5 Jobmöglichkeiten für Juristen im Öffentlichen Dienst

Verfasst von Finn Holzky. 

6 Wege in den öffentlichen Dienst

Weg vom Mainstream: Mögliche Stellenangebote als Jurist im öffentlichen Dienst!

Juristen, die für den Staat arbeiten, sind Richter oder Staatsanwalt. Oder eben auch nicht. Einer der größten Vorteile des Jurastudiums ist die breite Ausbildung und die damit einhergehende Möglichkeit, in vielen verschiedenen Jobs nach dem Studium Fuß zu fassen. Die analytischen Fähigkeiten, die Belastbarkeit und das rechtliche Know-How sind gefragte Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt. Doch was für Optionen hat ein Jurist eigentlich genau, der beim Staat arbeiten möchte, nicht aber als Richter oder Staatsanwalt tätig werden möchte?

Das Wichtigste in Kürze

  • Um im öffentlichen Dienst zu arbeiten, musst Du nicht gleich Staatsanwalt oder Richter werden.
  • Auch als Verwaltungsjurist oder Referatsleiter bist Du als Jurist:in für den Staat tätig.
  • Weitere juristische Positionen findest Du bei der Polizei, der Bundeswehr oder dem Bundesnachrichtendienst (BND).
  • Nicht zuletzt kannst Du als Jurist:in auch einen Karriereweg in Forschung und Lehre einschlagen.

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Der Weg in den Verwaltungsdienst

Wer in den Verwaltungsdienst möchte und Jurist ist, hat hierzu verschiedene Möglichkeiten in verschiedenen Stadien der Ausbildung. Der übliche Weg geht über das erste und zweite Staatsexamen und anschließend als Volljurist in den öffentlichen Dienst. In der Verwaltung gibt es die verschiedensten Jobs und Karrierewege für Volljuristen. Üblicherweise finden sich diese Jobs auf der Ebene des „Höheren Dienstes“ wieder, was einen Einstieg in die Besoldungsgruppe A13 bis A 16 bzw. B 1 bis B 11 bedeutet. Doch bereits bevor ein Jurist zum Volljuristen wird, gibt es die Möglichkeit in den Öffentlichen Dienst zu gehen.

Nach dem 1. Staatsexamen und dem Erreichen des Status als Diplom-Juristen gibt es vereinzelt die Möglichkeit in den gehobenen Dienst, was die Stufen A 9 bis A 13 bedeutet, einzutreten. Solche Quereinstiegsmöglichkeiten sind jedoch in aller Regel mit einer Weiterbildung oder Nachschulung verbunden.

Der dritte Weg durch ein rechtliches Studium in den Öffentlichen Dienst ist der über eine Verwaltungshochschule. Dort gibt es verschiedene Studiengänge wie zum Beispiel zum Verwaltungsfachwirt oder zum Verwaltungsfachangestellten. Auch das duale Studium zum Rechtspfleger ist eine solche Möglichkeit, um juristisch in der Verwaltung tätig zu werden.

Aktuelle Jobs im öffentlichen Sektor:

1. Alternative: Verwaltungsjurist

Verwaltungsjuristen sind, der Wortlaut lässt es bereits erahnen, für den Staat in der Verwaltung tätig. Sie übernehmen verwaltende Aufgaben und werden sowohl rechtsberatend als auch rechtsgestaltend tätig. In erster Linie sind Verwaltungsjuristen in der öffentlichen Verwaltung auf Bundes-, Landes- oder auf kommunaler Ebene angestellt und stehen dabei im sogenannten höheren Dienst.

In der Regel werden Volljuristen mit bestandenem 1. und 2. Staatsexamen gesucht, einige wenige Positionen werden jedoch auch mit Juristen besetzt, die nur das 1. Staatsexamen haben. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Anforderungen an die Noten deutlich moderater sind als beispielsweise in Großkanzleien. Ein „Befriedigend reicht in der Regel aus. Neben den juristischen Fähigkeiten wird dafür viel Wert auf Kommunikationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und auf die Fähigkeit, selbstständig und effektiv zu arbeiten, gelegt.

Verwaltungsjuristen verdienen durchschnittlich rund 48.000 Euro Brutto im Jahr, das Gehalt hoher Verwaltungsbeamter kann jedoch bis zu 65.000 Euro Brutto betragen. Hinzu kommt, dass es Sonderzahlungen für Kinder geben kann, das Dienstalter ebenfalls entlohnt wird und es auch Vorteile bei der Krankenkasse und der Sozialversicherung gibt.

 

Erfahrungsberichte: Hier erzählen Verwaltungsbeamte von ihrer Arbeit

Damit du dir ein besseres Bild von der Arbeit als Verwaltungsjurist machen kannst, stellen wir dir im Folgenden ein paar Referate kurz vor!

1. Arbeit im Sozialreferat

Wer im Sozialreferat arbeitet, der beschäftigt sich – wie der Name schon vermuten lässt – vor allem mit sozialen Fragen. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Ausarbeitung des Mieterspiegels. Dabei nimmt man direkt Einfluss auf die Entwicklung der Mietpreise einer Stadt und beeinflusst deren Entwicklung.

Ein weiteres Beispiel stellt der Umgang mit der Zweckentfremdung von Wohnraum dar – zum Beispiel durch Airbnb und Co., aber auch durch Leerstand oder die Umwandlung zum Gewerberaum.

→ Julian Pfeuffer berichtet über seinen Job als Jurist im Sozialreferat 
 

2. Arbeit im Referat für Stadtplanung und Bauordnung

Auch im Referat für Stadtplanung und Bauordnung geht es oft um Wohnraum. Hier wird entschieden, was gebaut wird, wo gebaut wird und wer bauen darf. Als Verwaltungsjurist bedeutet das eine Erarbeitung von Bebauungsplänen in Zusammenarbeit mit Stadtplanern, Architekten und vielen anderen.

Dabei beschäftigt man sich mit allen gesetzlichen Hürden, die die Stadtplanung so mit sich bringt: Regelungen zu Luftschadstoffen, Abstandsflächen, die Grundsätze der sozialgerechten Bodennutzung... Interdisziplinarität ist hier an der Tagesordnung.

→ Dr. Franziska Kastner über ihren Job als Juristin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung 

3. Arbeit im Referat für Bildung und Sport

Ein besonders weites Feld umfasst die Arbeit in diesem Referat: Für Juristen geht es hier zum Beispiel um Fragen wie die Förderung von Kindertageseinrichtungen oder dem Rechtsanspruch auf Krippen- oder Kindergartenplätze, aber auch die Überlassung von Bildungsimmobilien. Eine soziale Ader und Lust auf Themen, die die Allgemeinheit betreffen, sind in diesem Referat also auf jeden Fall gefragt. 

→ Anne-Kristin Stöwer über ihren Job als Juristin im Referat für Bildung und Sport 
 

Welche Arbeitgeber gibt es eigentlich im öffentlichen Dienst?

Schau dich doch einmal um!

2. Alternative: Referatsleiter oder Referent 

Wer als Jurist beim Staat Personalverantwortung übernehmen möchte, für den könnte die Stelle als Referatsleiter interessant sein. Dieser ist verantwortlich für Sachbearbeiter und Referenten und ist damit vergleichbar mit einem Teamleiter – er oder sie untersteht dem Abteilungsleiter und kann entweder für ein oder gleich mehrere Teams zuständig sein.

Voraussetzung für diese Stelle ist oft, aber nicht immer, ein abgeschlossenes Jurastudium, denn wer ein Team aus Juristen leiten möchte, sollte diesbezüglich natürlich eine gute Grundlage haben – sowohl im Recht als auch in den Themen, mit denen sich das entsprechende Referat befasst. Referatsleiter gestalten neben der Leitung ihres Teams beispielsweise Gesetzesvorhaben aus, begleiten Zulassungsverfahren und steuern die Umsetzung von gesetzlichen Regelungen. 

Als Referent wiederum ist man dem oder der Referatsleiter unterstellt, befindet sich aber noch eine Stufe über dem Sachbearbeiter. Das bedeutet, dass diese den Referatsleiter vertreten und damit ebenfalls Führungsverantwortung haben. In der Bundesverwaltung sind Referenten zum Beispiel als Regierungsrat oder als Regierungsdirektoren tätig. Von Referenten wird oft kein Jurastudium verlangt, stattdessen sollten sie meist ein Masterstudium vorweisen können.

3. Alternative: Jurist bei der Polizei

Auch bei der Polizei können Juristen als Quereinsteiger ihren Beruf oder sogar ihre Berufung finden. Die Karriereleiter bei der Polizei ist dabei für Juristen nach oben hin fast offen. Selbst Polizeipräsidenten sind in der Regel Juristen. Die Aufgaben, die ein Jurist bei der Polizei übernehmen kann, sind sehr vielfältig.

Vom „üblichen“ Verwaltungsjuristen, der sich mit Dienstbeschwerden oder dem Beamten- und Arbeitsrecht befasst, über den Vollzugsbeamten im höheren Polizeivollzugsdienst bis hin zum Einsatzleiter im höheren Kriminaldienst stehen Juristen alle möglichen Türen offen.

Eingestellt werden in der Regel ebenfalls nur Volljuristen, in Einzelfällen und bei besonderer Qualifikation, beispielsweise einem Schwerpunkt in Kriminologie, werden auch Juristen mit nur einem Examen eingestellt. Der Einstieg kann dabei auf zwei unterschiedliche Weisen stattfinden

Entweder wird der Jurist während einer mehrmonatigen Einweisung direkt in der Behörde selbst auf seine zukünftigen Aufgaben vorbereitet und eingearbeitet oder aber er nimmt an einem einjährigen Kurs an der Hochschule der Deutschen Polizei teil. Die Verdienstmöglichkeiten im polizeilichen Dienst liegen zwischen 40.000 und 70.000 Euro Brutto im Jahr. Die höchsten Positionen, wie beispielsweise ein Polizeipräsident oder ein Polizeiinspekteur können sogar bis zu 100.000 Euro Brutto jährlich verdienen.

Als Jurist*in zur Polizei?


→ Auf den Spuren von Inspector Barnaby und Co.
 

“Bei der Polizei gibt es leider noch sehr wenige weibliche Führungskräfte”

→ Polizeipräsidentin Britta Zur zu Gast bei New Lawyers
 

4. Alternative: Jurist beim BND    

BND – das bedeutet Bundesnachrichtendienst. Was zunächst nach Journalismus klingt, ist in Wahrheit der einzige der drei Deutschen Nachrichtendienste, der sogar Auslandsaufklärung betreiben darf. Um es umgangssprachlich auf den Punkt zu bringen: Der Bundesnachrichtendienst ist der Geheimdienst Deutschlands. Du willst als Jurist arbeiten und dennoch ein klein wenig James Bond sein? Dann könntest du als Jurist beim BND durchaus glücklich werden.

Als Jurist beim Bundesnachrichtendienst steht die Erstellung von Rechtsgutachten, die Beratung von internen Stellen in Bezug auf verschiedene Sachverhalte, die Einhaltung von Datenschutzgesetzen oder die Übernahme von administrativen und verwaltenden Aufgaben in Stabsfunktionen im Vordergrund.

Die genaue Ausgestaltung der Aufgaben ist dabei sehr unterschiedlich und unterliegt teilweise auch aufgrund der Tätigkeiten des Bundesnachrichtendienstes der Geheimhaltung. Neben den juristischen Fähigkeiten, die in der Regel durch zwei Staatsexamen mit im Schnitt mindestens 6,5 Punkten nachgewiesen werden müssen, kommt es vor allem auf Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Gewissenhaftigkeit an.

Auslandserfahrungen und Fremdsprachenkenntnisse sind darüber hinaus von Vorteil. Auch sollte die Bereitschaft für Dienstreisen ins Ausland gegeben sein. Schließlich können sich für den Bundesnachrichtendienst auch nur Menschen mit der Deutschen Staatsbürgerschaft bewerben.

Juristische Mitarbeiter des BND werden stets nach erfolgreich absolvierter Zeit als Beamter auf Probe auf Lebenszeit verbeamtet. Zudem erhalten sie eine behördenspezifische Zulage bei ihrer Besoldung. Als verbeamteter Jurist beim BND wird man zu Beginn nach der Besoldungsgruppe A13 bezahlt, was bedeutet, dass ein lediger Beamter zunächst rund 4150 Euro Brutto pro Monat zuzüglich seiner Zulage erhält.

Verwaltungsjuristen verdienen durchschnittlich rund 48.000 Euro Brutto im Jahr, das Gehalt hoher Verwaltungsbeamter kann jedoch bis zu 65.000 Euro Brutto betragen.

5. Alternative: Lehre und Forschung        

Als landesunmittelbare Körperschaft des öffentlichen Rechts, fallen auch Juristen, die an Universitäten angestellt sind in diese Rubrik. Wer Professor werden möchte, der kommt um Promotion und Habilitation nicht herum. Darüber hinaus bedarf es noch eines Rufs an den Lehrstuhl einer Universität.

Aufgrund dieser Voraussetzungen und den allgemeinen Voraussetzungen an die wissenschaftliche Expertise sind daher Prädikatsexamina ebenfalls Voraussetzung für diesen Werdegang. Tatsächlich werden Professoren nicht immer, allerdings recht häufig verbeamtet. Sie gelten aber aufgrund ihrer vielen Privilegien im Volksmund sogar als Edelbeamte. Das Auswahlverfahren von Professoren ist äußerst kompliziert und langwierig, so dass Lehrstuhlvertretungen, auch Vertretungsprofessuren genannt, für viele Professoren auf dem Weg zum eigenen Lehrstuhl die Regel sind.

Dafür eröffnet sich ein breites Feld an Forschungsmöglichkeiten und den Professoren kommt eine außergewöhnliche Freiheit bei der Gestaltung ihres Arbeitsalltags zu. Neben den juristischen Fähigkeiten zählt natürlich auch ein pädagogischer Aspekt, da nicht nur geforscht wird, sondern auch Wissen an Studenten vermittelt werden muss.

Professoren werden in der Regel nach den Besoldungsgruppen W1, W2 oder W3 bezahlt, was durchschnittlich bei einer Professur mit W3 rund 72.000 Euro Brutto jährlich bedeutet. Hinzukommen bei Professoren noch etwaige Nebeneinkünfte, beispielsweise durch den Verkauf von Büchern oder das Halten von Vorträgen.

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6. Alternative: Als Jurist zur Bundeswehr

Wer sich nach Stellenangeboten als Jurist im öffentlichen Dienst umguckt, der wird früher oder später auch auf die Bundeswehr treffen. Gesucht werden vor allem Juristen im höheren nichttechnischen Verwaltungsdienst.

Hier werden Juristen gesucht, die in der Bundeswehrverwaltung tätig sind und allgemeine Rechts- und Vertragsangelegenheiten bearbeiten, die Bundeswehr auch im Rechtsprozess vertreten können und militärische Entscheidungsträger in juristischen Sachverhalten und Grundsatzfragen beraten.

Verlangt wird in der Regel das Bestehen beider Staatsexamina mit „Befriedigend“, wobei auch ein „Ausreichend“ durch ein „Vollbefriedigend“ ausgeglichen werden kann. Bewerber müssen darüber hinaus die Deutsche Staatsbürgerschaft, ein Höchstalter von 49 Jahren und die Bereitschaft, Bundesweit versetzt zu werden, mitbringen.

Gehaltstechnisch steigen Juristen bei der Bundeswehr in der Besoldungsgruppe A13 h nach dem BbesG ein, was rund 4150 Euro Brutto im Monat bedeutet. Dazu können noch spezifische Zulagen und Leistungen kommen. Juristen bei der Bundeswehr werden darüber hinaus stets nach einer Probezeit auf Lebenszeit verbeamtet.

Es gibt also auch abseits vom Gerichtssaal eine Vielzahl von Stellen als Jurist beim Staat. Auch die hier genannten Möglichkeiten sind nur ein Auszug, es gibt immer wieder neue freie Stellen beim Staat für Juristen und die Aufgabenvielfalt ist schier unendlich!

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