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Jura und Psyche: Wenn es einfach nicht mehr geht

Viele Jurist*innen kämpfen mit psychischen Krankheiten


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 09.09.2020

Psychische Krankheiten wie Depressionen oder Burnout sind weit verbreitet und dennoch für viele Menschen ein Tabuthema. Stress gilt als einer der häufigsten Auslöser für psychische Krankheiten und daher sind auch Studium und Beruf häufige Ursachen für solche Erkrankungen. Doch woran erkennt man, dass die Grenzen der Prokrastination überschritten wurden und ein pathologisches Krankheitsbild vorliegt und viel wichtiger noch: Wie geht man damit richtig um?

 

Wissenschaftliche Studien der Versicherungsgesellschaften ergaben, dass rund eine halbe Million Student*innen unter psychischen Krankheiten leidet. Eine weitere Studie des Bundesamts für Statistik zeigt auf:

 

Mehr als 5 Millionen Bürger und Bürgerinnen erkranken mindestens einmal im Leben an einem psychischen Leiden.

 

Gemeint sind damit nicht kurzfristige Überlastungen, Liebeskummer oder fehlende Motivation im Studium oder Beruf. Diese Phänomene gelten als „normal“ und erledigen sich meistens mit der Zeit oder durch kleine Veränderungen. Das Problem beginnt, wenn sich solch ein Zustand verfestigt: Chronische Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Angstzustände oder gar suizidale Gedanken sind massive psychische Leiden, die es zu erkennen und zu behandeln gilt.
 

Eine positive Entwicklung gibt Erkrankten Hoffnung

Glücklicherweise wird der Umgang mit psychischen Erkrankungen immer besser und professioneller. Fast jeder kennt aus seinem Umfeld Personen, die zumindest temporär ein ähnliches Leiden hatten und insbesondere Ärztinnen und Ärzte sind mittlerweile viel besser darin ausgebildet, solche Krankheiten zu erkennen, zu behandeln oder Leidende an die richtige Stelle zu übermitteln.

Nichtsdestotrotz ist es nach wie vor für viele Menschen schwierig, über solche Probleme zu sprechen. Noch schwieriger ist es häufig für Außenstehende, die entscheiden müssen, ob sie dieses Thema ansprechen und vor allem wie sie es tun sollen.
 


Bei psychischer Krankheit ist ärztlicher Rat unumgänglich. Was in manchen Fällen zusätzlich helfen kann, ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes. Hier findest du freie Stellen in ganz Deutschland:



Wie kann man erkennen, ob jemand psychisch krank oder nur überlastet ist?

Zunächst ist festzuhalten, dass auch ein solcher Artikel nur einen groben Überblick vermitteln und erste Kriterien nennen kann, die zu einer ersten Einschätzung führen sollen. Für all diejenigen, die sich unsicher sind oder natürlich sicher sind, dass Sie ernsthafte psychologische Probleme haben, gilt es z.B. Rat bei der Deutschen Depressionshilfe einzuholen und eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen. Die Hausärztin oder der Hausarzt ist hier häufig die oder der richtige Ansprechpartner*in, wenn ein Vertrauensverhältnis vorliegt. Dieser ist dahingehend ausgebildet, dass er an die richtige Stelle weiterleitet und die Betroffenen psychologische, psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe erhalten.

Für Depressionen gibt es einen Katalog von Krankheitszeichen, von denen zwei Symptome über mindestens zwei Wochen vorliegen müssen, damit eine Depression zu befürchten ist.
 

Damit ist die Depression deutlich greifbarer als zum Beispiel ein Burnout, das medizinisch nicht eindeutig definiert werden kann.


Folgende Krankheitszeichen deuten bei doppeltem Vorliegen über mehr als 14 Tage auf eine Depression hin:

  • Hoffnungslosigkeit und/oder Schuldgefühle
  • Unfähigkeit Freude zu empfinden
  • Andauerndes Überforderungsgefühl
  • Chronisches Gefühl von Erschöpfung
  • Traurige Stimmung
  • Schlaf- und Essstörungen
  • Konzentrations- und Erinnerungsschwierigkeiten
  • Suizidgedanken

Gibt es diese Anzeichen, kann eine Depression vorliegen. Der Vorteil ist, dass Depressionen sehr gut erforscht, vergleichsweise einfach zu diagnostizieren und vor allem sehr gut behandelbar sind. Das ist eine Information, die Leidenden sehr helfen kann, auch wenn dies für sie in ihrer Krankheit häufig schwer zu erkennen ist. 
 


Du fühlst dich bei deinem Arbeitgeber nicht wohl?



Behandelt wird ein solches Krankheitsbild je nach Ausprägung üblicherweise durch Therapien und Gespräche, aber mitunter auch mit Medikamenten. Eine stationäre Behandlung ist für die meisten Erkrankten nicht notwendig, kann aber im Zweifel sinnvoll oder sogar geboten sein.

 

Auf jeden Fall sollte es keine Vorbehalte geben, damit zur Ärtin oder zum Arzt zu gehen. Eine Depression ist im Grunde wie eine Grippe oder jede andere Erkrankung – man kann sie nur nicht immer von außen erkennen. Doch darum geht es nicht!

 

Das Studium als Gefahr für die Psyche

Student*innen und insbesondere Jurastudent*innen haben ein hohes Maß an Freiheit kombiniert mit einer existenziellen Drucksituation. Es ist daher kaum verwunderlich, dass der Grat zwischen Prokrastination und Depression bzw. Burnout ein schmaler ist. 
 

Druck entlädt sich auf verschiedene Art und Weise bei Menschen und kann zur Isolation, zur Überforderung zu Störungen des Alltags bis hin zur gefühlten Lähmung mit schlimmsten Gedanken führen.


Häufig gelten Gespräche mit anderen Studierenden oder möglicherweise sogar Betroffenen als gutes Heilmittel, die Hemmschwelle ist hierbei aber natürlich hoch. Wenn der Grund für eine mögliche Depression sogar fehlende oder falscher sozialer Kontakt ist, ist dieser Weg erst recht hinfällig. Dann empfiehlt sich für Betroffene der Weg zur Ärztin oder zum Arzt oder zumindest zu einer Anlaufstation für potentiell Betroffene, wie der psychologisch-psychotherapeutischen beratungsstelle, die an zahlreichen Universitäten angesiedelt ist.
 


Immer wieder gibt es Forderungen für eine Reform des Jurastudiums

Was aktuell diskutiert wird, erfährst du hier!



Aufgrund dieser Gefahrenlage ist es auch für Außenstehende wichtig, den Blick auf die Mitmenschen nicht zu verlieren. Sollte man bei Freund*innen, Bekannten oder Kommiliton*innen die genannten Merkmale über längere Zeit feststellen, ist eine freundliche Nachfrage mitunter genau das Richtige. Die Art und Weise ist dabei aber entscheidend. Es sollte in einem privaten Rahmen stattfinden und die persönliche Empathie und das Verständnis für eine mögliche Erkrankung sollten dabei unbedingt deutlich werden. Im Zweifel kann und sollte man auch als Außenstehende*r Rat z.B. bei der Deutschen Depressionshilfe einholen.
 

Volkskrankheit Burnout: Was hat es damit auf sich?

Anders als die Depression ist das Burnout leider keine klar definierte medizinische Diagnose. Gemeint ist damit üblicherweise ein Zustand starker emotionaler und körperlicher Erschöpfung durch eine chronische tatsächliche oder subjektiv als solche empfundene Überforderung.

 

Burnout-Patient*innen weisen häufig Verhaltensmuster auf, die für diese selbst geradezu unerklärlich sind. Es kann ihnen beispielsweise plötzlich unmöglich sein, an ein Telefon zu gehen oder Prozesse mit geringstem Aufwand anzugehen.

 

Das Krankheitsbild wird daher bildlich als ein inneres Ausbrennen beschrieben, bei dem eine chronische körperliche und/oder emotionale Überlastung in der heutigen Leistungsgesellschaft dazu führt, dass die Person sich paralysiert, kraftlos und ohnmächtig fühlt. 

Anzeichen für eine Burnout-Erkrankung sind daher eine anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung, für die es keinen direkt ersichtlichen Grund gibt und die auch nicht durch übliche Erholung gemildert werden können. Auch Probleme mit dem Abschalten nach und von der Arbeit werden häufig von Erkrankten beschrieben. Weiterhin lassen sich ein Abfall der Leistungsfähigkeit, der auch nur in bestimmten Bereichen des Lebens, Berufs oder Studiums auftreten kann, eine persönliche Isolation und innere Leere bei vielen Betroffenen erkennen. 

Neben diesen Merkmalen treten häufig auch körperliche Leiden auf, die zumindest keine klassischen Ursachen haben. So gelten Schlafstörungen als häufiger Begleiter von Burnout-Erkrankungen und auch Kopf- und Rückenschmerzen sind häufig zu beobachten.
 

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Wie kann ein Burnout diagnostiziert werden?

Mangels einer einheitlichen medizinischen Definition ist auch die Diagnose komplizierter. Tests gibt es vor allem im Internet massenweise, deren Aussagekraft ist jedoch häufig sehr gering und führt „zu häufig“ zu dem Ergebnis, dass man ein Burnout hat.

Im Ergebnis geht wieder kein Weg an einem Arztbesuch bzw. der Kontaktaufnahme mit einer hierfür zur Verfügung gestellten Stelle vorbei. Wer sich jedoch einen groben Überblick über Kriterien machen möchte, die für eine Burnout-Erkrankung sprechen, der kann sich bei der Apotheken-Umschau ein Spezial hierzu durchlesen und einen ersten „Test“ machen, ob eine Tendenz zum Burnout erkennbar ist oder nicht.
 


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Kampf dem Burnout: Was können Betroffene tun?

Wer in seinem Beruf oder Studium an einem Burnbuout leidet, der ist in einer misslichen aber glücklicherweise in keiner unausweichlichen Lage. Burn-out Erkrankungen sind immer besser erforscht und es sind daher Faktoren bekannt, die einen Burn-out beeinflussen können.

Dazu gehören insbesondere die persönliche Stress-Bewältigung und eine Strategie, um für Entlastung zu sorgen. Damit einher geht ganz grundsätzlich auch der persönliche Lebensstil, denn gesunde Ernährung und Sport unterstützen den Kampf gegen das Burnout massiv.
 

Alkohol und andere Drogen, sowie ein bewegungsarmer Lebensstil fördern das Gefühl, das sich durch ein Burnout einstellt, und erhöhen auch die Gefahr, einem Burnout zum Opfer zu fallen.


Auch die Steuerung der eigenen Ziele bzw. der Erwartungen kann die Leiden lindern, denn das Gefühl der chronischen Überforderung stammt häufig von überzogenen Zielen oder unrealistischen Erwartungen. Gehen diese z.B. vom Arbeitgeber aus, muss dringend der Kontakt gesucht oder aber das Arbeitsumfeld verändert werden. Wer sich zum Beispiel durch seinen Job oder Vorgesetzte in das Burnout getrieben fühlt, der kann häufig durch den Wechsel des Jobs wahre Wunder bewirken. Doch nicht immer ist der Wechsel der richtige Weg: Die Kommunikation mit Kolleg*innen und Vorgesetzten ändert häufig bereits vieles, denn die subjektive Wahrnehmung unterscheidet sich meistens sehr deutlich von dem Empfinden anderer Personen. So kann es sein, dass man einen Druck verspürt, den ein anderer gar nicht ausübt oder ausüben möchte. Kommunikation mit Freund*innen, Partner*innn, Familie oder anderen Betroffenen unterstützt ebenfalls bei der Bewältigung eines Burn-outs.

 

Für viele Probleme ist die richtige Kommunikation, eine Steuerung des Stresslevels und der Erwartung sowie eine Änderung des Lebensstils der richtige Weg. Das ändert jedoch nichts daran, dass zusätzlich auch ein Arzt aufgesucht werden sollte. Insbesondere größere Unternehmen haben hierfür häufig sogar Anlaufstellen im eigenen Unternehmen eingerichtet. Ein weiteres Zeichen dafür, dass ein Burnout nichts ist, wofür sich irgendjemand schämen müsste. Weitere Infos zum Burnout und erste präventive Maßnahmen findest du hier.

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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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