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Auf ins Unternehmen!

Rechtsreferendar Richard Krupp gibt Einblicke in seine Wahlstation bei Deutsche Post DHL Group


veröffentlicht am 22.06.2020

Richard Krupp, Jahrgang 1992, studierte von 2012 bis 2017 Rechtswissenschaft in München und hat 2018 sein Referendariat am Landgericht Bonn begonnen. Um einen Blick hinter die Kulisssen zu werfen und die logistischen Herausforderungen nachvollziehen zu können, hat er seine Wahlstation bei Deutsche Post DHL Group absolviert. Aktuell bereitet er sich auf seine mündliche Prüfung vor.

 


Im Bonner Post Tower hinter den Kulissen der Deutsche Post DHL Group: Richard Krupp


Herr Krupp, Sie sind bei Ihrer Wahlstation einen Weg gegangen, den sich viele Studenten und Referendare meist weniger vorstellen können oder nicht kennen. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Arbeit einer Konzernrechtsabteilung kennenzulernen?

Richard Krupp: Ich persönlich habe während des Studiums und zu Beginn des Referendariats noch nicht näher die Tätigkeit des Unternehmensanwalts im Blick gehabt. Bemerkenswert ist, dass in der für Studenten und Referendaren einschlägigen Literatur zumindest ein gewisses Repräsentationsgefälle bestehen dürfte. Im Beck´schen Referendarführer 2020/2021 sind etwa unter der Rubrik Kanzlei- und Unternehmensprofile nach meiner Zählung insgesamt 80 Kanzleien, zwölf Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes und vier Unternehmen aufgezählt.
 

Ausschlaggebend war für mich der Vortrag eines Unternehmensanwalts bei einer Informationsveranstaltung für Referendare am Landgericht Bonn. Der Redner war so begeistert von seiner Tätigkeit, dass ich mir dachte: Das solltest Du dir mal näher anschauen.

 

Würden Sie auch Studenten raten, die Möglichkeit eines Praktikums in der Rechtsabteilung eines Unternehmens wahrzunehmen oder erfordert dies ein recht fortgeschrittenes Wissen und Judiz?

Richard Krupp: Grundsätzlich ist ein Praktikum eine gute Möglichkeit, die Rechtsabteilung eines Unternehmens kennen zu lernen. Sobald man als Student einen gewissen Wissensstand erreicht hat, kann man seinem Ausbilder sinnvoll zuarbeiten. Für ein Praktikum in einer Rechtsabteilung spricht dabei auch, dass dort eine Fülle von Fragen unterschiedlicher Komplexität aufkommt.
 


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Oft kennen Studenten im Bereich der Rechtsberatung nur die Seite des Anwaltsberufes. Wo sind hier die Unterschiede, die Sie beim Vergleich Ihrer Referendarstationen sehen und welche Besonderheiten bietet die Tätigkeit als Syndikusanwalt?

Richard Krupp: Meine Anwaltsstation habe ich bei einer Großkanzlei absolviert. Ich habe einerseits Rechtsberatung im klassischen Sinne erlebt, etwa die Beantwortung der Frage des Mandanten, ob eine bestimmte Geschäftsidee in dieser Form rechtlich umsetzbar ist. Andererseits habe ich auch viele Klageverfahren begleitet. Ich würde sagen, dass man in der Rechtsberatung in einem Unternehmen deutlich früher in den Wertschöpfungsprozess einbezogen wird. Das bietet die Möglichkeit, früher die Weichen zu stellen, wie sich ein Produkt oder eine Idee entwickelt.

Eine Besonderheit der Tätigkeit des Syndikusanwalts könnte sein, dass man sich schnell mit dem Unternehmen und seinen Produkten persönlich identifiziert.


Wie verliefen die Gespräche und die Kontaktaufnahme rund um die Wahlstation bei der Deutschen Post? Gibt es hier Besonderheiten, die bei der Bewerbung beachtet werden müssen?

Richard Krupp: Ich habe mich ganz klassisch auf eine Stellenausschreibung beworben. Das Vorstellungsgespräch fand mit drei Juristen im Post-Tower in Bonn statt und dauerte ca. 45 Minuten. Im Kern ging es um die Frage, an welcher Stelle ich am sinnvollsten eingesetzt werden würde.

Besonderheiten im Bewerbungsprozess dürften nicht bestehen. Sollte keine Stelle ausgeschrieben sein, lohnt es sich immer, in der Personalabteilung anzufragen, ob Initiativbewerbungen erwünscht sind und wer der zuständige Ansprechpartner ist.     
 


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Sie kennen sowohl die Arbeit in einer Kanzlei als auch die in einem Unternehmen. Lassen sich die Tagesabläufe miteinander vergleichen und wo fallen mögliche Unterschiede und Gemeinsamkeiten besonders auf?

Richard Krupp: In beiden Stationen habe ich selbstbestimmt arbeiten dürfen. Ich erhielt eine Aufgabe und sprach die Vorgehensweise mit meinem Ausbilder ab. Dann habe ich mich in die Thematik eingelesen, eine Lösung erarbeitet und diese dem Ausbilder präsentiert. Im Idealfall war dieser mit dem Ergebnis beanstandungslos zufrieden und verwendete den exakten Wortlaut für seine Zwecke weiter, etwa im Schreiben an die Gegenseite.
 

Ein Unterschied fiel beim Mittagessen auf: In der Großkanzlei gab es mehrere Referendare, mit denen man dann auch gemeinsam zum Mittagessen ging. Bei Deutsche Post DHL Group war ich, zumindest in der Rechtsabteilung, der einzige Referendar. Ich bin daher in der Regel gemeinsam mit meinen direkten Kollegen essen gegangen. Das hat den persönlichen Kontakt, über die „professionelle“ Ebene während der Arbeit hinaus, deutlich gestärkt und die Zusammenarbeit aus meiner Sicht positiv beeinflusst.
 


Wie stark wurden Sie von Anfang an in die Strukturen und die Arbeit mit eingebunden und welche Bereiche durften Sie in diesen drei Monaten der Wahlstation kennenlernen?

Richard Krupp: Ich wurde von Anfang an sehr intensiv in die Strukturen und die Arbeit eingebunden. In der zweiten Woche meiner Stage sollte ich etwa einen meiner Ausbilder zu einem wichtigen Meeting begleiten, in dem er die zuvor von uns zusammen erarbeitete Sicht der Rechtsabteilung zu einem Produkt darstellen wollte. Als mein Ausbilder dann kurz vor dem Meeting spontan zeitlich nicht teilnehmen konnte, fragte er mich, ob er das Meeting verschieben solle oder ob ich die Rechtsabteilung vertreten wolle. Diesen Vertrauensbeweis, der sinnbildhaft für den Umgang bei Deutsche Post DHL Group mit mir als Referendar steht, nahm ich natürlich dankbar an.

Thematisch habe ich mich insbesondere mit den Bereichen Vertrags-, Lauterkeits- und Markenrecht befasst.
 

Apropos Strukturen – Wie ist die Rechtsabteilung im Unternehmen einzugliedern und welche Karrierestufen existieren bei der der Deutschen Post DHL Group für Juristen?

Richard Krupp: Die Rechtsabteilung muss man sich wie eine Kanzlei innerhalb des Unternehmens vorstellen, deren Mandanten die einzelnen Unternehmensbereiche sind.

Bei Deutsche Post DHL Group bestehen dabei verschiedenste Karrierestufen für Juristen. In der Rechtsabteilung steigt man in der Regel als sog. Legal Council ein und könnte sich mit der Zeit zum Team- oder sogar Abteilungsleiter weiterentwickeln.

Zudem bieten sich in großen internationalen Konzernen auch spannende Möglichkeiten, für eine gewisse Zeit ins Ausland zu gehen. Bei der Deutschen Post DHL Group kommt es immer wieder einmal vor, dass deutsche Kollegen etwa in England, den USA oder Singapur arbeiten – und umgekehrt, dass auswärtige Kollegen des internationalen Rechtsbereichs in Bonn sind.
 


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Während Ihres Studiums an der LMU München wählten Sie den Schwerpunkt des öffentlichen Wirtschafts- und Infrastrukturrechts. Half Ihnen das dort erworbene Wissen, sich besser in den Themen bei der Deutschen Post DHL Group zurechtzufinden?

Richard Krupp: Thematisch gesehen eher nicht. Die Reduktion auf erworbenes Wissen wäre aber zu kurz gegriffen. Denn man lernt ja auch im Schwerpunkt das „juristische Handwerk“, also die Herangehensweise an komplexe Probleme und die Erarbeitung von Lösungen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Fähigkeit zur Auslegung von Normen oder Verträgen das entscheidende Abgrenzungsmoment zu Nichtjuristen ist.
 

Konnten Sie durch die Wahlstation neue Stärken für sich entdecken und wie fördert Deutsche Post DHL Group als Unternehmen diese gegebenenfalls?

Richard Krupp: Eine Stärke eines jeden Juristen sollte es sein, einen juristischen Sachverhalt einem Nichtjuristen verständlich darstellen zu können. In der interdisziplinären Tätigkeit des Unternehmensjuristen muss man diese Fähigkeit durch die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Fachbereichen regelmäßig anwenden.
 

Einige Kanzleien unterstützen ihre Referendare bei der Vorbereitung auf das Examen oder organisieren regelmäßige Referendarstammtische mit aktuellen und ehemaligen Referendaren. Welche Möglichkeiten bietet Deutsche Post DHL Group hinsichtlich Examensvorbereitung oder Networking?

Richard Krupp: Die Möglichkeit, einen Aktenvortrag unter Examensbedingungen vorzutragen, wurde angeboten. Ich habe auch mit vielen Kollegen in der Rechtsabteilung über ihren Weg in das Unternehmen gesprochen.
 

Dabei wurden mir auch immer wieder Kontakte zu Juristen in anderen Unternehmensbereichen vermittelt, mit denen ich dann ihrerseits gesprochen habe. Hierbei habe ich durchweg die Erfahrung gemacht, dass andere ihre Erfahrungen ehrlich und offen mit mir geteilt haben. Dieser Austausch hat mir sehr geholfen und macht aus meiner Sicht den Kern von Networking aus.    


Welche Überraschungen und Herausforderungen hielt die Zeit bei der Deutschen Post DHL Group für Sie bereit und sehen Sie die Arbeit als Syndikusanwalt als eine attraktive Alternative zu dem „klassischen“ Anwaltsberuf?

Richard Krupp: Überraschend empfand ich die Breite an möglichen Betätigungsfeldern für Juristen bei Deutsche Post DHL Group. Eine Herausforderung war es, den schmalen Grat zu beschreiten, der darin besteht, eine Frage einerseits juristisch korrekt zu beantworten, andererseits der Fachseite eine Entscheidungsgrundlage zu geben, auch wenn die juristische Bewertung wegen des unklaren Sachverhalts nur vage sein kann.

Für die Tätigkeit des Syndikusanwalt sprechen die Annehmlichkeiten eines Unternehmens, etwa die Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie feste Arbeitszeit- und Vergütungsmodelle.


Wie gestaltet sich das Arbeits- und das kollegiale Klima in der Rechtsabteilung eines Unternehmens und insbesondere bei der Deutschen Post? Sind Teamplayer hier mehr gefragt als bei Kanzleien oder ist dies schwer vergleichbar?

Richard Krupp: Das Arbeits- und kollegiale Klima, wie ich es bei Deutsche Post DHL Group erlebt habe, ist sehr angenehm. Es wird konstruktiv und ergebnisorientiert zusammengearbeitet, dabei herrscht ein sehr respektvoller Umgang miteinander. Die Kollegen sind auf ihrem jeweiligen Bereich spezialisiert und ihre Einschätzung hat entsprechendes Gewicht. Zu keinem Zeitpunkt während meiner Wahlstation habe ich gehört, dass auf den Arbeitgeber geschimpft wurde. Beleg für dieses positive Arbeitsklima ist der sehr geringe Wechsel im Kollegenkreis.

Ich denke, dass man sowohl in der Kanzlei als auch im Unternehmen als Team arbeiten sollte. In der Rechtsabteilung eines Unternehmens muss man jedenfalls ein Teamplayer in dem Sinne sein, dass das Team auch interdisziplinär aufgestellt sein wird.
 

Alles nur ernst oder auch Zeit für Humor – Was war für Sie die bisher prägendste oder lustigste Situation in der Wahlstation?

Richard Krupp: Am prägendsten ist für mich, mit welcher Offenheit und Ehrlichkeit mir meine Kollegen über ihren Weg zum Arbeitgeber Deutsche Post DHL Group berichtet haben. Es ist sehr ermutigend, wenn andere von ihren Erfahrungen und Entscheidungen berichten. Dies setzt viel Vertrauen voraus.
 

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Welche Aufgaben und Fragen gehören zum Bereich der eigenen Rechtsabteilung und werden externe Kanzleien überhaupt noch benötigt? Falls ja, worin unterscheiden sich die zu bearbeitenden Rechtsfragen?

Richard Krupp: Ein großer Teil der unternehmensintern anfallenden Fragen wird von der eigenen Rechtsabteilung beantwortet. Dabei handelt es sich insbesondere um rechtsgestaltende Fragestellungen. Aber es gibt auch eine Fülle an Konstellationen, in denen externe Kanzleien benötigt werden. Einzelheiten sind in § 46c BRAO normiert. Manche Verfahren sind auch vom Umfang her von der Rechtsabteilung eines Unternehmens nicht zu bewältigen. Insgesamt muss man realisieren, dass auch die Rechtsabteilung nach dem Prinzip „Make-or-Buy“ handelt und sich stets die Frage stellt, ob es sich lohnt, selbst eigene Expertise und Ressourcen für rechtliche Themenkomplexe aufzubauen oder ob es nicht besser ist, Rechtsrat in Einzelfällen extern zu suchen.
 

Würden Sie nach Ihren Erfahrungen im Referendariat eine Karriere als Syndikusanwalt nun eher in Betracht ziehen und wie war Ihre Einstellung hierzu vor der Station?

Richard Krupp: Ja, eine Karriere als Syndikusanwalt ziehe ich durchaus in Betracht. Insofern hat sich meine Einstellung nicht geändert.
 

Zum Abschluss: Wem würden Sie den Blick hinter die Kulissen als Syndikusanwalt empfehlen und welchen Rat hinsichtlich der Planung der Wahlstation würden Sie interessierten Studenten und Referendaren mit auf den Weg geben?

Richard Krupp: Den Blick hinter die Kulissen als Syndikusanwalt empfehle ich jedem, der sich der Herausforderung stellen möchte, sein juristisches Fachwissen in Einklang mit den vielfältigen Fragestellungen und Herausforderungen eines Unternehmens zu bringen.

Ich kann interessierten Studenten und Referendaren nur empfehlen, bei ihren Planungen die zahlreichen Unternehmen nicht aus dem Blick zu lassen.

 

Ihr Fazit?

Richard Krupp: Unternehmensjurist ist etwas für alle, die den Blick über den „juristischen Tellerrand“ hinaus wagen wollen.

 

Vielen Dank, Herr Krupp!

 


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