Das Rechtsreferendariat im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport

 Veröffentlicht am 24.01.2022.

Rechtsreferendariat im Hessischen Innenministerium

Michael Thomas Hein gibt Einblicke in die Verwaltungsstation im HMdIS

Erst seit 2021 ist es möglich, neben der Wahlstation im Referendariat auch die Verwaltungsstation im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport zu absolvieren. Einer der ersten Absolventen ist Michael Thomas Hein. Nach seinem Studium an der WWU Münster ist er seit Januar 2021 Rechtsreferendar bei der Stammdienststelle Landgericht Kassel. Im Rahmen seiner Verwaltungsstation hat er sich für die erste Hälfte seiner Ausbildung für das Hessische Ministerium des Innern und für Sport entschieden. 

Michael Thomas Hein
Michael Thomas Hein

Herr Hein, Sie haben Ihre Verwaltungsstation im Hessischen Ministerium des Innern und für Sport absolviert. Aus welchen Gründen haben Sie sich für das HMdIS entschieden und war Ihr universitärer Schwerpunkt im Bereich "Staat und Verwaltung – Verfassung" hierfür maßgebend?

Schon während des Studiums hatte ich den großen Wunsch, Einblicke in die Arbeit und Strukturen in einem Ministerium zu erhalten. In den Vorlesungen aus meinem Schwerpunktstudium im Bereich Staat und Verwaltung wurde mir die Bedeutung der obersten Landesbehörden besonders bewusst.

Meinen Wunsch, die alltägliche Arbeit im Ministerium kennenzulernen, wollte ich im Referendariat gerne verwirklichen. Um die Verwaltungsstation in Gänze auszuschöpfen, entschied ich mich dafür, die erste Hälfte der Station aus der behördlichen Perspektive im HMdIS und die zweite Hälfte aus der Sicht der Verwaltungsgerichtsbarkeit kennenzulernen.
 

Das HMdIS ist seit 2021 für die Ausbildung der Rechtsreferendar*innen in der Verwaltungsstation zugelassen und Sie sind der erste Absolvent der Verwaltungsstation. Wie war Ihre Station aufgebaut und in welchen Abteilungen waren Sie tätig?

In der ersten Woche war ich dem Abteilungsleiter der Zentralabteilung zugeteilt. In dieser Zeit habe ich beispielsweise eine Sitzung der Arbeitsgruppe Verwaltungsvereinfachung besucht, den damals amtierenden Staatssekretär Herrn Dr. Heck getroffen und das Lagezentrum besichtigt.

Dem Referat Z 6 (Personal Ministerium und nachgeordneter Bereich, Geschäftsstelle des Direktors des Landespersonalamts und der Landespersonalkommission) war ich für rund drei Wochen zugeordnet. Dort habe ich mich mit Beamten- und Disziplinarrecht beschäftigt.

In den letzten verbliebenden Wochen war ich dann beim Referat Z 4 (Strategisches Personalmanagement) eingeteilt. Während dieser Zeit lag der Fokus auf Datenschutzrecht und Prüfungsrecht.
 

Wie sah ein typischer Arbeitsalltag für Sie aus und welchen Herausforderungen sind Sie während Ihrer Referendariatsstation begegnet?

Einen „typischen“ Arbeitstag gab es gerade nicht, was die Zeit umso spannender und vielseitiger gemacht hat. Wenn ich aber danach gefragt werde, was ich regelmäßig machen durfte, so war das sicherlich die Bearbeitung von Akten und die Lösung rechtlicher Problemstellungen. Diese Aufgaben stammten aus den unterschiedlichsten Rechtsgebieten und es war nicht selten erforderlich, dass ich mich erst einmal in das Rechtsgebiet einlesen musste. Wann hat man sich im Studium schon mal mit Disziplinarrecht beschäftigt?

Eine weitere Herausforderung war sicherlich auch, sich in die Abläufe des Ministeriums einzufinden. Als Beispiel sind hier die vielen Abkürzungen zu nennen, an die ich mich als „Neuling“ erst einmal gewöhnen musste.

Die Verwaltungsstation im Referendariat ist nicht immer beliebt und wird oft als langweilig betitelt. Waren die Tätigkeiten Ihrer Meinung nach abwechslungsreich und was haben Sie als besonders spannend empfunden? 

Diesen Satz habe ich schon häufiger gehört und meine Antwort darauf ist immer, dass ich das nicht nachvollziehen kann und dass man dieser Station auch eine Chance geben muss. Nach meiner eigenen Erfahrung während der Verwaltungsstation kann ich sagen, dass ich jedenfalls nie Langeweile hatte. Ich hatte Aufgaben zu erledigen, die teilweise sehr komplex waren und für den Alltag von Mitbürgerinnen und Mitbürgern von großer Relevanz sind. Das war mein Ansporn! Zudem hat der Wechsel der Referate auch dazu beigetragen, dass ich immer wieder mit neuen Arbeitsbereichen und Rechtsfragen konfrontiert war. 
 

Würden Sie sagen, dass die Referendariatsstation am HMdIS eher ein „Exot” unter den klassischen Verwaltungsstationen ist?

Die Station im HMdIS ist auf jeden Fall etwas Besonderes. Wenige Referendare haben Interesse, so tief in die Verwaltungspraxis einzutauchen. Als weiteren Gesichtspunkt zeichnet die Station im HMdIS auch die politische Bedeutung aus. Die Verzahnung von Politik und ministerialer Arbeit konnte ich hautnah miterleben. Für all jene, die sich dafür interessieren, ist die Station im HMdIS sicherlich eine gute Wahl und eine große Chance.
 

Wie lief Ihre Bewerbung ab und empfiehlt es sich, die Verwaltungsstation frühzeitig zu planen?

Eine frühzeitige Planung ist auf jeden Fall zu empfehlen. Ich hatte mich im ersten Monat meines Referendariats beworben und habe einige Monate später nach einem telefonischen Gespräch die Zusage erhalten. 

War das Arbeitspensum während Ihres Referendariats sehr hoch, gerade in Hinblick auf die Examensvorbereitung und die verbleibende Zeit zum Lernen?

Am Anfang war das Pensum höher als im weiteren Verlauf der Stationen. Aber natürlich rückt das zweite Examen näher und die Zeit für die Examensvorbereitung ist knapp bemessen. Ich versuche, aus der verbleibenden Zeit das Beste zu machen und mich so gut wie möglich auf das zweite Examen vorzubereiten.
 

Wie verhält es sich mit der Struktur innerhalb des Ministeriums: Sind Sie als Referendar mit den Jurist*innen in der Behörde gleichgestellt? Und konnten Sie in der Zentralabteilung Einblick in mehrere Aufgabengebiete erhalten oder waren Sie einem Bereich fest zugeteilt?

Ich war stets einer Juristin bzw. einem Juristen zugeteilt und habe Arbeitsaufträge von ihnen erhalten. Ich konnte mit ihnen immer auf Augenhöhe sprechen und juristische Diskussionen führen. Innerhalb der Referate der Zentralabteilung habe ich Einblicke in die unterschiedlichsten Rechtsgebiete erhalten. Es waren aber auch Aufgaben dabei, die nicht klassisch juristischer Natur waren, jedoch für ein rechtmäßiges Handeln der Administrative unumgänglich sind.
 

Herr Hein, wie haben Sie die Arbeitsatmosphäre und Zusammenarbeit wahrgenommen und wurden Sie in den jeweiligen Abteilungen und Bereichen durch Mentor*innen unterstützt?

Es herrschte eine sehr gute, produktive und kollegiale Arbeitsatmosphäre. Ich wurde freundlich und offen aufgenommen. Dies zeigte sich nicht zuletzt auch darin, dass ich bei zwei Betriebsausflügen teilnehmen durfte.

Während der Zeit im HMdIS konnte ich mich stets an die jeweilige für mich zuständige Juristin bzw. den jeweiligen für mich zuständigen Juristen wenden. Ansonsten standen mir auch alle anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Fragen immer zur Seite.

Ich hatte Aufgaben zu erledigen, die teilweise sehr komplex waren und für den Alltag von Mitbürgerinnen und Mitbürgern von großer Relevanz sind. Das war mein Ansporn!
Michael Thomas Hein

Hatten Sie durch die Verwaltungsstation die Möglichkeit die Aufgaben und Tätigkeiten von Jurist*innen bei den Behörden authentisch kennenzulernen?

Da ich verschiedenste juristische Rechtsgebiete und Aufgabenbereiche aus mehreren Referaten kennenlernen durfte und auch mit vielen verschiedenen Juristinnen und Juristen gearbeitet habe, denke ich schon, dass das dazu beigetragen hat, eine authentische Arbeit kennenzulernen.
 

Sind Noten für Behörden bzw. im Staatsdienst immer noch alles? Inwiefern spielt Ihrer Ansicht nach auch die Persönlichkeit von Bewerber*innen eine Rolle?

Da müssen Sie natürlich die Personalentscheiderinnen und Personalentscheider selbst fragen. Jedoch bin ich mir sicher, dass Noten letztlich nur ein Aspekt eines Konglomerats von Entscheidungskriterien darstellen.

Soft Skills wie ein guter Umgang mit den eigenen Mitmenschen und eine ruhige und angemessene Personalführung sind neben den Noten von erheblicher Relevanz. Dies kann man auch an den Auswahltagungen des Trainee Programms erkennen. Hier soll Interaktion ein wesentliches Prüfungskriterium darstellen.
 

Das HMdIS bietet auch die Möglichkeit, die Wahlstation dort zu absolvieren. Hatten Sie Kontakt zu anderen Referendar*innen oder gab es gemeinsame Veranstaltungen?

Leider hatte ich keinen Kontakt zu anderen Referendaren während meiner zweimonatigen Station im HMdIS. Ich habe nur eine Kollegin getroffen, die ihr Praktikum im Rahmen des Jura-Studiums dort absolvierte.

Ein offener und kollegialer Umgang: Deine Karriere am HMdIS

Gab es während Ihrer Verwaltungsstation eine Situation, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist, Herr Hein?

An meinem ersten Tag im HMdIS nahm mich der Abteilungsleiter der Zentralabteilung direkt zur Arbeitsgruppe Verwaltungsvereinfachung mit, die als Normprüfstelle des Landes Hessen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Gesetzgebung hat. Es waren Staatssekretäre und Vertreter und Vertreterinnen von Ministerien und der Staatskanzlei anwesend. Ich durfte mit am Tisch bei den Beratungen sitzen. Das war ein ganz besonderes Privileg und eine wertvolle Erfahrung, die mir in Erinnerung bleiben wird.
 

Rückblickend: Welche Erwartungen hatten Sie an die Verwaltungsstation im HMdIS und wurden diese auch erfüllt?

Ich hatte mir erhofft, eine möglichst intensive und eindrucksreiche Zeit im HMdIS zu haben. Ich wollte gerne für mich herausfinden, ob die Tätigkeit im Ministerium auch etwas für meine Zukunft sein könnte. Meine Erwartungen und Wünsche haben sich in jedem Falle erfüllt. Dass ich innerhalb von zwei Monaten einen so vielfältigen Einblick in die ministeriale Arbeit erhalten durfte, hätte ich in dieser Tiefe nicht erwartet. 
 

Was würden Sie Referendar*innen raten, die überlegen, die Verwaltungsstation im HMdIS zu absolvieren?

Es ist sicherlich hilfreich, wenn sich die Person auch für politische Belange interessiert und eine Offenheit für viele verschiedene Arbeitsbereiche mitbringt. Die Verwaltungsstation im HMdIS ist facettenreich gestaltet und ermöglicht einen Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche und Rechtsgebiete zu erhalten. Und natürlich: rechtzeitig bewerben!
 

Ihr Fazit?

Die Verwaltungsstation bietet eine einzigartige Gelegenheit, während der Ausbildung im Referendariat Einblicke in die unterschiedlichsten Bereiche zu erhalten, die man nicht verpassen sollte. Die Wahl sollte sich an den eigenen Interessen aus dem öffentlichen Recht orientieren. Das HMdIS bietet dafür eine gute Möglichkeit. Ich bin für die Zeit und Erfahrungen, die ich sammeln durfte, sehr dankbar.


Vielen Dank, Herr Hein!

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