Alisha: Ja, dann schauen wir uns doch genau das jetzt mal an. Wie kann man sich denn deinen Job vorstellen beim ZDF? Also ich habe jetzt gesagt, Journalistin, Fernsehmoderatorin, du hast ein Magazin, was du auch moderierst. Du leitest die Recht- und Justizredaktion. Was fällt denn da alles so drunter? Was macht man da?
Sarah: Ja, das ist das Großartige. Der Job ist einfach unfassbar vielfältig. Also genauso wie es sich anhört, ist es auch. Ich darf hier Sendungen moderieren, Wirtschaftssendungen, auch aktuelle Sendungen, wenn wir Breaking News haben. Also ZDF-Spezialsendungen, Sondersendungen vom Verfassungsgericht. Habe jetzt gerade eine Dokumentation abgedreht für den 1. Mai zum Thema Fachkräftemangel. Bin da durch ganz Deutschland gereist auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wo sind denn alle hin?
Alisha: Hast du sie schon gefunden? Kannst du das berichten?
Sarah: Ja, zusammenfassend kann ich sagen, es gibt nicht den einen Grund, wieso die Leute fehlen, und es gibt nicht den einen Ort, an dem sie hin sind. Aber wir haben Antworten gefunden, auch gezeigt, was man als Unternehmer tun kann, damit man gute Mitarbeiter bekommt. Wir haben auch gezeigt, wo Politik drehen muss, damit wir mehr Fachkräfte oder Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben. Es gibt verschiedene Antworten, kann die Dokumentation sehr empfehlen, am Puls Deutschlands.
Alisha: Der Podcast kommt auch erst nach der Dokumentation raus, wenn es lange genug bei der Mediathek ist.
Sarah: ZDF Mediathek kann ich sowieso empfehlen, lohnt sich wirklich. Nein, also meine ich ganz ernst. Weil man da, wie bei Netflix oder Amazon Prime, sowohl Unterhaltung als auch Dokumentation, also wirklich gut gemachte Sachen jederzeit finden kann. Und ich hoffe auch, dass die Doku am Ende in der Mediathek ein Erfolg wird. Aber zu meinem Job, er ist halt extremst vielfältig, wir hatten jetzt gestern die Präsidentin des Bundesgerichtshofs für einen Hintergrundtermin hier im ZDF, solche Gespräche, ja, also ich habe, ich bekomme Einblicke von, vor zwei Wochen habe ich mit einem Jugendlichen für die Doku in Berlin gedreht, der jetzt irgendwie fünf Jahre nach dem Hauptschulabschluss immer noch oder gerade in der Ausbildung kommt und habe mit dem versucht herauszufinden, woran das liegt, dass so viele Jugendliche nach der Schule nicht durchstarten mit einer Ausbildung oder Jobben oder Studium oder oder oder. Das heißt, mein Job ist extrem vielfältig und "den Tag", also sowas geregeltes, klares Festes gibt es bei mir nicht, würde ich sagen.
Alisha: Du hast ja gerade berichtet, wie aufgeregt du warst, als du das erste Mal bei Anne Will saßst. Gibt es Dinge, die für dich heute immer noch aufregend sind und was sind Dinge, die einfach zur Routine werden?
Sarah: Ja, so eine Grundanspannung habe ich immer und auch so einen Grundrespekt, weil der Job am Ende auch ein kreativer ist. Und nur weil ich irgendwie fünfmal einen guten Beitrag fürs Heute Journal gemacht habe, heißt das nicht, dass der sechste auch gut ist. Also es ist jedes Mal wieder die Herausforderung, die Themen, über die ich berichte, so zu verstehen, dass ich sie erklären kann, dann kreative Mittel zu wählen, um sie auch einem breiten Publikum irgendwie schmackhaft zu machen, sodass sie auch hängen bleiben und am Ende damit dann meinem Anspruch, auch dem Anspruch des Senders und der Sendung gerecht zu werden. Ich habe vor jeder Aufgabe aufrichtigen Respekt. Und gerade wenn ich abends in unseren Hauptnachrichten-Sendungen, also in der 19 Uhr Heute oder im Heute Journal stehe, da habe ich nur begrenzt Zeit, das ist immer live, da darf man sich gedanklich auch nicht verlieren. Also es ist schon immer wieder eine konzentrierte Anspannung, mit der ich da stehe und arbeite und ich fühle auch die Verantwortung, die da mit einhergeht.
Alisha: Es stehen ja bei euch nicht alle Leute vor der Kamera, also auch wenn ich jetzt als Juristin zum ZDF gehen wollen würde, in die Redaktion. Was gibt es denn noch für Möglichkeiten bei euch, wenn man jetzt vielleicht sich auch gerade vor der Kamera nicht so wohlfühlt?
Sarah: Genau, also bei uns kann man vor die Kamera, niemand muss, ne? Ich habe hier auch im Team Kollegen, die vor allem Beiträge machen, also wenn man Spaß hat am Storytelling, auch daran neue Formate auszuprobieren auch an der rein klassisch inhaltlichen Arbeit aktuelle Themen zu durchdringen. Also was man mitbringen muss, ist ein Interesse, Themen, juristische Themen im weitesten Sinne - irgendwie ist ja am Ende alles Jura - zu verstehen, zu durchdringen und in allgemein verständliche Worte und Formen zu packen, sodass es viele verstehen und davon Nutzwert haben. Und das geht wirklich von "richtig scheiden lassen", "richtig sterben". Also alles rund um Verbraucher, Familie, aber eben auch Haftbefehl gegen Putin, Völkerrecht, also die ganze Bandbreite. Und wir haben natürlich im Team auch Kolleginnen und Kollegen, die diese ganzen ein VW-Abgasklagen zum Beispiel kennen. Also wenn man damit mal angefangen hat, dann ist man da auch verhaftet. Also wer so ein Thema lange begleitet, zieht das auch durch, aber dann muss man auch die Bereitschaft haben, immer wieder sich neu einzulassen, weil die spannenden Rechtsfragen, die wir im ZDF klären, sind natürlich oft die, die gerade erst passieren. Also ankleben, Fridays for Future, alles. Also alles, was in Bewegung ist, ist natürlich von höchstem aktuellem Interesse.
Alisha: Jetzt waren ja bei dir einige der Schritte ganz klar geplant. Also du hast Jura studiert, um in den Journalismus zu gehen. Dann war hier und da doch mal ein bisschen der Zufall am Werk, oder es hat in die Karten gespielt, dass jemand beim NDR Assessment Center rausgegangen ist und du nochmal nachrücken konntest. Was würdest du denn anderen interessierten Juristinnen und Juristen empfehlen, die mit den Gedanken spielen, in den Journalismus zu gehen? Was wäre vielleicht so ein Trick oder gibt es etwas, wo man ansetzen sollte, wo man sich immer gut hinbewerben kann, was der erste Schritt sein kann?
Sarah: Also ganz klar bei uns, ne? Nein wirklich, wir bieten sowohl während des Studiums Praktika an, aber vor allem auch für Referendare kann man bei uns drei Monate Station machen. Und ich sag das wirklich voller Überzeugung, weil man hier in den drei Monaten wirklich herausfindet, ist das mein Ding oder nicht? Und das kann man natürlich auch bei Zeitungen machen oder anderen Sendern machen. Aber diese Station im Referendariat zu nutzen, um herauszufinden, ob das was für einen ist oder nicht, ist, glaube ich, der einfachste Weg. Und natürlich kann man vorher schon neben der Schule, neben dem Studium sich ausprobieren. Aktuell sind natürlich alle ganz heiß auf junge Gesichter, die schon irgendwie auf TikTok ihr Jurastudium vermarkten und die ersten Tipps geben und sich ausprobieren und da eine Zielgruppe auch ansprechen, die ich jetzt im linearen Fernsehen nicht erreiche. Also das heißt, Plattform suchen, ausprobieren, das braucht natürlich Zeit oder aber wirklich klassisch zu einem etablierten Medium kommen und ein Praktikum oder eine Station machen.