Speyersemester während des Jura Referendariats?

Dreimonatiges Ergänzungsstudium während der Verwaltungs-, Anwalts- oder Wahlstation an der Uni Speyer


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 15.04.2019

 

 

Wer sich mit der Planung seines Jura Referendariats beschäftigt, der stößt schnell auf viele verschiedene Möglichkeiten, die sich einem bieten. Einer dieser Optionen, die noch verhältnismäßig unbekannt ist bzw. noch recht spärlich genutzt wird, ist das dreimonatige Ergänzungsstudium an der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer, gelegen am Oberrhein.

 

Auf den ersten Blick widerspricht die Konstellation eines Ergänzungsstudiums eigentlich der Idee des Referendariats, denn dieses ist natürlich in erster Linie auf Praxiserfahrungen ausgelegt. Doch insbesondere für diejenigen Referendare, die ihre Zukunft in der Verwaltung sehen, kann ein tiefer greifendes Zusatzstudium, vor allem in so kurzer und daher intensiver Zeit, durchaus sinnvoll sein.

 

Was genau ist das Speyersemester?

Für Rechtsreferendare wird die Möglichkeit angeboten, sich für drei Monate an die Universität Speyer entsenden zu lassen, um dort ein verwaltungswissenschaftliches Zusatzstudium zu absolvieren.

 

Dies ist sowohl während der Verwaltungs- oder Anwaltsstation aber auch während der Wahlstation möglich.

 

Geboten wird dort eine Art Intensivkurs im Bereich des öffentlichen Rechts mit Schwerpunkt auf dem Verwaltungsrecht für Referendare. Es wird in kleineren Gruppen gearbeitet, es gibt Seminare, Übungen und Arbeitsgemeinschaften aber auch Pflichtklausuren, die natürlich auch bestanden werden müssen.

Die drei Monate bieten natürlich nicht den Rahmen für eine allumfassende Ausbildung, doch das sehr breite Angebot von Kursen und Inhalten und die recht frei gestaltbare individuelle Auswahl und Zusammenstellung derer bietet allen Teilnehmern die Möglichkeit, sich sehr gut und konzentriert fortzubilden.

 

Darauf solltest du achten, wenn du dein Referendariat planst!

 

Wie lässt sich das Speyersemester mit der Examensvorbereitung kombinieren?

Natürlich bestehen sofort Bedenken dahingehend, dass die Examensvorbereitung und natürlich der laufende Stoff unter dem Semester an der Uni Speyer leidet. Absolventen des Studiengangs sind jedoch auffallend einstimmig der Meinung, dass mit guter Organisation keinerlei Probleme entstünden. Insbesondere die dortigen Lehrveranstaltungen und Klausuren würden den Bereich öffentliches Recht vollends abdecken.

 

Vor Ort werden Examensklausuren bearbeitet und besprochen und es findet quasi automatisch eine entsprechende Vorbereitung statt.

 

Mit etwas Zeitmanagement lassen sich zudem auch die weiteren Inhalte problemlos parallel bearbeiten.

Außerdem bietet die Universität extra für die Referendare eine Veranstaltungsreihe an, in der auch zivil- und strafrechtliche Examensklausuren der letzten Jahre besprochen werden und die Studierenden somit auch hier nicht aus dem Tritt kommen.

 


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Unterschiede im Ref je Bundesland


Der Ablauf


 

Weitere Kombinationsmöglichkeiten bei kluger Belegung von Kursen

Zudem bietet die Uni Speyer denjenigen, die später noch einen Zusatztitel wie zum Beispiel den LL.M „Staat und Verwaltung in Europa“ erwerben möchten, die Möglichkeit, sich die Zeit hierfür ebenfalls anrechnen zu lassen. Dafür müssen jedoch bestimmte Studieninhalte unbedingt belegt werden. Wer also mit diesem Gedanken spielt oder sich bereits sicher ist, dass dieser LL.M noch auf der Agenda steht, der ist auch laut der Homepage der Universität Speyer gut damit beraten, eine Studienberatung noch vor Auswahl der Kurse durchzuführen. Neben dem LL.M bietet die Universität auch noch weitere Aufbaustudiengänge wie z.B. zum Magistra oder Magister rerum publicarum an. Bereits zum LL.M bezüglich einer Beratung gesagtes gilt natürlich auch hier.

 


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Wie sind die Zulassungsvoraussetzungen?

Wer sich als Referendar bewerben möchte, der braucht nur bei seiner zuständigen Ausbildungsbehörde, also zum Beispiel dem Oberlandesgericht, um eine Entsendung zu bitten.

 

Die Erfolgsaussichten hierfür sind in der Regel gut.

 

Möchte man sich hingegen für einen der Studiengänge bewerben, hat dies entweder bis zum 1. März oder zum 1. September jeden Jahres zu erfolgen. Die Bewerbung kann formlos erfolgen und muss nur einen Lebenslauf in deutscher Sprache und eine beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses umfassen.

 

Wie kann man wohnen und leben und wo liegt Speyer eigentlich?

Die Stadt Speyer ist mit rund 50.000 Einwohnern für eine Universitätsstadt recht klein. Sie liegt in Rheinland-Pfalz und ist in der Nähe von Heidelberg und Mannheim, direkt am Rhein gelegen.

 

Eine schöne Altstadt, der Dom zu Speyer und eine sehr aktive Cafe und Bar Kultur tragen zu einem angenehmen und kulturell interessanten Leben bei.

 

Die Stadt wird insgesamt als sehr schön und lebensfreundlich bezeichnet. Die Universität hat einen Sonderstatus in Deutschland inne. Sie wird von allen Bundesländern betrieben und dient der Ausbildung der Verwaltungselite. Ursprünglich war die Universität sogar von den Franzosen als Folge des Weltkriegs errichtet worden, um eine demokratische Beamtenschaft heranzuführen. Rund die Hälfte aller Studenten sind Rechtsreferendare und andere Juristen, es gibt jedoch auch einen großen Anteil an Ökonomen, Politik- und Sozialwissenschaftlern und ausländischen Studenten. Für Studenten der Universität gibt es in erster Linie zwei Wohnheime zum leben und wohnen. Diese werden vorrangig an Studenten mit zu weiter Anfahrt vergeben und bei zu vielen Kandidaten verlost.

 

Die Kosten für die Zimmer dort sind sehr gering und liegen bei rund 150 Euro im Monat.

 

Wenn man kein Zimmer erhalten hat, bekommt man von der Universität Zugriff auf eine Datenbank von Privatvermietern, die zwar etwas teurere, aber immer noch bezahlbare Wohnungen für Studenten anbieten. Zudem gibt es an der Universität natürlich eine Kantine, so dass die Lebensunterhaltungskosten während dieser Zeit überschaubar sind. Dennoch ist der finanzielle Aufwand vor allem dann, wenn eine andere Wohnung während dieser Zeit weiterhin bezahlt werden muss, natürlich dennoch höher als sonst.

Schließlich sei auch noch der studentische Lebensstil in Speyer erwähnt,

 

denn der Universität geht ein Ruf als Heimstätte vieler und wilder Partys voraus.

 

Diesem Gerücht können die meisten Studenten, die dort eine Zwischenstation abgehalten haben, auch nicht widersprechen. Es wird jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass das Studium derart viel Zeit in Anspruch nimmt, dass das Partyleben im Zaum gehalten werden sollte. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Studenten hat sich dort jedoch der Brauch etabliert, dass jedes Bundesland eine eigene Party für die anderen veranstaltet, was natürlich zu regelmäßigen Feierlichkeiten führen muss.

 

Wer sich für das Speyersemester an der Verwaltungshochschule Speyer interessiert, sollte sich möglichst früh bei seiner Ausbildungsbehörde melden und informieren. Die Studiengänge gehen vom 1. Mai bis 31. Juli und vom 1. November bis zum 31. Januar. Insbesondere für verwaltungsrechtlich interessierte Referendare empfiehlt sich der Weg über die Uni Speyer natürlich sehr.

 

 

Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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