Jurafuchs-Gründer Christian Leupold-Wendling im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 14.11.2022

Mit einer Jura-Lernapp spielerisch durchs Examen

Jurafuchs-Gründer Christian Leupold-Wendling im New Lawyers Podcast

Auch wer Christian Leupold-Wendling nicht kennt, hat bestimmt schon von seiner Lernapp Jurafuchs gehört. Diese hat Leupold-Wendling gemeinsam mit zwei Mitgründern ins Leben gerufen und arbeitet nun mit einem Team aus insgesamt mehr als 40 Personen daran, die Anwendung stetig zu verbessern. An welchen anderen Gründungen Leupold-Wendling schon beteiligt war, was das Erfolgsrezept von Jurafuchs ist und warum er einmal bei einer Razzia in einem Bordell in Manila dabei war, darüber spricht er mit Alisha Andert in dieser Folge des New Lawyers Podcasts.

 

Die Idee zu Entwicklung einer Jura-Lernplattform kam Leupold-Wendling in dem Moment, in welchem er selbst eine solche gebraucht hätte: bei seiner Examensvorbereitung. Eine Anwendung, über die er sein Wissen abfragen könnte, fand er damals nicht – und machte sich just mit Steffen Schebesta und Dr. Wendelin Neubert (mit welchen er später auch Jurafuchs gründen sollte) daran, ein eigenes Programm zu entwickeln. Eine Erfolgsstory war das Ganze erst einmal nicht. Bei der ursprünglichen Browseranwendung setzten die Gründer zu sehr auf User Generated Content und konnten so nicht alle relevanten Themen abdecken.

Der nächste Anlauf gelang dann erst einige Zeit später. Leupold-Wendling hatte gerade sein zweites Kind bekommen und die Arbeitsbelastung und Fremdbestimmung seines Kanzleijobs passten nicht mehr in sein Leben. Er entschied sich dazu, seinen Job zu kündigen und in Vollzeit eine neue Lernapp zu gründen – die Geburtsstunde von Jurafuchs.

Inspiriert von Sprachlernapps wie Babbel oder Duolingo setzt Jurafuchs auf Gamification und sogenanntes Microlearning, also auf sehr kurze Fälle, die sich auf einen Aspekt konzentrieren. Anstatt passiv wie aus einem Buch zu lernen, müssen die Nutzer:innen aktiv Entscheidungen treffen und erhalten sofort Feedback. Über 30.000 Fragen hat die Redaktion bereits erstellt, die Nutzer:innen verbringen im Schnitt 13 Minuten am Tag auf der App.

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Jurafuchs war nicht Leupold-Wendlings erste Gründung

Bevor er mit Jurafuchs Studierenden das Leben und Lernen leichter machte, war Leupold-Wendling an der Gründung von IJM Deutschland beteiligt. Bei der Organisation handelt es sich um eine Tochter der größten Antisklavereiorganisation der Welt mit Sitz in Washington. Nachdem er ein Praktikum im Bereich Menschenrechte absolvierte, informierte sich Leupold-Wendling darüber, wie er seine Kenntnisse aus dem Studium praktisch anwenden könnte und gründete schließlich gemeinsam mit einigen Kommiliton:innen das deutsche Büro der Organisation.

IJM Deutschland macht mit Öffentlichkeitsarbeit darauf aufmerksam, dass es heute mehr Sklaverei gibt als jemals zuvor. Die Organisation setzt sich mithilfe von Einzelarbeit in betroffenen Ländern dafür ein, die Situation zu verbessern, etwa durch den Einsatz von verdeckten Ermittlern. Leupold-Wendling selbst war zum Beispiel als Legal Fellow bei einer Razzia in einem Bordell in Manila dabei.

Trotz seiner spannenden Erfahrungen hatte Leupold-Wendling Lust darauf, den klassischen Weg in die Juristenkarriere einzuschlagen, und landete schließlich bei Hengeler Mueller im öffentlichen Wirtschaftsrecht. Ein wichtiger Skill, den er dort gelernt hat, ist das Legal Writing – eine Fähigkeit, die ihm auch bei seiner Arbeit bei IJM weitergeholfen hat. „(Ich) hab dort festgestellt, dass man eigentlich alles, was man sagen möchte, in ungefähr einem Drittel der Wörter sagen kann“, erzählt er.

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Jurafuchs soll nicht die Universität ersetzen

Heute sieht sein Arbeitsalltag ganz anders aus: Gemeinsam mit seinem Team arbeitet Leupold-Wendling daran, Jurafuchs noch besser zu machen. Das Ziel ist es dabei nicht, die Nutzungsdauer zu erhöhen. Stattdessen soll den Nutzer:innen während der 13 Minuten, die sie täglich im Durchschnitt in der App verbringen, ein immer größeren Mehrwert geboten werden. Die Uni ersetzen will Jurafuchs aber auf keinen Fall. Stattdessen soll die App es den Nutzer:innen ermöglichen, sich im Sinne des Flipped-Classroom-Konzepts Wissen im Voraus selbständig anzueignen und so vorbereitet in Vorlesungen hineinzugehen – das wiederum schafft die Voraussetzung für mehr Diskurs.

Um die Qualität der App und deren Inhalte stetig zu verbessern, gab es bei Jurafuchs bisher bereits 160 App-Updates, die auf Rückmeldungen der Nutzer:innen basieren. Mittlerweile geschieht dies über Feedback-Optionen in der App und über die anonymisierte Auswertung von Daten. Auch persönliche Befragungen und Beobachtungen der Nutzer:innen gehören aber nach wie vor dazu.

Ich werbe auch viel für Selbstständigkeit im Freundes- und Bekanntenkreis, weil ich das toll finde, Sachen zu machen, die sonst niemand machen würde.
- Christian Leupold-Wendling

Dass er einmal Gründer einer Jura-Lernapp sein würde, hatte Leupold-Wendling übrigens nicht geplant – eine Veranlagung dazu, neue Dinge anzugehen, sieht er aber bei sich definitiv. Wenn er oder seine Freund:innen Ideen haben, dann packe er diese tendenziell eher an als sie sein zu lassen. Auch andere ermutigt er gern, neue Dinge anzugehen. „Ich werbe auch viel für Selbstständigkeit im Freundes- und Bekanntenkreis, weil ich das toll finde, Sachen zu machen, die sonst niemand machen würde.“ Wichtig sei es ihm dabei aber, realistisch und ehrlich zu bleiben, schließlich sei das Gründen kein Spaziergang. Um mit einer Idee durchzustarten, braucht es seiner Meinung nach auch ein wenig Naivität – denn wer weiß, was mit einer Gründung auf ihn zukommt, lässt es vielleicht lieber gleich bleiben.

 

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie Jurafuchs Nutzer:innen hilft, am Ball zu bleiben? Oder dich interessiert, welche Art von Menschen an der App arbeiten? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 01:48: Icebreaker-Frage: Was ist deine Lieblingsapp?
  • Ab 02:32: Was gefällt dir an Lernapps?
  • Ab 03:35: IJM Deutschland: Die erste Gründung
  • Ab 05:00: Wie engagiert sich IJM für Menschenrechte?
  • Ab 06:23: Warum bist du zu Hengeler Mueller gegangen?
  • Ab 07:19: Was hast du aus der Zeit in der Kanzlei mitgenommen?
  • Ab 08:59: Was war deine erste Lernapp?
  • Ab 11:41: Wann hast du dich entschieden, in Vollzeit an deiner App zu arbeiten?
  • Ab 13:16: Was ist Jurafuchs und was macht es besonders?
  • Ab 18:29: Wie hat sich die App mit der Zeit entwickelt?
  • Ab 21:13: Was ist eure Zukunftsvision?
  • Ab 24:29: Wie lernt ihr aus den Daten eurer App?
  • Ab 26:47: Welche Art von Menschen arbeitet bei euch?
  • Ab 32:25: Wem würdest du einen ähnlichen Karriereweg empfehlen?
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Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.