Jurist ohne Zweites Staatsexamen?

Auch für Juristen ohne Zweites Staatsexamen stehen Türen offen. Hier seht ihr welche...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 30.01.2017

 

Was für einige undenkbar erscheint, können durchaus realistische Szenarien sein. Entweder es tritt der worst-case ein und das zweite Staatsexamen wird endgültig nicht bestanden oder Lebensumstände haben sich so geändert, dass ein zweijähriges Referendariat ohne nennenswertes Einkommen aktuell nicht in Frage kommt. Alternativ kann natürlich nach einem so langen Studium auch einfach die Lust am Lernen vergangen sein. Jedenfalls gibt es sie: Die Juristen ohne Zweites Staatsexamen. Sie nennen sich Diplom-Juristen. Klingt gar nicht so schlecht?

Ist es auch nicht unbedingt. Um vorwegzugreifen: Natürlich steht ein Volljurist auf dem Arbeitsmarkt in der Regel immer besser da, als sein Kollege ohne entsprechenden zweiten Abschluss. Nichtsdestotrotz muss ein Bewerber ohne Zweites Staatsexamen nicht immer ohne Hoffnung in Bewerbungsgespräche gehen.

Doch fangen wir von vorne und leider mit dem Negativen für diese Bewerber an. Die klassischen juristischen Berufe sind in Deutschland ohne Zweites Staatsexamen nicht verfügbar. Zwar spricht man beim zweiten Staatsexamen nur von der Befähigung zum Richteramt, diese ist aber auch für die Zulassung als Anwalt und als Staatsanwalt von Nöten.

Somit sind die drei gängigsten Werdegänge schonmal verschlossen. Darüber hinaus stehen aber viele andere Türen prinzipiell offen. Insbesondere die Jobs, die für Juristen aufgrund der für sie typischen analytischen Fähigkeiten in Fragen kommen, sind auch ohne Zweites Examen denkbar.

 

Freie Wirtschaft oder öffentlicher Dienst?

In der freien Wirtschaft sind Stellen als Sachbearbeiter in Versicherungsgesellschaften denkbar, auch Unternehmensberatungen suchen regelmäßig nach Quereinsteigern und Talenten und in internen Rechtsabteilungen von vor allem größeren Unternehmen werden ebenfalls keine Anwälte im klassischen Sinne als Vertreter vor Gericht benötigt, sondern vielmehr Spezialisten auf ihrem Gebiet.

Durch das Schwerpunktstudium und eventuell einige Fortbildungen kann hier ein gut ausgebildeter Diplom-Jurist sogar einen nicht spezialisierten Volljuristen ausstechen. Darüber hinaus gibt es schon fast klassisch Berufe für Quereinsteiger im Marketing und im Vertrieb, bei denen jedoch das vorangegangene Studium wenig bis nichts bringt.

Alternativ bietet sich trotz fehlendem zweiten Staatsexamen der Weg in den Staatsdienst an. Im gehobenen öffentlichen Dienst haben Diplom-Juristen durchaus Chancen auf dem Arbeitsmarkt. In der Verwaltung und vor allem in Arbeits- und Ordnungsämtern werden händeringend gute Juristen gesucht, wobei es nicht auf die Fähigkeit bzw. Berechtigung vor Gericht auftreten zu können ankommt.

Arbeitsrechtliche Kenntnisse beispielsweise können den Weg zu einem guten Job bei der Agentur für Arbeit ebnen. Einen Volljuristen bedarf es hier für die Bearbeitung der Akten und für die Beratung nicht.


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Alternative: Master!

Tun sich nicht direkt passende Möglichkeiten auf oder ist sowieso noch ein wenig Zeit und Lust zum Studieren da, kann ein Master – unter Umständen auch berufsbegleitend – doch noch einen Abschluss mit sich bringen und eventuell noch ganz andere Möglichkeiten eröffnen.

So bieten Universitäten und Hochschulen spezielle wirtschaftsnahe Studiengänge an oder kombinieren Sprachwissenschaften mit Jura. Alternativ ist auch ein Studium im Ausland möglich, um somit ein Sonderstellungsmerkmal als Jurist zu bekommen.

Beispielsweise ist die Kombination von Jura, Wirtschaft und einer seltenen Fremdsprache mit Grundkenntnissen des dort herrschenden Rechts ein durchaus attraktives Bewerberprofil für Arbeitgeber, die in dieser Nische aktiv sind.

 

Ein Jurist ohne Zweites Staatsexamen ist also mitnichten ein „Blindgänger“ oder nicht vermittelbar. Doch aufgrund dieser besonderen Situation ist die Schärfung des eigenen Bewerberprofils noch viel wichtiger als sowieso schon.

Wer sich die Möglichkeiten, die das zweite Examen mit sich bringt abschneidet, der muss eine Nische finden, in der er trotzdem funktioniert und gebraucht wird. Gelingt dies, ist auch eine Reise nach oben auf der Karriereleiter noch immer möglich.

Tut man sich jedoch schwer, muss entweder nachgebessert werden oder in letzter Konsequenz nochmal ganz neu justiert werden und eventuell eine komplette Umschulung eingeleitet werden!

 

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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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