Entscheidung bei mehreren Jobangeboten

Verfasst von Laura Hörner. Veröffentlicht am 03.05.2021.

Mehrere Jobangebote – ein Luxusproblem?

So entscheidest du dich für die beste Stelle

Juristen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt: Da kommt es schon einmal vor, dass du nicht nur eine, sondern gleich mehrere Zusagen auf deine Bewerbungen bekommst. Was im ersten Moment natürlich eine gute Nachricht ist, wird sogleich zur Herausforderung. Denn eine Entscheidung zu treffen, ist gar nicht so einfach – schließlich warst du ja an allen Stellen interessiert. Selbst wer vorher einen Favoriten hatte, kommt manchmal doch noch ins Zweifeln, wenn es wirklich darauf ankommt. Wie entscheidest du am besten, welches Jobangebot du nun wirklich annehmen sollst?

Was sind deine Prioritäten?

Wenn du auf Jobsuche warst, dann warst du vermutlich mit deiner alten Stelle nicht zufrieden. Reflektiere also noch einmal dein altes Arbeitsverhältnis und identifiziere genau die Punkte, die dich dazu gebracht haben, die Stelle zu wechseln. Schreib dir diese am besten auf, um sie vor Augen zu haben. Überlege nun, was du in deinem neuen Job erreichen möchtest und worauf du dabei besonders Wert legst. Auch wenn dies dein erster Job ist oder du deine letzte Stelle unfreiwillig verlassen musstest, weißt du sicherlich, worauf du besonders achten möchtest. 

Die richtigen Fragen führen zu der richtigen Entscheidung

Damit du einen besseren Anhaltspunkt hast, worauf du bei deiner Entscheidung achten solltest, haben wir für dich ein paar Fragen vorbereitet, die du dir bei deiner Priorisierung stellen kannst:

Möchte ich mehr Verantwortung übernehmen?

Lege ich Wert auf eine gute Work-Life-Balance und mehr Freizeit?

Wie wichtig sind mir flexible Arbeitszeiten?

Sollte mein neuer Job familienfreundlich sein?

Welche Rolle spielt das Gehalt in meiner Entscheidung?

Wie lang darf mein Anfahrtsweg maximal sein?

Welche „Goodies“ wie Dienstwagen, Handy, betriebliche Altersvorsorge sind mir wichtig?

Möchte ich einen ähnlichen Job wie zuvor oder suche ich neue Herausforderungen?

Wo möchte ich in 5 Jahren stehen und wie hilft mir der Job dabei weiter?

Hast du identifiziert, was dir wichtig ist, dann solltest du im nächsten Schritt eine Priorisierung vornehmen. Worauf kannst du auf keinen Fall verzichten, was ist dir sehr wichtig, wo kannst du Kompromisse eingehen und was ist dir eher unwichtig?

Bei den Punkten, bei denen es möglich ist, solltest du versuchen, relativ konkret zu werden. Ist dir zum Beispiel das Gehalt besonders wichtig, dann setze eine Grenze fest, wie viel du mindestens verdienen möchtest. Der ein oder andere Job fällt dann vielleicht schon mal weg. Sei hier wirklich ehrlich mit dir und stelle dir die Situation konkret vor. Eine Anfahrtszeit von 1,5 Stunden mag sich zunächst zum Beispiel nicht so schlimm anhören. Aber würdest du auf lange Frist selbst für den perfekten Job jeden Tag 3 Stunden im Auto oder im Zug sitzen wollen?

Gebe am besten jeder deiner Prioritäten eine gewisse Anzahl von Punkten: der wichtigsten 5, der zweitwichtigsten 4 und so weiter. Dann vergibst du diese Punkte jeweils an den Job, der in dieser Hinsicht am meisten bietet. Der Job mit den meisten Punkten ist dann deine beste Wahl.

 

Welche Rolle das Bauchgefühl spielt

Bei deiner Wahl sollten die Fakten im Mittelpunkt stehen. Dennoch ist es auch wichtig, auf dein Bauchgefühl zu hören. Das kann dir nämlich dabei helfen, herauszufinden, was du wirklich möchtest. Wie hast du dich gefühlt, als du die Zusagen erhalten hast? Hast du dich über eine ganz besonders gefreut? Dann finde heraus, weshalb das so gewesen ist, und berücksichtige auch das in deiner Wahl. Denn verlässt du sich allein auf die Fakten, könntest du deine Entscheidung fällen, mit der du dich am Ende vielleicht doch nicht wohlfühlst. 

Bist du dir bei der Wahl nicht sicher, solltest du auch mit Freunden oder Familienmitgliedern sprechen, die dich gut kennen. Erzähle ihnen von den verschiedenen Stellen und bitte sie um eine Einschätzung. Sie können das Ganze oft neutraler beurteilen und wissen, was gut für dich ist. Lasse dich auf der anderen Seite aber nicht zu sehr beeinflussen – am Ende ist es immer noch dein Job und damit eine Entscheidung, die nur du selbst fällen kannst.

Wie lange kann ich mir Zeit lassen?

Um eine wichtige Entscheidung zu treffen, brauchst du ein wenig Zeit. Das werden auch die Kanzleien und Unternehmen verstehen, die dir zugesagt haben. Allerdings solltest du nicht zu lange auf dich warten lassen, denn deine potenziellen Arbeitgeber möchten ihre Stellen auch so schnell wie möglich besetzen und haben unter Umständen noch andere Bewerber in der Hinterhand. Der beste Weg ist es, direkt bei den Unternehmen anzurufen und noch um zwei bis drei Tage Bedenkzeit zu bitten. Kommuniziere offen und versuche nicht, sie künstlich hinzuhalten oder dich gar nicht zu melden. Auch eine Absage solltest du gegebenenfalls zeitnah geben.

Unter Umständen kann es sich auch lohnen, die Konditionen noch einmal zu verhandeln. Bleibe dabei aber freundlich und prahle nicht damit, mehrere Jobangebote zu haben. Lege deine Situation dar und mache klar, dass du gerne aus diesen und jenen Gründen bei dem Arbeitgeber anfangen möchtest, ein anderer dir aber mehr bietet. Mache ein konkretes Angebot, auf das du eingehen würdest: zum Beispiel ein Jobticket, 5% mehr Lohn oder die Option auf Home Office. Wird dir dieses gewährt, solltest du auf jeden Fall zusagen – alles andere wäre unprofessionell. Mehr zum Thema Gehaltsverhandlung findest du hier!

 

Zwei oder mehr Jobangebote zu bekommen, ist erst einmal wie ein Kompliment, über das du dich ruhig freuen kannst! Denn das spricht dafür, dass du Arbeitgeber von dir überzeugen kannst und offenbar sehr gefragt bist. Auch wenn die Entscheidung schwerfällt, solltest du immer im Hinterkopf behalten, dass du vermutlich mit keiner der Optionen eine wirklich schlechte Wahl treffen kannst – schließlich hast du dich auf alle beworben und jede von ihnen ernsthaft in Betracht gezogen. Abgesehen davon währt diese Entscheidung nicht für immer und du hast immer noch die Option, die Stelle noch einmal zu wechseln, wenn du deine Wahl bereust. Mache dir also nicht zu viel Druck und traure vor allem nicht den Jobs hinterher, die du abgeschlagen hast!

 

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