Anni Becker, Richterin am OLG Hamburg, im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 19.08.2026

Anni Becker – Was kann die Justiz, was die Großkanzlei nicht kann?

Die Richterin vom OLG Hamburg im New Lawyers Podcast

Ann-Kristin Becker, kurz Anni, ist nicht nur im Hamburger Oberlandesgericht zuhause, sondern auch auf Social Media – und gibt dort Einblicke rund um die Arbeit am Gericht. In dieser Folge des New Lawyers Podcasts spricht die Präsidialrichterin mit Magdalena Oehl über ihren Alltag im Richteramt, über ihr Social Media Team und die Nachwuchsgewinnung sowie über die beruflichen Möglichkeiten des Richterberufs.

Als Kind wollte Anni Becker, zum Unmut ihrer Eltern, Theaterschauspielerin werden. Heute ist sie Richterin und ihr Alltag scheint mit diesem Berufswunsch auf den ersten Blick kaum mehr etwas zu tun zu haben. Becker hat jedoch eine Möglichkeit gefunden, ihre Leidenschaft für Jura zu leben und gleichzeitig an Inszenierungen der etwas anderen Art zu arbeiten. Sie betreut, mittlerweile zusammen mit einem ganzen Team, die Social Media Kanäle des OLG Hamburgs – während sie sich noch zu dreißig Prozent der Rechtsprechung widmet. Zu entdecken gibt es dort für alle Interessierten spannende Einblicke in den Alltag am Gericht. Das Ziel: Mit falschen Vorurteilen aufräumen, Menschen für die verschiedenen Jobs in der Justiz zu begeistern und das Gericht nahbarer machen.

Entdecke noch mehr spannende Einblicke in diesen Folgen des New Lawyers Podcasts:

Vom Betreuungsrecht bis Social Media: Für Richter:innen ist (fast) alles möglich

Beim Social Media Auftritt geht es für Becker nicht um Perfektion, sondern darum, zugänglich zu sein. Das ist nicht immer einfach, schließlich soll bei aller Authentizität auch die Seriosität der Justiz gewahrt werden. Diese Balance zu halten, gelingt dem Team trotz Verzicht auf eine Agentur bestens. Shit Storms sind bisher ausgeblieben, auch wenn durchaus immer wieder Themen die Gemüter erhitzen – zum Beispiel, dass Rechtspfleger:innen in Hamburg nun zu bestimmten Anlässen eine Robe tragen dürfen.

Dass sich Becker in ihrem Richteramt nicht nur mit einem Thema befasst, ist alles andere als ungewöhnlich. Sogenannte "Mischpensen" seien durchaus üblich. So befasste sich Becker in der Vergangenheit zum Beispiel je zur Hälfte mit dem Strafrecht und dem Betreuungsrecht.

Vor allem Letzteres hat sie begeistert. Drei Jahre lang richtete sie dabei Unterstützungsnetzwerke für Menschen ein, die etwa aufgrund einer körperlichen oder psychischen Einschränkung eine Vertretung benötigen. Wichtig dabei: Die Menschen persönlich kennenzulernen und bei Bedarf auch Besuche zuhause oder im Krankenhaus zu absolvieren. Eine erfüllende Aufgabe, erzählt Becker, die an Sinnhaftigkeit kaum zu übertreffen sei.

Erfahre hier mehr über die Karriere in der Justiz

Geld ist in der Justiz nicht alles

Wer sich für eine Karriere in der Justiz interessiert, sollte laut Becker Flexibilität mitbringen. Zwar sei es langfristig möglich, sich zu spezialisieren, vor allem seien aber Generalist:innen gesucht. Für Jurist:innen, die aus der Kanzlei wechseln, kann das schon einmal eine große Umstellung bedeuten. Auch, was das Gehalt angeht – das Becker als zu niedrig einschätzt. "Ich finde, es spricht überhaupt nichts dagegen, uns Richterinnen und Richter besser zu bezahlen. Das ist ja auch ein Thema [...], was man sich auf jeden Fall angucken muss, wenn wir wollen, dass unser Rechtsstaat konkurrenzfähig bleibt und bestehen bleibt", sagt sie.

Ich finde, es spricht überhaupt nichts dagegen, uns Richterinnen und Richter besser zu bezahlen. Das ist ja auch ein Thema [...], was man sich auf jeden Fall angucken muss, wenn wir wollen, dass unser Rechtsstaat konkurrenzfähig bleibt und bestehen bleibt.
- Anni Becker

Allerdings gebe es natürlich auch viele Vorteile gegenüber der klassischen Kanzleikarriere – so etwa die Familienfreundlichkeit. Besonders hebt Becker die Sinnhaftigkeit der Arbeit hervor. Sie würde - wie viele ihrer Kolleg:innen – den Job auch dann weitermachen, wenn sie finanziell ausgesorgt hätte. Dazu komme die Digitalisierung, welche dank E-Akte und Co. noch mehr Flexibilität etwa für die Wahl des Arbeitsortes schaffe. Und auch wenn die Gehälter mit der freien Wirtschaft nicht mithalten könnten, reichten diese durchaus für ein bequemes Leben aus: dank hoher Pension sogar auf Lebenszeit.

 

Du möchtest noch mehr über den richterlichen Alltag erfahren – zum Beispiel über den Bereitschaftsdienst? Oder du interessierst dich dafür, welche Tipps Anni Becker jungen Jurist:innen geben würde? Dann hör doch einmal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 1:15: Icebreaker-Frage: Was solltest du als Kind werden?
  • Ab 3:00: Wie bist du zur Justiz gekommen?
  • Ab 6:20: Was würdest du im Studium anders machen?
  • Ab 7:30: "Mischpensen" im Richterberuf
  • Ab 11:10: Strafrecht und Bereitschaftsdienst
  • Ab 14:40: Das Betreuungsrecht
  • Ab 21:10: Wie findet man seinen Rechtsbereich?
  • Ab 23:10: Wie verändert sich das richterliche Berufsbild?
  • Ab 26:00: Als Richterin auf LinkedIn
  • Ab 30:50: Warum beauftragt ihr keine Social-Media-Agentur?
  • Ab 33:00: Balance zwischen Authentizität und Seriosität
  • Ab 34:10: Diverse Vorbilder sichtbar machen
  • Ab 37:00: Hattet ihr schon einmal einen Shitstorm?
  • Ab 40:30: Gehälter in der Justiz
  • Ab 44:10: Falsche Vorurteile über den Richterberuf
  • Ab 46:40: Was würdest du jungen Jurist:innen raten?
  • Ab 50:10: Dein Wunsch an die Justiz der Zukunft
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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.