Studentisches Ehrenamt - Ausgleich oder Zusatzbelastung?

Lohnt sich das neben dem Jurastudium? - Diese Möglichkeiten gibt es...


verfasst von Lorenz Färber und veröffentlicht am 14.02.2018

Ein Gastartikel von ELSA -

Interview mit Tim Edelhoff, Präsident von ELSA-Deutschland e.V., Alessandra Piscopello, Vorstand für Akademische Aktivitäten bei ELSA-Frankfurt am Main e.V. und Peter Möckel, Präsident von ELSA-Leipzig e.V.

 

1) Was ist unter studentischem Ehrenamt zu verstehen und welche Möglichkeiten gibt es?

Es gibt viele Möglichkeiten für Studierende, sich ehrenamtlich an der Universität zu engagieren. Dazu zählt einerseits die studentische Interessenvertretung, also Fachschaft, Studierendenparlament und AStA. Die Mitglieder dieser Gremien werden grundsätzlich durch eine Wahl aller Studierenden bestimmt. Auch eine Mitgliedschaft in einer politischen Hochschulgruppe ist möglich. Daneben existieren Studierendeninitiativen. Diese sind rechtlich selbstständige Vereine mit einer besonderen Nähe zum Universitätsleben.  Alle Studierendeninitiativen setzen sich für besondere gesellschaftliche oder akademische Werte ein und sind daher in der Regel als gemeinnützig anerkannt. Der gesamte Vorstand besteht hier aus Studierenden und jeder Kommilitone kann Mitglied werden. Einige Initiativen sind auf einzelne Fachrichtungen spezialisiert. Als dritte Möglichkeit können sich Studierende in den ehrenamtlichen Angeboten der Universität engagieren oder eine eigene Vereinigung gründen.

 

2) Warum hast du dich entschieden, Dich neben dem Jurastudium ehrenamtlich zu engagieren?

Peter: In den ersten Semestern war das Engagement ein Ausgleich zum Studium. Das tat mir sehr gut, um nicht zu sehr in der üblichen Panikmache durch die Professoren zu versinken. Auch hatte ich erfahrenere Kommilitonen in meinem Team, die mir Ratschläge geben konnten.

Alessandra: Ich fand es angebracht, eine Abwechselung in meinen Alltag zu integrieren. Die Stunden des Lernens und des Arbeitens boten für mich persönlich nicht genügend Variation in meinem Studienalltag.

Tim: Ich wollte mich zu Beginn meines Studiums auch neben dem Fach Jura weiterbilden und mir ein Netzwerk aufbauen. Zudem finde ich es wichtig, dass gerade wir als Jugendliche und junge Erwachsene etwas für die Gesellschaft und das Wohl Anderer tun.

 

Elsa - Interview

(von links) Lorenz Färber, Alessandra Piscopello, Peter Möckel, Tim Edelhoff

 

3) Welche Vorteile bringt die Arbeit im studentischen Ehrenamt mit sich?

Alle drei sind sich einig, dass sie viele neue Bekanntschaften, zum Teil sogar enge Freundschaften, in ganz Europa schließen konnten. Daneben sieht jeder noch weitere persönliche Vorteile.

Tim: Vor allem, dass man einen Ausgleich zum Studium hat, viele neue Persönlichkeiten kennenlernt, sich vernetzt und persönlich enorm weiterentwickelt.

Peter: Es bietet die Möglichkeit, einen anderen Aspekt des Jurastudiums kennen zu lernen, und auch einmal aus der Bibliothek heraus zu kommen.

Alessandra: Außerdem hebt man sich aus der großen Masse der Kommilitonen hervor, wenn man im Lebenslauf ein studentisches Ehrenamt nachweisen kann.

 

4) War es auch eine Motivation, deinen Lebenslauf zu verschönern?

Alessandra: Ja das war es. Ich hatte damals kaum etwas Besonderes im Lebenslauf stehen. Durch mein studentisches Ehrenamt bin ich an viele weitere Möglichkeiten gekommen, meinen Lebenslauf zu erweitern.

Tim: Natürlich war es das, aber man merkt dann ziemlich schnell, ob das Engagement einem auch Spaß macht oder nicht. Mir macht es großen Spaß.

Peter: Auf jeden Fall. Ich bin jedoch der Meinung, dass dies über die Zeit und je mehr man ELSA kennenlernt, in den Hintergrund rückt: Leute, denen es nur um den Lebenslauf geht, werden sich nicht dauerhaft für den Verein engagieren.

 

Kanzleiboutique
SYLVENSTEIN Rechtsanwälte
Spezialisiert

SYLVENSTEIN Rechtsanwälte


Erfahre mehr über diesen Arbeitgeber und finde heraus, was ihn ausmacht.

 

5) Wie viel Zeit investierst du in der Woche für das studentische Ehrenamt?

Die Tätigkeiten bei ELSA sehen unterschiedlich aus: Die Vorstände der Fakultätsgruppen, also der lokalen Vereine, engagieren sich neben dem Studium. Bei den Dachverbänden, ELSA-Deutschland e.V. in Heidelberg und ELSA International in Brüssel, setzen die Vorstandsmitglieder ein Jahr ihres Studiums aus und engagieren sich in Vollzeit für den Verein. Die Vorstände beziehen ein eigenes Haus in der jeweiligen Stadt, das ELSA gehört, und leben dort in einer Wohngemeinschaft zusammen. Die wöchentlichen Zeiten des Engagements weichen daher stark voneinander ab.

Tim: Genau kann ich nicht sagen, wie viel Zeit ich investiere, aber es entspricht mehr als einer klassischen 40-Stunden-Woche. Als Präsident von ELSA-Deutschland e.V. ist es meine Aufgabe, die Partner des Vereins zu betreuen, meinen Vorstand zu managen und auch an der Erweiterung des Vereins zu arbeiten.

Peter: Es hing von meinen jeweiligen Posten ab, die ich in den letzten drei Jahren bei ELSA-Leipzig e.V. innehatte. Als Vorstand für Marketing waren es circa zwei Stunden pro Woche, als Vizepräsident ungefähr drei Stunden und momentan als Präsident um die fünf Stunden.

Alessandra: Ich schätze etwa zwei bis fünf Stunden, je nachdem wieviel gerade zu tun ist.

 

6) Wie sehr lenkt dich die ehrenamtliche Arbeit vom Jurastudium ab?

Alessandra: Kaum. Ich kann mir die Arbeit so einteilen, wie es am besten in meine Planung passt. Wenn es einmal gar nicht geht, kann ich glücklicherweise einfach aussetzen oder Aufgaben an einen Kollegen delegieren.

Tim: Seitdem ich dieses Jahr Vollzeit für ELSA arbeite, hindert es mich natürlich komplett am Lernen, aber dafür habe ich mich ja auch bewusst entscheiden. Dennoch bin ich der Ansicht, dass es mich nie abgelenkt hat, sondern immer ein Ausgleich zum Universitätsalltag war.

Peter: Im Moment fungiert die ehrenamtliche Arbeit bei mir eher als eine hilfreiche Abwechslung und Ausgleich zum Jurastudium. Hauptsächlich lenken mich die Besuche von nationalen oder internationalen Treffen vom Studium ab.

 

7) Wie laufen nationale und internationale Treffen von ELSA ab?

Die Mitglieder von ELSA-Deutschland e.V. treffen sich zwei Mal pro Jahr zur Generalversammlung. Diese ist das höchste Beschlussorgan des Vereins und dient dazu, die Zukunft von ELSA zu gestalten. Es finden hier jeweils Workshops der einzelnen Vorstandsbereiche und das Plenum zur Beschlussfassung statt.

Die Generalversammlung dauert immer vier Tage, von Donnerstag bis Sonntag, zu der im Schnitt 300 Mitglieder aus ganz Deutschland anreisen. Das Rahmenprogramm bildet eine Führung durch die gastgebende Stadt und Mottopartys an den Abenden.

Die nächste Generalversammlung findet im Juni 2018 in Saarbrücken statt. Außerdem veranstaltet ELSA-Deutschland e.V. zwei Mal pro Jahr ein Referententreffen, das ebenfalls vier Tage dauert und sich speziell an Vorstandsmitglieder richtet. Dieselben Veranstaltungsstrukturen existieren auch auf internationaler Ebene. Das Pendant zur Generalversammlung ist das International Council Meeting (ICM), das eine Woche dauert. Hier treffen sich alle 43 nationalen Vorstände in einer gastgebenden europäischen Stadt. Das nächste ICM findet im April 2018 in Lemberg (Ukraine) statt. Daneben gibt es noch Treffen für spezielle Vorstandsbereiche, die den Referententreffen entsprechen, wie das International Presidents Meeting (IPM) oder Supporting Area Meeting (SAM).

 

8) Unterstützt deine Universität das studentische Ehrenamt?

Alessandra: Professoren und andere Mitarbeiter der Goethe-Universität Frankfurt zeigen oft Begeisterung für ELSA. Als Unterstützung der Universität würde ich es jedoch erst bezeichnen, wenn die Arbeit genauso anerkannt würde, wie andere Ehrenämter. Das Engagement in der Fachschaft bringt beispielsweise Anerkennung eines Freisemesters mit sich.

Tim: Die Unterstützung ist leider viel zu gering. Es ist oft schwierig, mit der Universität Heidelberg zu kommunizieren, wenn es um Räume oder Genehmigungen für Events geht.

Peter: Die juristische Fakultät steht ELSA sehr positiv gegenüber und unterstützt unsere Projekte. Die Universität Leipzig selbst unterstützt uns leider nicht.

 

9) Bekommt dein Team außerdem Unterstützung von Kanzleien und Unternehmen?

Die meisten Studierendeninitiativen besitzen einen Förderkreis und Beiräte. Bei ELSA werden vier Arten von Partnern unterschieden: Die Praxispartner unterstützen den Verein finanziell, während die Beiräte sowie Projekt- und Menschenrechtspartner eine ideelle Unterstützung darstellen. Zu seinen Förderern zählt ELSA unter anderem die Internationale Liga für Menschenrechte und den Europarat. Auch die lokalen Fakultätsgruppen können eigene Partner haben.

Peter: Ja, wir bekommen regelmäßig Merchandise von Kanzleien für Erstsemestertüten sowie Sachspenden und Förderungen für ein von uns ausgerichtetes nationales Treffen.

Alessandra: ELSA-Frankfurt am Main e.V. kann glücklicherweise einige Kanzleien und Unternehmen zu ihren Förderern zählen. Außerdem sind viele weitere Institutionen sehr entgegenkommend, was die Organisation von gemeinsamen Events und Projekten angeht.

Tim: Externe Förderer sind neben Mitgliedsbeiträgen die größte Einnahmequelle von ELSA-Deutschland e.V. Es ist auch meine Aufgabe, die Partner stets gut zu betreuen und auch neue zu gewinnen.

 

10) Was waren die schönsten Momente, die du mit ELSA erlebt hast?

Alessandra: Als ich das erste Mal auf ein nationales Treffen mit einer großen Anzahl von Vertretern meiner Fakultätsgruppe gefahren bin. Ich sah das riesige Netzwerk dieser Initiative und mir wurde klar, dass mich mit diesen hunderten von Menschen eins verbindet: das ehrenamtliche Engagement. Aus diesem Zusammenhalt sind nicht nur Freundschaften entstanden, sondern auch Helfer und Unterstützer in schwierigen Situationen in Bezug auf die Arbeit in meinem Ehrenamt. Man ist nie allein, das ist das schönste!

Tim: Für mich persönlich war es meine Wahl zum Präsidenten von ELSA-Deutschland e.V. in Berlin, da ich dort das Vertrauen der gesamten Mitgliedschaft ausgesprochen bekommen habe. Sonst zählt zu meinen Favoriten aber auch mein erstes internationales Treffen auf Malta, bei dem ich die Größe und Reichweite ELSAs erst kennengelernt und realisiert habe.

Peter: Die schönsten Momente sind für mich eigentlich immer, wenn wir eine Veranstaltung für unsere Mitglieder organisiert haben und diese uns danach ein positives Feedback geben. Außerdem wenn ich ELSA neuen Studenten vorstelle und mir dadurch selbst noch einmal vor Augen geführt bekomme, was die eigene Initiative doch alles zu bieten hat. Ist man schon länger aktiv, verschwimmt diese Sicht manchmal ein wenig.

 

11) Kannst du deinen Kommilitonen das Engagement im studentischen Ehrenamt empfehlen?

Peter: Hundertprozentig! Die Zeit bei ELSA hat mich persönlich und mein Studium sehr bereichert. Es war die benötigte Abwechslung für mich in den ersten Semestern und bot mir die Möglichkeit, neben dem Studium etwas bewegen zu können.

Alessandra: Auf jeden Fall! Ich kann jeden nur dazu ermutigen, seinen Horizont zu erweitern und neben der eigenen Freizeit einmal etwas anderes zu machen, als nur zu arbeiten und zu lernen. Es lohnt sich!

Tim: Ja und zwar wirklich jedem, denn man bekommt im Leben niemals wieder eine solche Chance!

 

12) Zu welchem Zeitpunkt des Studiums ist das Ehrenamt empfehlenswert?

Tim: Gerade zum Anfang des Studiums, da man dann noch viel Zeit hat. Aber auch im Laufe des Studiums finde ich es empfehlenswert, um sich vom Unialltag abzulenken und Spaß zu haben.

Peter: Für mich persönlich ist die Zeit vom ersten bis sechsten Semester ideal.  Am Beginn des Studiums hat man so die Unterstützung älterer Kommilitonen und außerdem eine Ablenkung zu dem Alltagsstress, aber dennoch genug Freizeit neben den universitären Aufgaben. Die Zeit bis zur Examensvorbereitung sollte man in meinen Augen nutzen, um noch nicht sein komplettes Leben dem Studium zu verschreiben.

Alessandra: In meinen Augen immer! Ich selbst habe auch früh damit begonnen und jetzt, wo es für mich auf die Examensvorbereitung zugeht, schalte ich einfach einen Gang zurück, wenn ich es brauche.

 

Anmerkung:

Das Interview führte Lorenz Färber. Er ist Direktor für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei ELSA-Deutschland e.V. Die Anmerkungen stammen von ihm.

ELSA, die European Law Students‘ Association, ist die weltgrößte gemeinnützige Initiative für Jurastudierende. Sie zählt über 40.000 Mitglieder in 44 Ländern Europas, davon 12.000 in Deutschland. Gegründet wurde ELSA am 04. Mai 1981 in Wien, um eine Plattform der Begegnung für Jurastudierende zu bilden, auch über damals streng gesicherte Grenzen hinweg. ELSA setzt sich ein für Menschenrechte sowie akademische, berufsvorbereitende und internationale Veranstaltungen.

 

Leser interessierte auch:

  •  

 

Über den Autor

Lorenz Färber

Lorenz Färber

studiert im siebten Semester Rechtswissenschaften an der Goethe Universität Frankfurt am Main und ist derzeit Direktor für Public Relations bei ELSA-Deutschland e.V.

Juristische Arbeitgeber, Jobs oder Events. Exklusiv für Mitglieder!

Mit der 1-Klick Bewerbung kannst du dich in sekundenschnelle bei den Arbeitgebern bewerben.

Jetzt registrieren


Talente haben sich auch diese Artikel durchgelesen:

Studium & Co.

Bye Bye, Blackout!

Wie man während der Prüfung einen klaren Kopf behält...

Studium & Co.

Übersicht Jura Repetitorium

Ein detaillierter Überblick der Möglichkeiten mit Preisen & Standorten...

Studium & Co.

TOP 5: Klausurenvorbereitung

Wie du die Klausurenphase locker meistern wirst!

Finde einzigartige juristische Arbeitgeber, Jobs, Law Schools oder Events. Mehr Informationen

Registrieren