So gibt man richtig Feedback

Veröffentlicht am 14.11.2023

Feedback geben – so wichtig ist es wirklich

Welche Ansätze und Regeln du beachten solltest

Ob im Berufsalltag oder im privaten Umfeld: Feedback ist eine Beurteilung oder Rückmeldung von einer anderen Person. Es erweitert die Selbstwahrnehmung oder Selbstbewertung durch eine möglichst objektive externe Bewertung und Wahrnehmung. Dabei können lobenswerte Aspekte (positives Feedback) angesprochen oder Kritik geübt (negatives Feedback) werden.

 

Begriffsbestimmung: Was ist Feedback und wie funktioniert Feedback geben?

Wenn es richtig angewendet wird, kann Feedback äußerst wertvoll sein, insbesondere in beruflichen Kontexten, um sich weiterzuentwickeln. Durch Feedback können Menschen erfahren, wie ihr Verhalten wahrgenommen wird, wie die Situation oder Leistung beurteilt wird und welche Verbesserungsmöglichkeiten es gibt. Dennoch ist zu beachten, dass nicht Jede:r Feedback willkommen heißt und daher klare Regeln für sowohl das Geben als auch das Empfangen von Feedback erforderlich sind.

Gerade, wenn du dich als „Neuankömmling“ in einem Unternehmen oder einer Kanzlei zurechtfinden musst, ist Feedback ist ein entscheidender Bestandteil deiner persönlichen Weiterentwicklung. Es ermöglicht dir, deine Stärken zu erkennen, Schwachstellen zu beheben und klare Erwartungen zu formulieren.

Grundregeln für das Geben von Feedback

Damit Rückmeldungen effektiv sind und ihre Wirkung entfalten, werden oft die folgenden drei Grundregeln empfohlen (auch bekannt als die WWW-Regeln, abgeleitet von "Wahrnehmung", "Wirkung", "Wunsch").

Beschreibung der Wahrnehmung

Lass uns damit beginnen, deinem Kollegen oder der Kollegin mitzuteilen, welches Verhalten du beobachtet hast. Schildere deine Sichtweise und deine persönliche Wahrnehmung. Beachte dabei, dass es hierbei nicht darum geht, der anderen Person zu zeigen, dass man Recht hat, sondern nimm von Beginn an eine neutralere Position ein, indem zu z.B. mit folgenden Worten beginnst: "Ich habe in letzter Zeit bemerkt, dass du..."

Darstellung der Wirkung

Im nächsten Schritt bewertest du das beobachtete Verhalten. Welche Schlussfolgerungen ziehst du aus deiner Wahrnehmung? Wie beeinflusst es dich persönlich oder vielleicht deine Arbeit im Unternehmen oder der Kanzlei? Drücke deine Bewertung in Ich-Botschaften aus, um zu verdeutlichen, was das Verhalten des/der anderen in dir auslöst. Zum Beispiel: "Durch deine Herangehensweise entsteht bei mir der Eindruck, dass…

Formulierung von Wünschen

Schließlich solltest du deinem Gesprächspartner mitteilen, welches zukünftige Verhalten du dir wünscht oder welche Veränderungen du erwartest. Hierbei ist es wichtig, trotz aller Diplomatie auch eine sachliche, aber klare Ansage an dein Gegenüber zu formulieren. Zum Beispiel: "Ich würde gerne sehen, dass du in Zukunft..."

 

Zusätzliche Regeln für effektives Feedbackgeben

Um sicherzustellen, dass professionelles Feedback auch wirklich funktioniert, solltest du neben den o.g. Grundregeln sechs zusätzliche Regeln befolgen:

  1. Informiere dich zuerst ausreichend, bevor du Ratschläge gibst. Überprüfe, ob du alle relevanten Informationen hast, um eine angemessene Bewertung abzugeben. Vielleicht hast du schon einmal von den "3 Sieben des Sokrates" gehört: Ist es wahr? Ist es gut gemeint? Und ist es nützlich? Mit diesen drei Fragen zu beginnen, ist auf jeden Fall ein erster, richtiger Schritt. Wenn keiner dieser Punkte zutrifft, ist es besser, nichts zu sagen.
  2. Warte auf den richtigen Zeitpunkt und gebe niemals ungebetenen Rat. Die Bereitschaft zur Aufnahme von Feedback muss vorhanden sein. Zudem solltest du immer möglichst zeitnah auf die jeweilige Person zugehen, da sonst der Bezug zur Situation verloren gehen kann.
  3. Gib deinem konstruktiven Feedback einen privaten Rahmen, anstatt es öffentlich zu machen. Ein persönliches Gespräch im Zweiergespräch ist ideal, da der Empfänger sein Gesicht wahren kann, insbesondere bei kritischem Feedback. Negatives Feedback kann konstruktiv sein, solange es eine positive Absicht hat und mit Lösungsvorschlägen verbunden ist.
  4. Konstruktive Kritik sollte immer konkret sein und Verallgemeinerungen vermieden werden. Feedback sollte auf sehr exakte Weise erklären, wie etwas verbessert werden kann. Bist du selbst der- oder diejenige, die einer anderen Person Rückmeldung gibt, liegt es letzendlich an dir, zu zeigen, wie hilfreich dein Feedback wirklich ist.
  5. Zeige neue Perspektiven auf, ohne Druck auszuüben oder den anderen zur Rechtfertigung zu zwingen. Feedback sollte deinem Gegenüber helfen, alternative Wege und Sichtweisen zu erkennen, ohne sie oder ihn herabzusetzen – dies wäre völlig kontraproduktiv und würde den zugrundliegenden Konflikt letztendlich nur verschärfen.

Last but not least solltest du als Feedbackgeber deine Empfehlungen nie als in Stein gemeißelte Wahrheiten darstellen, sondern offen für die Sichtweise des Empfängers sein. Ermutige deinen Kollegen, dein Feedback zu hinterfragen und selbst Feedback zu geben, um einen gleichberechtigten und konstruktiven Dialog zu ermöglichen.

Häufige Fehler beim Feedback-Geben

Es gibt einige häufige Fehler beim Feedback-Geben, die vermieden werden sollten. Diese Fehler können die Wirkung von Feedback erheblich beeinträchtigen und zu Missverständnissen oder Konflikten führen. Hier sind einige der typischen Fehler:

  1. Mangelnde Vorbereitung: Feedbackgeber sollten sich über die Konsequenzen ihrer Ratschläge im Klaren sein und Verantwortung übernehmen
  2. Schlechter Zeitpunkt: Feedback sollte nicht in einer emotional aufgeladenen Situation gegeben werden und sollte niemals dazu dienen, persönliche Frustrationen auszulassen. Warte daher im Zweifelsfall lieber noch ein wenig ab, bis auch du wieder einen klaren Gedanken fassen kannst und gehe erst dann auf die andere Person zu. Die berühmte „Nacht drüber schlafen“ ist also manchmal genau das richtige.
  3. Ungefragte Ratschläge: Feedback sollte niemals ungefragt gegeben werden. Zeigt dein Gegenüber ganz offenbar keine Bereitschaft zur Aufnahme von Feedback, kann dein (gut gemeinter) Vorstoß auch als Angriff wahrgenommen werden.
  4. Fehlendes Fingerspitzengefühl: Falle nie mit der Tür ins Haus. Feedback sollte ehrlich, aber auch taktvoll sein. Es ist wichtig, genug Sensibilität zu zeigen und das Feedback in angemessener Weise zu dosieren. Zudem versteht es sich von selbst, niemals verletzend oder persönlich angreifend zu werden, sonst schießt man sich schnell ein Eigentor.
  5. Ungleichgewicht zwischen positivem und negativem Feedback: Es ist wichtig, sowohl Lob als auch konstruktive Kritik zu geben. Du solltest bei deinem Feedback daher nicht nur einseitig die Kritik im Auge haben, sondern diese bestenfalls in einem positiven Kontext einbetten (natürlich ohne dabei Dinge zu erfinden). Daher spricht man in diesem Zusammenhang auch von der "Salami-Taktik".
Die Salami-Taktik: Bevor man etwas kritisiert, sollte man immer etwas Positives sagen. Genau das trifft auch im professionellen Umfeld zu.

Reaktionen auf Feedback

Je nach Mitarbeiter musst du unterschiedliche Reaktionen auf dein Feedback erwarten. Während der eine dasitzt und nickt, wird der andere versuchen, sich zu erklären und wieder ein anderer wird selbständig Verbesserungsvorschläge einbringen. Auch auf negative Reaktionen solltest du souverän reagieren können und dem Gegenüber zuhören.

Nehme ihre Einwände ernst und versetze dich in ihre Lage hinein, bleib aber deiner Kritik treu und rudere nicht zurück.

Stattdessen solltest du gemeinsam mit dem Mitarbeiter besprechen, wie sich die Lage verbessern lässt und dabei einen Weg finden, mit dem ihr beide glücklich seid.

Dass Menschen ganz unterschiedlich auf Feedback reagieren, ist etwas völlig natürliches. Prinzipiell können Reaktionen von Akzeptanz und Annahme bis hin zu Ablehnung und Ärger reichen. Dieses Spektrum wird oft als SARA-Modell bezeichnet, das die Phasen Shock (Schock), Anger (Wut), Resistance (Widerstand) und Acceptance (Akzeptanz) umfasst. Jeder Mensch durchläuft diese Phasen unterschiedlich und möglicherweise zeitversetzt.

  1. Schock: Personen, die Feedback erhalten, reagieren oft schockiert, da es einen unmittelbaren Bruch zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung darstellt, auf den sie nicht vorbereitet waren.
  2. Wut: Manche Menschen reagieren auf negative Rückmeldung mit Wut und versuchen, die Verantwortung auf äußere Faktoren oder andere Personen abzuwälzen.
  3. Widerstand: Aufgrund von Veränderungen oder Verlusten, die mit dem Feedback verbunden sein können, wächst der Widerstand gegen die Akzeptanz des Feedbacks.
  4. Akzeptanz: Sofern auch du als Feedbackgeber:in alles richtig gemacht hast, kommt am Ende im besten Fall die Akzeptanz. Die angesprochene Person akzeptiert das Feedback und ihren Beitrag zur Situation, wodurch neue Wege für Veränderungen und konstruktive Arbeit geöffnet werden.

Für jeden Kollegen der richtige Umgang

Beispiele für Feedbacksituationen in Anwaltskanzleien

Feedback ist ein wesentlicher Bestandteil des beruflichen und persönlichen Wachstums von Anwälten in Kanzleien. Hier sind einige typische Beispiele für Feedbacksituationen:

Feedbackgespräch

Eine der wohl bekanntesten Gelegenheiten für Feedback ist das Mitarbeiter(jahres)gespräch. Als angestellter Jurist bzw. Mitarbeiter einer Kanzlei oder eines Unternehmens setzt du dich dabei in regelmäßigen Abständen mit deinen Vorgesetzten zusammen, um über die bisherige Arbeit, Erfolge, Kritikpunkte und Verbesserungspotenziale zu sprechen. Sie definieren künftige Ziele und die Rollen für die Zusammenarbeit. Ziel ist es, deine Entwicklung im Team zu fördern und persönliche und fachliche Kompetenzen auszubauen.

360-Grad-Feedback

Bei dieser Feedbackmethode erhalten Mitarbeiter nicht nur Feedback von ihren Vorgesetzten, sondern auch von Kollegen und Mandanten. Das Ziel ist ein umfassender Einblick in ihre Stärken und Schwächen. Häufig werden standardisierte Fragebögen verwendet. Feedback von Mandanten ist entscheidend für die Qualität der Dienstleistungen in einer Kanzlei. Du kannst Feedback über die Art und Weise, wie du Mandanten betreust, erhalten, um sicherzustellen, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden.

Coaching

Beim Coaching erhältst du als Mitarbeiter sehr dediziertes und auch regelmäßiges Feedback zu deiner Person. Dieses ist häufig sehr systematisch und begleitet dich über einen zuvor definierten Zeitraum bis hin zu deiner persönlichen Zielerreichung oder einem anderen festgelegtem Ergebnis.

Konkrete Fallbesprechung

Nach der Bearbeitung eines Falls kannst du Feedback von einem erfahrenen Anwalt in der Kanzlei erhalten. Du kannst besprechen, was gut gelaufen ist und welche Bereiche verbessert werden können.

Teamarbeit

In einer Kanzlei arbeitest du oft im Team. Feedback von Teammitgliedern kann dazu beitragen, die Teamarbeit zu verbessern. Du kannst Hinweise erhalten, wie du effektiver mit Kollegen zusammenarbeiten kannst.

Fortbildung

Feedback kann auch während Schulungen und Fortbildungen eine Rolle spielen. Du kannst Feedback von Trainern und Dozenten erhalten, um deine juristischen Fähigkeiten zu erweitern.

Die Bedeutung von Feedback in der Anwaltsbranche

Gerade im juristischen Umfeld ist die Qualität der geleisteten Arbeit von größter Bedeutung, da sie für Mandanten nicht selten richtungsweisend ist. Feedback spielt eine zentrale Rolle, um sicherzustellen, dass die Dienstleistungen auf höchstem Niveau erbracht werden. Hier sind einige Gründe, warum Feedback in der Kanzlei so wichtig ist:

  1. Verbesserung der rechtlichen Fähigkeiten: Feedback ermöglicht es dir, deine juristischen Fähigkeiten zu verfeinern. Du kannst Hinweise und Empfehlungen von erfahrenen Anwälten erhalten, um deine Argumentation, Verhandlungsführung und Forschungsfähigkeiten zu verbessern. Dies trägt dazu bei, dass du als Anwalt effektiver und erfolgreicher wirst.
  2. Klärung von Erwartungen: In der Anwaltspraxis ist es unerlässlich, klare Erwartungen zu haben. Feedbackgespräche helfen dabei, diese Erwartungen zu klären. Du kannst herausfinden, was von dir erwartet wird und wie du diese Erwartungen erfüllen kannst. Dies trägt zur Vermeidung von Missverständnissen und Konflikten innerhalb der Kanzlei bei.
  3. Förderung der Zusammenarbeit: Je nach Größe und Zusammensetzung der Kanzlei funktioniert diese am besten, wenn alle Anwälte gut zusammenarbeiten. Feedback kann dazu beitragen, die Teamarbeit zu fördern, indem es die Kommunikation und das Verständnis zwischen den Anwälten verbessert. Du kannst lernen, wie du effektiv mit Kollegen zusammenarbeitest und Konflikte auf konstruktive Weise löst.
  4. Steigerung der Zufriedenheit der Mandanten: Zufriedene Mandanten sind entscheidend für den Erfolg einer Anwaltskanzlei. Feedback von Mandanten ermöglicht es dir, ihre Bedürfnisse und Erwartungen besser zu verstehen. Du kannst lernen, wie du den Mandanten besser dienen und ihre Anliegen effektiver ansprechen kannst.

Fazit

Feedback ist ein unverzichtbarer Bestandteil der persönlichen Weiterentwicklung, sei es im privaten Umfeld oder als Teil des (juristischen) Arbeitsalltags. Es hilft dir, deine Fähigkeiten zu verbessern, klare Erwartungen zu klären, die Zusammenarbeit zu fördern und – in Hinblick auf deine professionellen Leistungen – die Zufriedenheit der Mandanten zu steigern. Mit den hier vorgestellten Grundregeln für erfolgreiches Feedbackgeben sollte dir dafür von nun an nichts mehr im Wege stehen. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Umsetzung!