Tobias Neufeld (Partner ARQIS) bei New Lawyers

Veröffentlicht am 23.06.2021

Digitale Ethik für Kanzleien und Unternehmen

Tobias Neufeld (Partner ARQIS) bei New Lawyers

Tobias Neufeld ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei ARQIS, zertifizierte Information Privacy Professional und zertifizierter Privacy Manager und er berät Unternehmen unter anderen zur Datenschutz Compliance. Er ist spezialisiert auf die Bereiche Digitalisierung und Unternehmensverantwortung. Unter anderem sagt er, DSGVO Compliance sei ein wichtiges Unternehmensziel. Für digital-ethische Unternehmensverantwortung sei es die Basis. Außerdem ist Tobias Neufeld Gründer und Leiter von Data Law bei ARQIS, einer neuen ganzheitlichen Beratungslösung für datenbezogene Rechtsfragen. 

Mit Alisha Andert spricht er natürlich über den Umgang mit Daten, digitale Ethik, warum das Thema auch für Unternehmen an Bedeutung gewinnt und in welche Richtung sich perspektivisch Kanzleien entwickeln müssen. 

 

 

Daten als Unternehmensgrundlage

Dass das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Facebook auf Daten basiert, ist kein Geheimnis. Was allerdings genau mit den Nutzerdaten passiert oder wofür sie verwendet werden, bleibt den meisten Nutzern unbekannt. 

 “Die Infos, die Facebook anbietet, wann dein Lieblingsrestaurant geöffnet hat, sind sicherlich gut, das was Facebook allerdings als Unternehmen und Datensammler ausmacht, ist nichts, was auf meiner Agenda steht.” 

Wie viele Daten Facebook bereits über Personen gesammelt hat, die sich erstmals dazu entschließen, auf der Plattform zu registrieren, zeigen die sogenannten Shadow Profiles, die im Hintergrund bereits angelegt wurden und neue Nutzer gezielt hinsichtlich verschiedener Eigenschaften verorten können. 

Eine weiter Firma, in der Daten eine grundlegende Funktion einnehmen, ist Tesla. “Aus meiner Sicht”, so Alisha Andert “ ist Tesla doch eigentlich ein Automobilhersteller. Du siehst Tesla als Data Company. Was hat es damit auf sich?” Eine Firma wie Tesla, die beispielsweise sehr aktiv im Thema autonomes Fahren ist, hat einen riesigen Datenschatz aufgebaut, der natürlich als wichtiger Bestandteil eines Geschäftsmodells fungieren kann, beispielsweise bei der Gründung einer Versicherung, da Tesla die Risiken kennt, mit denen Tesla-Fahrer konfrontiert sind.

Daten haben sich längst als eigene Währung etabliert und werden für Unternehmen und Unternehmenserfolge zunehmend wichtiger. Dass dies auch Auswirkungen speziell auf den Rechtsmarkt und Menschen als Individuen hat, ist daher die logische Schlussfolgerung und stellt nicht zuletzt Juristinnen und Juristen vor neue Fragen.

Was ist digitale Ethik?

Kanzleien und Digitalisierung oder Datenschutz Compliance sind in der Vergangenheit selten in einem Atemzug genannt worden. Dies zeigt sich nicht zuletzt an der Frage, ob es wirklich notwendig sei, E-Mails aufgrund sensibler Inhalte verschlüsselt zu versenden oder die Auswahl der Mandate auch von moralischen Gründen abhängig zu machen – wie handhabt der potenzielle Mandant es beispielsweise mit der DSGVO oder anderen ethischen Aspekten?

Grundsätzlich beschäftigt sich digitale Ethik mit den moralischen Fragen des digitalen Wandels sucht nach angemessenen und legitimen Handlungsweisen im Umgang mit Daten und deren Verarbeitung in algorithmischen Systemen: Wem gebe ich meine Daten und zu welchem Zweck?

Die DSGVO war dahingehend ein erster Schritt. Dennoch sei nicht alles was rechtlich zulässig ist nach der DSGVO ist zwingend gesellschaftlich und ethisch zulässig. Die Frage zielt nicht nur darauf an, inwiefern digitale Lösungen für analoge Probleme funktionieren sollen, sondern rücken vielmehr die Fragen ins Zentrum, welchen Umgang mit Daten wir wollen und wie viel “Entscheidungungskraft” wir Algorithmen überlassen wollen. 
 

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„Gestern war ich gut. Heute bin ich besser.“

Wie kann faire Datennutzung aussehen?

“Ich würde mir vorstellen dass wir mit Data Wallets arbeiten, dass jeder ein Portmonee hat, in dem die personenbezogenen und nicht personenbezogenen Daten, die mich betreffen, drin sind und ich über eine Schnittstelle darüber bestimmen kann, mit wem ich diese Daten teile und mit wem nicht.” Tobias Neufeld hat diesbezüglich eine sehr klar Vorstellung, wobei es das Prinzip der Data Wallets bereits gibt, es jedoch derzeit noch an technischen Komponenten zur Umsetzung mangelt.  

Auch im Zuge der Corona WarnApp und der Nachverfolgung hat der Datenschutz zuletzt nicht nur Lobeshymnen bekommen. Stattdessen ist häufiger vom Datenschutz als Innovationsbremse oder als Hinderungsgrund in der Pandemiebekämpfung die Rede gewesen. Alles eine Frage des richtigen Konzepts? “Es müssen natürlich die notwendigen Voraussetzungen in den Systemen geschaffen werden, die die Souveränität über die eigenen Daten nicht ausschließt. Ganz viel ist dabei auch Kommunikation.”, sagt Tobias Neufeld und verweist ebenfalls darauf, dass digital ethische Aspekte (wie Transparenz und Vertrauen) bereits in der Planung und Umsetzung entsprechender Anwendungen mitgedacht werden müssen. 


Digitale Ethik für Unternehmen

Warum digitale Ethik nicht nur für individuelle Nutzer, sondern auch für Unternehmen von Bedeutung ist, belegt nicht nur die zuletzt aufgekommene Debatte um gesellschaftliche Verantwortung. Neben ESG-Richtlinien drängt auch der Klimaschutz mittels verschiedener Gesetzgebungen in die Unternehmen, so auch das Thema Nachhaltigkeit in Kanzleien – hier wird in einigen Jahren vermutlich ein großer Compliance-Katalog auf die Unternehmen zukommen, wenn sie nachhaltige Aspekte ignorieren, vermutet Tobias Neufeld. Wie präsent das Thema Nachhaltigkeit bereits ist, zeigt sich bereits heute in den Investmentrichtlinien einiger großer Banken und Unternehmen. 

Gleichzeitig haben bereits einige Unternehmen sich darauf vorbereitet und sich einen eigenen Compliance Katalog erstellt und auch der Einfluss der Kundinnen und Kunden darf hier nicht unterschätzt werden, da diese zunehmend auf Unternehmenswerte achten und ihre Entscheidung für oder gegen ein Unternehmen verstärkt von CSR-Aspekten oder dem Umgang mit ihren Daten abhängig machen. 


Was bedeutet dies für die Kanzleiwelt?

“Die Rechtsberatung wird sich in den nächsten Jahren ändern müssen”, ist sich Tobias Neufeld sicher und verweist auf holistische Beratungsansätze, da die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen auch in der rechtsberatenden Tätigkeit an Bedeutung zunimmt. Ein Beispiel wie solch ein neues Modell aussehen kann, ist die von Tobias Neufeld mitgegründete Unternehemsberatung b.yond, die digital-ethische Kompetenz mit rechtlicher Expertise verbindet und ein Joint Venture des Institute for Digital Transformation in Healthcare (idigiT) und ARQIS ist. 

Dass Rechtsberatung anders als vor 10–15 Jahren funktioniert, sei zumindest in einigen Großkanzleien bereits angekommen, die einem ganzheitlichen Beratungsansatz verfolgen und ihren Mandanten nicht nur Rechtsberatung, sondern auch Lösungen zu anderen Problemen aus einer Hand liefern.

Wenn du nun neugierig geworden ist und mehr über die Relevanz und Vorteile holistischer Beratungsansätze in Kanzleien und die anwaltliche Arbeit der Zukunft erfahren willst, hör dir die New-Lawyers-Folge mit Tobias Neufeld an.