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Gehalt Richter, Staatsanwalt, Verwaltungsbeamter?

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Gehalt Richter, Staatsanwalt, Verwaltungsbeamter?

Das zahlt der Staat Juristen...

 

Über den Staatsdienst gibt es viele Klischees und Meinungen. Die Einen sagen, beim Staat wird wenig gearbeitet und dafür gibt es gutes und vor allem sicheres Geld, die Anderen sagen, als Beamter wird man unzureichend bezahlt, betrachtet man die Gehälter in der freien Wirtschaft und wieder andere Stimmen, insbesondere aus der Justiz, berichten von Arbeitszeiten ähnlich derer von großen Wirtschaftskanzleien. Wie so oft liegt die Wahrheit zum Einen immer im Auge des Betrachters und zum Anderen sind Verallgemeinerungen wenig zielführend.

 

Doch zumindest eines kann natürlich ganz klar festgestellt werden, nämlich die Höhe des Einkommens für Staatsdiener. Ob diese dann zu hoch oder zu niedrig ist, muss jeder selbst entscheiden.

Das verdienen Richter! - Vom Amtsgericht in der Kleinstadt bis zum Bundesgerichtshof 

Die Bezahlung von Richtern nennt sich Besoldung und die Besoldungsgruppe wurde passend mit „R“ benannt. Seit der Föderalismusreform im Jahr 2006 werden nur noch Bundesrichter gänzlich einheitlich bezahlt. Für alle Richter unter der Bundesebene, ist die jeweilige Besoldungstabelle des Bundeslandes, in dem er tätig ist, maßgeblich. Dabei steigt ein Richter auf Probe stets in der Besoldungsgruppe R1 auf der ersten Stufe ein.

Das Einstiegsgehalt für Richter auf dieser Stufe liegt dabei zwischen rund 3.350 € brutto im Saarland und rund 4.200 € brutto in Bayern und Hamburg in der Spitze.

Ansonsten richtet sich die Höhe der Besoldung von Richtern stets an deren Besoldungsgruppe und an der Stufe innerhalb dieser Gruppe. Die Stufe ist dabei abhängig vom Dienstalter, die Gruppe von der Position des Richters. In der Gruppe R 2 beispielsweise befinden sich vorsitzende Richter am Landgericht oder als Richter am Amtsgericht in ständiger Vertretung eines Direktors. Die Besoldungsgruppe R 2 wird mit knapp 1000 Euro brutto mehr vergütet, als die vorhergehende Gruppe R 1.

Richter am Bundesgerichtshof werden übrigens mit der Gruppe R 6 besoldet, was auf erster Stufe einen Sold von 8.069,25 € brutto im Monat bedeutet. Die Präsidenten der obersten Gerichte Deutschlands sind dann in der Gruppe R 10 zusammengefasst und verdienen monatlich 13.801,08 € brutto.
 

Ebenfalls tätig für die Justiz – Das Gehalt von Staatsanwälten?

Staatsanwälte werden nach den gleichen Besoldungsgruppen wie Richter bezahlt. Der „einfache“ Staatsanwalt beginnt dabei wiederum in der Gruppe R 1 und wird nach seiner Beförderung zum Oberstaatsanwalt in die Besoldungsgruppe R 2 aufgenommen.

In den Gruppen R 3 und R 4 befinden sich leitende Oberstaatsanwälte mit Personalverantwortung und darüber befinden sich in den Stufen R 5 und R 6 die Generalstaatsanwälte. Die höchste Besoldungsgruppe als Staatsanwalt kann man als Bundesanwalt am Bundesgerichtshof erreichen. Staatsanwälte werden hier in den Gruppen R 6 und R 7 bezahlt.

Die Höhe der Besoldung hängt somit wieder auch vom Bundesland ab und beläuft sich auf die gleichen Summen wie bei der Besoldung von Richtern (s.o.).

 

 

Der Verwaltungsbeamte – Wie groß sind die monatlichen Überweisungen hier?

Die Besoldung von verbeamteten Juristen ist ein wenig komplizierter als die von Richtern und Staatsanwälten. Wiederum können Unterschiede zwischen den Bundesländern bestehen, der Einfachheit halber, wird im Folgenden nur die Bundesbesoldungstabelle heranzgezogen, an der sich die verschiedenen Länder jedoch stets und zumindest relativ eng orientieren.

Die Einstiegsbesoldungsgruppe für examinierte Juristen in den höheren Dienst ist hier die Besoldungsgruppe A 13. Die Gruppen A 13 bis A 16 sind dabei auch die mit Abstand am häufigst verliehenen Besoldungsgruppen deutschlandweit.

Die Besoldungsgruppe A 13 auf der ersten Stufe wird dabei mit 4154,43 € brutto monatlich honoriert. Würde man sich aus dieser Gruppe nie wieder wegbewegen, jedoch das maximale Dienstalter erreichen, so würde man in Stufe 8 5341,39 € im Monat verdienen. Die Gruppe A 13 wird von Räten wie zum Beispiel Studienräten, Amtsräten, Verwaltungsräten oder Polizeiräten besetzt.

Die Stufen darüber werden aufsteigend höher bezahlt und ein A 16 Beamter mit vollem Dienstalter in der Stufe 8 würde bereits mit 7307,95 € monatlich besoldet werden. Die Gruppe A 16 stellen zum Beispiel Leitende Regierungsdirektoren oder Polizeidirektoren.

Eine weitere Besoldungsgruppe für Spitzenbeamte ist die Besoldungsgruppe B. Die Gruppe B 1 liegt dabei bereits bei einem monatlichen Sold von 6559,99 €. In der Besoldungsgruppe B gibt es jedoch keine Stufen innerhalb der einzelnen Gruppen. Hierunter fallen beispielsweise Direktoren und Professoren von wissenschaftlichen Einrichtungen. Die Gruppen B 2 und B 3 werden von Ministerialräten, Senatsdirektoren und Botschaftern gefüllt und verdienen bereits rund 8.000 € brutto im Monat. Die Spitzengruppe B10 ist Direktoren im Bundestag und Bundesrat oder Staatssekretären vorbehalten. Hier beträgt der monatliche Sold ganze 13.231,89 € im Monat!

 

Familienzuschläge, Pension und Vorteile bei Versicherung und Sozialabgaben

Auf alle genannten Beträge können noch besondere Zulagen und Zuschläge kommen. Beispielsweise werden Familien unterstützt, Kinderzuschläge gezahlt und in einigen Bundesländern gibt es auch Urlaubs- oder Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen und ähnliches.

Darüber hinaus zahlen Beamte sowie Richter, die keine „echten“ Beamten sind, nicht in die Rentenkasse ein, da sie später eine Pension beziehen. Ein doppelter Vorteil, bleibt schließlich während der Dienstzeit mehr Netto vom Brutto übrig und die Pension ist in der Regel deutlich höher als vergleichbare Renten.

Auch bei der Krankenversicherung sind Beamte gut gestellt, wird ihnen die Hälfte der privaten Krankenversicherung vom Staat bezahlt.

Darüber hinaus haben Beamte häufig Vorteile, wenn es um die Beschaffung eines Kredits geht. Die langfristige Planbarkeit des Gehalts in Verbindung mit der Unkündbarkeit sind gern gesehene Attribute bei Banken.

 

Vor- und Nachteile

Ein Blick auf diese Zahlen verrät zunächst eines: Der Weg in die Armut führt jedenfalls nicht über den Staatsdienst. Völlig unabhängig von den eigenen Gehaltsvorstellungen, sind die hier gezahlten Gehälter im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst bereits sehr vernünftig. Auch die Planbarkeit der Einkommensentwicklung und die Sicherheit des Jobs sind nicht zu vernachlässigende Vorteile.

Doch wo Licht ist, ist stets auch Schatten. Für besonders an hohen Gehältern interessierte Juristen, sind die offensichtlich gedeckelten Gehälter möglicherweise abschreckend. Wer von sechsstelligen Gehältern träumt, der muss schließlich in die absolute Spitze des Verwaltungsapparats oder an die höchsten Gerichte des Landes kommen. Ein schwer zu planender und auch sehr harter Weg ans Geld. Die freie Wirtschaft bietet hier entsprechend qualifizierten Interessenten wohl die besseren Chancen.

Auch die Vorhersehbarkeit der Einkommensentwicklung mag einige abschrecken, ist doch zumindest die Honorierung von guten Leistungen schwieriger als zum Beispiel in Kanzleien und auch die Hierarchien sind nicht ganz so flach wie in modernen Unternehmen.

 

Am Ende ist wie so oft eine Abwägung von Vor- und Nachteilen unter Berücksichtigung der eigenen Vorlieben. Doch Arbeitszeiten und Gehalt sollten nie die einzigen Kriterien für die Jobwahl sein, schließlich ist davon auszugehen, dass diese Tätigkeit für die nächsten rund 40 Jahre deinen Alltag bestimmt!

 

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07. Februar 2018


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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