Alisha: Sehr spannend, vielleicht also tatsächlich Regulierungsbedarf. Ich habe mich gerade gefragt, ob man analog sagen müsste, dass es damit eine Verpflichtung gibt, bei Suchmaschinen Werbung zu betreiben. Weil so eine Listung wäre ja gleichbedeutend mit "es existiert eine Kanzlei irgendwo, aber sie wird nicht aktiv beworben". Also sehr, sehr spannendes Thema, auf jeden Fall aber an der Stelle natürlich ein Aufruf für alle, die sich damit näher beschäftigen wollen, von dir die Doktorarbeit zu lesen, da sind ja noch einige andere Themen beleuchtet worden und ich glaube du warst wirklich einer der ersten, die das gemacht haben... die zweite warst du? Also Christina hat mir gerade eine 2 angezeigt, das ist mir jetzt nicht einfach so in den Sinn gekommen, ja siehst du, also auf jeden Fall sehr, sehr früh mit dabei, das ist definitiv eine Leistung. Du hast vorhin auch erzählt, du hast selber ursprünglich mal die Realschule besucht und hast eigentlich Abitur, das Jurastudium auf dem zweiten Bildungsweg gemacht und es gibt so wenig Leute die diesen Weg gehen und dann am Ende promovieren. Das ist finde ich schon, irgendwie was besonderes - also leider etwas besonderes noch. Wie empfindest du das? Ist das für dich auch irgendwie manchmal eine heftige Sache? Wie bist du stolz da drauf, wie feiert deine Familie das?
Christina: Ja, also das ist natürlich schon, manchmal merkt man das schon, also man ist in gewisser Weise anders sozialisiert und da waren vielleicht andere Themen, die man besprochen hat. Also, das war natürlich jetzt nicht, dass man über eine juristische Auslegung oder ein derartiges am Abendbrottisch gesprochen hat, aber ich habe es noch nie als Nachteil angesehen, sondern es hilft mir zum Beispiel auch ganz viel, wenn ich jetzt auch wieder in meiner Tätigkeit zum Beispiel Sachen formuliere, die für Nichtjuristen, Nichtjuristinnen gedacht sind, ja, dass ich auch mir überlege, wie würde ich es daheim erklären und das ist mir auch so wichtig. Das habe ich an mir auch festgestellt, dass wenn ich die kompliziertesten Zusammenhänge runterbrechen kann, dass es meine Familie versteht, dann habe ich sie auch selber verstanden und wenn ich mich in Floskeln verirre, dann habe ich es vielleicht nicht ganz verstanden, deswegen hat mir das immer wahnsinnig geholfen, und ja, also, ich habe das nie als Nachteil empfunden. Natürlich muss man sich manches, zum Beispiel im Bereich Netzwerke, selber aufbauen. Das ist klar, aber es hat mich nie irgendwie massiv beeinträchtigt, aber stolz macht es mich auf jeden Fall und meine Familie ist auch stolz.
Alisha: Ja, das glaube ich dir, ich finde das immer erstaunlich, ich höre das immer mal wieder so von anderen, die aus so Juristenfamilien kommen, die das wirklich so mit in die Wiege gelegt bekommen haben, die dann sagen "Ja und meine Mutter war schon eine ganz erfolgreiche Rechtsanwältin und früher war hier schon der Deutsche Juristinnenbund bei uns.... ist ein- und ausgegangen" oder "mein Vater ist Richter gewesen und hat uns immer kleine Fälle gestellt, damit wir schon mal selber drüber nachdenken können und so". Und wenn man das nicht hat - also das ist ja jetzt kein massiver Nachteil, wenn man das nicht hat - aber es wird mir schon immer mal wieder bewusst, dass es große Unterschiede gibt und dass man natürlich dann auch immer ganz anders noch mal an Dinge herangeht. Was du gerade beschrieben hast das zugänglich machen, zugänglich kommunizieren, das ist natürlich aus meiner Legal Design sich sowieso total schön, also du hast quasi Legal Design mit aufgesaugt und aufgenommen und nutzt das jetzt in deiner Tätigkeit, um die Dinge zugänglicher zu machen, absolut bewundernswert und trotzdem muss ich dich noch mal fragen, wie du überhaupt da hingekommen bist, denn wenn wir jetzt mal schauen, dass du eigentlich im Legal Tech Bereich, ja quasi ein Stern am Himmel warst... bereits mit deiner Doktorarbeit - und da muss man auch noch dazu erwähnen: du hast eine sehr gut laufende social Media Präsenz - also als Law-Fluencerin bist du super aktiv und hast da glaube ich einige Leute tatsächlich geinfluenced... also eigentlich war irgendwie klar: Christina Maria Leeb, Legal Tech Privatwirtschaft, die wird da irgendwas Großes reißen und dann hast du aber irgendwie der Privatwirtschaft den Rücken gekehrt und bist jetzt vor nicht allzu langer Zeit tatsächlich in die Justiz gegangen, was vielleicht ein bisschen einleuchtender ist, wenn man deinen Werdegang jetzt generell kennt. Das ist mir durchaus auch klar und trotzdem interessiert es mich natürlich. Was hat dich dazu letztlich gebracht, so wie bist du dazu gekommen, zurückzukehren in die Justiz?
Christina: Ja ich kann's wirklich nur so beantworten, dass ich meinem Herzen gefolgt bin. Tatsächlich dachte ich auch, dass es so wird, dass ich in die Privatwirtschaft gehe oder vielleicht auch in die Wissenschaft. Also ich hatte mir beides auch wirklich gut vorstellen können und war dann im Referendariat und dann hat es mich gepackt, also das war wirklich unerwartet, auch für mich, da kam irgendwie alles wieder, was ich mich je als kleines Mädchen erfreut hat, so irgendwie gefühlsmäßig, und das ist bis heute geblieben, wenn ich in den Gerichtssaal gehe, das ist unbeschreiblich und bis heute muss ich mich ja gut zusammenreißen, dass ich hier nicht emotional werde, weil das wirklich einfach, ja dann so von ganz innen heraus irgendwie ein Gefühl war und dem bin ich dann nach gegangen.
Alisha: Also ich finde das irgendwie total schön, du hast auch im Vorgespräch schon gesagt, so Tag eins im Referendariat und man fängt ja wirklich an der Zivilstation am Amtsgericht oder Landgericht an und so Tag eins im Referendariat und es war klar ich muss hier wieder zurück.
Christina: Ja, ja, genau so war es und habe einfach auch super Ausbilder gehabt, und das war dann irgendwie so, dass ich mir gedacht habe, ich muss das für mich verifizieren. Vielleicht ändert sich es wieder, aber es hat sich nicht bisher nicht geändert. Nicht im Ansatz. Und ja, ich mach das wirklich mit großer Leidenschaft.