Die K&L Gates Anwältin & Notarin im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 31.01.2024

Kerstin Hanke – Lohnen sich mehrere Standbeine als Jurist:in?

Die K&L Gates Partnerin & Notarin im New Lawyers Podcast

Kerstin Hanke ist der lebende Beweis dafür, dass Jurist:innen nicht alles auf eine Karte setzen müssen: Sie ist sowohl als Partnerin als auch als Notarin bei K&L Gates tätig. In dieser Folge des New Lawyers Podcasts spricht sie mit Magdalena Oehl unter anderem darüber, welche Vorteile zwei Standbeine haben, wie sie zum Fachbereich M&A gekommen ist und warum Ellbogenmentalität in der Großkanzlei kein Muss ist.

Viele Anwält:innen sind mit ihrer Arbeit in der Kanzlei bereits voll ausgelastet. Für Kerstin Hanke war das aber nicht genug: Sie hat sich entschieden, zusätzlich zu ihrer Tätigkeit als M&A-Anwältin bei K&L Gates auch noch die Prüfung zur Notarin abzulegen – und das Notariat in der Großkanzlei aufzubauen. Für Hanke war das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Partnerschaft. Aber auch eine Möglichkeit, neue Herausforderungen anzunehmen und noch mehr Abwechslung in den Arbeitsalltag zu bringen.

Dass sie ihre Karriere im M&A machen möchte, war für Hanke schon ziemlich früh klar. Sie nahm sich die Zeit, zwischen ihren beiden Staatsexamen in einer Großkanzlei zu arbeiten, und fühlte sich im M&A glücklicherweise sofort wohl. Angehenden Jurist:innen würde sie empfehlen, das Referendariat zu nutzen und in die verschiedensten Bereiche zu schnuppern – und letztendlich ehrlich zu sich selbst zu sein, ob sie diesen Job tagtäglich gern machen würden.

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Arbeitgeber Großkanzlei: Man muss nicht seine Prinzipien verraten

Nicht nur der Bereich M&A überzeugte Hanke, sondern auch die Arbeit in der Großkanzlei. Zwar riet ihr Umfeld ihr davon ab – sie sei zu nett und zurückhaltend dafür –, bei ihrer ersten Stelle arbeitete sie jedoch direkt mit einem Partner zusammen, der ihr in dieser Hinsicht charakterlich sehr ähnlich war und ihr schon zu Beginn viel zutraute.

Dies und die Möglichkeit, sich in einem hochprofessionellen und internationalen Umfeld eigenständig zu entfalten, überzeugten Hanke schließlich vom Arbeitgeber Großkanzlei. Sehr wichtig war ihr dabei jedoch eine Sache: Sie wollte sich nicht komplett verbiegen müssen, um beruflich weiterzukommen. Ellbogenmentalität passt nicht zu Hanke – und bei K&L Gates bekam sie die Bestätigung, dass sie ihre Grundprinzipien nicht über Bord werfen muss, um eine gute Anwältin zu sein.

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Das Erfolgsgeheimnis: Ruhe bewahren & Prioritäten setzen

Aufgrund ihrer vielfältigen Aufgaben – und ihrer zusätzlichen Tätigkeiten als Lehrbeauftragte an der Uni Lüneburg sowie als Prüferin bei der Bundesnotarkammer – ist Hankes Alltag auch organisatorisch eine Herausforderung. Im Bereich M&A kümmert sie sich um Fragestellungen aus dem Gesellschaftsrecht, betreut Käufer:innen und Verkäufer:innen zum Beispiel bei Unternehmensübernahmen oder Fusionen und arbeitet dabei mit Kolleg:innen aus den unterschiedlichsten Rechtsgebieten zusammen. Gerade zu Beginn ihrer Karriere bedeutete das oft, bis spät in die Nacht zu arbeiten und morgens wieder früh im Büro zu sein.

Mittlerweile hat sie für sich einen guten Ausgleich gefunden und geht nun in Phasen, in denen weniger los ist, auch mal früher nach Hause. Das sei jetzt – anders als früher – auch allgemein akzeptiert. Um alle ihre Verantwortlichkeiten unter einen Hut zu bringen, sei es unverzichtbar, Ruhe zu bewahren und gut zu priorisieren. Und ein System zu finden, das zu einem selbst passt.

Gleichberechtigung ist bei K&L Gates selbstverständlich

Nicht nur eine gute Selbstorganisation, sondern auch passende Rahmenbedingungen sind für eine erfolgreiche Karriere wichtig – vor allem als Frau. Bei K&L Gates musste sich Hanke die Frage, ob sie es als Frau schwerer hat, gar nie stellen. Dort werde Gleichberechtigung gelebt, auch wenn vielleicht weniger darüber gesprochen wird als in anderen Kanzleien. Als Frau werde sie weder benachteiligt noch bevorzugt, flexible Arbeitszeiten sind selbstverständlich, genauso wie die Möglichkeit, in Teilzeit Partner:in zu werden.

Ich hatte nie das Gefühl, irgendwie bevorzugt behandelt zu werden, weil ich eine Frau war. Ich hatte aber auf der anderen Seite ebenso wenig das Gefühl, dass ich benachteiligt werde, weil ich eine Frau bin.
- Kerstin Hanke

Voraussetzung sei natürlich auch dann viel Einsatzbereitschaft. Die Partnerschaft sei kein Selbstläufer, man müsse unternehmerisch denken und der Kanzlei einen Mehrwert bieten – nicht nur Aufgaben abarbeiten.

 

Du möchtest wissen, welche guten Ratschläge Kerstin Hanke in ihrer Karriere bekommen hat? Oder du willst mehr über ihren Weg zur Partnerschaft erfahren? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 01:59: Icebreaker-Frage: Was wolltest du als Kind werden?
  • Ab 02:23: Kombination Rechtsanwältin & Notarin
  • Ab 03:23: Was sind deine Tipps, um das passende Rechtsgebiet zu finden?
  • Ab 05:31: Was sollte man für eine „Doppeltätigkeit“ mitbringen?
  • Ab 06:44: Warum bist du zu einer Großkanzlei gegangen?
  • Ab 08:10: Was ist dir wichtig bei einem Arbeitgeber?
  • Ab 09:17: Welchen Rat hast du von deinem Mentor bekommen?
  • Ab 11:02: Wie sieht dein Tätigkeitsschwerpunkt aus?
  • Ab 13:12: Wie sehen die Arbeitszeiten im M&A aus?
  • Ab 15:11: Warum sollten Anwält:innen auch unternehmerisch denken?
  • Ab 16:16: Warum bist du so lange bei K&L Gates geblieben?
  • Ab 17:22: Hattest du als Frau schwerer, beruflich voranzukommen?
  • Ab 19:20: Kann man in Teilzeit Partner:in werden?
  • Ab 21:03: Wie können Kanzleien junge Arbeitnehmer:innen gewinnen?
  • Ab 23:17: Welche Herausforderungen haben dich geprägt?
  • Ab 24:04: Wie fragt man Kolleg:innen um Rat?
  • Ab 25:42: Lehrbeauftragte an der Uni Lüneburg & Prüferin bei der Bundesnotarkammer – wie schaffst du das?
  • Ab 27:25: Was ist dein Tipp für Selbstorganisation?

Hier findest du das komplette Transkript der Folge mit Kerstin Hanke

Intro & Icebreaker

 

Magdalena Oehl: Herzlich willkommen, liebe Kerstin. Wir freuen uns, dass du heute bei uns im Podcast bist.

Kerstin Hanke: Vielen Dank für die Einladung.

Magdalena: Ich darf gleich mit einer kleinen Icebreakerfrage starten, die wir neu eingeführt haben. Und zwar würde ich gern von dir wissen, was du als Kind immer schon werden wolltest.

Kerstin: Gute Frage. Ich würde mal sagen, wie alle Kinder, hatte ich diverseste Berufswünsche, vielleicht mehr verrückt oder nicht verrückt. Ich bin froh, dass ich sie nicht gewählt habe, sondern genau das mache, was ich heute mache, weil ich glaube, das ist genau das, was zu mir passt.


Werdegang zur Rechtsanwältin und Notarin

 

Magdalena: Du hast ja eine recht besondere Situation, denn du bist eine Kombination aus Rechtsanwältin und Notarin. Wie kam es dazu?

Kerstin: Das ist keine bewusste Entscheidung, die ich irgendwie am Beginn meiner Laufbahn gefällt habe, sondern eher so eine Idee, die sich im Laufe der Jahre verfestigt hat. Es dauert ja so ein bisschen seine Zeit, bis man den Bereich gefunden hat, der zu einem selbst passt und wo man auch genau die Stärken einsetzen kann, die einen ausmachen. Und ich habe mich einfach vor ein paar Jahren mit meinen Mentoren im Rahmen eines Review-Gesprächs zusammengesetzt und dann haben wir gemeinsam überlegt, was der richtige Weg für den nächsten Schritt zur Partnerin ist, wie so ein Business-Case aussehen könnte, der ebenfalls wieder zu mir passt. Und dann habe ich mir einfach meine Gedanken gemacht. Ich bin gerne Anwältin und mag auch das Transaktionsgeschäft, aber irgendwie wollte ich für mich eine neue Herausforderung haben, ein bisschen meinen Tätigkeitsbereich auszuweiten, ohne etwas komplett anderes zu machen. Und da war irgendwie die Idee schnell geboren, dass ich hier in Frankfurt eben das Notariat für K&L Gates aufbaue. Und ja, so ist das gekommen.

Magdalena: Du hast jetzt ein bisschen von dem Prozess erzählt, wie du die für dich richtigen Rechtsgebiete gefunden hast. Hast du da Tipps oder Hinweise für auch junge Anwälte und Anwältinnen, wie man das Thema angehen kann?

Kerstin: Also ich selbst hab das wahrscheinlich anders gemacht als die meisten. Ich hab zwischen dem ersten und dem zweiten Staatsexamen einfach sechs Monate in einer Großkanzlei gearbeitet, weil mir wichtig war, komplett mitzuarbeiten, ohne noch was anderes im Kopf zu haben. Und hatte da wahrscheinlich Glück, dass ich genau in den Bereich gekommen bin, der mir sofort viel Freude gemacht hat und den ich heute noch mache. Das kann wahrscheinlich nicht jeder machen. Es ist ja auch immer so eine Frage, was möchte man machen? Aber ich würde jedem raten, die Referendariatszeit zu nutzen. Und einfach auch in die verschiedensten Bereiche reinzuschnuppern und da ganz ehrlich zu sich selbst zu sein, ob man sich vorstellen kann, das tagtäglich auch später zu machen. Und dann, wenn man da eine Idee hat, was man machen möchte, würde ich halt in dem Bereich anfangen. Und dann, wenn man angefangen hat und wirklich merkt, das passt so gar nicht zu mir oder das macht mir einfach keine Freude, würde ich das offene Gespräch irgendwie mit dem Mentor oder der Mentorin suchen und dann einfach gemeinsam überlegen, was vielleicht zu einem passt und was man machen könnte oder verändern könnte, damit man eben da glücklich werden möchte. Wenn man jetzt so wie ich M&A mache, dann sollte man irgendwie so ein paar Kriterien im Vorfeld mitbringen und sich fragen, ob man die hat. Ja, man darf sich irgendwie nicht schnell aus der Ruhe bringen lassen. Denn, wenn man ehrlich ist, läuft keine Transaktion am Ende so, wie man sich es vorgenommen hat. Ja, man muss irgendwie gut organisiert sein, priorisieren können. Man darf auch nicht nervös werden, wenn es irgendwie dann an allen Ecken und Kanten brennt. Und wenn man da schon sagt, hm weiß ich nicht, dann ist das wahrscheinlich nicht der richtige Bereich.

Magdalena: Also M&A sagst du, ist nur was für starke Nerven.

Kerstin: Ja, man sollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, in der Tat. Und den Überblick behalten.

Magdalena: Das kann ich mir vorstellen, insbesondere weil unvorhergesehene Dinge passieren können, auf die man möglichst schnell mit möglichst viel Ruhe und Verstand reagieren muss. Was würdest du sagen, sind die Vorteile von diesen zwei Standbeinen? Deine Tätigkeit als Rechtsanwältin und deine Tätigkeit als Notarin. Was, würdest du sagen, sollte man auch hier an Eigenschaften mitbringen, um diese zwei Tätigkeiten in Hut bringen zu können?

Kerstin: Ich glaube, wenn man seine Geschäftsmodelle nicht nur auf einen Standpunkt stellt, hat das verschiedene Vorteile, aber eben auch Nachteile. Als Vorteil ist ganz klar, man hat eine größere Abwechslung in dem, was man macht. Die juristischen Herausforderungen sind breiter gefächert. Man hat die verschiedensten Themen, mit denen man sich beschäftigen kann. Und natürlich ist es auch immer sinnvoll, wenn man sein Fortkommen irgendwie auf mehrere Pflöcke stellt und eben nicht nur auf einen. Allerdings, glaube ich, muss man auch ganz ehrlich sagen, man muss eine relativ hohe Belastungsgrenze haben und ein Stück weit auch Einsatzbereitschaft zeigen und das wirklich auch wollen. Und, wenn man ganz, ganz ehrlich ist, auch ein Stück seiner freien Zeit dafür opfern, damit man eben diese Doppelbelastung machen kann. Und vor allen Dingen, sagen wir mal so, der Weg dahin, weil man eben nicht wie sonst oder in der Ausbildung sich auf eine Sache konzentriert, sondern man hat hier noch sein normales Berufsleben und macht das eben so nebenbei.


Entscheidung für die Großkanzlei

 

Magdalena: Deine Antwort ist schon die perfekte Überleitung auf meine nächste Frage, weil du hast ja ganz bewusst auch die Großkanzlei ausgesucht, bei der, glaube ich, alle wissen, dass das Arbeitsumfeld sehr anspruchsvoll ist. Und warum genau hast du es trotzdem getan? Oder hast du es vielleicht genau deswegen getan?

Kerstin: Sagen wir mal so, ich wusste anfangs nicht genau, was ich machen wollte. Alle haben zu mir gesagt, oder mein gesamtes privates Umfeld hat mir gesagt, dass eine Großkanzlei nichts für mich wäre. Weil ich einfach zu nett und zu zurückhaltend sei und mich da eben nicht behaupten könnte. Und dann hab ich, wie ich eben schon gesagt habe, so ein sechsmonatiges Praktikum in einer Großkanzlei gemacht und hatte einfach Glück, bei einem ganz tollen Partner zu arbeiten, der auch eher zurückhaltend war, der mich aber von Anfang an in die Arbeit und die Prozesse eingebunden hat, mir da schon Verantwortung als Praktikant gegeben hat. Das hat mich wahnsinnig fasziniert. Der mit mir essen gegangen ist und meinte, er möchte mal was über mich persönlich erfahren. Meine Laufbahn mit mir gesprochen hat. Da hab ich einfach gedacht, es geht eben auch anders. Und der Ruf der Großkanzlei ist wahrscheinlich schlechter damals gewesen, als er in Wirklichkeit ist. Und so eine Kanzlei bietet einem einfach eine wahnsinnige Möglichkeit, dass man eigenständig arbeitet, sich selbst entfalten kann. Das Ganze läuft hochprofessionell ab. Man hat den internationalen Bezug und man kann wahnsinnig selbst persönlich und fachlich dazulernen. Und es wird nie langweilig. Ich glaube, das macht den Reiz aus. Und deshalb bin ich dabei geblieben, sagen wir es mal so.

Magdalena: Ja, du hast schon angesprochen, dass Großkanzleien nicht immer den besten Ruf genießen, auch was Arbeitsbelastung angeht, was vielleicht auch kompetitives Umfeld angeht. Nichtsdestotrotz, was würdest du jetzt sagen, ist dir persönlich wichtig bei einem Arbeitgeber? Vielleicht auch bei deinem derzeitigen Arbeitgeber, K&L Gates.

Kerstin: Mir persönlich war immer ganz wichtig, dass ich mich nicht komplett verbiegen muss, damit ich eben in diesem Arbeitsumfeld arbeiten und vor allen Dingen auch beruflich weiterkommen kann.

Magdalena: Also du wolltest weiterhin nett sein?

Ja, der Tat. Das klingt jetzt echt doof, aber es war mir irgendwie einfach wichtig. Und das heißt nicht, dass man sich nicht verändert. Das machen wir, glaube ich, alle und man lernt ja auch was dazu und entwickelt sich weiter. Aber ich glaube, ganz wichtig oder für mich war wichtig, dass ich meine Grundprinzipien niemals über Bord geworfen habe und mir immer klar war, dass das Arbeitsumfeld, in dem ich arbeite, was anderes ist, als das normale Leben, das es darüber hinaus eben einfach auch noch gibt. Und hier bei uns jedenfalls, bei K&L Gates, habe ich dann ja auch letztendlich die Bestätigung bekommen, dass so, wie ich bin, es hier eben passt und ich weiterkommen kann, ohne gewisse Eigenschaften mitzubringen.

Magdalena: Du hast von dem Partner erzählt, der dich eben schon früh auch Verantwortung übernehmen hat lassen bei diesem Praktikum. Gab es von dem vielleicht noch einen besonderen Rat, den du wirklich mit auf deinen Weg genommen hast und der dir immer wieder auch die Richtung gewiesen hat?

Kerstin: Viele Ratschläge bekommt man in der Tat. Er selbst hatte mir damals nur gesagt, ich soll noch relativ viel was anderes zwischendurch machen, LLM, eine Promotion, weil ich damals sehr jung war und auch noch sehr jung aussah. Sonst nähme dich keiner ernst. Das hab ich dann auch gemacht. Ich hab dann noch mal ein LLM dazwischen geschoben, bevor ich das zweite Staatsexam gemacht habe. Ich hab einfach so noch ein bisschen Zeit gewonnen bis zum Berufseinstieg. Aber auch sonst bekommt man immer viele Ratschläge. Man muss immer schauen, ob der Ratschlag, den man bekommt, auch wirklich zu einem selbst passt. Der, den ich bekommen habe und auch immer sehr gerne weitergebe, ist, dass mir ein junger Anwalt nach einem Vorstellungsgespräch gesagt hat, überleg dir gut, ob du mit deinen Kollegen am Ende eines langen Arbeitstages noch ein Bierchen trinken gehen möchtest. Wenn du sagst, ja, fang hier an, wenn du sagst, nein, das kann ich mir nicht vorstellen, dann fang hier nicht an. Weil einfach nur, wenn man sich wohlfühlt, man auch einfach gute Arbeit macht. Und sonst hab ich Ratschläge bekommen, oder mehrere bekommen, die ich nicht befolgt habe, dass man eben mehr sich die Ellenbogen -Mentalität aneignen sollte, um auch in dem doch sehr männlichen Umfeld damals noch mithalten zu können. Das war genau das, was ich gesagt hab, das ist eben nicht mit meinen Prinzipien vereinbar, und das möchte ich nicht. Aber wie gesagt, es muss jeder überlegen, was zu einem passt. Nicht jedes Arbeitsumfeld passt zu jedem Anwalt, und nicht jeder Anwalt passt zu jedem Arbeitsumfeld. Dass es da kein richtig oder falsch gibt, das muss jeder für sich selber wissen. 


Tätigkeitschwerpunkt bei K&L Gates

 

Magdalena: Wenn du über deinen Tätigkeitsschwerpunkt noch mal ein bisschen mehr berichten könntest... Was macht man genau oder was machst du genau bei K&L Gates im Bereich M&A and Transactional? Wie kann man sich das vorstellen?

Kerstin: Das ist natürlich schwer, das jetzt zu erklären. Also Anwälte und Anwälte im M &A -Bereich beschäftigen sich einfach mit allen Fragestellen aus dem Gesellschaftsrecht, Unternehmensübernahme, Fusion. Vorwiegend ist natürlich das Transaktionsgeschäft, wo man einfach den Käufer oder Verkäufer bei dem Erwerb von Unternehmen betreut. Dann schaut man sich das Zielunternehmen genauer an, je nachdem auf welcher Seite man es fällt, das unterschiedlich aus. Dabei bindet man dann einfach andere Kollegen aus anderen Rechtsgebieten ein. Die Arbeitsrechtler schauen sich die Arbeitsverträge an, die öffentlich -rechtlichen Genehmigungen, sodass man als M&A-Anwalt wahrscheinlich Transaktionen so ein bisschen strukturiert und den Überblick hat und sich so ein Stück weit auch von der klassischen Funktion des Anwalts einfach löst und auch kaufmännisch denken muss. Man muss auf der einen Seite wahrscheinlich auch eine leicht penible Art haben, auf der anderen Seite auch Fünf grade sein lassen, das ist so eine Gratwanderung. Und das Notariat... im Prinzip sind die Bereiche gar nicht so unterschiedlich. Da sind halt natürlich auch Unternehmensverkäufe, da sind Anteilsverpfänderungen, da gibt es natürlich auch Immobilienverträge, Übertragungen, Umstrukturierungen. Also eigentlich ist die Arbeit nicht so verschieden von der als Anwalt, nur die Herangehensweise vielleicht.

Magdalena: Das heißt, du könntest eigentlich von wirklich Anfang bis Ende alles bei einer Transaktion machen, das heißt, du könntest die Transaktion erst mal beraten, begleiten und dann auch noch notariell beurkunden.

Kerstin: Wenn wir das dürften, ja, was nicht in allen Fällen ist, könnten wir das in der Tat machen, ja.

Magdalena: Und generell der Bereich M &A ist für junge Juristen und Juristinnen ja oft ein Bereich, den sie extrem spannend finden, aber auch vor den Arbeitszeiten zurückschrecken. Man stellt sich immer vor, innerhalb der Verhandlungen bekommt man nachts auch mal eine E-Mail, auf die reagiert werden muss, alles muss schnell passieren. Die Gegenseite macht vielleicht ein Gegenangebot, bei dem es darauf ankommt, jetzt eben in der Zeit zu sein und mit einem passenden Gegenvorschlag um die Ecke zu biegen. Wie ist es in der Realität? Würdest du sagen, du schlägst dir regelmäßig die Nächte um die Orgen im Bereich M &A?

Kerstin: Ich mache das ja jetzt schon ein bisschen länger. Sagen wir mal so, als ich angefangen habe, war das in der Tat so. Wenn dann irgendwie eine Deadline naht, dann ist es einfach so, dass man auch da bis spät in die Nacht da sitzt und leider auch am nächsten Morgen wieder früh da sein muss. Und ja, das haben wir alles gemacht. Und in der Tat, als junger Anwalt fallen auch noch mal viele Arbeiten an, die vielleicht jetzt nicht so aufregend sind, weil die Transaktion, wie schon gesagt, sehr viel mit Organisation und Strukturierung zu tun hat. Und das muss einfach gemacht werden. Und üblicherweise beginnt man damit, um einfach auch eine Transaktion von der Pike auf zu lernen. Also so haben wir es gemacht. Das verändert sich mal so ein bisschen im Laufe der Jahre und man lernt glaube ich dann in diesen Hochzeiten einfach komplett präsent zu sein, aber auch in den Phasen, wo weniger ist, einfach mehr für sich zu nutzen und zu sagen, ok, jetzt gehe ich einfach mal früher.

Magdalena: Das ist dann auch möglich, dass man in diesen ruhigeren Zeiten dann wirklich auch mal durchatmen kann und sich auf den nächsten Deal vorbereiten kann.

Kerstin: Ich glaube, das hat sich in der Tat so im Laufe der Jahre gewandelt, dass heute das einfach gar kein Problem mehr ist und auch viele jungere Leute es auch einfach auch viel mehr machen, als wir das damals gemacht haben. Wir haben es glaube ich nicht gemacht, wir sind dann da geblieben und haben immer noch geguckt, was man sonst noch machen kann und natürlich muss man das auch machen und schauen, kann ich nochmal veröffentlichen, wie kann ich ein bisschen Business Development machen, damit kann man ja auch nicht früh genug anfangen, aber ich glaube, es ist allgemein mittlerweile auch akzeptiert, dass eben in so Phasen, wo nichts ist, die Leute dann auch einfach mal früher gehen und sich um ihr Privatleben kümmern.

Magdalena: Du hast jetzt zwei Begriffe erwähnt, die ich eigentlich aus dem Startup kenne. Du hast ganz am Anfang von einem Business Case für dich selbst gesprochen und hast gerade auch nochmal gesagt, dass es wichtig ist, für sich selbst auch ein gewisses Business Development zu haben oder sich im Business Development stark zu machen. Das geht ja eigentlich ziemlich über die Tätigkeit oder die normale Tätigkeit, die man sich als Anwältin vorstellt, hinaus. Wo würden du sagen, liegen da aber so die Vorteile, wenn man diese Themen so, wie du sagst, kaufmännisch angeht?

Kerstin: Gute Frage. Man fängt an als angestellter Anwälte oder Anwältin. Da lernt man das Handwerk, sag ich mal. Aber wenn man ja wirklich sich weiterentwickeln will und in die Partnerschaft will, dann ist es ja wie eine Unternehmerschaft. Und da muss jeder eben seinen Beitrag leisten, damit auch die Kanzleien einen Mehrwert davon haben, dass sie die Leute befördern. Das ist ja kein reines Abarbeiten, wo man die Arbeit auf den Tisch gelegt bekommt und abarbeitet, sondern jeder muss schauen, wie kann ich Geschäft für mich generieren, was ich dann auch arbeite und dann auch wieder später jüngere Kollegen einbinde und ebenso meinen Beitrag der Kanzlei liefere. Ganzes ist ja irgendwie keine Bringschuld der Kanzlei, sondern gemeinsam muss man einfach schauen, wie man die Kanzlei weiterentwickelt und nach vorne bringt.


Persönliche Entwicklung bei K&L Gates

 

Magdalena: Du bist jetzt ja schon seit mittlerweile zehn Jahren bei K&L Gates. Das ist für die normale Fluktuation in Großkanzleien eine sehr, sehr lange Zeit. Warum bist du so lange bei dieser Kanzlei geblieben und was würdest du sagen hat K&L Gates auch getan, um dich bei deiner persönlichen Karriereentwicklung weiter zu unterstützen?

Kerstin: Warum ich geblieben bin? Also sagen wir mal so, ich habe mich hier wohl gefühlt. Für mich war wichtig oder als ich hier hingewechselt habe, war für mich wichtig, dass ich einfach hier so arbeite, wie ich bin. Was ich schon gesagt habe, mich einfach nicht verstellen muss und trotzdem den Zuspruch und die Unterstützung meiner Kollegen bekomme. Und das war hier eben der Fall. Ich habe mich hier von Tag eins wohl gefühlt. Ich hatte erfahrene Kollegen und Kolleginnen, mit denen ich mich zusammengesetzt habe, Mentoren, mit denen ich meinen weiteren Weg besprochen habe und auch heute mich noch zusammensetze und schaue. Was kann man wie verändern? Wie kann man gewisse Dinge angehen? Und hatte das Gefühl, dass ich schlichtweg die Rückendeckung der Kanzlei habe, dass ich auch meinen Weg gehe. Die Möglichkeit, das Notariat in Frankfurt aufzubauen, ist eine riesige Chance gewesen für mich. Dass die Kanzlei mir ermöglicht hat, meinen eigenen Weg zu finden und mich weiterzuentwickeln.

Magdalena: Würdest du sagen, dass du als Frau es schwerer hattest, im Kanzleiumfeld voranzukommen? Dass ja doch noch sehr Männer dominiert ist. Wir sind noch weit weg von Diversität, zumindest in einigen Sozietäten. Es wird immer besser. Aber gerade was Partnerschaften angeht, ist das Geschlechterverhältnis meistens noch nicht so ausgewogen.

Kerstin: Die Frage ist, glaube ich, schwierig. Die habe ich mir persönlich nie gestellt. Ich habe in verschiedensten Kanzleien gearbeitet und verschiedene Erfahrungen da gemacht. Ich glaube das Besondere, was uns hier ausmacht, ist, wir reden vielleicht weniger über Gleichberechtigung als andere Kanzleien das machen, aber sie wird hier einfach schlichtweg gelebt. Ich hatte nie das Gefühl, irgendwie bevorzugt behandeln zu werden, weil ich eine Frau war. Ich hatte aber auf der anderen Seite ebenso wenig das Gefühl, dass ich benachteiligt werde, weil ich eine Frau bin. Sondern die Rahmenbedingungen, die es hier gibt, mit Flexibilität, Teilzeit und so weiter, bieten eigentlich jedem, egal welches Familienmodell er wählt, die Möglichkeit, weiterzukommen. Und das vor allen Dingen geschlechterunabhängig. Und wenn ich mir anschaue, wie viele weibliche Kolleginnen und auch Partnerinnen wir hier haben, die auch Familie haben, glaube ich nicht, dass es ein Riesenthema ist. Als ich damals hier angefangen habe, hatte ich natürlich auch andere Bewerbungsgespräche. Das Thema Familie war immer mehr oder weniger deutlich Thema. Hier bei K&L sagte unser Managing Partner einfach nur, wir haben auch ein Spielzimmer und das wird genutzt. Damit war das Thema durch.

Magdalena: Ja, ich glaube, das ist sehr cool. Du berichtest daher jetzt sehr aus der Praxis bei euch, wirklich zu sehen, dass es eben nicht nur wohin geschrieben wird, dass man divers ist, sondern es einfach tatsächlich ist und dann auch wirklich so lebt. Dadurch natürlich auch absolutes Vorbild für junge Anwälte ist, die sich natürlich auch daran orientieren, was machen die älteren Anwälte, wie läuft das? Gibt es die Möglichkeit, auch in Teilzeit weiterzukommen? Würdest du sagen, dass es auch in Teilzeit die Möglichkeit gibt, sogar in eine Partnerrolle zu kommen?

Kerstin: So viel ich weiß, haben wir ehrlich gesagt auch einige Kollegen, die das genauso gemacht haben, die auch schon in Teilzeit gearbeitet haben und dann zur Partnerin oder ja befördert worden. Das geht. Und ich glaube, ehrlich gesagt, das haben alle weiblichen oder die meisten weiblichen Kollegen. Bei denen war das so, weil die alle schon lange dabei waren und irgendwann befördert wurden.

Magdalena: Ich sehe für dich hat das eine Selbstverständlichkeit, die es in der Rechtsbranche bestimmt nicht generell hat. Aber umso schöner zu sehen, dass ihr da so mit gutem Beispiel auch vorangeht und das als die neue Normalität etabliert habt.

Kerstin: Ich glaube, man muss es auch wollen. Also nicht jeder will Partner oder Partnerin werden. Und natürlich setzt das eine gewisse Einsatzbereitschaft voraus. Und alle Leute und auch alle Frauen, die natürlich auch mit Familie arbeiten, werden hier auch mal gesessen haben, obwohl sie lieber woanders gewesen wären. Ich glaube, das muss man auch sagen. Ja, so einen gewissen Einsatz muss man schon mitbringen. Das ist kein Selbstläufer. Das finde ich aber auch richtig. Sonst wird sich wieder ins Gegenteil verdrehen.

Magdalena: Klar, dass es eine gewisse Leistungsorientierung gibt oder nicht nur eine gewisse, sondern eine starke Leistungsorientierung, das ist, glaube ich, selbstredend. Aber umso schöner, wenn das flexibler gehandhabt wird, um eben auf die Bedürfnisse des jeweiligen eingehen zu können, um für ihn dann ja auch die bestmögliche Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Grundsätzlich ist es ja so, dass es gerade viel, viel schwieriger geworden ist, permanent neue Anwälte und Anwältin zu finden. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich immer stärker hinsichtlich Fachkräftemangel. Durch den demografischen Wandel werden wir einfach in Zukunft viel weniger Personen auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung haben. Was würdest du denn sagen, was als Kanzlei oder als Arbeitgeber generell wichtig ist, um jetzt junge Arbeitnehmer gewinnen zu können?

Kerstin: Ich glaube, das ist so ein zweischneidiges Schwert. Erstmal müssen die Leute natürlich auch bereit sein, in der Großkanzlei zu arbeiten. Sie müssen auch ein Stück weit dafür brennen. Jeder muss auch irgendwie seine intrinsische Motivation finden, denn das Geld alleine reicht nicht, damit man dauerhaft glücklich wird. Da können die Kanzleien sehr wenig machen, das ist so eine Sache, will man das und ist man bereit, diesen Weg zu gehen, den Einsatz zu zeigen, auch die Extrameile zu gehen und nicht gleich hinzuwerfen, durchzuhalten, aus seiner Komfortzone rauszugehen und auch irgendwie ein bisschen sich immer weiterzuentwickeln. Wenn man das nicht mitbringt, können die Kanzleien meines Erachtens machen, was sie wollen und die Leute werden nicht glücklich werden. Auf der anderen Seite, wenn man sich anschaut, was die Kanzleien heute machen und was sie damals gemacht haben, als ich angefangen habe, dann wird hier schon wahnsinnig viel gemacht. Wie gesagt, es gibt ganz flexible Arbeitsmodelle, man kann mit jedem hier reden und Dinge besprechen. Wichtig ist, glaube ich, dass man die jungen Kollegen von Anfang an einbindet in die Arbeit, ihnen auch Verantwortung überträgt und eben damit zu verstehen gibt, dass das, was sie machen, auch wichtig ist und Teil des Ganzen. Man muss - und das wird meines Erachtens auch gemacht - viel mehr das Gespräch mit den Leuten suchen, auch mal persönlich, auch mal vielleicht privat. Man muss zusammen lachen und sich für die Leute interessieren und den jungen Kollegen auch das Gefühl vermitteln. Das machen die Kanzleien heutzutage auch viel mehr, als sie es früher gemacht haben. Es ist nicht nur das reine Arbeiten, sondern es gibt auch noch ein Drumherum. Wir haben jetzt immer ein neu eingeführtes Get-Together, wo die Anwälte einfach zusammenkommen und sich außerhalb von jeglichen Projekten oder Arbeitszeiten einfach austauschen, ein Glas Wein zusammen trinken. Das macht schon sehr viel, um ein nettes Arbeitsklima zu schaffen und zu schauen, dass die Leute gerne hierher kommen.

Magdalena: Und auch, wie du sagst, diese zwischenmenschliche Ebene auch einfach zu erreichen, mal den anderen zu fragen, wie geht es dir sonst so, oder was machst du gerne, sich einfach noch mal besser kennenzulernen. Das holt in schwierigen Situationen ganz stark ab und stärkt auch als Team enorm. Würdest du sagen, dass du in deiner Karriere ganz besonders herausfordernde Situationen hattest, die dich in irgendeiner Form geprägt haben?

Kerstin: Es gab sicher viele verschiedene herausfordernde Situationen, die man dann irgendwie gemeistert hat, weil man einfach mit verschiedenen Menschen in verschiedenen Gegebenheiten zu tun hat. Aber um ehrlich zu sein, kann ich mich nicht an eine ganz besonders erinnern, dass sie alle nicht so dramatisch gewesen sein können. Man hat auch immer noch die Kollegen, mit denen man sich besprechen kann, man sollte sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, die Emotionen zurücknehmen, zurücktreten und von außen draufschauen. Ich glaube, dann gibt es keine besonders herausfordernde Situation, die man nicht irgendwie auch gut bewältigen kann.

Magdalena: Du hattest mehrmals schon gesagt, mit Kollegen besprechen, auch einen Sparring zu suchen, wenn man nach dem richtigen Fachbereich sucht. Wie würdest du sagen, geht man das am besten an? Pickt man sich da tatsächlich bei dem jeweiligen Arbeitgeber, bei dem man gerade ist, jemanden raus, bei dem man denkt, zu dem hat man vielleicht eine gute Connection und spricht das einfach mal an? Oder würdest du da ein bestimmtes Vorgehen vorschlagen?

Kerstin: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, da muss auch jeder für sich den Weg finden. Es macht natürlich Sinn, wenn man in einem bestimmten Fachbereich arbeitet, sich da auch mit dem Partner auszutauschen, weil der natürlich am nächsten an einem dran ist und die weitere Entwicklung mit einem besprechen kann. Ich würde mir aber auch darüber hinaus einfach einen erfahrenen Kollegen oder eine erfahrene Kollegin suchen, der ich so vertraue, dass ich ganz, ganz offen mit der Person sprechen kann. Vielleicht gibt es da auch Dinge, die ich mit meinem unmittelbaren Vorgesetzten oder Partner eben nicht besprechen möchte. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Es gibt ja immer noch die Möglichkeit, man bespricht sich mit Freunden, Familie, die einen noch mal ganz anders sehen. Die können auch immer noch guten Input und Ratschläge geben. Aber innerhalb der Kanzlei würde ich auf jeden Fall mit meinem Partner sprechen oder mit jemandem, dem ich vertraue. Wir werden hier demnächst vermutlich auch mal irgendwann so ein Mentorenprogramm einführen. Da hat man dann ja einfach schon mal einen Ansprechpartner, auf dem man zugehen kann. Aber das ergibt sich ja auch im Rahmen der Review-Gespräche, wo einfach mehrere Leute zusammensitzen und das zurückliegende Jahr mit einem besprechen. Was war gut? Was kann man verändern? Wo möchte man hin? Wie kann man das erreichen? Also es ist eigentlich nicht so schwer. 


Zusätzliche Tätigkeiten und Zeitmanagement

 

Magdalena: Notarin und Rechtsanwältin reicht dir ja, glaube ich, noch nicht. Sondern du bist parallel auch noch Lehrbeauftragte an der Universität Lüneburg und Prüferin bei der Bundesnotarkammer. Wie bekommst du das alles zeitlich eigentlich unter? Schläfst du nachts?

Kerstin: Ja, ich schlafe nachts. In der Tat muss man, um ehrlich zu sein, ein Stück weit seiner Freizeit auch hierfür opfern. Und man muss einfach gut organisiert sein und Dinge priorisieren können. Das lernt man aber natürlich. Ich habe das ja jetzt auch nicht am Anfang meiner Laufbahn gemacht, sondern durch jahrelange M&A-Erfahrungen, Projektmanagement lernt man einfach, wie man verschiedene Dinge parallel nebeneinander machen kann. Und das hilft. Und es bietet einem einfach die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen. Man lernt andere Menschen kennen. Es geben sich auch Geschäftschancen. Man kommt aus seiner Komfortzone raus. Und das macht natürlich, wenn man das seit vielen, vielen Jahren macht, einfach den Arbeitsalltag auch ein bisschen bunter, wenn man noch verschiedene andere Dinge macht. 

Magdalena: Also die Abwechslung, würdest du sagen, lässt einen das dann auch leichter in Kauf nehmen, dass man eine zusätzliche Arbeitsbelastung hat.

Kerstin: Ja, und man lernt ja auch selbst immer was dazu, wenn man sich dahinstellt und anderen Menschen, die nicht aus dem juristischen Bereich kommen, versucht, einen juristischen Bereich näherzubringen, dann ist das auch eine Herausforderung an einen selbst. Man muss natürlich seine eigene Komfortzone verlassen. Und das macht einfach Spaß, weil man sich persönlich weiterentwickelt. Man beschäftigt sich intensiver mit Themen, weil ja auch Fragen kommen, die man sich selbst so noch nie gestellt hat. Ich glaube, das ist so eine Gemengelage, was es ausmacht, dass man sagt, das lohnt sich einfach. Das macht mir einfach auch Spaß.

Magdalena: Weil du viele verschiedene Tätigkeiten nebeneinander hast, was ist dein bester Hack für Selbstorganisation? Wie bekommst du das unter einen Hut und bleibst organisiert bei all diesen Themenfeldern?

Kerstin: Ich glaube das ist nichts, was ich bewusst mache. Also es ist wahrscheinlich eine Veranlagung, ob man per se einfach etwas besser organisiert ist oder nicht, aber man lernt es durch das Transaktionsgeschäft. Man fängt ja auch nicht an und macht die gesamte Transaktion. Also so habe ich es jedenfalls gelernt. Ich habe mit einem kleinen Bereich angefangen, dann habe ich den selbstständig gemacht, dann kam was dazu, dann musste ich einfach mal eine Transaktion leiten und dann findet jeder für sich den Weg, wie er das am besten organisiert. Ich glaube, da gibt es nicht den richtigen oder den falschen Weg und ich glaube, das gilt einfach für alles, was ich hier heute gesagt habe. Jeder muss das finden, was zu einem selbst passt. Nur, weil es für mich passt, heißt es noch lange nicht, dass es für andere passt. Und ich habe für mich einen Weg gefunden, wie ich mich organisiere, habe hier mein System. Jemand anders sagt vielleicht, was ist denn das für ein System? Damit kann ich überhaupt nicht arbeiten. Deshalb ist es ganz, ganz schwierig, da jemandem Ratschlag zu geben. Also, aus der Ruhe bewahren, mal von außen gucken, schauen, was ist wirklich wichtig, was muss zuerst gemacht werden, was kann einen Moment warten. Da bekommt man aber auch im Laufe der Jahre einfach ein Gefühl für. Und man arbeitet ja auch immer mit anderen Leuten zusammen. Und mit jedem, mit dem man zusammenarbeitet, von dem schaut man sich ein bisschen was ab und fragt sich, ist das was, was ich für mich übernehmen möchte? Oder passt das für mich nicht? Dann übernehme ich das von jemand anderem, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Und irgendwann findet man dann so sein eigenes Modell. Das ist noch ein Tipp, den ich bekommen habe: einfach nicht versuchen, Dinge so zu machen, wie jemand anders oder damals meine Chefin das gemacht hat, sondern einfach für mich den Weg zu finden, der zu mir passt.


Outro

 

Magdalena: Das ist das perfekte Abschlusswort, liebe Kerstin, weil ich glaube, das hat sich jetzt durch die Beantwortung der Fragen total durchgezogen, dass du ganz stark danach appellierst, dass man sich aus verschiedenen Sachen, die man lernt, das Beste für sich zusammenbauen muss, um dann für sich die individuell beste Lösung zu haben.

Kerstin: Ja, ich glaube, das ist das, was man jedem mitgeben kann, weil dann bleibt man sich treu und kann es auch dauerhaft machen, wenn man immer versucht zu sein, wie irgendjemand anders wird es nicht funktionieren. Das ist wahnsinnig anstrengend.

Magdalena: Und trotzdem natürlich eine tolle Möglichkeit, mit anderen Leuten zusammen zu arbeiten, um sich da inspirieren zu lassen und sich die ein oder andere Sache abzuschauen.

Kerstin: Ja, auf jeden Fall. Also ich glaube, das muss man machen, weil jeder will sich und muss sich ja auch weiter entwickeln.

Magdalena: Super. Vielen, vielen Dank für das Gespräch, Kerstin. Es hat mir großen Spaß gemacht. Und ich glaube, da sind viele hilfreiche Tipps und Tricks drin, wie man sich durch die Kanzlei-Welt schlägt. 

Kerstin: Vielen Dank dir für deine Zeit. 


Laura Hörner-author-avatar-image
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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.