagen, war der Lehrstuhl ganz tragend, weil das eine ganz tolle Atmosphäre war mit super tollen Kollegen, Kolleginnen, die auch neben unserem Doktorvater da alle so motiviert waren und da hat es mich dann immer mehr reingezogen in dieses Thema und da wollte ich dann bleiben. Ja und vom IT-Recht ist es meistens zum Legal Tech-Bereich gar nicht mehr so weit.

Alisha: Ich vermute mal, dass da eine Verbindung entstanden ist, denn im Legal Tech Bereich bist du auch tätig, sehr viel tätig gewesen, bist es immer noch und das ist ja auch der Bereich, aus dem ich dich quasi kenne. Was ist es, was dich an Legal Tech fasziniert hat damals und vielleicht auch heute noch und wie bist du dann da reingerutscht?

Christina: Nein, alles gut. Ich beantworte jetzt erst deine zweite Frage, weil du hattest das schon völlig richtig vermutet. Das war dann auch lehrstuhlbedingt sozusagen. Ich war nach dem ersten Examen 2016 auf der Suche nach einem Doktorarbeitsthema und du weißt es ja auch, 2016, das war in Deutschland auch eine sehr kleine Szene. Die meiste Literatur oder fast alles an Literatur war im englischsprachigen Bereich angesiedelt. Da war man mit der Diskussion natürlich in den USA und Großbritannien schon noch weiter. Und da ist es aber langsam eben rübergekommen, die ersten Veranstaltungen haben sich geformt, die ersten Beiträge wurden geschrieben und haben geendet mit dem Satz, dass es mit Spannung abzuwarten bleibt und das sind natürlich offene Rechtsfragen, für die man als Doktorandin sehr offen ist und da freut man sich wahnsinnig, die zu beantworten. Und so kam ich dann zum Legal Tech-Bereich. Und was mich daran so fasziniert, ist einfach diese Geschwindigkeit und immer diese wahnsinnige Schlagzahl an Neuem, was da kommt und immer das am Zahn der Zeit bleiben zu müssen und zu bleiben und jeden Tag in gewisser Weise darauf gefasst zu sein, dass einfach was Neues kommt und sich Sachen ändern und das mag ich sehr, sehr gerne.

Alisha: Du hast ja auch dann tatsächlich die Herausforderung angenommen und eine Doktorarbeit zu diesem Thema geschrieben. Das heißt, dass du ja erstmal die Doktorarbeit generell Legal Tech aus Anwaltssicht verfasst hast. Und wo ich auch schon mal sage, erst mal chapeau, dass du überhaupt das Thema genommen hast. Das ist natürlich irgendwie an sich eine großartige Sache, wenn man viele offene Rechtsfragen hat. Auf der anderen Seite halt auch eine große Herausforderung, wenn man relativ am Anfang der Entwicklung schon auf diese wissenschaftliche Aufarbeitung sich stürzt. Willst du vielleicht mal ein bisschen, falls du das in wenigen Sätzen zusammenfassen kannst, immer schwierig, wenn man so hunderte Seiten geschrieben hat, aber willst du vielleicht mal ein bisschen sozusagen aus dem Nähkästchen plaudern, worum es in deiner Doktorarbeit eigentlich geht?

Christina: Ja, super gerne. Beim ersten Teil hast du mir absolut aus dem Herzen gesprochen, das ist wirklich so gewesen. Wenn man mit fortschreitendem Stand seiner Arbeit auch immer mehr an Literatur bekommt, das kann schon herausfordernd sein.Wenn man eigentlich gewisse Kapitel schon abgeschlossen hat und dann kommen noch einmal großartige Beiträge. Das ist ja natürlich das Thema, wenn man einen aktuellen Bereich einfach bearbeitet. Ganz klar, genau. Zusammengefasst und auf den Punkt gebracht, geht es in meiner Arbeit um das anwaltliche Berufsrecht und dort habe ich mir die entsprechenden Vorschriften angesehen und eben geguckt, ob es da Restriktionen gibt, einfach mit digitaler Arbeitsweise. Ich erkläre gerne an einem Beispiel, weil es dann plastischer wird. Also zum Beispiel gibt es im anwaltlichen Berufsrecht die Vorgabe, ein Kanzleischild vorzuhalten. Und wenn man sich denkt, eine virtuelle Sozietät, die erstmal kein analoges Schild wahrscheinlich irgendwo hat, da könnte es einfach Probleme geben, vielleicht, und dann was eben meine Aufgabe, aus Verfassungsrecht kommend und auch eben dann als besonderen Teil des öffentlichen Rechts, das anwaltliche Berufsrecht, angesehene Normen, Konstruktionen einfach zu anschauen: Kann man da irgendwas noch auslegen oder sieht man Reformbedarf bei gewissen Vorschriften? Und das habe ich eben punktuell für ganz verschiedene Themen mir angesehen.

Alisha: Und wie ist es beim Kanzleischild? Ich muss jetzt die ganze Zeit darüber nachdenken.

Christina: Sehr schön. Ja, ich habe tatsächlich mir gedacht, wenn man sagt von Sinn und Zweck, dass es wichtig ist, dass die Personen aufmerksam werden auf Rechtsberatung, und dass das ja quasi das Schild verkörpern soll, dass ich durch die Straße gehe und mir denke, ich habe eine Rechtsfrage und dann auf das Schild gucke und dann in die Kanzlei gehe, so meine ich ist die Theorie dahinter und heutzutage, meine ich, ist der Blick aufs Schild eher der Vorgang, nämlich dass ich mir eine Suchmaschine meiner Wahl nehme und dort ein Stichwort eingebe. Deswegen meine ich, müsste man das heutzutage so sehen, dass wenn die Kanzleien dort verzeichnet sind, dass das ja quasi diesem Sinn und Zweck entspricht, aber der Wortlaut ist schon schwierig. Also da glaube ich, stößt man schon noch an eine Grenze, zumindest in meinem damaligen Forschungsstand.


Jura auf dem zweiten Bildungsweg

 

Alisha: Sehr spannend, vielleicht also tatsächlich Regulierungsbedarf. Ich habe mich gerade gefragt, ob man analog sagen müsste, dass es damit eine Verpflichtung gibt, bei Suchmaschinen Werbung zu betreiben. Weil so eine Listung wäre ja gleichbedeutend mit "es existiert eine Kanzlei irgendwo, aber sie wird nicht aktiv beworben". Also sehr, sehr spannendes Thema, auf jeden Fall aber an der Stelle natürlich ein Aufruf für alle, die sich damit näher beschäftigen wollen, von dir die Doktorarbeit zu lesen, da sind ja noch einige andere Themen beleuchtet worden und ich glaube du warst wirklich einer der ersten, die das gemacht haben... die zweite warst du? Also Christina hat mir gerade eine 2 angezeigt, das ist mir jetzt nicht einfach so in den Sinn gekommen, ja siehst du, also auf jeden Fall sehr, sehr früh mit dabei, das ist definitiv eine Leistung. Du hast vorhin auch erzählt, du hast selber ursprünglich mal die Realschule besucht und hast eigentlich Abitur, das Jurastudium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und es gibt so wenig Leute die diesen Weg gehen und dann am Ende promovieren. Das ist finde ich schon, irgendwie was besonderes - also leider etwas besonderes noch. Wie empfindest du das? Ist das für dich auch irgendwie manchmal eine heftige Sache? Wie bist du stolz da drauf, wie feiert deine Familie das?

Christina: Ja, also das ist natürlich schon, manchmal merkt man das schon, also man ist in gewisser Weise anders sozialisiert und da waren vielleicht andere Themen, die man besprochen hat. Also, das war natürlich jetzt nicht, dass man über eine juristische Auslegung oder ein derartiges am Abendbrottisch gesprochen hat, aber ich habe es noch nie als Nachteil angesehen, sondern es hilft mir zum Beispiel auch ganz viel, wenn ich jetzt auch wieder in meiner Tätigkeit zum Beispiel Sachen formuliere, die für Nichtjuristen, Nichtjuristinnen gedacht sind, ja, dass ich auch mir überlege, wie würde ich es daheim erklären  und das ist mir auch so wichtig. Das habe ich an mir auch festgestellt, dass wenn ich die kompliziertesten Zusammenhänge runterbrechen kann, dass es meine Familie versteht, dann habe ich sie auch selber verstanden und wenn ich mich in Floskeln verirre, dann habe ich es vielleicht nicht ganz verstanden, deswegen hat mir das immer wahnsinnig geholfen, und ja, also, ich habe das nie als Nachteil empfunden. Natürlich muss man sich manches, zum Beispiel im Bereich Netzwerke, selber aufbauen. Das ist klar, aber es hat mich nie irgendwie massiv beeinträchtigt, aber stolz macht es mich auf jeden Fall und meine Familie ist auch stolz.

Alisha: Ja, das glaube ich dir, ich finde das immer erstaunlich, ich höre das immer mal wieder so von anderen, die aus so Juristenfamilien kommen, die das wirklich so mit in die Wiege gelegt bekommen haben, die dann sagen "Ja und meine Mutter war schon eine ganz erfolgreiche Rechtsanwältin und früher war hier schon der Deutsche Juristinnenbund bei uns.... ist ein- und ausgegangen" oder "mein Vater ist Richter gewesen und hat uns immer kleine Fälle gestellt, damit wir schon mal selber drüber nachdenken können und so". Und wenn man das nicht hat - also das ist ja jetzt kein massiver Nachteil, wenn man das nicht hat - aber es wird mir schon immer mal wieder bewusst, dass es große Unterschiede gibt und dass man natürlich dann auch immer ganz anders noch mal an Dinge herangeht. Was du gerade beschrieben hast das zugänglich machen, zugänglich kommunizieren, das ist natürlich aus meiner Legal Design sich sowieso total schön, also du hast quasi Legal Design mit aufgesaugt und aufgenommen und nutzt das jetzt in deiner Tätigkeit, um die Dinge zugänglicher zu machen, absolut bewundernswert und trotzdem muss ich dich noch mal fragen, wie du überhaupt da hingekommen bist, denn wenn wir jetzt mal schauen, dass du eigentlich im Legal Tech Bereich, ja quasi ein Stern am Himmel warst... bereits mit deiner Doktorarbeit - und da muss man auch noch dazu erwähnen: du hast eine sehr gut laufende social Media Präsenz - also als Law-Fluencerin bist du super aktiv und hast da glaube ich einige Leute tatsächlich geinfluenced... also eigentlich war irgendwie klar: Christina Maria Leeb, Legal Tech Privatwirtschaft, die wird da irgendwas Großes reißen und dann hast du aber irgendwie der Privatwirtschaft den Rücken gekehrt und bist jetzt vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich in die Justiz gegangen, was vielleicht ein bisschen einleuchtender ist, wenn man deinen Werdegang jetzt generell kennt. Das ist mir durchaus auch klar und trotzdem interessiert es mich natürlich. Was hat dich dazu letztlich gebracht, so wie bist du dazu gekommen, zurückzukehren in die Justiz?

Christina: Ja ich kann's wirklich nur so beantworten, dass ich meinem Herzen gefolgt bin. Tatsächlich dachte ich auch, dass es so wird, dass ich in die Privatwirtschaft gehe oder vielleicht auch in die Wissenschaft. Also ich hatte mir beides auch wirklich gut vorstellen können und war dann im Referendariat und dann hat es mich gepackt, also das war wirklich unerwartet, auch für mich, da kam irgendwie alles wieder, was ich mich je als kleines Mädchen erfreut hat, so irgendwie gefühlsmäßig, und das ist bis heute geblieben, wenn ich in den Gerichtssaal gehe, das ist unbeschreiblich und bis heute muss ich mich ja gut zusammenreißen, dass ich hier nicht emotional werde, weil das wirklich einfach, ja dann so von ganz innen heraus irgendwie ein Gefühl war und dem bin ich dann nach gegangen.

Alisha: Also ich finde das irgendwie total schön, du hast auch im Vorgespräch schon gesagt, so Tag eins im Referendariat und man fängt ja wirklich an der Zivilstation am Amtsgericht oder Landgericht an und so Tag eins im Referendariat und es war klar ich muss hier wieder zurück.

Christina: Ja, ja, genau so war es und habe einfach auch super Ausbilder gehabt, und das war dann irgendwie so, dass ich mir gedacht habe, ich muss das für mich verifizieren. Vielleicht ändert sich es wieder, aber es hat sich nicht bisher nicht geändert. Nicht im Ansatz. Und ja, ich mach das wirklich mit großer Leidenschaft.


Alltag und Routinen am Amtsgericht Passau

 

Alisha: Du bist jetzt ungefähr sieben Monate beim Amtsgericht Passau als Richterin tätig, also noch relativ frisch, trotzdem ja, also Probezeit-Territory ist aus privatwirtschaftlicher Sicht jetzt vorbei, aber trotzdem eben noch frisch dabei, noch sehr begeistert, was hoffentlich auch so bleibt, natürlich. Erzähl mal, wie dein Alltag generell so aussieht, also auch gerne wie war es ganz am Anfang, wie ist es jetzt und was machst du so?

Christina: Gerne. Also der Alltag, der hat sich da gar nicht so verändert, man wird nur routinierter. Also es ist in zwei große Blöcke einzuteilen. Das eine ist wenn es halt ein klassischer Bürotag ist, sag ich jetzt mal, dann bearbeitet man seine Akten, hat eben Austausch mit Kollegen, Kolleginnen der Geschäftsstelle und ja, auch mit natürlich anderen Mitarbeitenden und schaut halt, dass man auch seine Sitzungen vorbereitet und nachbereitet zum Beispiel und dann eben als anderer zweiter großer Block, die Sitzungstage, wo man eben verhandelt. Das unterscheidet sich natürlich im Wesentlichen ob man im Gerichtssaal ist oder in seinem Büro und ja... Verhandlung, glaube ich, ist selbst erklärend. Man leitet die Verhandlungen. Ich bin ja am Amtsgericht, dann mache ich das auch alles alleine und ja, schaue da, wie man vielleicht auch zu einer gütlichen Einigung kommt. Oder er hat Beweisaufnahme mit Zeugen, Sachverständigen zum Beispiel. Und ja, schaut eben, wie man vielleicht auch Interessen zusammenbringen kann.

Alisha: Und wie war das für dich jetzt ganz am Anfang? Ich mein, du bist ja irgendwie schon mal an der Justiz gestartet, vielleicht hast du dadurch auch schon einen kleinen Vorteil gehabt im Gegensatz zu anderen Leuten, die halt noch nie wirklich praktisch gearbeitet haben in der Justiz. Trotzdem, wie ist es ganz am Anfang, wenn du dann wirklich auf dich alleine gestellt wirst? Ich stelle mir das schon irgendwie aufregend und auch ein bisschen beängstigend vor wenn ich jetzt so die eine Person bin, die irgendwie entscheiden soll und dann kriegst du da, weil es ja Amtsgericht ist, ja auch echt ordentlich viele Akten. Wie ist denn das für dich gewesen?

Christina: Ja du beschreibst es richtig. Also man ist natürlich auch erst mal aufgeregt, aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass man als Rechtsanwalt, Rechtsanwältin aufgeregt ist, wenn man das erste mal in eine Verhandlung geht. Deswegen, ich glaube das vereint uns alle beim Berufseinstieg oder auch im Unternehmen oder sonst wo. Ich glaube, das ist ganz gleich. Und ja, natürlich ist da auch noch mal so eine besondere Herausforderung, wenn man auch man natürlich alles leiten muss, sozusagen, oder darf, aber ja, das hatten wir natürlich schon, also wir hatten es anfangs ein bisschen auch schon besprochen gehabt, dass mir der Einstieg durch die Tätigkeit in der Justiz schon erleichtert wurde, aber natürlich muss man schon sagen, das Referendariat bereitet einen schon sehr gut vor. Zum Beispiel lernt man ja auch, wie man ein Urteil schreiben muss, also das bereitet einen schon gut vor. Was natürlich neue Sachen sind, sind taktische Themen, also organisatorische Dinge, beispielsweise wie wann lade ich Zeugen oder so, das lerne ich nicht im Referendariat. Das ist aber auch kein Thema, weil man hat Kollegen, Kolleginnen, gute Literatur, um sich das anzueignen und vor allem auch die Berufserfahrung, die dann einfach auch kommt. Man probiert Sachen aus, das ist, glaube ich, überall so, und ja, das ist natürlich herausfordernd, aber man gewöhnt sich auch relativ schnell auch daran und das ist dann auch relativ schnell Routine, wenn man eben - wie du sagst - auch viele Verfahren hat am Amtsgericht. Ich habe zwei Sitzungstage in der Woche. Also das eine ist ein Freitag, also nicht ganz bis zum Ende des Tages, aber doch eineinhalb Tage quasi durch in der Woche und da kriegt man einfach so viel Routine durch die Tätigkeit als solche und erlebt natürlich auch immer wieder neue Dinge und dann geht es eigentlich ganz gut, dass man irgendwann die Nervosität auch im Griff hat.

Alisha: Ja du lässt das jetzt so leicht aussehen, aber vielleicht ist es ja auch tatsächlich so und die Ängste sind sicherlich total normal und wie du sagst, man hat natürlich in jedem Job, den man neu anfängt, irgendwie so das Gefühl, vielleicht erst mal am Anfang überschwemmt zu sein oder nicht so richtig zu wissen, wie alles läuft und dann macht man das ein paar mal und das geht dann plötzlich total easy.

Christina: Genau und noch ergänzend ist auch ganz wichtig, dass wir wirklich - und das muss man auch noch mal betonen - bei der Justiz auch wirklich sehr, sehr gute Fortbildungsmöglichkeiten haben. Also man wird natürlich in gewisser Weise wie überall ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen. Ist normal, aber unsere Ausbildung ist ja auch sehr lang, irgendwann muss es mal losgehen, aber da kann ich echt sagen, wir haben super Trainings gehabt und haben das immer noch. Also es gibt wahnsinnig tolle Fortbildungsangebote, die man da wahrnehmen kann zu allen möglichen Bereichen oder auch gerade Einführungslehrgänge tatsächlich so die Art richterliche Praxis und da habe ich wahnsinnig viel auch noch mal gelernt.


Nutzung von Legal Tech in der Justiz

 

Alisha: Und jetzt, wo du also wieder bei der Justiz bist, hast du Legal Tech jetzt etwa komplett den Rücken zugedreht oder siehst du vielleicht sogar Möglichkeiten deines Skills hier einzubringen? Stichwort auch Digitalisierung der Justiz. Gibt es da für dich Möglichkeiten?

Christina: Ja zum Glück. Also den Rücken zukehren kann ich Legal Tech nicht, dafür liebe ich das zu sehr. Also ganz praktisch jetzt bei meiner Arbeit, ich verhandle natürlich auch per Video, das ist auch sehr schön, da dazu zu lernen und auch die neuen Rechtsfragen mit zu beantworten oder auch publizistisch dann in meiner Freizeit zu behandeln, das ist ja auch nach wie vor ein Hobby von mir, das ist so das ein. Das andere ist, dass man eben fachliche Themen mitbegleitet, wie du sagtest, Digitalisierungsthemen, auch über Video hinaus, natürlich, wo man im austauschenden Diskurs ist. Also ich durfte mit zwei Kollegen aus Köln zur digitalen Richterschaft hinzugehen, so nennen wir uns, und wir schaffen ein Forum innerhalb der Justiz, aber auch im Austausch, ganz wichtig auch mit anderen Professionen, dass wir uns über solche Themen austauschen, wo wir auch schon zum Beispiel einen Vortrag hatten über Virtual Reality im Gerichtssaal und da tauschen wir uns dann aus und haben Fachvortrag und Diskussion eben und deswegen kann ich das sehr, sehr gut vereinen.

Alisha: Okay, ja ich meine mich zu erinnern, dass sie auch neulich beim eJustice Cup den dritten Platz gewonnen habt mit eurer Idee, die ja auch darum ging, wie man vielleicht mit Tools die richterliche Arbeit erleichtern könnte. Also siehst du da noch Möglichkeiten dich damit einzubringen?

Christina: Ja absolut.

Alisha: Das ist doch sehr gut. Dann bin ich eigentlich schon ziemlich weit am Ende angekommen und frage dich noch mal, was wünscht du dir denn für die Justiz in Zukunft, wo du ja schon einiges jetzt gesehen hast? Also du bist ja eigentlich schon echt lange mit dabei, du kannst also vielleicht auch beurteilen, was sich getan oder noch nicht getan hat in der Zeit. Was wünscht du dir für die Zukunft?

Christina: Also mein ganz großer und übergreifender Wunsch wäre, dass wir im Diskurs bleiben, das sage ich jetzt deswegen, weil es mir so wichtig ist, dass wir eben die Entwicklungen verfolgen. Und zwar eben, wie gesagt, auch im Austausch mit allen anderen Professionen, die daran beteiligt sind. Ich habe zum Beispiel eben in der Doktorarbeit die Tätigkeit der Anwaltschaft beleuchtet und Anwaltschaft geht nicht ohne Justiz genauso wie Justiz nicht ohne Anwaltschaft geht. Und das ist so wichtig, dass wir einfach im Austausch immer bleiben und das wäre mein ganz großer übergreifender Wunsch, dass wir halt nach wie vor offen sind für die Diskussionen und die auch ganz aktiv führen.

Alisha: Siehst du, dass es da momentan noch ein bisschen dran hakt?

Christina: Ja, manchmal ist natürlich auch eine Gefahrgeneigtheit da, dass man in seiner Profession bleibt. Es geht allen anderen auch so, aber das ist dann wiederum zu sehen, dass es so gewinnbringend und positiv ist, wenn man eben das anders macht und deswegen sehe ich da schon sehr, sehr positive Ansätze in diese Richtung, in vielen Konferenzen auch, die sich öffnen und natürlich muss man auch natürlich Räume schaffen, wo man vielleicht auch mal in seiner intradisziplinären Bubble bleibt - alles gut - aber halt eben nicht nur.


Outro

 

Alisha: Da hast du eigentlich auch eine gute Möglichkeit, das mitzugestalten, denn du warst schon an den verschiedensten Stellen tätig und hast viel schon gesehen von unterschiedlichen Perspektiven aus und ich bin sehr gespannt, in Zukunft zu sehen, was du zukünftig noch mit in den Diskurs einbringst aus der richterlichen Perspektive. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast heute. Es hat mir großen Spaß gemacht und ich wünsche dir noch einen wunderschönen Abend.

Christina: Ich danke dir ganz herzlich, es hat mir auch wahnsinnig viel Spaß gemacht und dir ebenso noch einen schönen Abend, liebe Alisha.


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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.