Anwältin arbeitet mit Legal Tech

Veröffentlicht am 25.09.2026

Was ist Legal Tech? Definition & Anwendungsfälle

Die aktuellen Entwicklungen im Rechtsmarkt

Von der digitalen Akte bis zur Online-Plattform für Fluggastrechte: Legal Tech begegnet dir an ganz unterschiedlichen Stellen. Was gehört dazu, wie wird es eingesetzt und welche Aufgaben bleiben bei den Jurist:innen?

Was gehört zu Legal Tech?

Legal Tech bezeichnet digitale Anwendungen und technische Verfahren, die juristische Arbeit oder den Zugang zu Rechtsdienstleistungen unterstützen. Dazu zählen zum Beispiel Programme für die Recherche und Dokumentenverwaltung, digitale Fragebögen zur Mandatsaufnahme oder Plattformen, über die Verbraucher ihre Ansprüche geltend machen können. Legal Tech ist also weder ein einzelnes Tool noch ausschließlich ein Geschäftsmodell für Start-ups.

Nicht jede dieser Anwendungen arbeitet mit künstlicher Intelligenz. Manche führen Nutzer:innen anhand fester Fragen durch einen Prozess, andere übernehmen wiederkehrende Arbeitsschritte. KI-gestützte Systeme können darüber hinaus beispielsweise Dokumente auswerten oder Vorschläge für einen Text erstellen. Welche Aufgabe ein System tatsächlich erfüllt, hängt vom jeweiligen Produkt ab.

Am einfachsten lässt sich Legal Tech anhand der Aufgaben verstehen, bei denen es eingesetzt wird:

Vermittlung von Dienstleistungen

Mittlerweile gibt es Unternehmen, die sich der Vermittlung von Anwält:innen für Mandant angenommen haben. Auch für „kleinere“ Mandate existieren bereits innovative Lösungen mit Legal Tech. So können heutzutage Privatleute ihren individuellen Sachverhalt beschreiben und fallspezifische Anwalts- bzw. Kanzleiempfehlungen erhalten. Für Rechtssuchende kann das den ersten Schritt erleichtern: Sie schildern ihr Anliegen online, bevor sie mit einer Anwältin oder einem Anwalt sprechen. 

Unterstützung der Anwaltsarbeit

Stell dir vor, du steigst in ein neues Mandat ein und musst zahlreiche Dokumente sichten. Eine digitale Akte hilft dir, Unterlagen geordnet abzulegen und im Team wiederzufinden. Andere Anwendungen unterstützen die Recherche, vergleichen Vertragsfassungen oder übertragen Angaben aus einem Fragebogen in die Mandatsakte.

Auch die Vereinfachung der Kommunikation zwischen Mandant:innen und Anwält:innen ist ein häufiger Anwendungsfall. Teilweise wurden dafür sogar Plattformen geschaffen, um den Transfer von Dokumenten oder Zahlungen zu erleichtern.

Solche Funktionen können Arbeitsschritte vereinfachen. Sie funktionieren aber nur dann gut, wenn das Team weiß, welche Informationen wo erfasst werden und wer ein Ergebnis kontrolliert. Bei vertraulichen Mandatsdaten muss außerdem vor dem Einsatz geklärt sein, ob die Anwendung dafür geeignet ist.

Automatisierung einzelner Arbeitsschritte

Wiederkehrende Aufgaben lassen sich häufig anhand fester Regeln bearbeiten. Ein digitaler Fragebogen kann beispielsweise die Angaben abfragen, die für einen Vertragsentwurf benötigt werden. Aus den Antworten erstellt das System anschließend einen Entwurf oder wählt passende Textbausteine aus.

Auch KI kann bei der Erstellung und Prüfung von Texten unterstützen. Ein generierter Entwurf ist allerdings noch keine abschließende rechtliche Bewertung: Ob er zum Sachverhalt passt, welche Risiken bestehen und was der Mandantschaft empfohlen wird, müssen Jurist:innen dennoch prüfen.

Zugang zum Recht über Online-Plattformen

Ein weiterer Anwendungsfall sind Plattformen für bestimmte, häufig wiederkehrende Ansprüche. Wer etwa wegen eines ausgefallenen Flugs eine Entschädigung geltend machen möchte, kann die Flugdaten online eingeben. Die Plattform prüft anhand dieser Angaben, ob sie den Fall übernimmt und wie das weitere Vorgehen aussieht.

Hinter solchen Angeboten können unterschiedliche rechtliche und wirtschaftliche Modelle stehen. Deshalb lohnt es sich, beim einzelnen Anbieter genauer hinzusehen: Wer prüft den Anspruch? Wer setzt ihn durch? Und welche Kosten entstehen für Nutzer?

Arbeiten in juristischen Start-ups & Unternehmen?

Hier werden innovative Köpfe gesucht:

Bekannte Legal Tech Unternehmen

In Deutschland gibt es einige Unternehmen im Bereich Legal Tech, die Dienstleistungen vermitteln oder den Zugang zum Recht durch Online Plattformen erleichtern. 

  • flightright: Das Unternehmen hat sich auf Fluggastrechte spezialisiert. Reisende können ihren Fall online prüfen lassen und das Unternehmen bei der Durchsetzung eines Anspruchs beauftragen. Nach Angaben von Flightright fällt bei Erfolg eine Vergütung an.
  • smartlaw: Über digitale Fragebögen können Nutzer Rechtsdokumente, etwa Verträge oder Kündigungsschreiben, erstellen. Welche Dokumente angeboten werden, zeigt die Produktübersicht von Smartlaw.
  • advocado: Das Beratungsportal vermittelt unter anderem Privatpersonen an Anwält:innen. Nach Angaben von advocado ist die Ersteinschätzung kostenlos; für eine anschließende Beratung oder Vertretung erhalten Nutzer ein unverbindliches Festpreisangebot.
  • CONNY: Der Anbieter unterstützt Verbraucher unter anderem dabei, eine möglicherweise zu hohe Miete im Rahmen der Mietpreisbremse prüfen und Ansprüche durchsetzen zu lassen. Laut CONNY wird dafür nur im Erfolgsfall eine vereinbarte Provision fällig. 
  • geblitzt.de: Der Anbieter lässt Vorwürfe wegen Verkehrsverstößen prüfen. Anders als bei einem erfolgsabhängigen Provisionsmodell zahlen Nutzer nach den Nutzungsbedingungen von geblitzt.de keine Provision an den Plattformbetreiber.

Die Beispiele zeigen, wie Legal Tech Menschen beim Zugang zum Recht unterstützen kann. Daneben gibt es Anwendungen, mit denen Jurist:innen selbst arbeiten.

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Bekannte Legal-Tech-Tools

Du recherchierst eine Rechtsfrage, erstellst regelmäßig ähnliche Verträge oder musst umfangreiche Unterlagen prüfen? Für solche Aufgaben gibt es unterschiedliche Legal-Tech-Tools. Die folgenden Beispiele zeigen, wofür sie nach Angaben der Anbieter eingesetzt werden können:

  • Juristische Recherche: Die juris KI-Suite unterstützt bei der Suche und Auswertung juristischer Quellen sowie beim Erstellen von Textentwürfen auf dieser Grundlage.
  • Dokumentenerstellung: Mit LAWLIFT lassen sich Vorlagen so gestalten, dass aus eingegebenen Angaben wiederkehrende Dokumente erstellt werden können.
  • Vertragsprüfung: Legartis bietet eine KI-gestützte Prüfung von Verträgen an, etwa um bestimmte Klauseln oder Abweichungen von Vorgaben zu finden.

Die Tools übernehmen damit unterschiedliche Aufgaben. Ber letztendlich ersetzt eine Recherchehilfe keine Software zur Dokumentenerstellung, und eine automatisierte Vertragsprüfung ersetzt nicht die anwaltliche Kernarbeit. Wenn du nach einem Tool für eine konkrete Aufgabe suchst, findest du in unserer Übersicht zu Legal-Tech-Tools weitere Beispiele.

Die Vor- und Nachteile von Legal Tech Tools

Gerade bei Tools für die juristische Arbeit hängt der Nutzen davon ab, wie gut sie zur Aufgabe und zu den Abläufen im Team passen. Ein digitaler Fragebogen kann Angaben einheitlich erfassen. Bei einem ungewöhnlichen Sachverhalt muss aber erkennbar sein, wann Rückfragen oder eine individuelle Prüfung nötig sind.

Mögliche Grenzen

  • Die Einführung kostet Zeit und je nach Produkt auch Geld. Bestehende Abläufe und Systeme müssen gegebenenfalls angepasst werden.
  • Ein automatisch erzeugtes Ergebnis kann unvollständig oder falsch sein. Das gilt besonders dann, wenn Angaben fehlen oder eine KI Quellen und Zusammenhänge unzutreffend wiedergibt.
  • Bei Mandatsdaten sind Vertraulichkeit und der Umgang des Anbieters mit eingegebenen Informationen vor dem Einsatz zu prüfen.
  • Wenn Kommunikation nur über Formulare einer Online-Plattform läuft, können wichtige Rückfragen oder persönliche Anliegen zu kurz kommen.

Mögliche Vorteile

  • Legal Tech kann juristisches Wissen leichter zugänglich machen und den Zugang zum Recht für Privatpersonen verbessern.
  • Mithilfe von Legal Tech lassen sich große Massen von Standardfällen bearbeiten – wie zum Beispiel Fluggastentschädigungen.
  • Wiederkehrende Arbeitsschritte können leichter organisiert werden. Das kann Jurist:innen Zeit für die Prüfung schwieriger Fragen und für Gespräche mit Mandant geben.
  • Neben der klassischen juristischen Arbeit entstehen Aufgaben an der Schnittstelle von Recht, Technik und Prozessgestaltung.

Weiterbildungen im Bereich Legal Tech: Wie kannst du einsteigen?

Du musst nicht gleich einen weiteren Studiengang beginnen, um dich mit Legal Tech zu beschäftigen. Je nachdem, ob du noch studierst oder bereits arbeitest, kommen einzelne Kurse, Workshops oder eine längere Weiterbildung infrage. Wichtig ist vor allem, was du lernen möchtest: digitale Werkzeuge anwenden, juristische Abläufe verbessern oder selbst an neuen Lösungen mitarbeiten?

  • Während des Studiums: Das Zertifikatsstudium „Informationsrecht & Legal Tech“ der LMU München richtet sich an Studierende ihrer Juristischen Fakultät. Es verbindet technische Grundlagen mit rechtlichen Fragen und ist studienbegleitend angelegt. Das Einstiegsmodul steht laut Universität bereits Studierenden ab dem ersten Semester ohne Vorkenntnisse offen.
  • Für einen kompakten Praxiseinstieg: Der Crashkurs Legal Tech der Bitkom Akademie behandelt den Einsatz von KI im juristischen Arbeitsalltag anhand praktischer Beispiele. Dazu gehören unter anderem Vertragsautomatisierung, der Umgang mit KI-Eingaben sowie Fragen zu Datenschutz und Vertraulichkeit. Das Angebot richtet sich auch an Menschen, die sich zunächst einen Überblick verschaffen möchten.
  • Wenn du digitale Abläufe mitgestalten möchtest: Der Zertifikatslehrgang „Legal Tech & Operations Manager“ der Bitkom Akademie geht über die Nutzung einzelner Tools hinaus. Er behandelt beispielsweise Prozessmanagement und die Einführung digitaler Lösungen in Rechtsabteilungen. Das ist vor allem interessant, wenn du bereits in einer Kanzlei oder Rechtsabteilung arbeitest und solche Veränderungen begleiten möchtest.

Möchtest du dich wissenschaftlich und berufsbegleitend vertiefen, ist auch der LL.M. Legal Tech der Universität Regensburg eine Möglichkeit. Er hat eine Regelstudienzeit von zwei Semestern und verbindet juristische mit technischen und praktischen Fragen. Für die Zulassung verlangt die Universität unter anderem einen geeigneten Hochschulabschluss und mindestens ein Jahr qualifizierte Berufserfahrung. Für Studierende, die gerade erst ins Thema einsteigen, ist er deshalb eher eine spätere Option.

Programme, Termine und Teilnahmebedingungen können sich ändern. Schau deshalb vor einer Anmeldung direkt beim Anbieter nach. Für den Anfang reicht oft schon ein einzelner Kurs: Danach kannst du besser einschätzen, welcher Teil von Legal Tech dich wirklich interessiert.

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eagle lsp ist ein Legal Service Provider mit echter Start-up-Mentalität. 2019 gegründet, verfolgt eagle lsp einen völlig neuen Ansatz der Rechtsberatung.