Rechtsanwalt und Schiedsrichter Tobias Stieler bei den New Lawyers

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 06.04.2022.

Von der Großkanzlei auf den Fußballplatz

Rechtsanwalt & Schiedsrichter Tobias Stieler bei New Lawyers

Als Anwalt arbeitete er mit unzähligen Gesetzen, jetzt hat er sich auf 17 Regeln beschränkt: Tobias Stieler ist Rechtsanwalt und hat seine Karriere in der Großkanzlei Hogan Lovells gegen die als Schiedsrichter eingetauscht. Zusätzlich hat er Sportpsychologie studiert und arbeitet nun auch als Sportpsychologe. Über die Gemeinsamkeiten seiner Berufungen sowie über die Bedeutung von mentaler Gesundheit spricht er in dieser Folge des New Lawyers Podcast von TalentRocket mit Alisha Andert.

 

Der Lebenslauf von Tobias Stieler liest sich zu Beginn nicht besonders ungewöhnlich: Er konnte sich zunächst nicht zwischen Medizin und Jura entscheiden, studierte dann Letzteres in Frankfurt und begann anschließend seine Karriere in der Großkanzlei Hogan Lovells im Arbeitsrecht – weil die Anwält:innen auf der Webseite so nett lächelten. Diese Entscheidung hat er nicht bereut und fühlte sich dank der angenehmen Arbeitsatmosphäre in der Kanzlei sehr wohl.

Schon seit er vierzehn Jahre alt war, gibt es jedoch noch eine zweite Berufung in seinem Leben: die des Schiedsrichters. Saison für Saison stieg er in diesem Beruf so lange auf, bis er 2012 in der Bundesliga ankam und schließlich sogar zum internationalen Schiedsrichter nominiert wurde. Trotz der Unterstützung seiner Kanzlei, die ihm eine Vier- und schließlich sogar eine Dreitagewoche ermöglichte, damit Stieler seinem zweiten Job nachgehen konnte, musste dieser sich irgendwann entscheiden – und wechselte schließlich endgültig vom Büro auf den Platz.

Die juristische Ausbildung war keine verschwendete Zeit

Ganz so unterschiedlich wie es auf den ersten Blick scheint, sind diese beiden Berufe laut Stieler gar nicht – sie bedürften beide Gewissenhaftigkeit und Struktur sowie einer guten Menschenkenntnis, in beiden Positionen können Fehler Millionen kosten. „Als Schiedsrichter sind wir Exekutive und Judikative in Einem“, fasst er zusammen. Auch wenn er jetzt in einem anderen Beruf tätig ist, hat Stieler seine juristische Ausbildung nie als verschwendete Zeit wahrgenommen – im Gegenteil habe Jura sein Denken und Handeln in einer Weise geprägt, die ihm auch in seinem jetzigen Job weiterhilft.

Als Schiedsrichter sind wir Exekutive und Judikative in Einem.
Tobias Stieler

Sportpsychologie als dritte Leidenschaft

In der Fußballwelt ist Stieler nicht nur als Schiedsrichter bekannt, er hat zusätzlich zu seinem Jurastudium noch einen Master in Sportpsychologie abgeschlossen und arbeitet nun auch als Sportpsychologe mit unterschiedlichen Sportlerinnen und Sportlern zusammen. Wie wichtig eine psychologische Betreuung auch für Profisportler:innen ist, konnte Stieler am eigenen Leib erfahren – auch er als Schiedsrichter ist, was oft vergessen wird, ein Leistungssportler, der oftmals während der Partie sogar mehr läuft als die Spieler:innen selbst.

Weil er vor allem zu Beginn seiner Profikarriere Probleme mit seiner sportlichen Leistung hatte, suchte er einen Psychologen auf und versucht nun, die falsche Wahrnehmung zu beeinflussen, die viele von der Arbeit von Sportpsycholog:innen haben. Oftmals werde diese Arbeit nicht wirklich ernst genommen oder deren Bedeutung nicht gewürdigt. „Jeder, der keinen Sportpsychologen an seiner Seite oder in seinem Team hat, der verschenkt Potenzial“, sagt Stieler und weist darauf hin, wie wichtig die mentale Gesundheit für Sportler:innen und deren Leistungen ist.

Während der psychologischen Unterstützung zur Leistungssteigerung größere Aufmerksamkeit zuteilwerde, komme die mentale Gesundheit oftmals zu kurz – auch wenn sich das in der letzten Zeit ein wenig gewandelt habe. Stielers hat es sich zum Ziel gesetzt, die Sportpsychologie und deren positiven Nutzen bekannter zu machen. Sein Antrieb dabei ist es, so wie bei allem, was er tut, einen Sinn für sich in seinen Tätigkeiten zu finden.

 

Du möchtest erfahren, welches Tobias Stielers größten Erfolge sowohl in der Kanzlei als auch auf dem Platz waren? Dann hör doch einmal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 2:00: Icebreaker-Frage: Welches Gericht kannst du besonders gut zubereiten?
  • Ab 3:38: Wie kamst du zu Jura?
  • Ab 6:36: Wie bist du zu Hogan Lovells gekommen und was hast du dort gemacht?
  • Ab 7:41: Wie begann deine Schiedsrichterkarriere?
  • Ab 13:10: Wurdest du oft auf deine Arbeit als Schiedsrichter angesprochen?
  • Ab 14:20: Welche Parallelen siehst du zwischen Schiedsrichterjob und juristischer Tätigkeit?
  • Ab 16:00: Hat dir deine juristische Denkweise geholfen?
  • Ab 16:58: Was waren deine größten Erfolge?
  • Ab 19:45: Wie hat sich das Schiedsrichterdasein über die Jahre verändert?
  • Ab 22:11: Wie kommuniziert ein Schiedsrichterteam?
  • Ab 25:12: Wie kam es zu deiner Karriere als Sportpsychologe?
  • Ab 28:40: Wie unterschiedlich sind die Fußballligen?
  • Ab 29:43: Bekommen Sportler:innen ausreichend Unterstützung in Bezug auf mentale Gesundheit?
  • Ab 33:10: Wie sieht den Arbeitsalltag aus?
  • Ab 34:34: Was benötigt man für Erfolg?
  • Ab 35:59: Was sind deine Zukunftspläne?