Magdalena: Lass uns noch mal kurz zurückkommen zu den Legal Engineers. Wer kann sich denn als Legal Engineer bei dir bewerben?
Nathalia: Genau, darauf wollte ich hinaus. Danke fürs Zurückkommen. Mit dem Münchner Büro stellen wir jetzt auch massiv ein in Deutschland, deswegen ist es genau der richtige Zeitpunkt zu fragen. Denn man kann sich jetzt bewerben, um Legal Engineer in München bei uns zu sein.
Was ist das Profil, das wir suchen? Man kann tatsächlich sehr juniorisch zu uns kommen. Also man kann mit, sagen wir mal, einem Examen oder einem ähnlichen Hintergrund zu uns kommen und dann viel bei uns lernen. Dann braucht es vor allem viel Tech-Interesse.
Wenn man sagt: „Ich habe jetzt nicht 20 Jahre Beratung im Bereich Real Estate gemacht, sondern ich habe vor allem Jura studiert, aber daneben auch ein bisschen – sagen wir mal – ein paar Agents gebaut“, dann super. Dann kann man bei uns auf jeden Fall auch sehr viel lernen. Wir suchen aber auch Legal Engineers, die einiges an Berufserfahrung haben. Also auch wenn man 10 oder 15 Jahre in einem Bereich beraten hat und sagt, man möchte das jetzt mit seinem Spezialwissen nutzen. Das ist auch sehr willkommen.
Wir haben bei uns zum Beispiel eine Anwältin, die seit 28 Jahren Corporate-Anwältin ist. Sie ist zu uns gekommen, war vorher in Großkanzleien und hat wirklich im ganz traditionellen Bereich Corporate beraten und auch Knowledge Management gemacht. Das sind auch Profile, die wir sehr, sehr gerne bei uns haben.
Auch im Inhouse-Team zum Beispiel haben wir jemanden, der vorher General Counsel von großen Unternehmen war. Das heißt, bei uns ist die Spannbreite sehr breit. Wichtig ist, dass man entweder einen juristischen Schwerpunkt hat oder – wenn man noch nicht so viel juristische Erfahrung sammeln konnte – dann eben ein großes Tech-Verständnis mitbringt.
Magdalena: Das heißt, Jung und Alt kann eigentlich zu euch kommen. Ich fand jetzt noch mal sehr spannend, wenn sich jemand gerade im Studium befindet oder vielleicht auch sein erstes Examen schon hat und gerade im Ref ist.
Du hast gerade von technischem Interesse oder Tech-Skills gesprochen. Wie bekommt man die denn? Geht das einfach, indem man sich selber per Learning-by-Doing mal hinsetzt und sich damit auseinandersetzt? Baut man die ersten Agents oder was stellst du dir darunter vor? Was rätst du vielleicht sogar jungen Juristen und Juristinnen um da versierter zu werden?
Nathalia: Viel ist auf jeden Fall Learning by Doing. Es gibt unheimlich viele Ressourcen, die frei verfügbar sind. Von den großen Anbietern wie OpenAI, Google, aber auch IBM und Microsoft gibt es beispielsweise YouTube-Serien oder Online-Learning-Formate. Diese sind alle frei verfügbar. Man kann sie sich mal in seiner Freizeit anschauen und lernt dabei schon relativ viel darüber.
Magdalena: Hast du da ein paar besonders gute Tipps? Also abgesehen von den Großen, ich finde auch übrigens die Claude-Tutorials richtig gut, aber vielleicht gibt es da noch irgendwelche Newsletter oder Ähnliches, bei denen du sagst, das kann ich empfehlen.
Nathalia: Nee, genau, die Claude-Tutorials tatsächlich auch. Inzwischen sind es so viele, dass ich sogar vorsichtig damit bin, sie zu empfehlen. Ich habe zwar welche, die ich selber seit drei Jahren lese, aber ich weiß gar nicht, ob das noch die besten sind. Ich sehe auch immer mal wieder neue Sachen.
Ich habe zum Beispiel letztens einen „Founders AI Newsletter“ gefunden, auf irgendeiner Seite in den USA. Da müsste ich echt nachgucken, wie der genau heißt. Den bekomme ich jetzt immer freitags und finde es ganz spannend, was da drin steht. Aber es gibt auf jeden Fall sehr, sehr viele Angebote, auch von Unis.
Beispielsweise unterrichtet Pierre Ziggert von Hengeler Mueller an der Uni Jena. Seine Kurse – ich glaube, es sind fünf oder sechs – sind online für alle frei verfügbar. Er postet den Link dann immer bei LinkedIn. Da kann man sich anmelden und einfach an diesen Kursen teilnehmen, auch wenn man nicht an der Uni Jena ist. Das zum Beispiel würde ich sehr empfehlen.
Magdalena: Das recherchieren wir mal und packen das direkt in die Show Notes. Das möchte sich der eine oder andere bestimmt angucken.
Nathalia: Ja, also ich habe auch selber einen Kurs an der Uni Münster unterrichtet zum Beispiel. Wir haben außerdem eine Partnerschaft mit der Bucerius Law School, wo alle Studierenden Legora-Lizenzen und ein Onboarding bekommen. In diese Richtung gibt es sehr viel. Einige Universitäten haben eben eigene Programme; die kann man sehr gern besuchen und für sich nutzen.
Wir als Anbieter freuen uns übrigens auch immer über Nachrichten. Ich weiß, das gilt nicht nur für uns, sondern auch für andere Anbieter. Wenn man sich bei uns meldet und Interesse zeigt, schicken wir sehr häufig kostenlose Zugänge und Einführungsvideos raus, damit man mal rumspielen kann.
Wenn man Interesse hat, lohnen sich diese Uni-Programme, die Angebote der großen Anbieter auf YouTube und Newsletter auf jeden Fall. Und es schadet bestimmt auch nicht, in der Praxis ein bisschen „Vibe-Coding“ zu betreiben.
Magdalena: Wir haben jetzt schon über Skills gesprochen, die vor fünf Jahren oder vielleicht waren es auch schon mittlerweile zehn Jahre noch überhaupt kein Thema waren. Nämlich diese ganze Textexpertise, oder zumindest nicht in dem Ausmaß. Aber was würdest du denn sagen? Welche klassischen Fähigkeiten sind jetzt immer noch wichtiger denn je? Und vor allem auch, wenn man sich jetzt auch bei Legora bewirbt: Spielen Noten, Prädikatsexamina in deinen Augen noch die gleiche Rolle wie früher oder wird das verschwindend?
Nathalia: Also mein Gefühl ist, vielleicht auch leider, dass das Prädikatsexamen so schnell nicht verschwindet. Das ist auch die Erfahrung in meinem eigenen Lebenslauf. Ich muss sagen, dass bei mir die allermeisten kein Problem damit haben, dass ich kein zweites Examen gemacht habe. Außer vielleicht meine Familie ein bisschen. Ich komme ja aus einer Juristenfamilie, die ist vielleicht immer noch ein bisschen enttäuscht.
Magdalena: Die hoffen aber, es ist noch nicht zu spät.
Nathalia: Also stimmt, das höre ich tatsächlich so alle zwei Jahre, dass es ja nicht zu spät ist. Man kann ja doch noch mal ins Ref gehen. Also das Spannende ist, dass das zweite Examen tatsächlich viel weniger Personen so wirklich zu bewegen scheint als die Noten. Also die Noten waren in meinem Leben immer relativ wichtig. Ich sehe das auch bei uns tatsächlich. Ich sehe es auch immer noch in den Kanzleien.
Ich glaube, es ist weniger wichtig, was man so ganz genau studiert. Also ob ich jetzt im Bachelor irgendwie Legal Tech mache oder das nicht mache. Ob ich Jura auf Examen studiere, auf Bachelor oder was ganz anderes im Ausland studiert habe. Aber Noten zeigen natürlich schon auch, dass man bereit ist zu lernen. Also eine gewisse Hartnäckigkeit, die wir ja schon angesprochen haben. Gerade im Jurastudium ist das auch einfach viel Arbeit, was da am Ende rauskommt. Es zeigt, dass man bereit ist, diese Prüfungen so ein bisschen zu priorisieren. Das ist leider etwas, wovon ich glaube, dass es erst mal bleibt. Ich weiß nicht, ob ich das so gut finde. Ich glaube, wir bräuchten eigentlich auch viele andere Fähigkeiten als einfach nur irgendwie gute Examensnoten. Aber ich habe schon das Gefühl, dass das etwas ist, was am Markt gerade noch wertgeschätzt wird. Es wird auf jeden Fall bei uns wertgeschätzt.
Magdalena: Was sind denn die anderen Fähigkeiten, die du für mindestens genauso wichtig erachtest?
Nathalia: Die Fähigkeit zu verstehen, was andere Personen brauchen. Das ist etwas, was einen sowieso immer auch im juristischen Betrieb zu einem erfolgreicheren Menschen macht, glaube ich.
Magdalena: Auch im Vertrieb übrigens. Also überhaupt zu verstehen: Was möchte mein Gegenüber und wie kann ich ein Problem für ihn lösen, wo dann auch noch eine gewisse Zahlungsbereitschaft besteht?
Nathalia: Ja, ich habe letztens auch irgendwo wieder etwas gelesen, was ich sehr wahr finde. Und zwar: Jeder Job wird ab einer höheren Seniorität am Ende Vertrieb. Das ist ein bisschen so. Partner, Partnerinnen in Großkanzleien vertreiben ja auch. Sie haben dann ja auch andere in ihrem Team, die die Arbeit mit ihnen zusammen machen. Aber ihre Arbeit ist ja auch zu einem beachtlichen Teil, Mandate reinzuholen und zu halten. Mandanten glücklich zu machen, Mandanten zu verstehen und Beziehungen zu bauen.
Was glaube ich, zudem eine wichtige Fähigkeit ist, ist nicht nur nach dem zu gehen, was mir jemand sagt. Also wenn mich jemand anschreibt und mir sagt, bei mir funktioniert das Tool nicht oder irgendwie bei mir halluziniert etwas oder so, dann ist das erst mal nur ein Problem. Aber das erklärt mir relativ wenig. Ich verstehe nicht: Wurde hier vielleicht was falsch angewendet? Ist der Prompt eigentlich gut? Wurde überhaupt die richtige Funktion ausgewählt? Das mitzufühlen, also zu verstehen, was hier gerade eigentlich passiert ist, die richtigen Fragen zu stellen und auch proaktiv die Hinweise mitzugeben, die man braucht, um damit erfolgreich zu sein – das sind, glaube ich, Dinge, die Legal Engineers können müssen. Das sind aber auch Dinge, die man im juristischen Beruf immer können sollte. Man sollte immer in der Lage sein, zwischen den Zeilen zu lesen und zu verstehen. Okay, der Mensch sagt mir zwar gerade, dass das hier sein Problem ist. Aber ist das wirklich sein Problem oder könnte nicht auch was ganz anderes das eigentliche Problem sein?
Magdalena: Generell technisches Verständnis, auch Datenaffinität, ja, Prozessdenken. Wie wichtig sind solche Kompetenzen auch für dich beim Einstellen jetzt bei Legora?
Nathalia: Schon auch. Ich würde sagen, technische Affinität ist so ein bisschen eine Frage, was man darunter versteht. Ich sehe KI als etwas, was ein bisschen funktioniert wie Strom oder das Internet, was sich einfach durchsetzt. Und wenn ich heute in der Lage bin, mein Smartphone zu bedienen, dann nenne ich das ja auch nicht technische Affinität. Sondern es ist einfach eine Voraussetzung. Jeder Mensch muss in der Lage sein, ein Smartphone zu bedienen. Ich glaube, mit KI entwickeln wir uns in die gleiche Richtung. Und deswegen ja, ich erwarte schon, dass die Person auch mit diesen Modellen umgehen kann und auch versteht, wie eine Plattform gebaut ist. Aber ich erwarte eigentlich von allen, die jetzt neu in den Beruf kommen und auch den meisten, die schon ein paar Jahre im Beruf sind, dass sie das auch demnächst können. Deswegen würde ich, glaube ich, sagen, technische Affinität ist so ein bisschen... also in der Nutzung von KI sich wohlzufühlen ist, glaube ich, etwas, was ich einfach von allen voraussetzen würde. Das erwarte ich nicht zwangsläufig nur für eine Legal-Engineer-Stelle.