Corporate & M&A

Aufgabenspektrum, Anforderungen und Karriere-Chancen eines Anwalts im Übernahmegeschäft


verfasst von Theresa Preis und veröffentlicht am 14.09.2016


Kaum ein Rechtsgebiet ist unter den Studenten wohl so beliebt und umstritten wie Mergers & Acquisitions. Besonders in der Heuschreckendebatte 2005 um die Aussage des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, der den Begriff der gefräßigen Heuschrecken für Private-Equity-Investoren populär machte, gelangte das Gebiet des Übernahmegeschäfts zu breiter Bekanntheit. In der Finanzkrise 2008 flammte die Diskussion erneut auf und es wurde gemunkelt die Branche stünde vor dem Aus – doch wie sieht die Realität im M&A-Geschäft aus?


Breites Wissen ist gefordert

Im M&A Bereich braucht man neben Kapitalmarkt-Gesellschafts- und Handelsrecht auch Kenntnisse im Kartell-, Steuer- und Arbeitsrecht sowie nach den Gegebenheiten der individuellen Geschäfte Erfahrung in unterschiedlichen speziellen Rechtsgebieten. Hierfür gibt es zahlreiche Schwerpunktmöglichkeiten an verschiedenen Unis, um sich bereits im Studium mit der Materie vertraut zu machen. Beispielsweise der 15. Schwerpunkt der Universität Passau in internationalem Unternehmens- und Kapitalmarktrecht. Dies erleichtert vermutlich den Einstieg in den Berufsalltag, ist jedoch keinesfalls Voraussetzung. Deshalb wäre es auch kein Problem, seine Passion für die Unternehmensübernahme erst nach dem zweiten Staasexamen zu entdecken. In vielen Fällen des M&A Geschäfts müssen Anwälte grenzüberschreitend tätig werden. Deshalb ist es von Vorteil besonders Kenntnisse im britischen bzw. dem US-amerikanischen Recht mitzubringen, da hier das größte Transaktionsvolumen vorhanden ist. Sehr gute Englischkenntnisse sind auf dem Gebiet ein Muss, da viele Geschäftspartner kein Deutsch sprechen und die Verhandlungssprache demnach Englisch ist. Wer schon frühzeitig zu einer späteren beruflichen Zukunft im M&A Bereich tendiert, sollte über einen Master of Laws (LL.M.) im englischsprachigen Raum nachdenken, da dieser besonders in der Corporate Branche einen großen Pluspunkt in der Bewerbung darstellt.

 

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Weites Spektrum an Aufgaben

Der Aufgabenbereich eines Anwalts im M&A Bereich umfasst den gesamten Prozess der Übernahme von Anfang bis Ende. So ist er bereits beim “Letter of Intent” gefragt, wenn es um die Erklärung der Absichten hinsichtlich des Geschäfts geht. Auch die “Due Diligence”, mithin die Prüfung der Risiken, die dem Unternehmen anhaften, obliegt dem Anwalt. Werden auf deren Basis Vertragsentwürfe ausgefertigt, müssen diese im Rahmen des “Draftings” wiederum vom Anwalt unter die Lupe genommen werden. Diese rechtliche Beratung setzt sich über die Verhandlungen bis zum Closing, also bis zum Abschluss der Transaktion fort.


Investoren als gefräßige Heuschrecken?

Ein M&A Anwalt hat natürlich in erster Linie die Interessen seines Mandanten zu vertreten und diese sind in den meisten Fällen auf wirtschaftlichen Profit gerichtet. Dabei bringt die Arbeit eines M&A Anwalts jedoch viel mehr mit als das bloße Durchboxen der Vorstellungen seines Mandanten. Stattdessen muss er vermitteln und die widerstreitenden Interessen in Einklang bringen, was auch bedeutet in Punkten des eigenen Mandanten zurück zu rudern, um einen Abschluss zu erzielen. Den Stempel der gefräßigen Heuschrecken haben Investoren auch dadurch aufgedrückt bekommen, da es meist die Übernahmegeschäfte, die mit großen Personaleinsparungen einhergehen, in die Presse schaffen. Geschäfte, die ohne solche Dramen über die Bühne gegangen sind, werden hingegen eher unter den Tisch fallen gelassen.


Die Vorhersage nach der Krise um Lehman Brothers

Dem M&A Bereich wurde damals teilweise das Aus vorhergesagt, doch die Gegenstimmen behielten Recht. Die Annahme, dass nach jeder Krise ein Aufschwung kommt und Beratung immer gefragter sein wird, hat sich bewahrheitet. Die Schwerpunkte der Beratung verschieben sich vielleicht von größeren auf mittelständische Unternehmen, doch wird diese immer benötigt werden. So kann man sich getrost auf den Bereich M&A spezialisieren, ohne Sorge haben zu müssen, später keine Einstiegschance zu haben.


Corporate und M&A ist ein vielschichtiger Bereich, der seinen Anwälten auch gleichzeitig viel abverlangt. Wer sich hierfür entscheidet, wird wohl keine Langeweile im Beruf befürchten müssen.

 

Über den Autor

Theresa Preis

Theresa Preis

schreibt seit Oktober 2015 für Jura TalentRocket und beginnt im Oktober ihr Schwerpunktstudium in internationalem Unternehmens- und Kapitalmarktrecht.

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