LegalTech PwC

Veröffentlicht am 15.05.2023

Wie Skillset und Mindset den Wandel in der Rechtsbranche vorantreiben

Katharina Prüfert und Dr. Paul Bäder von PwC im Interview

PwC Legal – das sind mehr als 250 Anwält:innen an 18 deutschen Standorten. Das weltweite Netzwerk von PwC zählt sogar über 3.500 Rechtsanwält:innen, die in mehr als 100 Ländern tätig sind. Als Full-Service Wirtschaftskanzlei und in Zusammenarbeit mit dem gesamten globalen PwC Netzwerk betreuen sie die Projekte ihrer Mandanten vollumfänglich. 

Katharina Prüfert ist seit vier Jahren bei der PwC Legal als Manager zuständig für Legal Tech und Legal Operations.

Dr. Paul Bäder arbeitet nun seit knapp vier Jahren bei PwC Legal als Senior Manager im Bereich Litigation & Arbitration am Standort Frankfurt. Gemeinsam mit Stefan Gentzsch hat er den Bereich in Frankfurt aufgebaut. Inzwischen zählt das Team insgesamt 12 Rechtsanwält:innen.

Katharina Prüfert und Dr. Paul Bäder
Katharina Prüfert und Dr. Paul Bäder

Frau Prüfert, Sie sind seit mehr als vier Jahren bei PwC tätig und befassen sich dort mit der Umsetzung digitaler Projekte für Jurist:innen. In welchem Fachbereich arbeiten Sie und inwiefern spielt LegalTech in Ihrem Arbeitsalltag eine Rolle?

Katharina Prüfert: PwC hat hier einen eigenen, von den Praxisgruppen losgelösten, Fachbereich, der sich mit der Umsetzung von Legal Tech und Legal Operations beschäftigt. Insofern ist Legal Tech der Mittelpunkt meines Arbeitsalltags, d.h. ich spreche mit den Kolleg:innen aus den Fachbereichen, um gemeinsam mit ihnen bedarfsgerechte Legal Tech Lösungen in ihre Mandate zu integrieren.
 

Sind die Strukturen bezüglich LegalTech bei PwC Ihrer Ansicht nach weiter fortgeschritten als bei anderen Kanzleien? Welche Vorteile ergeben sich hieraus für Ihre Arbeit bzw. die Arbeit Ihrer Kolleg:innen?

Katharina Prüfert: Wir gehören in jedem Fall zu den Kanzleien, die sich schon längere Zeit mit dem Thema beschäftigen und bereits Prozesse etabliert haben. So setzen wir nicht nur seit Jahren konsequent auf den Einsatz von Technologie, sondern bilden unsere Mitarbeiter:innen auch gezielt in diesem Bereich aus. Mit der eigens gegründeten Abteilung Legal Operations können wir die Rechtsanwält:innen dabei unterstützen, neue Software einzuführen oder eigene IT-Lösungen zu entwickeln. Zudem verknüpfen wir Rechtsberatung mit Methoden und Werkzeugen aus anderen Disziplinen wie Data & Analytics, Künstlicher Intelligenz (KI) und Operations.

Durch den Einsatz verschiedener Technologien verbessern wir die Leistungen für unsere Kunden sukzessive. Für unsere Anwält:innen bedeutet das unter anderem, dass langwierige Prozesse enorm beschleunigt und viele Schritte vollautomatisiert bearbeitet werden können. Unsere Kolleg:innen können sich dadurch noch stärker darauf konzentrieren, Strategie und rechtliche Argumentation auszuarbeiten und laufend anzupassen. Auf diese Weise – und durch unsere interdisziplinären Services – helfen wir unseren Mandanten, den Spagat zwischen steigender Komplexität und gleichzeitigem Kostendruck zu meistern.
 

LegalTech streckt sich bei PwC über verschiedene Praxisgruppen hinweg. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit intern und welche Abläufe sind hierfür nötig?

Katharina Prüfert: Innerhalb der jeweiligen Praxisgruppen bzw. Fachbereiche gibt es aufgrund der fachlichen Expertise und der unterschiedlich zu betreuenden Industrien und Sektoren diverse Bedarfe, die abgestimmt und priorisiert werden müssen.

Neben der Zusammenarbeit der Praxisgruppen ist einer der wesentlichen Vorteile innerhalb des PwC Netzwerkes, dass auch innerhalb der unterschiedlichen Gesellschaften ein Austausch stattfindet; so gibt es zusätzlich Taskforces und Business Development Groups, die Legal Tech in ihre Services integrieren. Wichtig ist hier ein Miteinander und natürlich ein ganzheitliches Mandatsverständnis.

"Join our community of solvers."

Ich habe durch Legal Tech die Möglichkeit, in unterschiedlichen juristischen Disziplinen tätig zu sein, darüber hinaus kann ich Projekte steuern und begleiten und so den Rechtsanwält:innen helfen, die Mandatsbearbeitung zu verbessern.
Katharina Prüfert

Herr Dr. Bäder, Sie sind als Senior Manager bei PwC für die Praxisgruppe Litigation & Arbitration in Frankfurt verantwortlich. Wie würden Sie Ihre Tätigkeit beschreiben?

Dr. Paul Bäder: Zum einen umfasst meine Tätigkeit die “klassische” Arbeit eines Prozessanwalts, das heißt die Vertretung unserer Mandanten in großen Verfahren vor staatlichen Gerichten und Schiedsgerichten im In- und Ausland mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Aber auch die laufende, präventive und projektbezogene Beratung unserer Mandanten gehört dazu. Dabei arbeiten wir bei PwC nicht nur eng mit unseren Legal-Kolleg:innen in anderen Bereichen zusammen, sondern darüber hinaus auch interdisziplinär – beispielsweise mit unseren Steuerexpert:innen oder den Kolleg:innen von Forensic Services. Einen weiteren Schwerpunkt meiner persönlichen Tätigkeit bildet die Zusammenarbeit mit unseren IT- und LegalTech-Expert:innen, mit deren Unterstützung wir maßgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Anwendungsfälle entwickeln.
 

Welche eigenen Tools bzw. Programme sind bereits fester Bestandteil bei PwC? Wie läuft ein solcher Entwicklungsprozess ab?

Dr. Paul Bäder: Für einen gesamten Überblick über alle Tools und Lösungen muss ich auf den PwC-Store verweisen. Durch unsere großen Entwicklungsabteilungen haben wir eine Vielzahl unterschiedlicher Tools auf den Markt gebracht. Aber für meine Arbeit kann ich zwei Lösungen herausgreifen, das ist einmal Document Insights, eine PwC Eigenentwicklung zur KI-gestützten Dokumentenanalyse.

Zum anderen kann ich hier die Automated Processing Solution (APS) nennen, deren Entwicklung ich von fachlicher Seite betreut habe und mit der wir gleichgelagerte Sachverhalte effizient, schnell und in gleichbleibend hoher Qualität bearbeiten können. So sind wir etwa in der Lage, Mandanten effizient bei der Bearbeitung einer Vielzahl gleichgelagerter Forderungsschreiben oder Klagen zu unterstützen. Bei großen Infrastrukturprojekten, etwa beim Ausbau der Stromnetze, können wir mit Hilfe der APS das Einwendungsmanagement digitalisieren und damit das gesamte Projekt beschleunigen. 
 

Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Arbeit an IT-Lösungen und neuen LegalTech-Ansätzen?

Dr. Paul Bäder: Häufig sind die Anforderungen, die sich aus den rechtlichen Normen ergeben, doch sehr komplex, sodass zur Umsetzung keine IT-Lösung “von der Stange” verwendet werden kann. Die Entwicklung neuer und die Anpassung von bereits vorhandenen Lösungen benötigt dann eine enge Zusammenarbeit von juristischen und IT-Expert:innen, die im Idealfall jeweils ein Grundverständnis vom Bereich des/der jeweils anderen Kolleg:in haben. Auch Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Lösungen stellen häufig Herausforderungen dar.   

Was macht LegalTech für Sie so spannend? Hatten Sie mit diesem Bereich schon vor Ihrer Tätigkeit bei PwC Berührungspunkte, Frau Prüfert?

Katharina Prüfert: Ich habe durch Legal Tech die Möglichkeit, in unterschiedlichen juristischen Disziplinen tätig zu sein, darüber hinaus kann ich Projekte steuern und begleiten und so den Rechtsanwält:innen helfen, die Mandatsbearbeitung zu verbessern. Was mir besondere Freude bereitet, ist das Finden von schnellen und unkomplizierten Lösungen, um die Rechtsanwält:innen zu entlasten, damit sie sich auf ihre Mandatsarbeit konzentrieren können.

Ja, ich hatte bereits vor meiner Tätigkeit bei PwC Berührungspunkte zu Legal Tech. Ich war zuvor bei einem weltweiten Anbieter von Fachinformationen, Software und Services für Jurist:innen tätig und davor bei einem Legal Tech Start-up der ersten Stunde, das sich mit KI- gestützter Document Automation und Document Processing Plattformen beschäftigte.
 

Um die Fachkompetenz der Mitarbeitenden zu stärken, ist ein Angebot an stetigen Fach- und Weiterbildungen unverzichtbar. Welche Angebote bietet PwC im Bereich LegalTech an?

Katharina Prüfert: Durch verschiedene Programme, Initiativen und Plattformen können sich Associates bei PwC im Bereich Legal Tech engagieren, ihre Ideen einbringen und sich und ihre Fähigkeiten weiterentwickeln.

Ein Beispiel hierfür ist das Digital Accelerator-Programm (DA). Das Programm ist ein Baustein unserer Digital-Upskilling-Initiativen, welche einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die digitale Transformation durch spezifisch geschulte Ansprechpersonen zu begleiten und zu fördern.

Gemeinsam mit anderen Digital Accelerators in Deutschland sowie international sind sie die Treiber unserer digitalen Transformation. In einer mehrmonatigen Lernphase wird u.a. anhand von Best-Practice-Beispielen vermittelt, wie Prozesse digitalisiert/automatisiert werden können, um die Qualität der Beratungsleistungen und die Erfahrung für unsere Kunden und unsere Teams zu verbessern.  

Metaverse Workshop mit Studierenden und Young Professionals bei PwC Legal
Metaverse Workshop mit Studierenden und Young Professionals bei PwC Legal

Wie können Sie und Ihre Kolleg:innen junge Jurist:innen unterstützen, die im LegalTech Bereich noch unerfahren sind?

Katharina Prüfert: Nicht nur, aber insbesondere unsere jüngeren Kolleg:innen sind grundsätzlich sehr offen, Neues auszuprobieren und bringen viel Neugierde mit. Es macht große Freude mit dieser Neugierde zu arbeiten; dies geschieht beispielsweise im Rahmen einer Metaverse Taskforce oder einer Arbeitsgruppe zu Chat GPT. Neben unseren internen Weiterbildungsmöglichkeiten haben angehende Jurist:innen bereits im Studium die Möglichkeit, sich im Tech Bereich weiterzubilden - etwa bei Initiativen wie recode.law, mit denen wir ebenfalls eng zusammenarbeiten.

Bei dieser Förderung werden mindestens 70 % der Studienkosten von PwC übernommen. Wir möchten unsere Talente dahingehend unterstützen, dass sie mit einem fundierten Verständnis digitaler Technologien ihr Wissen direkt “on the job” anwenden können.
Dr. Paul Bäder

Herr Dr. Bäder, PwC ist mit 49,9 Prozent an der DBU Digital Business University of Applied Sciences in Berlin beteiligt. Welche Kompetenzen können hier erworben werden? Inwieweit können Mitarbeitende von PwC ihre Expertise einbringen?

Dr. Paul Bäder: Die DBU ist eine der innovativsten Hochschulen in Deutschland. Hier werden Wirtschaftsthemen mit Digital-Themen verbunden und das Studienangebot beinhaltet sowohl Bachelor- als auch Masterstudiengänge (M.Sc. und MBA), die in ihrer Ausrichtung zukunftsweisend sind. Die Studienprogramme sind inhaltlich und konzeptionell auf die Bedürfnisse der Wirtschaft im digitalen Zeitalter ausgerichtet. Mögliche Studiengänge sind hier zum Beispiel Data Science & Management (M.Sc.), Digital Responsible Leadership (MBA) oder auch Cybersecurity & Privacy (M.Sc.). 

PwC fördert im Rahmen des Spezialisierungsmasters die Masterstudiengänge an der DBU. Bei dieser Förderung werden mindestens 70 % der Studienkosten von PwC übernommen. Wir möchten unsere Talente dahingehend unterstützen, dass sie mit einem fundierten Verständnis digitaler Technologien ihr Wissen direkt “on the job” anwenden können. 

PwC arbeitet daher bei der Studierendengewinnung mit der DBU zusammen und sendet kontinuierlich im Rahmen der Masterförderung eigene Talente an die Hochschule. 
Darüber hinaus gibt es eine Kooperation im Rahmen der betrieblichen Weiterbildung. PwC entwickelt zusammen mit der DBU Weiterbildungsprogramme für Unternehmen aus dem Mittelstand und ist mit diesem Konzept bereits seit drei Jahren sehr erfolgreich.

Weiterhin bringt das PwC-Team seine Expertise in unterschiedlichsten Bereichen im Rahmen der Studiengangsentwicklung ein. Beispielsweise sind einige Studiengänge und Lern-Module, wie etwa der neue Bachelor Digital Business Management mit Fokus auf Gaming und Esports oder auch der Master Cybersecurity & Privacy in enger Zusammenarbeit mit und auf Initiative von PwC entwickelt worden. 
 

Finden Sie, dass junge Jurist:innen bereits berufliche Vorerfahrungen im Bereich LegalTech mitbringen sollten? Welche weiteren Qualifikationen sind notwendig?

Dr. Paul Bäder: Eine berufliche Vorerfahrung ist nicht notwendig, aber natürlich willkommen. Was jedoch unerlässlich ist, ist die Offenheit hinsichtlich des Einsatzes von IT-Lösungen. Denn viele Lösungen setzen wir bereits in unserer alltäglichen Arbeit ein, viele werden noch hinzukommen und uns unsere Arbeit erleichtern.   

„Im Team Großes bewegen“: Insights bei PwC

Was denken Sie: Sind Kanzleien noch weit entfernt von der vollständigen Digitalisierung oder ist der juristische Arbeitsmarkt bereits am Puls der Zeit angekommen?

Dr. Paul Bäder: Viele Kanzleien gehen mit großen Schritten in die richtige Richtung. Von einer vollständigen Digitalisierung kann man jedoch sicherlich noch nicht sprechen. Das liegt auch daran, dass manche Bereiche aufgrund der Individualität und Komplexität der Probleme einer Digitalisierung momentan jedenfalls noch schwer zugänglich sind. Entwicklungen wie Chat GPT zeigen jedoch, dass auch in diesen Bereichen Digitalisierungsmöglichkeiten stets beobachtet und ausgebaut werden sollten. 

So haben wir beispielsweise seit März 2023 eine exklusive strategische Partnerschaft mit dem KI-Startup Harvey, das auf der Technologie von OpenAI und ChatGPT basiert. Ein weiterer Schritt, um die juristische Arbeit durch natürliche Sprachverarbeitung, maschinelles Lernen und Datenanalyse zu optimieren und effizienter zu gestalten. 
 

Wie können und möchten Sie die Zukunft bei PwC bezüglich LegalTech mitgestalten, Frau Prüfert?

Katharina Prüfert: In dem ich gemeinsam mit meinen Kolleg:innen Strategien entwickle und Ziele definiere, Bedarfe erörterte und spiegele. Weiter natürlich durch die Zusammenarbeit mit unseren strategischen Partnern, wie SAP oder Microsoft. Weitere Möglichkeiten bestehen aber auch in der Zusammenarbeit mit zukunftsweisenden Start-ups.

Welche Tipps können Sie jungen Jurist:innen, die Jura und Technik kombinieren möchten, mit auf den Weg geben?

Katharina Prüfert: Mir wird diese Frage immer wieder gestellt und ich glaube, dass man hier gar keine Tipps geben muss – außer Spaß an Jura zu haben.
 

Ihr Fazit?

PwC legt ein großes Augenmerk auf die Digitalisierung und ist hinsichtlich der Transformation auch aufgrund der Vielzahl der Expert:innen und der engen Kundenbeziehungen am Puls der Zeit. Zugleich ermöglichen die große Zahl an Entwickler:innen sowie die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit bei PwC es jeder/jedem Anwält:in, eigene Ideen für eine Legal-Tech-Lösung zu verfolgen.     


Vielen Dank, Frau Prüfert und Herr Dr. Bäder !

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