Nachhaltigkeit bei Baker McKenzie

Veröffentlicht am 20.12.2021

"Nachhaltigkeit ist Chefsache"

Die Partnerin bei Baker McKenzie erklärt, warum sie das Thema in der Wirtschaft zur "Chefsache" erklärt

Anahita Thoms ist Partnerin bei Baker McKenzie, leitet die deutsche Praxisgruppe für Außenwirtschaftsrecht und ist Global Lead Sustainability Partner für die Industriegruppe Industrials, Manufacturing and Transportation (IMT). Sie wurde 2020 vom Weltwirtschaftsforum zum Young Global Leader ernannt und ist Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke e.V. Das manager magazin kürte sie Anfang 2021 zu den "100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft".

Frau Thoms, Sie sind seit 2017 als Partnerin bei Baker McKenzie tätig. Auf welche Beratungsschwerpunkte fokussieren Sie sich und hatten Sie diese Fachbereiche im Jurastudium bereits im Blick?

Ich berate unsere Mandanten in den Bereichen Compliance & Investigations. Dabei bin ich insbesondere spezialisiert auf das Außenwirtschaftsrecht und Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Diese Fachbereiche werden im Jurastudium nicht gelehrt und ich hatte sie während meines Studiums auch noch nicht im Blick. 
 

Sie leiten die Abteilung für International Trade von Baker McKenzie in Deutschland und sind Global Lead Sustainability Partner für die Industriegruppe Industrials, Manufacturing and Transportation (IMT). Welche Aufgaben umfassen diese Positionen und was hat Sie dazu motiviert, diese Tätigkeiten zu übernehmen?

Diese Rollen bedeuten, dass ich sowohl im Außenwirtschaftsrecht als auch im Bereich Sustainability Strategien entwickle und unsere Kanzlei gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen intern und im Markt positioniere. Dazu gehören u.a. die Erarbeitung von Businessplänen, strategisches Vorausdenken, Analyse von Trends, Initiierung von Workshops mit Mandanten unabhängig von konkreten Mandaten, Veröffentlichungen, Zusammenstellung von Teams, Priorisierung bestimmter Beratungsfelder, Austausch mit Think Tanks uvm. Beide Funktionen habe ich übernommen, weil mich nicht nur die rechtlichen Aspekte interessieren, sondern auch die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge.

Dieses Interesse kann ich bei diesen Aufgaben sehr gut in konkrete Ideen übersetzen und dann umsetzen. Ich möchte nicht Trends hinterherlaufen, sondern sie früh erkennen und Akzente setzen. Den damit verbundenen Zeitaufwand sollte man nicht unterschätzen: Management-Rollen übernimmt man als Partnerin in aller Regel zusätzlich zur Mandatsarbeit. Daher sollte man solche Aufgaben nur übernehmen, wenn man es mit Leidenschaft und aus voller Überzeugung tut.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit Ihrer Auffassung nach für Unternehmen, und hat sich die Einstellung in der Wirtschaft diesbezüglich in den letzten Jahren bemerkbar verändert?

Ich engagiere mich seit vielen Jahren für mehr Nachhaltigkeit und kann resümieren: Es hat sich einiges getan. Nachhaltigkeit ist mittlerweile ganz oben auf der Agenda vieler Unternehmen. Das liegt zum einen an der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion über Missstände, z.B. in globalen Lieferketten. Nehmen Sie nur die auch öffentlich breit diskutierte Problematik der Kinderarbeit auf Kakaoplantagen in Westafrika oder in Kobaltminen im Kongo.

Auch die Verantwortung der Unternehmen für unseren Planeten und im Kampf gegen den Klimawandel sind stets öffentlich präsent. Viele junge Menschen sind hier heutzutage aufmerksamer und engagierter als früher. Auch die Investoren sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwarten hier Veränderung. Zum anderen gibt es immer mehr nachhaltigkeitsbezogene gesetzliche Pflichten, die zu mehr Beratungsbedarf bei unseren Mandanten führen. 

Bei der Umsetzung in der Praxis sehe ich aber erhebliche Unterschiede bei den Unternehmen. Die Vorstände stehen unter großem Druck. Einfach einen unqualifizierten Chief Sustainability Officer oder Menschenrechtsbeauftragten ohne direkte Berichtslinie zum Vorstand und ohne Durchgriffsmöglichkeiten und ordentliches Budget zu ernennen, funktioniert heute nicht mehr.

Ich empfehle daher Vorständinnen und Vorständen: Sustainability ist Chefsache. Bündeln Sie die Kompetenzen und besetzen Sie den Posten des Chief Sustainability Officers mit einer hochqualifizierten Person, die mit hoher Glaubwürdigkeit und Integrität sowohl nach innen wirken kann, als auch auf Augenhöhe mit den Investoren und Sozialpartnern interagieren kann. 

Ansonsten müssen Sie mit harschen Greenwashing- und Pinkwashing-Vorwürfen in der Öffentlichkeit rechnen. Das können sich Vorstände einfach nicht mehr erlauben. 
 

Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit bei Baker McKenzie?

Wir legen großen Wert auf das Thema Nachhaltigkeit. Wir haben für uns bestimmte Sustainable Development Goals identifiziert, die wir besonders unterstützen. Dazu gehört beispielsweise Diversität. 

Besonders freue ich mich, dass unsere Kanzlei auch im Nachwuchsbereich das Thema Nachhaltigkeit auf der Agenda hat. So stand zum Beispiel das diesjährige Summer Camp für unsere Mentees im Rahmen des Career Mentorship Program unter dem Motto "B-Green". "B-Green" ist ein internes globales Umweltmanagementprogramm, das unseren Büros auf der ganzen Welt helfen soll, ihre Büros "grün" zu gestalten.

In einer Diskussionsrunde, unter anderem mit Alyssa Auberger, Chief Sustainability Officer unserer Kanzlei, führte ich Nachwuchsjuristinnen und -juristen vor Augen, was es braucht, um ein nachhaltiges Netzwerk aufzubauen und wie dieses Netzwerk in der Praxis funktioniert. Im Summer Camp greifen wir somit Themen auf, mit denen wir uns als Kanzlei oft als Vorreiter auseinandersetzen und die wir vorantreiben.

Ein weiteres Beispiel, wie wir Nachhaltigkeit in der Kanzlei mit Leben füllen, ist unser Engagement im Rahmen von Treedom. Treedom ist eine weltweite Webplattform, die es ermöglicht, einen Baum aus der Ferne zu pflanzen und dem Projekt online zu folgen. Anlässlich des Internationalen Frauentags 2021 schenkten wir Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und Österreich jeweils einen Baumzögling in Guatemala über Treedom, ebenso erhielten Mentees im Zuge der Nachwuchsweihnachtsfeier ihren persönlichen Baum. Auf dieses Weise entsteht ein gemeinsamer Baker-McKenzie-Wald. 

Außerdem verlieh unsere Kanzlei dieses Jahr erstmals den Paul Rawlinson Award, welcher das Vermächtnis unseres ehemaligen, 2019 verstorbenen Global Chair Paul Rawlinson besonders würdigt. Mit diesem Award werden Kolleginnen und Kollegen ausgezeichnet, die sich für die Schaffung von Möglichkeiten und die Förderung des Zugangs für alle einsetzen. 

Wir müssen und werden noch viel mehr tun. Das ist erst der Anfang. 

“Law Firm of the Future“

Sie begleiten interne und externe Ermittlungen, unter anderem in Fällen von Verstößen gegen Sanktionen, Exportkontrolle und Menschenrechten, häufig auch in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen und Ihrem Team hierbei, und laufen solche Ermittlungen immer in einem ähnlichen Muster ab?

Interne Untersuchungen können sehr komplex und für die Beteiligten nervenaufreibend sein. Es erfordert einen guten Plan zur schrittweisen Bewältigung der Aufklärung, ebenso wie Fingerspitzengefühl. Viele Aspekte wiederholen sich, aber die Fälle sind sehr unterschiedlich.

Neben der mitunter schwierigen Sachverhaltsaufklärung und der Beantwortung der Frage ob und, falls ja, warum es zu einem Rechtsverstoß gekommen ist, klopfen wir regelmäßig das Compliance-Programm des Mandanten auf Schwachstellen ab.

Wir sichten also auch Dokumente wie Verhaltensrichtlinien, Trainingsmaterial oder Vertragsklauseln und unterbreiten Vorschläge zur Verbesserung, damit es in der Zukunft möglichst nicht mehr zu Rechtsverstößen kommt. 
 

Sollten Unternehmen Ihrer Auffassung nach mehr Verantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten übernehmen – gerade im Hinblick auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit?

Es ist primär Aufgabe des Staates, die Einhaltung von Menschenrechten durchzusetzen. In zahlreichen Staaten mangelt es aber an guter Regierungsführung, oder internationale Menschenrechtsstandards werden ignoriert. In unserer globalisierten Welt kommt es in diesen Fällen darauf an, dass Unternehmen, Zivilgesellschaft und die Staatengemeinschaft koordiniert zusammenarbeiten, um die Menschenrechtslage zu verbessern. Es gibt zahlreiche Unternehmen, die seit Jahren, auch ohne Rechtspflicht, Nachhaltigkeit als leitendes Prinzip in ihre Geschäftsabläufe integriert haben.
 

Neben Ihrem Engagement gegen Moderne Sklaverei sind Sie auch Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke und engagieren sich bei der American Bar Association. Wie lassen sich Ihre freiwilligen Engagements mit Ihrer Karriere als Anwältin bei Baker McKenzie vereinbaren? 

Ich würde von mir behaupten, dass ich sehr organisiert und diszipliniert bin. Zudem habe ich das Glück, in einer Kanzlei zu sein, die gesellschaftliches Engagement schätzt. Am wichtigsten ist aber die Rückendeckung meiner Familie, die mein Engagement stets unterstützt hat. All dies ermöglicht mir, neben meiner Arbeit als Partnerin auch meinen freiwilligen Engagements nachzugehen.

Sustainability ist Chefsache. Bündeln Sie die Kompetenzen und besetzen Sie den Posten des Chief Sustainability Officers mit einer hochqualifizierten Person, die mit hoher Glaubwürdigkeit und Integrität sowohl nach innen wirken kann, als auch auf Augenhöhe mit den Investoren und Sozialpartnern interagieren kann.
Anahita Thoms, LL.M.

Für Ihre Arbeit haben Sie unter anderem die Auszeichnung “International Trade Lawyer of the Year” (Deutschland) bei den ILO Client Choice Awards 2020 erhalten und sind unter den 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft gelistet. Welche Bedeutung haben diese Auszeichnungen für Sie und haben Sie eine Art „Erfolgsrezept” für eine erfolgreiche Karriere als Juristin?

Selbstverständlich freue ich mich über Auszeichnungen für meine Arbeit. Das gilt umso mehr, wenn sie auf Feedback meiner Mandanten basieren.

Jeder erfolgreichen Karriere geht nach meiner Erfahrung große Einsatzbereitschaft und Leidenschaft in der Sache voraus. Nur dann kann man exzellente Ergebnisse liefern. Natürlich muss auch der Arbeitgeber zu einem passen, damit man sich entfalten kann. Daher sollte man sich vor dem Berufseinstieg sorgfältig mit der Kanzlei und dem Team beschäftigen.

Zudem empfehle ich, sich ein starkes Netzwerk zu schaffen, sich mit Menschen außerhalb der "Juristen-Bubble" auszutauschen und den Rat von Mentorinnen und Mentoren zu suchen. Ich habe außerdem immer über den juristischen Tellerrand hinausgeschaut und will den Sektor und die wirtschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen, was die Mandanten immer sehr geschätzt haben.
 

Vor Ihrer Tätigkeit bei Baker McKenzie waren Sie für eine andere internationale Sozietät tätig und haben dreieinhalb Jahre in dem New Yorker Büro gearbeitet. Inwieweit hat Sie diese Zeit beruflich geprägt und ist ein Auslandsaufenthalt für eine Karriere in einer internationalen Kanzlei erforderlich?

Meine Zeit in New York hat mich sowohl beruflich als auch persönlich stark geprägt. Selbstverständlich waren die Arbeitstage lang, aber ich habe es als große Bereicherung angesehen, mit exzellenten Juristinnen und Juristen aus den USA auf höchstem Niveau zusammenzuarbeiten. So konnte ich in relativ kurzer Zeit extrem viel lernen. Zudem wird Pro-bono-Arbeit in den USA deutlich mehr geschätzt als in Deutschland.

Aber auch außerhalb des Büros habe ich meine Zeit im Big Apple als besonders bereichernd empfunden. So hatte ich z.B. die Möglichkeit, bei Veranstaltungen der Vereinten Nationen über das Thema Nachhaltigkeit zu diskutieren und ein spannendes, transatlantisches Netzwerk aufzubauen. 

Für die Karriere in einer internationalen Großkanzlei sind Auslandsaufenthalte natürlich von großem Vorteil. Nicht nur fachlich. Man lernt, sich in einer neuen Kultur zurechtzufinden, sich in Menschen aus einem anderen Kulturkreis hineinzuversetzen. Diese Fähigkeit ist sehr wertvoll, denn man braucht sie im internationalen Arbeitsumfeld ständig.
 

Frau Thoms, Sie wurden 2020 in das Programm der Young Global Leaders des World Economic Forum aufgenommen. Welche Werte und Ideale vertritt dieses Programm, und inwiefern konnten Sie hierdurch ein globales Netzwerk aufbauen?

Das Young Global Leaders Programm bietet ein einzigartiges Netzwerk aus zahlreichen interessanten Persönlichkeiten aus aller Welt und aus verschiedenen Bereichen: Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen, Künstler und mehr. Im Kern geht es bei dem Programm darum, den Dialog dieser verschiedenen Gruppen im Sinne einer nachhaltigen und inklusiven Zukunft zu fördern und Wandel anzuregen. Die Themen sind vielfältig und gleichzeitig stets aktuell.

Schwerpunkte sind zum Beispiel Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder die Arbeitswelt von morgen. Nicht alle Teilnehmer durchlaufen dasselbe Programm. Es gibt verschiedene Module, aus denen ich mir die für mich besonders interessanten Veranstaltungen aussuchen kann.

Ich habe mich beispielsweise für ein Executive Education Programm im Bereich Nachhaltigkeit an der Stanford University entschieden. So komme ich natürlich mit vielen inspirierenden Persönlichkeiten in Kontakt, tausche mich mit ihnen aus, lerne andere Sichtweisen besser kennen und erweitere mein Netzwerk.

Sollten sich Juristinnen und Juristen Ihrer Ansicht nach auch außerhalb Ihrer beruflichen Tätigkeit engagieren und lohnt es sich, auch mal über den Tellerrand zu schauen?

Engagement außerhalb der beruflichen Tätigkeit lohnt sich. Ich arbeite mit Leidenschaft in meinem Beruf als Rechtsanwältin. Gleichzeitig bin ich der Ansicht, dass man der Gesellschaft im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten etwas zurückgeben sollte. Mir hat unsere Gesellschaft zahlreiche Möglichkeiten und Chancen eröffnet. Dafür bin ich dankbar und gebe gerne etwas zurück.

Natürlich ziehe ich aus meinem gesellschaftlichen Engagement auch Kraft und Energie. Das macht mich zu einem runderen Menschen. Nicht nur deshalb möchte ich junge Kolleginnen und Kollegen ausdrücklich ermutigen, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für ihre gesellschaftspolitischen Anliegen zu engagieren.

Ihr Fazit?

Wir leben in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit bei Investoren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Konsumentinnen und Konsumenten sehr weit oben auf der Agenda steht. Angesichts der immensen Aufgaben sowohl im Hinblick auf die Einhaltung von Menschenrechten und unseren Planeten wird sich das auch nicht ändern. Durch gesetzgeberische Vorgaben findet Nachhaltigkeit auch ihren Weg in die Rechtsberatung und hält zahlreiche spannende Aufgaben für uns Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte bereit, ebenso wie für Chief Sustainability Officer und Menschenrechtsbeauftragte.

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