Dr. Daniel Pauly und Selma Nabulsi | Linklaters | TMT

 Veröffentlicht am 10.10.2022.

„Selten war die Zeit besser, seine Karriere im Fachbereich TMT zu beginnen.“

Dr. Daniel Pauly und Selma Nabulsi von Linklaters im Interview

Linklaters ist eine globale Anwaltssozietät mit über 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in weltweit 30 Büros. In Deutschland gibt es ca. 642 Kolleginnen und Kollegen (davon 330 Berufsträgerinnen und Berufsträger) verteilt auf fünf Büros. Dr. Daniel Pauly ist Partner im Frankfurter Büro von Linklaters und leitet in Deutschland den Fachbereich Technology, Media & Telecommunications (TMT). Ferner ist er global Co-Head des Mobility Sectors.

Selma Nabulsi hat in Freiburg studiert und dort ihr erstes Staatsexamen abgelegt. Seit dem Frühjahr 2022 promoviert sie im Datenschutzrecht und arbeitet nebenher zwei Tage pro Woche als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Linklaters im Bereich TMT.
 

Herr Dr. Pauly, Sie sind Partner und Head of TMT (Technologie, Medien & Telekommunikation) Germany bei Linklaters. Mit welchen Rechtsfragen und Thematiken beschäftigen Sie sich? Können Sie uns ausgewählte Arbeitsschwerpunkte nennen?

Dr. Daniel Pauly: Wir beschäftigen uns mit nahezu allen Fragen der Digitalisierung und der Nutzung von Daten. Angefangen mit Cloud-Computing, über Plattformverträge, Big Data und künstlicher Intelligenz bis hin zu Arbeitnehmerdatenschutz und grenzüberschreitenden Datenübermittlungen. Zunehmend vertreten wir auch Unternehmen vor Aufsichtsbehörden und in Gerichtsverfahren – zum Beispiel in Bußgeldsachen. Auch Cyber-Sicherheit und Cyber-Vorfälle sind ein Beratungsfeld, das stark im Kommen ist.

Unsere tägliche Arbeit ist maßgeblich von grenzüberschreitenden Mandaten und damit auch von grenzüberschreitender Zusammenarbeit geprägt. Das ist für Mandanten von großem Vorteil.
Dr. Daniel Pauly

Gibt es trotz Ihrer langjährigen Erfahrung in diesem Beratungsschwerpunkt noch Fallkonstellationen, die Sie überraschen und was macht den Bereich TMT für Sie so spannend?

Dr. Daniel Pauly: Ja, nahezu jeden Tag. Der Bereich ist dermaßen dynamisch, dass lebenslanges Lernen nicht nur ein Schlagwort, sondern täglich gelebte Praxis ist. Werfen Sie nur einmal einen Blick auf die EU-Datenstrategie. Da warten viele Herausforderungen und spannende Themen, von denen wir heute noch nichts ahnen.
 

Frau Nabulsi, Sie sind aktuell promotionsbegleitend als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Linklaters tätig. Aus welchen Gründen haben Sie sich für die Großkanzlei entschieden und wie sind Sie zu Ihren Tätigkeitsschwerpunkten bzw. Ihrer Spezialisierung gekommen?

Selma Nabulsi: Ich habe während meines Studiums eines meiner Pflichtpraktika bei Linklaters im Bereich TMT absolviert und der Kontakt zu dem Team ist seitdem bestehen geblieben. Als ich mich um eine promotionsbegleitende Stelle bemüht habe, war Linklaters daher die erste Adresse, an die ich mich gewendet habe. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt bereits, dass ich im Datenschutzrecht promovieren möchte, sodass die inhaltliche Ausrichtung des Fachbereichs hierzu gut gepasst hat. 

Mein Interesse am Datenschutzrecht hat sich entwickelt, als ich in Freiburg als Hiwi an einem Lehrstuhl gearbeitet habe, der unter anderem datenschutzrechtlich orientiert war. Das war zu der Zeit, als die Datenschutz-Grundverordnung gültig wurde. Es gab also einen völlig neuen Vorschriftenkatalog, der eine Vielzahl praxisrelevanter Probleme aufwarf, und noch kaum Literatur oder Rechtsprechung dazu. Sich mit Fragen befassen zu müssen, die sich erst seit kurzer Zeit stellen und deren Antworten daher noch völlig offen sind, fand ich damals – und finde ich auch heute – am Datenschutzrecht sehr spannend.
 

Wie gestaltet sich Ihr Arbeitsalltag und arbeiten Sie im Bereich TMT immer mit dem gleichen Team oder richtet sich die Zusammenstellung nach Bedarf und Kapazität?

Selma Nabulsi: Ich arbeite mit unterschiedlichen Anwältinnen und Anwälten aus dem TMT-Team an unterschiedlichen Aufgaben – je nachdem, wer gerade Unterstützung gebrauchen kann. Inhaltlich kann das etwa bedeuten, dass ich zu einer Rechtsfrage recherchiere, Dokumentenentwürfe vorbereite oder bei dem Erstellen wissenschaftlicher Publikationen unterstütze.

Ein Team – über Büro-, Sprach- und Ländergrenzen hinweg

Wie haben Sie den Einstieg in die Einheit TMT wahrgenommen und was erwartet wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, vor allem im Hinblick auf selbstständiges Arbeiten? 

Selma Nabulsi: Mein Einstieg wurde vor allem durch meine Teamkolleginnen und -kollegen sehr erleichtert. Natürlich musste ich in den ersten Wochen viele Details zum Arbeitsalltag erst erfragen. Dabei hatte ich nie das Gefühl, dass meine Fragen jemanden stören oder ungelegen kommen.

Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erwartet eine Tätigkeit, bei der man zwar selbstständig arbeitet, aber nie allein. Häufig recherchiert man Rechtsfragen mit anderen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen oder diskutiert seine Gedanken mit den Anwältinnen und Anwälten im Team. Ich schätze diese Arbeitsweise, weil man gerade durch diesen Austausch viel dazulernt.
 

Herr Dr. Pauly, worin liegen Ihrer Meinung nach aktuell die größten Herausforderungen im Bereich Technologie, Medien & Telekommunikation?  

Dr. Daniel Pauly: Große Herausforderungen liegen zweifelsohne im Datenschutzrecht. Die DSGVO war sicherlich gut gemeint. Zunehmend kristallisiert sich aber heraus, dass diese an vielen Stellen über das Ziel hinausschießt. Zum Beispiel: Haben Sie noch nie eine Datenschutzerklärung im Internet oder auch sonst wo gelesen? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Denn tatsächlich interessiert die Wenigsten, was dort auf vielen Seiten ausgebreitet werden muss. Zudem sind derzeit über 60 Verfahren mit datenschutzrechtlichem Schwerpunkt und wesentlichen Fragen beim EuGH anhängig. Da braut sich eine DSGVO 2.0 zusammen.
 

Sie zählen im Technologierecht zu einem von Deutschlands besten Anwälten (Handelsblatt 2021, Handelsblatt 2022) und sind als einer der „renommiertesten Anwälte für Compliance und Datenschutz“ in Deutschland gelistet (WirtschaftsWoche 2019). Gibt es Ihrer Auffassung nach ein Erfolgsrezept, um als Anwältin oder Anwalt zu überzeugen – insbesondere in Ihren Tätigkeitsschwerpunkten?

Dr. Daniel Pauly: Sicherlich ist ein ausgeprägtes Verständnis für die Herausforderungen und Nöte der Mandanten – also Empathie – von großem Vorteil. 

 

Durch die stetig voranschreitende Digitalisierung ist die rechtliche Welt immer stärker global vernetzt. Welche Rolle spielen grenzüberschreitende Mandate in Ihrem Fachbereich und wie laufen solche rechtlichen Beratungen ab?

Dr. Daniel Pauly: Unsere tägliche Arbeit ist maßgeblich von grenzüberschreitenden Mandaten und damit auch von grenzüberschreitender Zusammenarbeit geprägt. Das ist für Mandanten von großem Vorteil. Sie haben üblicherweise einen Hauptansprechpartner, der aufgrund unserer weltumspannenden Präsenz und Vernetzung global für die bestmögliche Betreuung und Beratung sorgt. Aber auch persönlich ist es ausgesprochen bereichernd, mit Kolleginnen und Kollegen aus UK, Schweden, Italien, Südkorea, Singapur, Schanghai, Washington usw. zusammenzuarbeiten. Jeder löst Probleme aufgrund des unterschiedlichen rechtlichen Hintergrunds anders. Da lerne ich immens.

Ich würde sagen, man braucht einen anpassungsfähigen Atem. Während manche Aufgaben innerhalb weniger Stunden oder Tage erledigt werden können, ist man bei anderen mehrere Wochen beschäftigt.
Selma Nabulsi

Sie sind promotionsbegleitend bei Linklaters tätig. Helfen die Einblicke aus der Praxis bei Ihrer Dissertation und wie haben Sie sich zeitlich organisiert?

Selma Nabulsi: Ich arbeite zwei Tage pro Woche bei Linklaters und widme mich der restlichen Zeit meiner Dissertation. Diese Aufteilung hat sich für mich bewährt – ich habe durch die Kanzleiarbeit Abwechslung und dennoch genügend Zeit, um mit der Dissertation voranzukommen. 

Die Einblicke aus der Praxis helfen mir in inhaltlicher Hinsicht, weil ich auf Probleme bei der Rechtsanwendung aufmerksam werde, an die man in der akademischen Auseinandersetzung mit einem Thema zunächst nicht denkt. Zudem – das ist vielleicht noch wichtiger – hilft mir der persönliche Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Von anderen Teammitgliedern, die gerade promovieren oder ihre Promotionsvorhaben bereits abgeschlossen haben, habe ich hilfreiche Ratschläge für die Arbeitsweise bei einer Dissertation bekommen – sei es zur Zeitplanung, zur Nutzung von Zitierprogrammen oder zur Bewältigung von Motivationstiefpunkten.
 

Ist die Arbeit in einer Großkanzlei Ihrer Meinung nach in Bezug auf grenzüberschreitende Tätigkeiten sowie hohe Innovationskraft im Bereich TMT vorteilhaft?

Selma Nabulsi: Ja. Die meisten Fragestellungen, die für die Beratung von Mandanten im TMT-Bereich zentral sind, spielen sich im digitalen Umfeld ab und lassen sich daher kaum noch sinnvoll aus einer einzigen Rechtsordnung heraus beantworten. Hinzu kommt die dynamische Veränderung der rechtlichen Anforderungen durch zahlreiche neue Gesetzesvorhaben. Diesen Herausforderungen können Großkanzleien durch ihre internationale Aufstellung und ihre personellen Ressourcen gut begegnen.
 

Welche Voraussetzungen und Qualifikationen sollten diejenigen mitbringen, die im Bereich TMT tätig werden wollen?

Selma Nabulsi: Soweit ich das beurteilen kann, ist für den Einstieg als wissenschaftliche Mitarbeiterin oder wissenschaftlicher Mitarbeiter ein Interesse an datenschutz- und IT-rechtlichen Fragestellungen wichtig, umfassendes Vorwissen oder Informatik-Kenntnisse muss man hingegen nicht mitbringen. Mit Blick auf die Vielzahl von Gesetzesänderungen im TMT-Bereich ist es außerdem sicherlich von Vorteil, wenn man sich gern mit neuen, unbekannten Regelungsmaterien befasst.
 

Braucht man Ihrer Ansicht nach für die Fallbearbeitung im Bereich TMT einen langen Atem und gibt es ein Projekt bzw. Mandat, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Selma Nabulsi: Ich würde sagen, man braucht einen anpassungsfähigen Atem. Während manche Aufgaben innerhalb weniger Stunden oder Tage erledigt werden können, ist man bei anderen mehrere Wochen beschäftigt. Gerade für mich als wissenschaftliche Mitarbeiterin ist es aber auch interessant, zu sehen, wie sich Mandate, an denen ich einmal mitgearbeitet habe, längerfristig entwickeln. Besonders in Erinnerung bleiben mir dabei Projekte, bei denen ich besonders aktiv eingebunden wurde – etwa als ich bei Vertragsverhandlungen mit einem Mandanten live dabei sein oder gemeinsam mit zwei Kolleginnen und Kollegen einen Vortrag über ein datenschutzrechtliches Thema für Studierende halten durfte.

Dr. Pauly, inwiefern werden sich Ihre Tätigkeitsschwerpunkte in Zukunft weiter verändern? Und wird der Bereich Technologie, Medien & Telekommunikation auf dem juristischen Arbeitsmarkt stetig an Bedeutung gewinnen?

Dr. Daniel Pauly: Wir sehen, wie sich die Digitalisierung und die Verarbeitung von Daten zunehmend auf alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche erstreckt. Dies führt zwangsläufig zu vielen Schnittstellen mit anderen Rechtsgebieten, aber auch ganz anderen Disziplinen. Denken Sie zum Beispiel an unsere Programmierung von Apps für Mandanten. Da arbeiten wir intensiv mit Programmierern zusammen. 

Es gibt dementsprechend erheblichen Beratungsbedarf, sodass selten die Zeit besser war, seine Karriere im Bereich TMT zu beginnen.
 

Welche Tipps möchten Sie Berufseinsteigerinnen und -einsteigern mit auf den Weg geben, die sich für Technologie, Medien & Telekommunikation interessieren?

Dr. Daniel Pauly: Wer neugierig auf Neues ist und Spaß an einem dynamischen Arbeitsumfeld hat, ist bei uns richtig. Wir sind alle keine Techniker. Uns gefällt aber die Beratung im techniknahen und vor allem sich stetig ändernden Umfeld. Wer diese Begeisterung teilt, wird sich bei uns wohlfühlen.
 

Ihr Fazit?

Dr. Daniel Pauly: Vor einem guten Jahrzehnt hatte TMT noch den Ruf, eher ein Orchideenfach zu sein. Nun befinden wir uns quasi im Auge des Digitalisierungssturms. Wir arbeiten mit allen Fachbereichen bei Linklaters zusammen, weil alle Bereiche von dem – mitunter auch disruptiven – technologischen Wandel betroffen sind. Diese Dynamik wird sich eher noch steigern als nachlassen.

Selma Nabulsi: Wer eine promotionsbegleitende Tätigkeit sucht, sollte die Arbeit in einer Großkanzlei definitiv auf dem Schirm haben. Mein Rat für Menschen, die sich für die wissenschaftliche Mitarbeit interessieren: Achtet bei der Entscheidung für eine Stelle nicht nur auf die inhaltliche Ausrichtung des Fachbereichs, sondern auch und gerade auf ein gutes Miteinander im Team. Ich habe damit bei Linklaters gute Erfahrungen gemacht!
 

Vielen Dank, Herr Dr. Pauly und Frau Nabulsi!

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