Rechtsanwältin Nina Diercks im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 12.01.2022.

IT-Recht: Kanzleigründung in einer Männerdomäne

Rechtsanwältin Nina Diercks zu Gast bei den New Lawyers

Als Frau ist man in der IT auf verlorenem Posten? Nicht, wenn es nach Nina Diercks geht. Der Rechtsanwältin mit Spezialisierung in IT-, Datenschutz-, Medien- und Arbeitsrecht, Kanzleigründerin und Bloggerin und ist es besonders wichtig, dass Juristinnen gerade in ihrem Fachbereich mehr Aufmerksamkeit zukommt. Aus diesem Grund hat sie 2019 gemeinsam mit Marlene Schreiber zum ersten Mal den IT Juristinnen Tag in Hamburg veranstaltet, der IT-Rechtlerinnen eine Plattform bietet. Über Gleichberechtigung, verstaubte Kanzleistrukturen, aber natürlich auch die Tücken und Veränderungen des IT-Rechts sprechen Nina Diercks und Alisha Andert in dieser Ausgabe des New Lawyers Podcast von TalentRocket.

 

Kartoffelsalat, Eier und Käse-Lauchsuppe: Im Interview mit Nina Diercks werden gleich zu Beginn die wirklich wichtigen Fragen angeschnitten. Gemeinsam mit Alisha Andert schwelgt Diercks in Erinnerungen an Party-Buffets in den 90ern, bevor es tief in die Materie IT-Recht geht. Vertragsentwicklung und Datenschutzrecht stehen diesbezüglich für Diercks im Zentrum ihres beruflichen Schaffens. Letzteres erfuhr in den vergangenen Jahren nicht zuletzt durch die Einführung der DSGVO eine rapide Professionalisierung in Unternehmen bezüglich Compliance, vor der sich auch Start-ups nicht mehr drücken können. Eine positive Entwicklung, findet Diercks. Ihr zufolge besonders anfällig für Datenschutzpannen: Die Geschäftsführung!

Die IT-Branche ist eine Männerbranche – mit kompetenten Frauen im Hintergrund

Auch wenn die Arbeit im IT-Recht sich nicht nur auf die Tech- und Software-Branche beschränkt, sondern im Gegenteil heutzutage für fast alle Branchen relevant ist, macht Diercks die Erfahrung, dass ihr Umfeld im IT-Recht trotzdem sehr männerdominiert ist: Schließlich sind IT-Leiter und Compliance Officer in Unternehmen oftmals keine Frauen. Dennoch gebe es unter ihren IT-Recht-Kolleg:innen auch viele kompetente Frauen, die aber einfach zu wenig Sichtbarkeit erhalten. Mit dem IT-Juristinnen-Tag, den Diercks mit einer Kollegin ins Leben gerufen hat, möchte sie dies ändern und Juristinnen verstärkt in den Vordergrund stellen.

Nach wie vor nimmt Diercks die Anwaltsbranche als recht konservativ wahr und erinnert sich an ihre Anfangszeiten vor rund 10 Jahren, in denen sie gefragt wurde, was sie während der Arbeit mit ihrer Tochter mache (die sie schon während des Referendariats bekommen hatte). „Wenn ich ein Mann wäre, würden Sie mir diese Frage nicht stellen“, hätte sie damals gern gesagt. Stattdessen musste sie sich anhören, dass sie als Frau ein Risiko darstelle. Heutzutage sei die Branche auf einem besseren Weg – männliche Chefetagen mit konservativen Lebensstrukturen und wenig Vorstellungsvermögen für alternative Lebensentwürfe verstellten jedoch noch immer den Weg für deutliche Verbesserungen in der Work-Life-Balance. Zudem würde sich Diercks wünschen, dass junge Anwält:innen nicht zu sehr auf kurzfristige Erfolge konditioniert, sondern Bestrebung für den langfristigen Aufbau eines Mandant:innenstamms mehr honoriert würden.

Wenn ich ein Mann wäre, würden Sie mir diese Frage nicht stellen.
- Nina Diercks

Wenn es den richtigen Job nicht gibt, macht man ihn sich selbst

Bei ihrer eigenen Mandantenakquise setzte Diercks zu Beginn Ihrer Kanzleigründung vor allem auf eines: die richtige Priorisierung. Sie nahm nur Mandan:tinnen auf, die zu ihrer Linie passten. Gegründet hat sie, weil sie in Anstellung nicht den richtigen Job für sich fand – zu unflexibel und nicht familienfreundlich genug waren ihr die Angebote damals. Die Selbständigkeit war für sie die beste Entscheidung, bringt aber auch Schattenseiten mit sich. Treffend formuliert sie: „Das Tollste an der Selbständigkeit ist, dass man jede Entscheidung selbst treffen darf. Das Furchtbarste an der Selbständigkeit ist, dass man jede Entscheidung selbst treffen muss.“

Vor allem beim Thema Social Media war Diercks zu Beginn ihrer Selbständigkeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eine Herausforderung, aber auch der Reiz am Thema sind für sie die schellen Entwicklungen in diesem Bereich – Stichwort „Endgegner Microsoft“. Wie Sie damit umgeht? „Man versucht, nicht unterzugehen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern und erzählt von wütenden Reaktionen auf plötzliche Änderungen, die über Nacht sämtliche Arbeit wertlos machen können. Man müsse im Gegensatz zu stärker etablierten Rechtsgebieten mehr auf sein erlerntes juristisches Handwerk zurückgreifen.

Abschließend gibt Diercks noch ihre Einschätzung zu den Veränderungen der Rechtspraxis durch den Einsatz der Technologie ab: Ihrer Meinung nach kann die Digitalisierung zum Beispiel durch Logarithmen Anwält:innen viel unnötige Arbeit ersparen – bei komplizierten Fragen ist Legal Tech allerdings noch lange davon entfernt, Anwält:innen Entscheidungen abzunehmen.

Klingt spannend? Dann hör doch mal rein und erfahre im Detail, welche Vorteile die Selbständigkeit bringt, warum IT-Recht soviel mehr zu bieten hat als langweilige Verträge und wie sich die Kanzleiwelt zum Besseren wenden könnte! 

Alle Themen der Folge im Überblick:

 

  • Ab 1:36: Die Icebreaker-Frage
  • Ab 4:55: Worum geht's eigentlich im IT-Recht?
  • Ab 11:58: Arbeit im IT-Recht als Frau und der IT-Juristinnen-Tag
  • Ab 18:56: Haben Frauen mehr oder andere Herausforderung im IT-Bereich?
  • Ab 28:35: Eigene Kanzleigründung: Warum war es die richtige Entscheidung?
  • Ab 38:00: Schnelle Entwicklungen im Bereich Social Media und Co. - wie geht man damit um?
  • Ab 44:00: Verändert sich die Rechtspraxis durch den Einsatz von Technologie?