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Das Jurastudium – Erwartungen vs. Realität

Studium, Examen & Zusatzqualifikationen

Das Jurastudium – Erwartungen vs. Realität

Erfahrungen aus der Sicht zweier Jurastudenten...


#Studium

 


InterviewpartnerIn:

Charlotte K. und Simon U. studieren im vierten bzw. fünften Semester an der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz.

 

Wieso habt ihr euch für ein Jurastudium entschieden?

CK: Ich habe zuvor bereits ein anderes Studium absolviert, in dem ich Jura als Nebenfach hatte. Die Materie hat mich bereits da so sehr begeistert, dass ich ein Vollzeitstudium in Jura anschließen wollte.

SU: Ich hatte zwei Studiengänge zur Auswahl: Musikbusiness in Mannheim und Jura in Mainz. Letztlich habe ich mich mehr vom Studienort leiten lassen, wobei Jura aber keinesfalls nur eine Notlösung war.


 

Mit welchen Erwartungen seid ihr an das Studium herangegangen?

CK: (lacht) Dass es großartig wird! Und dass ich viel lernen und mich mit dem, was mich so begeistert hat, intensiv auseinandersetzen werde. Ich habe aber auch mit sehr viel und z.T. sehr schwierigem Stoff gerechnet, zumal man immer von der rigorosen Notenvergabe hört und dass das Jurastudium knallhart sei.

SU: Ich habe mich vorher ausführlich informiert und bin deshalb mit der Erwartung herangegangen, dass es auf jeden Fall schwer wird und man viel tun muss.


 

Wie gefällt euch das Studium soweit und welche Erwartungen haben sich bisher erfüllt?

CK: ES IST EPIC! Spaß beiseite, aber es ist tatsächlich noch besser als ich es mir vorgestellt habe und es begeistert mich nach wie vor. Ich bin allerdings davon ausgegangen, dass das Vollzeitstudium noch mehr ins Detail geht; oftmals werden einige Themen aber nicht sonderlich tiefgreifend bzw. nicht anhand von Fällen behandelt, z.B. in meinem Fall die Drittschadensliquidation. Das muss man sich dann einfach selbst aneignen, was durchaus zur intellektuellen Herausforderung werden kann. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Studium z.T. stark an der Praxis vorbeigeht. In meiner Sachenrechtsvorlesung wurden bspw. sehr komplexe und teilweise absurde Fälle besprochen, auf die sich laut Professorin die Praxis schon eingestellt hat. Mir ist aber klar, dass dieses Vorgehen den juristischen Scharfsinn schärfen soll und eine solche Komplexität bereitet mir auch eine Menge Spaß.

SU: Ich finde das Studium ebenso nach wie vor attraktiv, dennoch ist die Euphorie der Realität gewichen. Ich hatte z.B. nicht so viel Glück beim Korrektorenroulette; man kann trotz großem Arbeitsaufwand wenig Erfolg haben bzw. bei quasi gleicher Leistung doch sehr unterschiedliche Noten erhalten. Aber das ist wie das richtige Leben:

mal gewinnt man, mal verliert man. Man braucht durchaus einen langen Atem.

Ich war außerdem überrascht bis fast schon schockiert davon, wie viele Leute in den ersten Semestern im Hörsaal sind. Ich habe nicht damit gerechnet, dass Jura doch mittlerweile ein Massenstudiengang ist.
Enttäuscht bin ich übrigens vom lokalen Schwerpunktangebot. Ich habe ein großes Interesse an Medizin und Pharmazie und würde gerne deshalb auch juristisch etwas damit zu tun haben wollen: Versicherungsfragen, Arzthaftung etc. sind einfach spannend. Deswegen wechsel ich nun auch die Uni und gehe nach Marburg, die einen solchen Rechts-Schwerpunkt anbietet.


 

Welche Stärken und Schwächen seht ihr in dem Jura-Studiengang?

CK: Eine große Stärke liegt darin, dass es sich um ein doch sehr umfassendes Studium handelt, das viele Grundlagen für eine gute Allgemeinbildung bietet. Recht ist schließlich etwas lebendiges, es steht in Wechselwirkung mit Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur, also mit der Gesellschaft an sich. Es ist jedenfalls mehr als nur trockene juristische Prüfschemata. Außerdem lernt man logisches, systematisches und analytisches Denken, wobei hier auch die Gefahr des Tunnelblicks besteht. Deswegen muss stets die Motivation bestehen, auch einmal über den Tellerrand zu schauen.

SU: Das Jurastudium beeinflusst die Arbeitshaltung und macht robust. Man lernt Anstrengungen auf sich zu nehmen, denn ohne Fleiß, kein Preis – und trotzdem kann etwas schief gehen. Andere Studiengänge gewähren bessere Noten bei harter Arbeit. Bei Jura ist deshalb Kontinuität gefragt, man muss konstant am Ball bleiben.
Allerdings ist der Studiengang absolut nicht praxisrelevant. Man muss Meinungsstreitstände lernen, die in der Rechtsprechung seit Jahren obsolet sind. Man lernt also viel auswendig, was man letztlich doch nicht braucht. An sich macht es ja schon Sinn, aber vielleicht könnte man sinnvollere und aktuellere Rechtsstreitigkeiten lehren.


 

Magst du denjenigen, die noch in der Studienwahl stecken, etwas auf dem Weg geben?

CK: Jura muss man wollen, sonst wird es ein schwerer Weg.

SU: Macht euch vorher schlau, was das Studium zu bieten hat und von euch fordert: Infoveranstaltungen, Probevorlesungen, YouTube-Blogs etc.; lest auch mal ein Urteil. Und seid auf jeden Fall ehrlich zu euch selbst: Glaubt ihr, ihr seid dafür geeignet?

 

10. Oktober 2016


Sebastian M. Klingenberg

Autor:

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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