Rechtsanwalt Marc-Andre Rousseau im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 18.05.2022.

Venture Capital: Anwalt für Start-ups

Rechtsanwalt Marc-André Rousseau im New Lawyers Podcast

Marc-Andre Rousseau ist Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Schalast. Im New Lawyers Podcast von TalentRocket spricht er mit Alisha Andert über seine Tätigkeit im Bereich Venture Capital und darüber, wieso Deutschland für Start-ups zwar die richtigen Grundbedingungen mitbringt, es im Detail dann aber doch noch viel Verbesserungspotenzial gibt.

 

Dass es im Venture Capital Bereich um viel mehr als „nur“ Jura geht, weiß niemand besser als Marc-Andre Rousseau. Er berät Investor:innen und Start-ups von der ersten Idee an und kommt jeden Tag in Kontakt mit Menschen, die Innovation in Deutschland vorantreiben. Dabei geht es einerseits um klassische Themen aus dem Gesellschaftsrecht oder dem allgemeinen Zivilrecht. Bei der Unternehmungsgründung sind aber noch zahlreiche weitere Fragen zu klären: Welche Rechtsform soll das Unternehmen wählen? Wie sichere ich mein Branding? Wie stellt man Mitarbeiter:innen und Freelancer:innen ein? Und wie überzeuge ich Investor:innen von meiner Idee?

Wer an solch eine Beratung aus einer rein juristischen Perspektive herangeht, kann den Mandanten und ihren Bedürfnissen nicht wirklich gerecht werden. „Die Beratung im Venture Capital an sich geht nicht ohne ein gewisses unternehmerisches Verständnis“, erklärt Rousseau. Man müsse über Strategien sprechen, Finanzierungsrunden begleiten, Investor:innen ins Boot holen und vor allem auch viel netzwerken und verhandeln.

Venture Capital: Wagniskapital vs. Chancenkapital

Wer von Venture Capital im Studium nichts gehört hat, der hat nicht etwa verschlafen – der Bereich findet an der Uni kaum Erwähnung. Dabei ist es ein spannender und vor allem auch wichtiger Bereich. Selbst Tech-Giganten wie Microsoft wären laut Rousseau ohne Venture Capital niemals groß geworden.

Vielleicht ist an dieser Stelle deshalb eine kurze Erklärung des Begriffs angebracht: Venture Capital wird auf Deutsch auch „Wagniskapital“ genannt. Es bezeichnet ein außerbörsliches Beteiligungskapital in neu gegründete Unternehmen. Sprich: Investor:innen geben Start-ups Geld, damit diese sich entwickeln können. Dabei gibt es ein recht hohes Risiko: Man investiere in eine Idee und ein Team und wisse nicht, ob sich ein Produkt durchsetzen kann oder die Idee sich überhaupt umsetzen lasse. Gleichzeitig gebe es dadurch aber auch die Möglichkeit von großen Gewinnen, betont Rousseau. „Man könnte es vielleicht auch als Chancenkapital bezeichnen“, sagt er.

Auch als Anwältin oder Anwalt müsse man etwas risikoaffiner sein als in anderen Fachbereichen – obwohl die Entscheidung letztendlich beim Unternehmen oder den Investor:innen liege und die Anwält:innen in der Rolle der Berater:innen bleiben.

Start-ups und Jura: Das passt zusammen!

Hier findest du aktuelle Stellenangebote im Bereich Venture Capital & Private Equity:

→ Zu den Jobangeboten

 

... und hier kannst du mehr zum Thema lesen:

→ Interview: Start-up-Kultur & Venture Capital
→ 10 Legal Tech Start-ups: Die spannendsten Unternehmen aus dem Ausland
→ Das Silicon Valley: Eine Goldgrube für Juristen?

Innovation zieht sich durch die Karriere

Die abwechslungsreiche Arbeit ist nur ein Aspekt, der Rousseau von diesem Fachbereich überzeugt hat, in den er eher zufällig geraten ist. Genauso wichtig sind ihm die Menschen, mit denen er zusammenarbeitet. „Hier ist halt sehr, sehr viel Engagement, sehr viel Liebe, sehr viel Begeisterung drin – das macht Spaß“, fasst er zusammen. Man komme mit enthusiastischen Persönlichkeiten in Kontakt, die innovative und nachhaltige Themen vorantreiben möchten.

Hier ist halt sehr, sehr viel Engagement, sehr viel Liebe, sehr viel Begeisterung drin – das macht Spaß.
- Marc-Andre Rousseau

Diese Begeisterung für Innovation kennt er bereits aus seiner vorherigen Tätigkeit im Innovation Hub von Rolls-Royce, wo Themen wie elektrisches Fliegen, New Mobility und nachhaltige Antriebsstoffe vorangetrieben werden. Tatsächlich sieht Rousseau viele Zusammenhänge zwischen seiner früheren Inhouse-Tätigkeit und seinem jetzigen Berufsalltag. Besonders habe erstere ihm geholfen, die Sicht seiner Mandant:innen besser zu verstehen.

Nahe liegt da auch die Frage nach seinem eigenen Innovationsdrang – und tatsächlich hat die Idee einer eigenen Gründung Rousseau schon lange beschäftigt. Sein eigenes Start-up konnte er bisher nie gründen, ausschließen will er es aber auf keinen Fall.

Wie werden wir für Start-ups attraktiver?

Deutschland ist nicht unbedingt bekannt als guter Standort für Start-ups. Eine Einschätzung, die Rousseau nur zur Hälfte unterschreiben möchte. Wir hätten hierzulande eine gute Basis, weil es viele gute Ideen und kreative Menschen gebe. Allerdings müssten wir mehr daraus machen, um das Potenzial auszuschöpfen – und die risikoscheue Mentalität der Deutschen verändern. Der Koalitionsvertrag mache Hoffnung, dass es in Zukunft in eine gute Richtung gehe.

Besondere Schwierigkeiten sieht Rousseau im Fachkräftemangel. Top-Talente könne man nur mit attraktiveren Konditionen anlocken: zum Beispiel besseren Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung, welche hierzulande aus steuerlichen Gründen besonders schwierig sei. Ebenso müsse das Gesellschaftsrecht modernisiert und digitalisiert werden.

 

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, was die Arbeit im Venture Capital ausmacht und wie ein risikoscheuer Anwalt einmal die Insolvenz eines vielversprechenden Start-ups verursachte, dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts von TalentRocket!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 02:08: Icebreaker-Frage: Was wolltest du als Kind werden?
  • Ab 03:42: Was ist Venture Capital?
  • Ab 05:25: Wer sind deine Mandaten?
  • Ab 07:37: Mit welchen Fragen beschäftigst du dich?
  • Ab 09:26: Was reizt sich an Venture Capital?
  • Ab 13:39: Wie kamst du zum Venture Capital?
  • Ab 17:23: Innovation Hub bei Rolls-Royce: Was hast du dort gemacht?
  • Ab 24:56: Muss man auch als Anwalt im Venture Capital risikofreundlich sein?
  • Ab 26:24: Könntest du dir vorstellen, selbst Gründer zu werden?
  • Ab 27:41: Wie sind die Bedingungen für Start-ups in Deutschland?
  • Ab 29:54: Wie müssen wir uns verbessern, um ein guter Start-up-Standort zu werden?
  • Ab 36:58: Was machst du, wenn du nicht arbeitest?