Das Silicon Valley - eine Goldgrube für Juristen?

Arbeiten in der Wiege der technischen Innovation


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 26.06.2019

 

Die Arbeitswelt ist im Wandel. Neue Technologien, Digitalisierung und Automatisierung, aber auch der Wunsch nach mehr Freizeit, bzw. einer besseren Work-Life-Balance sorgen aktuell für eine stetige und zunehmend radikalere Entwicklung am Arbeitsmarkt. Über all dem steht die Frage, wie Arbeiten im digitalen Zeitalter aussehen könnte, wofür man noch bezahlt werden wird oder ob es nicht sowieso ein bedingungsloses Grundeinkommen geben muss und wird. Diese Fragen stellt man sich zwar zumindest überall in der westlichen Welt, doch die Antworten scheinen sich vor allem an einem ganz bestimmten Ort finden zu lassen.

Dieser Ort befindet sich in den Vereinigten Staaten von Amerika, genauer gesagt im Bundesstaat Kalifornien. Denn im dortigen Santa Clara Valley, rund um die Stadt San José haben sich so viele IT-Unternehmen, Startups und Weltkonzerne mit digitaler Ausrichtung niedergelassen, dass das Tal den Namen Silicon Valley, zu deutsch „Silicium Tal“, erhalten hat. Eine Anspielung auf den wichtigsten Rohstoff für Chips, Halbleiter und sämtliche weitere Hardware.

 


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Tesla, Apple, Google und Co.

Das Silicon Valley ist ein echtes El Dorado für Technikfans. Eigentlich alle namenhaften Unternehmen der Branche haben dort wenigstens eine Niederlassung, die meisten sogar ihren Hauptsitz. Geforscht wird in fast alle Richtungen. Die Technologie für autonomes Fahren wird von Tesla Motors mit seinem charismatischen CEO Elon Musk, aber auch von vielen anderen Tech Unternehmen vorangetrieben. Apple steuert von dort aus sowohl die Weiterentwicklung des IPhones und vieler weiterer Verkaufsschlager, als auch die Forschung in bisher unbekannte Gebiete und Firmen wie Google oder Facebook analysieren vom Silicon Valley aus die gesamte Welt.

 

Doch neben diesen und vielen weiteren Großkonzernen gibt es auch andere Unternehmen, die Forschungen und Produktionen in Sachen Ernährung, digitales Leben, aber auch Digitalisierung von Arbeitsprozessen im Rechtswesen betreiben.

 

Bei letzterem spricht man von sogenannten Legal Tech Unternehmen. Das ist zunächst einmal ein sehr weiter Begriff und umfasst alles, was mit technischen Prozessen und Recht zusammenhängt. Online Datenbanken von juristischen Verlagen sind somit genauso Legal Tech wie automatisierte Programme, die eine Rechtsberatung ersetzen sollen.

 


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Legal Tech als Zukunftsbranche und Arbeitgeber für Juristen auch aus Deutschland

Die Speerspitze der Legal Tech Unternehmen bilden all die Unternehmen und Startups, die an sogenannten Robo-Anwälten arbeiten. Die grundsätzliche Funktion dieser Roboter ist uns längst bekannt und zwar vom Chat mit vielen Supports.

Hat man zum Beispiel ein Problem mit dem Mobilfunkdienstleister, so wird man immer häufiger nicht per Telefon mit einem Mitarbeiter verbunden, sondern es öffnet sich ein Chat Fenster, bei dem zwar suggeriert wird, dass am anderen Ende ein Mensch antwortet, nach wenigen Momenten wird jedoch klar: Hier antwortet ein Roboter. Der Chat Roboter kann vor allem Standard Probleme angehen und präsentiert zuvor programmierte Lösungswege für diese Probleme. In vielen Fällen kann das tatsächlich zum Erfolg führen und zeitsparend sein, aktuell jedoch können kleinste Abweichungen den Chat Roboter überfordern und zu großer Frustration führen.

Der Legal Tech Roboter ist eine Stufe weitergedacht. Er bearbeitet eine Aufgabe indem er nicht nur zuvor einprogrammierte Lösungswege anbietet, sondern er versucht bereits eigene Schlüsse zu ziehen.

 

So kann einem Anwalt-Roboter zum Beispiel der Auftrag erteilt werden, bestimmte Informationen herauszusuchen. Die Hintergrundrecherche kann so automatisiert und digital erfolgen.

 

Gleichzeitig lernt der Roboter, sich Wissen anzueignen und vor allem Querverbindungen zwischen verschiedenen Themen und Suchergebnissen herzustellen. Ein erster Gehversuch mit solch einem Anwalt-Roboter wurde bereits in der in San Francisco beheimateten Kanzlei Baker & Hostetler gestartet, die Erfolge waren überwältigend. Die meisten Technologien in dieser Richtung basieren dabei auf dem selbstlernenden Watson – System des IT Giganten IBM. Dieser wird dabei nicht nur in der Juristerei, sondern auch in der Medizin und allgemein in Verwaltungsprozessen eingesetzt.

 


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Legal Tech: Einstiegschance aber auch Risikofaktor

Zu all diesen technischen Entwicklungen gibt es zwei grundsätzliche Standpunkte. Der eine Standpunkt sieht den Berufsstand des Juristen in Gefahr. Fakt ist, dass Recherche Jobs, die heute von jungen Associates oder wenigstens wissenschaftlichen Mitarbeitern erledigt werden, in Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach von Rechnern schneller und effizienter bearbeitet werden können und dass mittel- bis langfristig auch anspruchsvollere, aber sich immer wieder wiederholende Arbeitsabläufe der neuen Technologie zum Opfer fallen werden.

Doch dann kommt der zweite Standpunkt ins Spiel. Dieser sieht nur eine Verschiebung der Arbeitskräfte und des Arbeitsgebiets durch die Veränderungen durch Digitalisierung und Legal Tech im Allgemeinen.

 

Neue Techniken haben in der Vergangenheit immer auch neue Jobs geschaffen und es besteht natürlich auch bei der Digitalisierung die Hoffnung, dass sich die Arbeitswelt zwar verändern, nicht aber verschlechtern wird.

 

Legal Tech Startup Unternehmen sind hierfür ein Paradebeispiel. Durch sie ist eine neue Alternative als Arbeitgeber am Arbeitsmarkt aufgetaucht. Gleichzeitig erscheint es aber denkbar, dass die Legal Tech Unternehmen mit ihren Entwicklungen langfristig Arbeitsplätze vor allem in Kanzleien aber auch in Verwaltung und Justiz bedrohen können.

Experten nennen jedoch immer wieder ein Rezept, um sich vor der Digitalisierung in der Juristerei zu schützen und das ist Spezialisierung. Umso spezialisierter ein Jurist ist, umso schwieriger kann man ihn durch eine künstliche Intelligenz oder einen Algorithmus ersetzen. Gerade komplexere Aufgaben mit viel individuellem Bearbeitungsbedarf werden auch langfristig immer in erster Linie von "echten" Juristen bearbeitet werden.

 

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Diese Jobs gibt es für Juristen im Silicon Valley

Jobs gibt es im Silicon Valley, dem Motor der Digitalisierung, zu genüge. Es haben sich dort zum Beispiel aufgrund der Konzentration großer Tech Unternehmen auch Großkanzleien angesiedelt, die die Großkonzerne in allen relevanten Belangen beraten und vertreten. So haben sich zum Beispiel Sidley Austin LLP und Hogan Lovells direkt an der Quelle niedergelassen. Diese Kanzleien suchen stets nach jungen Talenten mit hohem Bezug zu Technik und modernen Entwicklungen.

Alternativ suchen auch die dort ansässigen Großunternehmen natürlich konstant nach jungem und aufstrebendem juristischen Nachwuchs. So sind beispielsweise die Elektroauto Pioniere von Tesla Motors rund um den charismatischen CEO Elon Musk stets auf der Suche nach Juristen, die sich der Thematik des autonomen Fahrens annehmen und an der Entwicklung für entsprechende Regelungen und deren Einhaltung arbeiten.

 

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Aber auch alle anderen großen Konzerne wie Microsoft, Netflix, Facebook und Co. benötigen immer mehr Juristen.

 

Insbesondere in den letzten Monaten ist die Frage des Datenschutzes immer weiter in den Vordergrund gerückt und sorgt für einen stetigen Bedarf an Juristen mit entsprechendem Know How. Aufgrund der vielen unterschiedlichen Regelungen besteht dadurch auch ein hoher Bedarf an verschiedenen Nationalitäten und Spezialisierungen, was wiederum die Tür für deutsche Juristen ins Silicon Valley noch ein bisschen weiter aufstößt.

 

Schließlich bieten sich die bereits erwähnten Legal Tech Startup Unternehmen als Arbeitgeber an. Hier werden Querdenker, Visionäre, aber auch immer wieder bestimmte Spezialisten gesucht. Das Anforderungsprofil hängt dabei natürlich extrem von dem Aufgabengebiet des Startup ab. Fast jedes Startup hat es sich dort zur Aufgabe gemacht, ein bestimmtes Problem zu lösen und sucht entsprechende Experten und eben Querdenker, die das Problem durch technische Revolutionen lösen können. Unternehmen wie LexCheck zum Beispiel entwickeln eine Software, die automatisch Widersprüche und Schwächen von juristischen Dokumenten aufdecken soll. Hierfür werden immer wieder Juristen benötigt, die entsprechende typische Fehlerquellen in Dokumenten oder Klageschriften aufdecken und in die Software einarbeiten.

 

Das Silicon Valley ist also nicht nur ein kühner Traum von deutschen Juristen, der Weg dorthin steht vielen und vor allem jungen Juristen durchaus offen. Das Silicon Valley bietet Möglichkeiten völlig neuer juristischer Arbeit und wird auf jeden Fall die juristische Arbeitswelt verändern. In welche Richtung ist noch nicht ganz klar, doch interessierte Juristen mit dem entsprechenden Know How und einer Affinität für digitale Prozesse können auf jeden Fall an dieser Zukunft mitgestalten.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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