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13 potentielle Fragen im Vorstellungsgespräch

Überzeuge als Jurist mit der richtigen Reaktion auf Fachfragen, Logikfragen und Stressfragen


verfasst von Sebastian M. Klingenberg und veröffentlicht am 27.12.2017

Für viele Menschen handelt es sich bei dem Bewerbungsgespräch um eine ungewohnte Stresssituation. Dies gilt umso mehr, wenn das Vorstellungsgespräch in einer renommierten Kanzlei vor einem bekannten Rechtsanwalt stattfindet. Es gilt dann, den potentiellen Arbeitgeber von der eigenen Kompetenz zu überzeugen.

 

Dabei ist allerhand zu beachten. Eine Top 10 an Tipps für ein sicheres Auftreten beim Vorstellungsgespräch findet ihr hier. Zum sicheren Auftreten gehört auch – wie Punkt 5 aufzeigt – das selbstbewusste Beantworten der gestellten Fragen. Doch welche Fragen sind überhaupt zu erwarten? Können neben den in Punkt 5 genannten Stressfragen auch Fachfragen oder Logikfragen gestellt werden, insbesondere wenn es sich bei dem Interviewpartner um einen Fachanwalt handelt? Mit welchen Antworten kann der Bewerber am besten überzeugen?
 


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Logik- und Fachfragen sind unter Juristen eher selten…

Bei Logikfragen handelt es sich um Rätsel, die durch logisches Nachdenken zu lösen sind. Sinn und Zweck solcher Fragen ist es, zu überprüfen, wie scharf der Verstand des Bewerbers ist. Solche Fragen sind zum Beispiel bei Betriebswissenschaftlern und Bänkern sehr beliebt, nicht aber unter Juristen.

Gleiches gilt auch für Fachfragen. Hier werden die Noten der beiden Staatsexamina grundsätzlich als ausreichend erachtet, um sich eine Meinung über das Fachwissen und den scharfen Verstand des Bewerbers bilden zu können.

Wer also zu einem Vorstellungsgespräch bei einer Kanzlei oder einem Rechtsanwalt eingeladen wird, wird sich in aller Regel weder mit Logik- noch mit Fachfragen konfrontiert sehen. Dies gilt gleichermaßen für den angehenden Anwalt sowie den Rechtsanwaltsfachangestellten.

In seltenen Fällen erwartet den potentiellen Arbeitnehmer als Alternative zu den Fachfragen ein Rollenspiel während des Vorstellungsgesprächs. Hierbei soll der Bewerber seine Fähigkeiten, wie Soft Skills und soziale Kompetenz, unter Beweis stellen.

So kann das Rollenspiel zum Beispiel ein simuliertes Telefongespräch mit einem Mandanten sein, der schwierige Fragen zu (eventuell auch) unbekannten Fachgebieten stellt. Wichtig ist in jedem Fall, sich auf das Rollenspiel einzulassen.

Sollte der „Mandant“ eine Frage stellen, auf die der Bewerber ad hoc keine Antwort hat, so sollte er stets ruhig und professionell bleiben und sich mit einem

 

„Das müssen wir uns noch im Detail anschauen.“

 

retten.

 

…dafür erfreuen sich Stressfragen einer größeren Beliebtheit

Die bei der Bewerbung eingereichten Unterlagen, lassen bereits auf eine gewisse fachliche Kompetenz schließen, sodass im juristischen Vorstellungsgespräch bevorzugt die kommunikative Kompetenz sowie die Souveränität und Spontaneität im Umgang mit überraschenden Situationen überprüft werden soll.

Hierzu dienen die sogenannten Stressfragen, die ohne entsprechende Vorbereitung durchaus zu einem negativen Bild des Bewerbers bei der Kanzlei beziehungsweise dem gesprächsführenden Anwalt führen kann.
 

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Neben diesen Stressfragen werden häufig aber auch Fragen seitens des potentiellen Arbeitgebers gestellt, die allein sein Interesse an der Person des Bewerbers zum Inhalt haben. Auf die am häufigsten anzutreffenden Fragen, seien es Stressfragen oder nicht, soll deshalb im Folgenden näher eingegangen werden. Wobei die Reihenfolge zufällig gewählt wurde, also keine Rückschlüsse auf die Häufigkeit der Fragen oder ähnliches gezogen werden können:
 

  • Warum haben Sie sich entschieden, Anwalt zu werden?

Diese Frage dient dazu, die Person des Bewerbers besser einschätzen zu können. Hat dieser sich für eine juristische Laufbahn aufgrund persönlicher Neigungen und Fähigkeiten entschieden oder doch eher aus pragmatisch-egoistischen Beweggründen?

Wer bei dieser Frage also punkten möchte, sollte sich selbst als zielstrebige und erfolgsorientierte Person darstellen und somit hervorheben, dass bereits früh ein Interesse am Beruf des Rechtsanwalts bestanden hat.
 

  • Warum möchten Sie sich auf dieses Rechtsgebiet spezialisieren?

Diese Frage zielt nicht nur auf das Interesse des Bewerbers an dem Rechtsgebiet ab, sondern auch auf etwaige Vorerfahrungen. Der Interviewer möchte zudem erfahren, ob der Bewerber die Anforderungen der angestrebten Position realistisch einschätzen kann.

So kann der Gesprächspartner besser abschätzen, ob der Bewerber den Anforderungen der Stelle genügt und ob er mit der Arbeitsstelle zufrieden sein wird. Deshalb sollte der Bewerber diese Frage dazu nutzen, seine Berufserfahrung in dem jeweiligen Rechtsgebiet näher zu erläutern.

Sollte keine ausreichende Berufserfahrung vorhanden sein, sollte er zumindest sein Interesse an dem Rechtsgebiet ausreichend begründen können.
 


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  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Der potentielle Arbeitgeber möchte mit dieser Frage vornehmlich erfahren, ob der Bewerber in einem Vorstellungsgespräch persönliche Schwächen selbstbewusst zugeben kann. Deshalb ist es besonders wichtig, auf diese Frage ruhig und entspannt zu reagieren. Ratsam ist es außerdem, zunächst die persönlichen Stärken hervorzuheben.

Bei den Schwächen ist sodann Vorsicht geboten. Es sollten niemals solche Schwächen offenbart werden, die für die angestrebte Stelle von Belang sein könnten. Sinnvoll ist es vielmehr, auf solche Schwächen einzugehen, in denen auch positive Komponenten deutlich werden, wie zum Beispiel

 

„Ich bin ungeduldig und mag es deshalb nicht, wenn Aufgaben nicht konsequent und zielstrebig abgearbeitet werden.“

 

Möglich ist aber auch die Preisgabe von Schwächen, die sich weniger auf den Beruf auswirken, etwa wie

 

„Ich habe mir schon seit Jahren fest vorgenommen, eine zweite Fremdsprache zu erlernen, bin bisher aber nie dazu gekommen.“


 

  • Standen Sie schon einmal vor einer Aufgabe, die Sie nicht lösen konnten? Wie sind Sie damit umgegangen?

Diese Frage dient – wie auch die nach den Schwächen – vor allem dazu, zu sehen, ob der Bewerber zur Selbstreflektion in der Lage ist. Es ist sicherlich nicht einfach, ein eigenes Versagen zuzugeben, doch sind zunächst unlösbar wirkende Aufgaben keine Seltenheit.

Der Bewerber kann hier von sich überzeugen, indem er mit seiner Herangehensweise an das Problem brilliert. Zum Beispiel indem mitgeteilt wird, wie das Problem erkannt und analysiert sowie schließlich eine Lösung gefunden wurde, ob Hilfe von außen geholt wurde etc.
 

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  • Stellen Sie sich vor, die Arbeit in einer Gruppe mit Kollegen funktioniert nicht richtig und ist deshalb wenig effektiv. Wie verhalten Sie sich in einer solchen Situation?

Auch in einer Kanzlei (oder einem Unternehmen) kann Teamwork von großer Bedeutung sein, sodass es wichtig ist, sich selbst als Teamplayer zu präsentieren. Daher ist es nicht ratsam, sich damit zu profilieren, dass obwohl die Arbeit an einem selbst hängen geblieben ist, sie in eigener Regie zu Ende geführt wurde.

Ein solches regelrechtes Prahlen zeugt nämlich eher von einem schlechten Teamplayer ohne Problembewusstsein. Sinnvoll ist es daher, zu vermitteln, dass solche Probleme offen im Team angegangen werden.
 

  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Diese Frage zielt auf den Ehrgeiz des Bewerbers ab. Die Antwort auf diese Frage sollte ebenso mit näheren Ausführungen verbunden werden. Es reicht für gewöhnlich nicht, wenn man sich auf die Aussage, man wolle Partner in der Kanzlei werden, beschränkt.

Vielmehr sollte der Wille zur beruflichen Weiterqualifizierung besonders hervorgehoben werden, sei es durch Weiterbildung, der Erweiterung des eigenen Tätigkeitsfeldes oder der Übernahme von mehr Verantwortung.
 

  • Worauf sind Sie in ihrem bisherigen Leben besonders stolz? - oder - Was war die größte Herausforderung, die Sie in den letzten Jahren zu bewältigen hatten?

Im Vorstellungsgespräch können diese Fragen dazu genutzt werden, um persönliche Erfolge anzusprechen. Dabei besteht allerdings immer die Gefahr, dass der Gesprächspartner sich etwa mangels gleichen Interesses nicht in den persönlichen Erfolg hineinversetzen kann und/oder der Bewerber sich unter Umständen sich durch Prahlerei oder zu langen Ausführungen sogar ins eigene Fleisch schneidet. Sinnvoll ist es deshalb auch hier, eher über berufliche Erfolge zu berichten.
 


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  • Wie sind Ihre persönlichen Verhältnisse?

Der Interviewer möchte mit dieser Frage erfahren, ob die persönlichen Verhältnisse geordnet sind. Selbstverständlich geht den Arbeitgeber dies nichts an! Die Frage muss also nicht beantwortet werden! Jedoch lässt sich von einem zufriedenen Privatleben eine psychische Stabilität ableiten. Deshalb sollte die Frage durchaus beantwortet werden, wenn man möchte. Allerdings lediglich mit einer kurzen, prägnanten und durchweg positiv geprägten Antwort.

 

Diese Frage dient dem allgemeinen Interesse des potentiellen Arbeitgebers. Sie sollte daher wahrheitsgemäß beantwortet werden. Der Gesprächspartner rechnet in der Regel auch damit, dass seine Kanzlei (oder Unternehmen) nicht die einzige Bewerbung erhalten hat. Vielmehr wirkt es eher merkwürdig, wenn dem doch so wäre.

 

  • Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?

Die Frage nach der Gehaltsvorstellung taucht in nahezu jedem Vorstellungsgespräch auf. Es ist deshalb unerlässlich, dass der Bewerber sich bereits vorher informiert, welche Gehälter für die gewünschte Stelle mit seiner Qualifikation üblich sind. Eine zu hohe Gehaltsvorstellung führt in aller Regel zu einer Absage. Eine zu geringe Vorstellung rückt den Bewerber regelmäßig ebenso in ein schlecht(er)es Licht.

 

  • Wieso sollten wir uns für Sie entscheiden?

Hierbei handelt es sich um eine der kniffligsten Stressfragen, da sich der Bewerber hier in die Rolle des potentiellen Arbeitgebers versetzen muss. Trotz der wahrscheinlich sehr ungewohnten Stresssituation kann diese Frage zum eigenen Vorteil genutzt werden.

Der Bewerber hat ein weiteres Mal die Möglichkeit, nicht nur seine Fähigkeit zur Selbstreflexion zu beweisen, sondern dem Interviewpartner erneut selbstbewusst seine Qualifikationen deutlich zu machen. Hierbei ist es besonders wichtig, auf die Anforderungen des Stellenagebots einzugehen und diese mit seinen Stärken zu untermauern.


 

  • Wir möchten Ihnen hier und jetzt eine Stelle anbieten. Was halten Sie davon?

Diese Frage wirkt vielleicht zunächst wie eine Fangfrage, ist sie aber nicht. Allerdings kommt sie regelmäßig mit der Schwierigkeit einher, dass der Bewerber sich auch noch bei anderen Kanzleien beworben hat, deren Reaktion also vermutlich noch abwarten möchte. Daher empfiehlt es sich, dem Gesprächspartner zunächst für das prompte Angebot zu danken, aber gleichzeitig um ein paar Tage Bedenkzeit zu beten. 

 

Wenn das Bewerbungsgespräch sich seinem Ende neigt, wird dem Bewerber in aller Regel die Möglichkeit geboten, seinem Gesprächspartner Fragen zu stellen. Wird diese Gelegenheit nicht genutzt, macht das für gewöhnlich einen schlechten Eindruck.

Gleiches gilt grundsätzlich auch dann, wenn dieser Zeitpunkt für Fragen zum Einkommen genutzt wird oder die Fragen ohne weiteres mit einem Blick auf die Online-Präsenz der Kanzlei (oder des Unternehmens) beantwortet werden können.

Aufgepasst sollte auch werden, dass nicht bereits beantwortete Fragen noch einmal wiederholt nachgefragt werden. 

Dieser Augenblick sollte vielmehr nochmals dazu genutzt werden, das große Interesse an der Stelle zu bekunden. Sinnvoll ist es daher, sich den zukünftigen Arbeitsplatz zeigen zu lassen oder nach dem weiteren Verfahrensablauf der Bewerbung zu fragen.
 

 

Das Bewerbungsgespräch unter Juristen ist in aller Regel weniger von Logikfragen geprägt. Gleiches gilt auch für Fachfragen, wobei es hierbei eher vorkommen kann, dass der potentielle Arbeitgeber ein Rollenspiel vorschlägt, um die fachlichen und kommunikativen Kompetenzen seines Gegenübers zu überprüfen. Üblicher sind hingegen sogenannte Stressfragen, durch die die Souveränität und Spontaneität im Umgang mit überraschenden Situationen überprüft werden soll, sowie Fragen, die ein allgemeines Interesse des Interviewers an der Person des Bewerbers zum Inhalt haben.  Ratsam ist es in beiden Fällen, sich bereits bei der Bewerbung, in jedem Fall aber vor Antritt des Bewerbungsgesprächs, mit solchen Fragen auseinanderzusetzen, damit das Vorstellungsgespräch nicht mit einem bösen Erwachen endet.

 


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Über den Autor

Sebastian M. Klingenberg

Promotionsstudent an der JGU Mainz (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie) und Rechtsreferendar am LG Wiesbaden. Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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