Spielerberater als Jurist?!

Wie man Fußballer berät und sich selbst eine Goldgrube gräbt...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 13.06.2018

 

… haben Spielerberater wie Mino Raiola oder Jorge Mendes auf internationaler Ebene und Volker Struth oder Dirk Hebel als Deutsche mit hauptsächlichen deutschen Lizenzspielern vorgemacht.

 

War dein Traumberuf einmal Fußballer oder Fußballerin? Dann gehörst auch du wahrscheinlich leider zu einer riesigen Gruppe gescheiterter Hobbysportler. Dass eine Karriere im Fußballbusiness damit für dich als Jurist noch nicht ausgeschlossen sein muss und warum gerade Juristen und Juristinnen durchaus gute Chancen haben, hier Fuß zu fassen, zeigen wir dir jetzt! 

 

Top Berater wie zum Beispiel Mino Raiola verdienen viele Millionen Euro damit.

Spielerberater ist ein hochgradig lukrativer aber auch dementsprechend von Konkurrenz belasteter Beruf. Bei dem rund 105 Millionen Euro teuren Transfer des französischen Superstars Paul Pogba, der von Juventus Turin zu Manchester United wechselte, soll dessen Berater Raiola laut der Enthüllungsplattform Football Leaks ungefähr 50 Millionen Euro verdient haben.

 

Die Spitze verdient extrem viel, der Rest des Markts ist hart umkämpft

Doch diese Summen stellen die Ausnahme dar und der Markt der Spielerberater ist hauptsächlich von Konkurrenz geprägt. In Deutschland streiten sich nämlich knapp 800 lizenzierte Spielerberater um gerade einmal knapp 1150 Lizenzspieler der ersten beiden Ligen. Weltweit agieren sogar rund 7500 Spielerberater, wobei es hier eine deutlich höhere Dunkelziffer geben wird, da gerade in Lateinamerika viele Berater und Vermittler inoffiziell agieren und dennoch große Marktanteile besitzen. Gerade das Geschäft mit jungen Brasilianern, die nach Europa zum Fußball spielen gebracht und dort unter Vertrag genommen werden sollen, boomt nach wie vor.


Wie viele Berichte und Dokumentationen aufgezeigt haben, hat sich hier eine zwielichtige Schattenwirtschaft entwickelt, die Millionen verdient, deren Strippenzieher oft unklar oder aus kriminellem Umfeld stammen und in der ehemalige Profis mit am Werk sind.

 

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Wie wird man Spielerberater und warum haben Juristen Vorteile?

Der Weg zum Spielerberater hat sich in den letzten Jahren vereinfacht, was zu einer wahren Schwemme geführt hat. Mittlerweile ist eine Prüfung nicht mehr fester Bestandteil des Werdegangs, es bedarf lediglich eines polizeilichen Führungszeugnisses und einer Hinterlegung von rund 500 Euro pro Transferperiode beim DFB.

Früher hatte es dafür eine Zulassungsprüfung gegeben, die sehr hohe Durchfallquoten aufwies.

Diese Prüfung konnten sich zugelassene Anwälte jedoch ersparen. Trotz der Einbuße dieses Privilegs haben Juristen nach wie vor große Vorteile bei der Beratung von Spielern, schließlich steht das Verhandeln in deren Namen mit den Vereinen im Vordergrund.

Das Erstellen von Verträgen und das Ringen um deren Ausformulierung gehört natürlich zum Kerngeschäft von Juristen. Zudem kennen Sie die Rechtslage bestens und kennen die Rechte ihrer Klienten, können aber auch Chancen und Risiken gut abwägen. Das Tagesgeschäft des Spielerberaters entspricht also durchaus dem eines Anwalts.

Die Kehrseite des Berufs ist die bereits angesprochene hohe Konkurrenz durch andere Vermittler und Spielerberater, sowie ein erkennbarer Trend, dass sich Spieler immer öfter von Familienmitgliedern oder Freunden beraten lassen. Was früher die Ausnahme war, ist heute auch bei vielen Profis eher die Regel. So lassen sich zum Beispiel auch die Nationalspieler Mario Götze oder Mats Hummels von ihren Vätern beraten. Selbiges gilt für den möglicherweise besten Spieler der Welt Lionel Messi.

 

Die Justiz des Fußballgeschäfts als Alternative

Wenn es um viel Geld, Macht und sportlichen Erfolg geht, dann ist der Streit nicht fern. So ist es natürlich auch beim Fußball, was dazu geführt hat, dass der DFB eine eigene Justiz für interne Angelegenheiten eingeführt hat. Die Sportgerichtsbarkeit beginnt dabei in den Landesverbänden und sogar bereits auf Kreisebene, wo sie natürlich hauptsächlich ehrenamtlich organisiert ist.

Doch auf der Ebene des Deutschen Fußball Verbandes und der Deutschen Fußball Liga gibt es das DFB Sportgericht und das DFB Bundesgericht, an dem hauptsächlich aktive oder ehemalige Juristen tätig sind. Auch die Funktionäre des DFB sind häufig Juristen, sind sie schließlich hauptsächlich mit gesellschaftsrechtlichen Fragen und Verwaltungsaufgaben betreut. Wer eine Karriereplanung in diese Richtung anstrebt, der ist gut damit beraten, früh und auch auf kleiner Ebene damit zu beginnen.

Viele der heutigen Funktionäre waren einst Schiedsrichter oder saßen in anderen Gremien oder kleineren Sportgerichten.

Zudem neigt die Branche dazu, sich den Nachwuchs selbst heranzuziehen. Nichtsdestotrotz haben gerade die höheren Richter am Sportgericht eine Laufbahn in der Justiz absolviert.

 

Die Juristerei in der ordentlichen Gerichtsbarkeit

Natürlich gibt es aber auch Rechtsstreitigkeiten abseits von Sportgerichten und Spielerberatern. Der Fall des Heinz Müller hat gerade erst große Wellen geschlagen, als dieser bis vor das Bundesarbeitsgericht zog, um die Rechtmäßigkeit der branchenüblichen Befristung von Arbeitsverträgen für Profifußballer prüfen zu lassen. Er hatte sich gegen seine eigene Befristung bzw. ausbleibende Verlängerung gewehrt, jedoch in letzter Instanz rechtskräftig verloren. Hierfür bedurfte es natürlich entsprechender Fachanwälte, die seinen Fall vor Gericht ausfechten konnten.

Selbiges gilt für die vielen Fußballvereine, die mittlerweile größtenteils großen Unternehmen gleichen oder wie im Falle von Borussia Dortmund sogar Aktiengesellschaften sind. Diese haben natürlich alle rechtliche Vertreter und werden auf Rechtsseite dauerhaft beraten.

Doch auch andere Mandate fallen aus der Welt des Fußballs in die Hände von Juristen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei der sogenannte „Freshfields Bericht“, bei dem die Großkanzlei Freshfields eine Untersuchung beim DFB durchgeführt hatte, um Ergebnisse bezüglich Untreue und Bestechung nachzugehen. Dieser Bericht ist immer noch online auf der Seite des DFB verfügbar. Für Interessierte lohnt sich zumindest ein Blick in diesen Bericht und damit in die Arbeitsweise allemal!

Selbst für Verwaltungsrechtler hat der Fußball etwas zu bieten.

Aktuell höchst umstritten sind nämlich die Kosten für Polizeieinsätze bei sogenannten Hochrisikospielen. Einige Länder, darunter zum Beispiel das Land Bremen, wollen hierfür auch die verantwortlichen bzw. betroffenen Vereine heranziehen. Diese wehren sich logischerweise gegen die Mehrkosten und so kommt es zum Streit, der auch den Verwaltungsgerichtshof beschäftigen wird.

 

Du siehst also: Jura und Fußball, das kann doch noch was werden. Auch wenn du dein Geld aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr mit Fußball auf dem grünen Rasen verdienen wirst, eine Karriere im Fußballbusiness und Entscheidungen wenigstens am grünen Tisch musst du noch lange nicht abschreiben!

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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