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Erfahrungsbericht: Wie ist es, seine Wahlstation in Seattle zu verbringen?

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Erfahrungsbericht: Wie ist es, seine Wahlstation in Seattle zu verbringen?

6 Fragen an... Kathleen Schulze, die den Schritt nach Seattle gewagt hat

#Interview  #Ausland

Raus aus dem verstaubten deutschen Gerichtssaal, ab in die weite Welt! Viele Referendare spielen mit dem Gedanken, für die Wahlstation ins Ausland zu gehen, doch viele hält die Ungewissheit zurück. Kathleen hat den großen Schritt gewagt und die Wahlstation in den USA in Seattle verbracht. Ihre Erfahrungen und Tipps teilt sie im TalentRocket Interview!

 

In unserer Serie „6 Fragen an...“ erzählen dir Referendare wie Kathleen, wie sie den Schritt ins Ungewisse gewagt haben und teilen ihre Erfahrungen und Empfehlungen. Kathleen ist 30 Jahre alt und kommt aus München.

 

Erzähl mal: wo hat es dich in deiner Wahlstation im Ausland hinverschlagen und was war dein Aufgabengebiet?

Ich habe meine Wahlstation in Seattle bei der King County Bar Association, beim Housing Justice Project absolviert.

Das HJP ist eine gemeinnützige Organisation, die Menschen hilft, die kurz vor einer Zwangsräumung stehen. Ich habe dabei den Erstkontakt mit den Mandanten aufgenommen, indem ich den Sachverhalt aufgenommen und sie gegebenenfalls weiter über die Umstände der Räumung, Kündigung und der Wohnung befragt habe. Danach wurde dem Mandanten ein Anwalt zugeteilt, den ich über alle Umstände, vor allem auch die relevanten juristischen, unterrichten musste. Ich durfte dann meist bei den Beratungsgesprächen dabei sein; und wenn ein Schriftsatz an das Gericht erstellt werden musste, durfte ich dies tun.

Häufig kamen die Mandanten an dem Tag ihrer Anhörung vor Gericht zu uns, so dass man die Beratung häufig zügig durchführen musste, da diese Fälle in der Regel nur vormittags angehört werden. Ich durfte dann im Anschluss bei den Verhandlungen mit der gegnerischen Seite anwesend sein, durfte zum Teil die Schriftsätze für das Gericht und die Gegenseite vorbereiten, und ebenso an den Gerichtsterminen teilnehmen. Da ich der erste internationale Praktikant war, durfte ich darüber hinaus noch andere gemeinnützige Projekte von der King County Bar Association kennenlernen.

Zudem musste ich ein Essay schreiben und darin das deutsche Mietrecht mit dem Mietrecht von dem Staat Washington, insbesondere King County und Seattle vergleichen.

 

Wie bist du dazu gekommen deine Anwaltsstation/WahlstationimAuslandzu absolvieren? Was hat dich besonders an so einer Erfahrung gereizt?

Ich war zuvor während des Studiums noch nicht im Ausland und wollte dies damit nachholen. Außerdem hat mich ein Aufenthalt in den USA gereizt.

 

War es schwierig eine ausländische Kanzlei/öffentliche Institution zu finden, die dich für 3 Monate aufnimmt?

Ich habe mich bewusst für gemeinnützige Organisationen entschieden, da ich wusste, dass es so etwas wie Prozesskostenhilfe in den USA nicht gibt und Rechtsanwälte diese Fälle meist nur im Rahmen ihrer pro bono Verpflichtung annehmen.

Viele meiner Bewerbungen blieben unbeantwortet; auch gab es zahlreiche Absagen, da es genügend Praktikanten aus den Law Schools vor Ort gab. Der gemeinnützige Sektor ist bei vielen Jurastudenten sehr beliebt; allerdings gibt es wenige offene Stellen.

Die Dauer von 3 Monaten war jedoch kein Problem, da die Studenten in ihren Sommerferien für etwa die gleiche Dauer ein Praktikum machen; übrigens auch fast zur gleichen Zeit (zwischen Mai und August/September).

 

Um welche Erfahrungen bist du durch diesen Auslandsaufenthalt reicher geworden, was ist dir eher schwer gefallen?

Ich habe Freunde gewonnen und habe ihnen während meiner Zeit in den USA gesagt, ich möchte alles „amerikanische“ ausprobieren und alles, was möglich ist, erleben. Und so war es dann auch. Ich bin dankbar, dass sie alles mit mir mitgemacht haben.

Schwieriger bzw. auch sehr nervig waren die öffentlichen Verkehrsmittel. Amerika ist da wirklich schlecht aufgestellt. Und so war es auch in Seattle. Man hat mir gesagt, ich kann mich glücklich schätzen, da Seattle zumindest öffentliche Verkehrsmittel hat; auch wenn es nur Busse gibt. Außerdem ist es sehr laut und chaotisch. Großstadt eben. In München ist man da ja eher verwöhnt und kennt solche Lautstärken in der Innenstadt nicht.

Natürlich war die Umstellung auf das tägliche Englisch, vor allem auch die Fachbegriffe, am Anfang eher holprig und ab und an war auch der ein oder andere Dialekt dabei. Aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.

 

Was würdest du Referendaren raten, die daran denken ihre Anwaltsstation/Wahlstation ebenfallsimAuslandzu absolvieren?

Sie sollten es auf jeden Fall tun!

Kathleen's Tipp: Ich habe mich relativ spät beworben und dasVisa-Verfahrenhat sich extrem hingezogen. Daher würde ich den Referendaren raten, alles rechtzeitig zu erledigen. Aber gleichzeitig sollten sie sich auch keine allzu großen Sorgen machen, wenn sie ein bisschen spät dran sind, denn es klappt letztlich doch alles. Ich habe mein Visum 2 Tage vor meiner Abreise erhalten.

Und natürlich sollten sie versuchen, mit Einheimischen in Kontakt zu treten. Ich weiß von Freunden, die häufig nur mit deutschen Praktikanten oder Referendaren Kontakt hatten. Das war vor allem in New York so, da dort natürlich erfahrungsgemäß viele Referendare ihre Wahlstation absolvieren.

Ich persönlich fand es als eine der besten Erfahrungen mit Leuten aus Seattle, dem Rest der USA oder auch aus Mexiko Bekanntschaft gemacht zu haben.

 

Wenn du deine Wahlstation nicht in Seattle absolviert hättest, wohin wärst Du sonst gerne gegangen?

Ich hatte mich ebenso an der Ostküste beworben und wäre dort auch gern hin. New York wäre auch in Frage gekommen, doch kannte ich New York bereits und die Lebenshaltungskosten in New York sind einfach derart hoch, dass es mich leicht abgeschreckt hat. San Francisco war eines meiner besten Reiseerlebnisse, so dass ich mir nun wünsche, ich hätte mich dort auch beworben.

 

Was sollte man in Seattle auf keinen Fall verpassen?

Seattle hat viele wunderschöne Grünflächen! Eines der Sightseeing Highlights in Seattle ist zum Beispiel die University of Washington. Am Besten geht ihr da im Frühling hin, wenn die Kirschblüten blühen! Ein Besuch lohnt sich aber auch sonst, weil die Uni an sich einfach sehr schön ist. Dann gibt es noch den Pike Place Market und den Kerry Park, der auch perfekt für Fotos ist. Ich mochte auch sehr den Gas Works Park und Golden Gardens Park! Eine Sache, die ich leider nicht gemacht habe, war die Wal Tour. Von Seattle aus kann man auf die Juan Islands fahren und Wale beobachten. Ich bin mir sicher, das wäre toll gewesen!

 

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Checkliste Wahlstation im Ausland: Was muss ich beachten?

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29. September 2014

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