Diplompsychologin und Business Coach Diane Manz im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 27.04.2022.

Wie ticken Jurist:innen? Eine Psychologin hat die Antwort

Diplompsychologin & Business Coach Diane Manz im New Lawyers Podcast

Kann man wirklich alle Jurist:innen in eine Schublade stecken? Macht die Uni Jurastudierende zu Egoist:innen? Und wie geht man am besten mit Stress um? Diane Manz ist Diplompsychologin und Business Coach und hat sich auf die Beratung von Jurist:innen spezialisiert. Im New Lawyers Podcast von TalentRocket spricht sie mit Alisha Andert über diese und viele weitere Fragen.

 

Eigentlich wollte Diane Manz Profilerin werden – inspiriert hatte sie dazu der Film „Das Schweigen der Lämmer“ mit dem wohl bekanntesten Kannibalen der Filmgeschichte, Hannibal Lecter. Da dieser Berufswunsch in Deutschland nur schwer umzusetzen war, ging sie letztendlich in den Personalbereich und arbeitete 15 Jahre lang in einer Anwaltskanzlei. Während dieser Zeit begleitete sie zahlreiche Jurist:innen auf ihren Karrierewegen – und hat sich damit schließlich selbständig gemacht. Als Coach unterstützt Manz nun bei der Findung von Lösungswegen, hilft dabei, mit einer neuen Perspektive auf Probleme zu sehen, und erklärt Jurist:innen Konzepte wie Führung oder Stress. Besonders häufig kommen zu ihr Jurist:innen, die in ihrer Situation nicht mehr glücklich sind, die sich verändern möchten, aber nicht wissen wie.

Wichtig ist für ein Coaching laut Manz vor allem die Freiwilligkeit. „Jemand, der nicht wirklich will, dem kann ich auch nicht gut helfen“, stellt sie klar. Das könne zum Beispiel dann vorkommen, wenn Kanzleien das Coaching veranlassen – meist verschwinde die anfängliche Skepsis jedoch schnell.

Der Blick in die Vergangenheit hilft oft weiter

Um ihren Coachees zu helfen, lässt Manz ihre Kund:innen oftmals in die Vergangenheit schauen. Sie fragt sie danach, weshalb sie sich für das Jurastudium entschieden haben, was ihre Vorstellungen und Wünsche waren – und wie das mit ihrer jetzigen Situation übereinstimmt. Die Unzufriedenheit lasse sich oft mit einem Wechsel in eine Kanzlei mit anderer Arbeitskultur mindern, aber auch von der Kanzlei zu einem Unternehmen oder andersherum.

Aber ein Wechsel ist nicht immer die beste Lösung. Auch Kommunikation sei wichtig: Zum Beispiel für Frauen (oder auch Männer), die aus der Elternzeit zurückkommen und gar nicht mehr für Projekte angefragt werden, für welche sie mehrere Tage verreisen müssten. Ein Gespräch darüber, was Jurist:innen mit Kindern noch leisten können oder möchten, bleibt laut Manz oftmals ganz aus – wodurch auch viel Potenzial verschenkt werde.

Die Ausbildung macht Jurist:innen zu denen, die sie sind

Auch wenn man Jurist:innen nicht alle in eine Schublade stecken könne, erkennt Manz eine Tendenz, die gar nicht so weit entfernt ist vom typischen Jura-Klischee: „Ich glaube, dass letztendlich [die Ausbildung] dafür prägt, dass Juristinnen und Juristen sehr perfektionistisch sind, sehr starke Einzelkämpfer, Menschen mit einem sehr, sehr hohen Anspruch an sich selbst und andere.“

Ich glaube, dass letztendlich [die Ausbildung] dafür prägt, dass Juristinnen und Juristen sehr perfektionistisch sind, sehr starke Einzelkämpfer, Menschen mit einem sehr, sehr hohen Anspruch an sich selbst und andere.
- Diane Manz

Den Grund dafür sieht sie nicht unbedingt in der Persönlichkeit, sondern vor allem in der Ausbildung. „Ich glaube, dass viele Leute ins Jurastudium gehen, weil sie die Welt verändern wollen“, sagt Manz. Im Studium seien die Studierenden dann einem hohen Druck ausgesetzt, einem Stoff, der oftmals unbezwingbar erscheint. Dazu komme der Konkurrenzkampf und das Misstrauen unter Studierenden, was dazu führe, dass wenig Unterstützung bei anderen gesucht wird – Schwäche komme im Studium nicht gut an.

Der Stress hört nicht nach dem Studium auf, sondern zieht sich durch das ganze Berufsleben. Laut Manz ist es aber nicht immer das Ziel, weniger Stress zu haben. Stattdessen müssten Jurist:innen lernen, wie sie mit herausfordernden Situationen umgehen und wie sie die Angst davor verlieren könnten. Dabei – sowie bei vielen anderen Problemen – helfe vor allem Selbstreflexion und das Hinterfragen der eigenen Denkmuster. Als abschließenden Tipp gibt sie Jurist:innen im Karrierestress unter anderem mit, sich selbst Ziele zu setzen: Denn wer nicht wisse, wo er hin möchte, der verbaue sich seine Karriere.

 

Wenn du mehr darüber wissen möchtest, wie Stressmanagement für Jurist:innen funktioniert und was es mit dem Imposter-Syndrom auf sich hat, dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 2:07: Icebreaker-Frage: Wenn du nur noch an einen einzigen Urlaubsort fahren könntest, welcher wäre es?
  • Ab 3:53: Weshalb hast du dich als Coach auf den Rechtsbereich spezialisiert?
  • Ab 5:52: Was machst du als Coach?
  • Ab 8:00: Lassen sich Jurist:innen gut coachen?
  • Ab 9:19: Was sind typische Herausforderungen von Jurist:innen?
  • Ab 10:39: Wie hilfst du in konkreten Situationen?
  • Ab 12:47: Liegt Unzufriedenheit oft am Umfeld?
  • Ab 16:00: Fordern Frauen in der Karriere zu wenig ein?
  • Ab 17:54: Was ist das Imposter-Syndrom und wer ist betroffen?
  • Ab 19:02: Gibt es ein juristisches Psychogramm?
  • Ab 23:07: Woher kommt die „Jura-Mentalität“?
  • Ab 27:38: Was ist Stress? Wie funktioniert Stressmanagement?
  • Ab 34:53: Ein abschließender Tipp zu Karriere-Stress