Jan-Ove Becker, Partner bei vangard Littler, im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 16.08.2023

Wie sieht agile Führung in Kanzleien aus?

Jan-Ove Becker, Partner bei vangard Littler, im New Lawyers Podcast

Großkanzleien übten auf Jan-Ove Becker schon immer eine besondere Faszination aus. Weshalb er sich trotzdem bereits früh in der Karriere dafür entschied, bei einer Kanzlei-Neugründung dabei zu sein, wie er bei vangard Littler zum Partner wurde und warum ihm das Thema Führung so wichtig ist, erzählt er Alisha Andert in dieser Folge des New Lawyers Podcasts.

Unfehlbar, exzellent und sogar ein wenig magisch: So beschreibt Jan-Ove Becker den Eindruck, den er von Großkanzleien hatte. Kaum überraschend also, dass er während des Studiums ein Praktikum bei Freshfields absolvierte und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Taylor Wessing arbeitete. Während dieser Zeit bestätigte sich sein früherer Eindruck – trotz langer Arbeitstage und Leistungsdruck. Besonders spannend waren für ihn die Zusammenarbeit mit vielen intelligenten und interessanten Persönlichkeiten, aber auch die zahlreichen Ressourcen: zum Beispiel die hauseigene Bibliothek mit Personal.

All-in bei der Kanzlei-Neugründung

Seinem Ziel, Karriere in der Großkanzlei zu machen, stand nach dem Referendariat eigentlich nichts mehr im Wege. Dennoch kam es zu einer unerwarteten Wendung – denn Becker folgte einem Partner von Taylor Wessing, der seine eigene Kanzlei gründete. Seinem eigentlichen Plan kehrte er so von heute auf morgen den Rücken zu. Denn getroffen wurde diese Entscheidung nicht etwa nach vielen schlaflosen Nächten, sondern bei einem Mittagessen. Becker hatte eine enge Bindung zu seinem Kollegen, weshalb ihm der mutige Schritt nicht schwerfiel.

Bereut hat er diesen Schritt nie – auch wenn er die Gründung der Kanzlei als Achterbahnfahrt beschreibt. Einen klaren Startvorteil hatte vangard Littler: Viele Mandanten, die sich von selbst wahrscheinlich nie für solch eine kleine Kanzlei entscheiden hätten, folgten den Neugründern bei ihrem Vorhaben. Becker war bei der Gründung "all-in", wie er selbst sagt – baute das Büro auf, kaufte die Möbel, kümmerte sich um die IT. Neben den organisatorischen Aufgaben übernahm er aber auch früh sehr viel fachliche Verantwortung. Obwohl er „nur“ als angestellter Associate startete, hatte er das Gefühl, dass die Kanzlei auch Seins war. Schließlich war er von Tag Eins mit dabei.

Mehr davon? Hier findest du die aktuellen Folgen des New Lawyers Podcasts

Menschen zu führen ist ein Privileg

Nun, da Becker Equity Partner ist, sei die Verantwortung noch mehr gewachsen – vor allem gegenüber seinen Mitarbeiter:innen. Eine Belastung ist das für Becker nicht, stattdessen sieht er es als Privileg, dass Menschen sich ihm anvertrauen und mit ihm arbeiten möchten. Als Führungskraft eines Teams mit starken Persönlichkeiten, die, wie er sagt, jederzeit einen anderen Job finden könnten, sieht er es wiederum als seine Verpflichtung an, seinen Job besonders gut zu machen. Nicht zuletzt ist das auch ein wenig dem Egoismus geschuldet: schließlich möchte Becker auch selbst ein spannendes Arbeitsumfeld.

Bei der Führung seines Teams lief nicht von Anfang an alles rund. In Kanzleien lerne man nicht viel über Führung, vieles entschied er aus dem Bauch heraus. Vor allem, nachdem er einige Kolleg:innen hatte gehen sehen, entschied er sich, strategischer vorzugehen. Mit der Unterstützung einer Coachin arbeitete er zunächst einmal an sich selbst. Das half ihm vor allem in einer Zeit, in der er aufgrund privater Themen nicht so ausgeglichen wie sonst war.

Auch bei New Work steht Leistung im Mittelpunkt

Sein Team sieht er heute wie eine Fußballmannschaft. Es gebe verschiedene Typen, jeder mit seinen individuellen Stärken. So sorgt Becker dafür, dass zum Beispiel extrovertierte Mitarbeiter:innen mit ruhigeren Kolleg:innen zusammenarbeiten und so beide voneinander profitieren können. Wichtige Faktoren sind für ihn auch eine gute Fehlerkultur, psychologische Sicherheit, Gleichberechtigung und Empathie. Auch wenn dies auf den ersten Blick für viele etwas „soft“ klingt, betont Becker, dass es bei all diesen Themen letztendlich um Leistung geht. New Work sei nicht soft, sondern smart. „So nett ich auch bin, am Ende muss ich dafür Sorge tragen, dass wir hier die ganzen kleinen Perks, die wir auch haben, uns auch leisten können. Und dazu ist eben Leistung wichtig.“

So nett ich auch bin, am Ende muss ich dafür Sorge tragen, dass wir hier die ganzen kleinen Perks, die wir auch haben, uns auch leisten können. Und dazu ist eben Leistung wichtig.
Jan-Ove Becker

Vielleicht interessieren dich auch diese Artikel:

Das juristische Arbeitsumfeld beschreibt Becker für Führungskräfte als „Luxus“. Man arbeite mit leistungsorientierten und intrinsisch motivierten Menschen zusammen, welche sich durch zwei Staatsexamina und vielleicht sogar eine Promotion gekämpft haben. Um diese zu erreichen, brauche man lediglich das richtige Tool. Gerade bei jungen Menschen würden dabei traditionelle Motivatoren wie Geld und Prestige nicht mehr so funktionieren wie früher – diese wünschten sich stattdessen eine sinnhafte Tätigkeit und wertschätzende Führung.

 

 

Du möchtest wissen, welche Tipps Jan-Ove Becker anderen Führungskräften gibt? Oder du interessierst dich dafür, auf welche Charaktereigenschaften er besonders achtet? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 02:31: Icebreaker-Frage: Worauf achtest du bei Menschen, die du neu kennenlernst?
  • Ab 07:24: Was interessiert dich an Großkanzleien?
  • Ab 11:16: Der Wechsel zu vangard Littler
  • Ab 16:09: Wie ist es, eine Kanzlei aus dem Nichts aufzubauen?
  • Ab 20:20: Der Schritt in die Partnerschaft
  • Ab 23:13: Warum ist dir das Thema Führung so wichtig?
  • Ab 27:28: Wie sorgst du für eine positive Dynamik in deinem Team?
  • Ab 36:18: Was sind die Bedürfnisse der jungen Generation
  • Ab 38:52: Welchen Tipp würdest du anderen Führungskräften geben?
Laura Hörner-author-avatar-image
Mehr Informationen zum oder zur Autor:in
Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.