Ron Straßburg, Jurastudent & Doktorand, im New Lawyers Podcast

Verfasst von Laura Hörner|Veröffentlicht am 08.07.2026

Ron Straßburg – Wie schafft man 18 Punkte in einer Examensklausur?

Der Jurastudent & Doktorand im New Lawyers Podcast

Dank seiner 18 Punkte in der Erstkorrektur einer Klausur wurde Ron Straßburg online einiges an Aufmerksamkeit zuteil. Wie er es geschafft hat, das scheinbar Unmögliche zu erreichen, über die hohe Belastung des Examens und darüber, wie man das Jurastudium verbessern könnte, spricht er in dieser Folge des New Lawyers Podcasts mit Magdalena Oehl.

Nicht einmal Gott schafft 18 Punkte im Juraexamen – das ist unter Jurastudierenden eine weit verbreitete Weisheit. Immer wieder gelingt es aber doch jemandem, das Gegenteil zu beweisen. Dieser Jemand war 2026 Ron Straßburg: Er erhielt in einer Klausur zumindest in der Erstkorrektur die 18 Punkte und eine schriftliche “Verneigung” vor seiner Leistung durch den Erstkorrektor. Dass die Klausur nach der abweichenden Zweitkorrektur letztendlich mit 17 Punkten bewertet wurde, tut diesem kleinen Jura-Wunder keinen Abbruch.

Noch mehr spannende Interviews erwarten dich in diesen Folgen:

Straßburg setzte auf einen strukturierten Lernplan – ohne privates Repetitorium

Nachdem ein Bekannter von Straßburg das Ergebnis auf seinem Instagram-Account postete, fand dessen Leistung ein beachtliches Medienecho. Die große Frage lautete: Wie schafft man das angeblich Unmögliche? Und wie fühlt man sich damit? Straßburg jedoch geht mit seinem Erfolg bescheiden um, erzählt, dass er sich diesen Moment nie hätte träumen lassen.

Sein Erfolgsgeheimnis verortet er unter anderem in seiner Organisation. Er stellte sich einen detaillierten Lernplan für die eineinhalbjährige Vorbereitung auf, arbeitete in täglichen Blöcken und behielt so den Überblick. Nachdem er sich zu Beginn vor allem Wissen aneignete, ging er mit der Zeit immer mehr zur Methodik und dem Lösen von Fällen über. Untypischerweise verzichtete er dabei auf private Repetitorien – das Lerntempo sei ihm hier einfach zu langsam gewesen.

Kommiliton:innen können sich gegenseitig den Rücken stärken

Eine große Hilfe war stattdessen für ihn seine Lerngruppe: Mit dieser sprach er regelmäßig Fälle durch und beschäftigte sich dadurch aktiv mit den Inhalten. Nicht nur bei der Vorbereitung aufs Examen unterstützten Straßburg seine Kommiliton:innen jedoch, sie gaben ihm auch Rückhalt in Hinblick auf die mentale Belastung während des Studiums.

Diese ist aufgrund des alles überragenden Examens nämlich besonders hoch. Und das, so befürchtet er, könnte vor allem die Gen Z abschrecken und so den Fachkräftemangel in der Justiz noch verschärfen. “Sicherlich wird man eine gewisse Stressresistenz entwickeln müssen in diesen Berufen und insoweit ist das Examen auch eine Reifeprüfung. Ich frage mich aber trotzdem, ob das zeitgemäß ist, wenn ein großer Teil der Studierenden ja trotzdem an dem Studium zerbricht”, sagt er.

Sicherlich wird man eine gewisse Stressresistenz entwickeln müssen in diesen Berufen und insoweit ist das Examen auch eine Reifeprüfung. Ich frage mich aber trotzdem, ob das zeitgemäß ist, wenn ein großer Teil der Studierenden ja trotzdem an dem Studium zerbricht.
- Ron Straßburg

Bestimmt interessieren dich auch diese Artikel:

Straßburg sieht Reformbedarf im Jurastudium

Seine Vorschläge für Reformen deshalb: die zwei Wochen andauernden Prüfungen entschlacken, Studienleistungen wie Hausarbeiten ins Examen einbeziehen und auch Soft Skills wie rhetorische Fähigkeiten oder Empathie mehr berücksichtigen. Verdeckte Zweitkorrekturen und einen Fokus auf bestimmte Themenkomplexe hält er ebenfalls für sinnvolle Anpassungen.

Er selbst muss sich darüber zumindest bis zum zweiten Examen keine Sorgen mehr machen. Dass jetzt, mit seinen insgesamt 14,45 Punkten im ersten Staatsexamen, bereits zahlreiche potenzielle Arbeitgeber an Straßburgs Tür klopfen, ist kaum verwunderlich. Die Angebote lehnte er aber zunächst ab – um zu promovieren und Erfahrungen in der Forschung und Lehre an der Universität Potsdam zu sammeln.

 

Du interessierst dich im Detail für Ron Straßburgs Examensvorbereitungen? Oder du möchtest wissen, warum es ihn nicht in eine Großkanzlei zieht? Dann hör doch mal rein in diese Folge des New Lawyers Podcasts!

Die Themen dieser Folge im Überblick:

 

  • Ab 1:00: Was wolltest du als Kind werden?
  • Ab 1:50: Das Examen & die Reaktion auf das Ergebnis
  • Ab 5:30: Das juristische Bewertungssystem
  • Ab 7:00: Vorbereitung vs. Talent
  • Ab 11:00: Die Einbindung von Klausuren in die Vorbereitung
  • Ab 13:40: Die hohe Belastung durch das Examen
  • Ab 18:00: Wie könnte man das Studium besser gestalten?
  • Ab 22:00: Ist Abschichten sinnvoll?
  • Ab 23:30: Drei Reformvorschläge für das Jurastudium
  • Ab 26:30: Meinungsstreits
  • Ab 28:30: Aktives Erklären in Lerngruppen
  • Ab 31:50: Warum hast du das externe Repetitorium abgebrochen?
  • Ab 34:20: Mit dem mentalen Druck im Jurastudium umgehen
  • Ab 40:00: Kamst du im Examen unter Zeitdruck?
  • Ab 41:50: Was rätst du Studierenden, die unter Druck stehen?
  • Ab 43:20: Wie viele Arbeitgeber sind schon auf dich zugekommen?
  • Ab 43:50: Deine eigenen Lehrveranstaltungen
  • Ab 46:10: Warum möchtest du nicht in die Großkanzlei?

Transkript

1. Wie lief das Jura Examen von Ron Straßburg?

Magdalena: Lieber Ron, herzlich willkommen. Schön, dass du heute bei uns im New Lawyers Podcast bist.

Ron: Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr, hier zu sein.

Magdalena: Dann darf ich auch dir unsere Icebreaker Frage stellen, nämlich Was wolltest du als Kind werden?

Ron: Ja, das war tatsächlich was ganz anderes, also im Vergleich zu dem, wo ich heute stehe, vielleicht auch gar nicht so anders. Ich wollte tatsächlich lange Zeit Lehrer werden. Ich hatte immer Spaß daran, Wissen weiterzugeben oder mich mit anderen Menschen zu beschäftigen und dann quasi über Inhalte zu reden. Und ich habe mich sehr, sehr lange dann irgendwie an der Schule gesehen, so von den Fächern her hat das immer variiert. Französisch stand sehr lange hoch im Kurs, Politik, Geschichte, aber am Ende ist dann doch Jura geworden, weil ich auch mal dieses Interesse an der gesellschaftlichen Auseinandersetzung hatte. Und zumindest aus heutiger Sicht habe ich es nicht bereut.

Magdalena: Da hast du ja jetzt die perfekte Ausgangslage, um eigentlich dein Kindheitswunsch dann doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Zumindest ein bisschen anderer Form.

Ron: Ja, es wird spannend. Lass uns, lass uns mal einsteigen. Und wenn man über dich in letzter Zeit gelesen hat oder ein Podcast mit dir gehört hat, dann ging es auch immer um deinen Examen. Kannst du vielleicht dazu kurz was erzählen?

Ron: Na klar, also ich habe meinen Examen in der letzten Oktober-Kampagne gemacht. Es ist immer so, dass unser Staatsexamen sich über einen längeren Zeitraum zieht. Ich habe also meine schriftlichen Prüfungen im vergangenen Oktober abgelegt und dann mit der mündlichen Prüfung zusammen im letzten März mein erstes Staatsexamen abgeschlossen. Das mit einem Ergebnis von 14,45 Punkten staatlich. Damit war ich das beste Ergebnis in Berlin und Brandenburg in dieser Kampagne. Was in den Medien aber viel, viel mehr in den Fokus gestellt wurde, war die Bewertung einer einzelnen Klausur meiner schriftlichen Bewertungen. Eine Klausur, in der mir mein Erstkorrektor ins Votum geschrieben hat, er würde sich von meiner Leistung verneigen und mir Respekt zollen und mir dann 18 Punkte die Höchstpunktzeige gegeben hat. Das war das, was von den Medien viel aufgegriffen wurde. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, die Klausur wurde am Ende gar nicht mit 18 Punkten bewertet, sondern mit 17 Punkten, weil die Zweitkorrektur abgewichen ist, was sich dann leider in den Medienberichten nicht so gut wiedergefunden hat. Aber wie gesagt, das war der Punkt, das Erlebnis, was das Ganze zum Anlauf genommen hat. Und jetzt sitzen wir hier.


2. Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich 18 Punkte im Votum sieht?

Magdalena: Wie hast du denn selbst darauf reagiert, als du das gesehen hast?

Ron: Das war jetzt beidteilig. Zuerst hatten wir die Ergebnisse nur mit dieser Punktetabelle. Das ist in Berlin-Brandenburg immer so üblich, dass kurz vorher, also das war im Januar, dann quasi diese Tabelle mit den Reihenprüfungsergebnissen veröffentlicht wird im Internet. Und da standen 17 Punkte. Das war schon voll und ganz ausreichend und hat mich unglaublich gefreut, weil ich auch da schon daran gezweifelt habe, ob das... wirklich stimmen kann oder nicht, wie das in Jura halt manchmal so ist. Wir gehen ja eher vom Schlechteren aus als die Besseren. Und als ich dann Akteneinsicht beantragt hatte, um mir meine Voten, meine Klausuren und ähnliches geben zu lassen, da hat sich dann gezeigt, der Erste Rektor hat sogar 18 Punkte gegeben und dieses Votum geschrieben, wo er sich ja regelrecht vor Freude überschlagen hat, was meine Bearbeitungen angehen, mir unterstellt, eine zweite Klausur gleich mitgelöst zu haben. Und das war natürlich noch mal so ein Schockmoment, wo ich mehrfach lesen musste, bevor ich überhaupt so richtig verstanden und geglaubt habe. Aber es war natürlich ein unglaublich schöner Moment und für mich war es irgendwie so das I-Tüpfelchen auf dem gesamten Examen. Ich hätte mir ehrlicherweise nicht träumen lassen, dass es am Ende ein so gutes, also ein sehr gutes Examen wird. Aber es war großartig, es war ein schönes Gefühl. Und mal schauen, was der Weg jetzt damit bringt, weil sich damit natürlich auch viele neue Möglichkeiten aufgetan haben.


3. Wie entstand der Medienrummel und wie selten sind solche Bestnoten wirklich?

Magdalena: Wie kam es denn aber eigentlich zu den Medienrummel?

Ron: Das war am Tag der mündlichen Prüfung so ein bisschen in Szene gesetzt, also mündliche Prüfungen zeichnen sich ja leider dadurch aus, man hat sehr lange Wartezeiten, man sitzt und wartet bis die Prüfungskommission sich entschieden hat und es ist nun ja nur eine Gruppenprüfung. Was macht man, wenn man als Gruppe da sitzt und irgendwie probiert die Zeit hochzuschlagen, man redet über alles, über Gott und die Welt und so sind wir halt irgendwann auf das Thema gekommen, weil meine Gruppe wusste, dass ich relativ gut vorbewertet bin, dass die Frage aufkam, was steht denn eigentlich in so einem Votum, wo man doch in die höheren Punktzahlen kommt, habe ich denen das gezeigt und einer von denen hat einen Bekannten, der eine Instagram-Seite mit Jura-Content betreibt und hat dann gefragt, ob er das für diese Seite haben kann. Ich dachte mir, ja ok, im besten Falle motiviert es vielleicht einige, dass man sieht, es gibt doch solche Voten, man kommt doch in diese Punktbereiche oder es gibt auch wohlwollende Bewertungen, weil ja ansonsten eher negatives in den Voten zu lesen ist und deshalb dachte ich mir, dann stelle ich es halt zur Verfügung, warum denn auch nicht, und dann hat das irgendwie alles seinen Lauf genommen.

Magdalena: Du wusstest nicht, was du tust in dem Moment.

Ron: Also ich hätte nicht gedacht, dass es solche Wellen schlägt. Ich dachte es war okay, das kann auf den einen oder anderen vielleicht eine Wirkung entfalten oder es kann vielleicht in den sozialen Medien thematisiert werden, aber ich hätte nicht gedacht, dass dann plötzlich gefühlt jede zweite große deutsche Zeitung bei mir anruft und um ein Interview bittet.

Magdalena: Was aber eigentlich die Aussage dahinter auch für mich ist, ist, wenn das so viel Aufmerksamkeit erregt, heißt es ja, dass das extrem selten vorkommt. Ich weiß, wir hatten bei Talent Rocket am Anfang als Marketingmaterial mal so eine Karte, die man eben auf Messen oder ähnlichem mitnehmen konnte, auf der stand, 18 Punkte bekommt nur Gott. Was sagt denn das eigentlich über das Bewertungssystem aus? Das ist offensichtlich eigentlich fast, ich muss fast sagen, weil du hast es hier erreicht oder zumindest vom Erstkorrektor erreicht, aber dass diese Bewertungen eigentlich nicht real sind oder eben nur ganz, ganz selten vorkommen.

Ron: Es gibt ja statistische Erhebungen, die sich das anschauen. Es gab vor einigen Jahren eine Erhebung aus NRW, wo sich alle Examsnoten eines Jahrgangs mal angeschaut wurden. Das waren ungefähr 16.500 Einzelleistungen, die da betrachtet wurden. Und da wurde ein einziges Mal 18 Punkte quasi als Gesamtergebnis vergeben. Das heißt also, sie kommen vor, wenn auch im statistisch faktisch nicht messbaren Bereich. Und wenn ich mir dazu noch den gesamten sehr guten Bereich in schriftlichen Klausuren, also alles von 16 aufwärts, anschaue, dann sind wir immer noch bei unter 0,3 % Anteil, der an den Noten hängt. Und das zeigt, glaube ich schon, dass das natürlich eine Seltenheit ist. Aber es ist wahrscheinlich nicht so extrem selten, wie das Medienecho es dargestellt hat. Denn man muss zur Wahrheit sagen, es kommt immer mal wieder vor, gerade in Einzelleistungen. So gab es in meiner Kampagne ja auch eine Kollegin, die sogar mit beiden Korrektoren die 18-Punkte-Marke erreicht hat und damit eine herausragende Leistung erzielt hat. Aber es ist in der großen Masse, und wenn man das rein statistisch prozentual betrachtet, hat ein so niedriger Wert von all diesen 18 Punkten und sehr guten Bewertungen, dass man sich schon fragen muss, ob dieses Bewertungssystem so überhaupt noch funktioniert oder ob das so weitergehen kann, wie es gerade läuft.


4. Wie bereitet man sich am besten auf das Jura Examen vor?

Magdalena: Was würdest du denn sagen, wenn du auf deine Vorbereitung zurückblickst? Wie wichtig war eine strukturierte Vorbereitung und wie wichtig ist auch ein gewisses Talent für Jura?

Ron: Ich denke, Vorbereitung ist alles in der Hinsicht, denn die Examsvorbereitung als solche ist ein sehr, sehr langer Weg. Ich habe mich eineinhalb Jahre ungefähr vorbereitet, ich habe zuerst im Uni-Rep angefangen, habe dort probiert ein paar Angebote wahrzunehmen, so ein bisschen meine Lücken zu schließen, wollte dann ins kommerzielle Repetitorium wechseln und habe mir dann immer schon so ein bisschen meine Gedanken gemacht, was mache ich wann, wie kriege ich das alles unter, dass ich am Ende möglichst alles abgebildet habe und alles wirklich thematisieren konnte. Denn es ist letztendlich ein Kampf mit der Masse an Themen, dass ich selber entscheiden muss und selber abspecken muss. Was mache ich, womit beschäftige ich mich, womit beschäftige ich mich vielleicht nicht. Und wenn ich da nicht den Überblick habe, dann kommt man schnell in die Gefahr, sich zu verzetteln oder manche Dinge zu ausführlich zu machen, gerade Nischenthemen. Und das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Das ist immer so eine Gefahr. Deshalb die Vorbereitung da sicherlich der erste wichtige Schritt ist, dass man sich also vorab schon genau anschaut, was möchte ich machen und möglichst in welchem Zeitraum möchte ich es mir anschauen. Aber das Wichtigste ist dann wahrscheinlich auch Durchhaltevermögen. Also Talent ist die eine Sache. Ich weiß gar nicht mal, ob man für Jura wirklich ein so großes Talent haben kann, weil letztendlich die Klausur, die Bewertung als solche, das ist dann natürlich eine Frage des Einzelfalls. Also eine Frage letztendlich der Gesamtbedingungen, kenne ich den Fall oder habe ich mit so etwas schon mal gearbeitet? Wie wohlwollend ist die Bewertung? Wie gut bin ich in die Klausur reingegangen? Wie gut kommen meine Gedanken rüber? Und deshalb glaube ich eigentlich, dass dieses breite Vorbereiten wichtiger ist, als die eigentliche Frage nach Talent.

Magdalena: Gibt es so einen Hack, den du sagen würdest, das hat für dich den Unterschied gemacht, also in der Vorbereitung?

Ron: Ich glaube schon dieses langfristige Plan vor allem. Also ich habe mir wirklich einerseits fest vorgeplant, wann möchte ich welche Themen wiederholen. Ich habe meine Tage quasi blockweise immer geplant, dass ich morgens angefangen habe mit so einer Art Wiederholungseinheit. Und dort habe ich wirklich von vornherein bereits festgelegt, also bevor es inhaltlich wirklich mit der Examsvorbereitung angefangen hat, dass ich mir die Themen angeschaut habe nach der Prüfungsordnung, meine Notizen, meine Aufzeichnung, was ich bis dahin auf diesem Weg alles gemacht habe oder womit ich mich beschäftigt habe und dann entsprechend angefangen habe zu sortieren. Block 1 sind diese und jene Themen, Block 2 das und das... und mir das dann wirklich mit dem Kalender immer herausgesucht hat, dass ich in regelmäßigen Abständen die Themen wiederholt habe. Dann waren es bei mir also wirklich quasi jeden Tag ein Block und entsprechende Klausuren. In Berlin-Brandenburg haben wir sieben Examsklausuren, drei Tage Zivilrecht, zwei Tage Öffentliches Recht, zwei Tage Strafrecht und dann habe ich all diese Themen in diesen Programmplan eingetaktet, dass es dann alle paar Wochen wiederholt wurde und dadurch hatte ich halt immer diesen Wiederholungseffekt, wobei dann natürlich mit jeder neuen Einheit auch das, was ich in der Zwischenzeit zum Thema erarbeitet habe, mit dazu gekommen ist und so da nicht nur Wiederholung von alten, sondern letztlich auch Neues mit reingekommen ist.

Magdalena: Und die Vorbereitung war aber hauptsächlich dein Plan? Du hast nicht unbedingt mit dem kommerziellen Rep oder auch mit dem Uni-Rep zusammengearbeitet.

Ron: Ich habe Veranstaltungen und Programme genutzt, soweit es ging, also im Uni-Rep auch sehr viel mehr als mit den kommerziellen Repetitorien. Ich sagte ja bereits an ein oder anderen Stelle, ich habe mit dem kommerziellen Repetitorium angefangen, dann aber auch irgendwann damit aufgehört, weil ich gemerkt habe, ich komme damit nicht zurecht oder ich bin nicht so der Typ-Lerner im kommerziellen Repetitorium. Das ist auch eine Entscheidung, die man treffen muss, denn letztendlich ist die Examsbereitung ein eigen Weg, den man für sich selbst finden muss und dementsprechend ich habe mir das, was mir etwas gebracht hat, genützt, also zum Beispiel Fälle habe ich natürlich trotzdem probiert, soweit durchzugehen, wie ich sie für sinnvoll erachtet habe, aber solche Dinge, die teilweise dort geraten wurden oder solche Angebote, von denen ich gemerkt habe, dass sie mir nichts bringen, die habe ich dann halt aktiv abgewählt oder abgeschlossen und mir dann stattdessen meine eigenen Sachen gemacht. Also am Ende war es quasi eine Mischung aus allem. Ich habe mir von allem so ein bisschen die Rosinen herausgepickt von dem, was für mich am besten passt und daraus dann meinen eigenen Weg gebaut.


5. Wann sollte man mit Übungsklausuren für das Jura Examen anfangen?

Magdalena: Aus meiner eigenen Examsvorbereitung weiß ich noch, dass ich eine ganz große Herausforderung fand, von dem passiven Lernen wirklich in aktives Wissen zu kommen. Also das, was ich gelernt habe, dann auch in der Klausur umsetzen zu können. Würdest du empfehlen, Klausuren recht schnell in die Vorbereitung mit einzubinden?

Ron: Ich denke schon. Also es ist ja kein Geheimnis. Wissen allein reicht in Jura nicht, sondern wir brauchen auch diese Methodik und das Problembewusstsein. Wann spreche ich was in welcher Tiefe an? Und letztendlich ist das Schöne an unseren Klausuren, wir wissen immer, was als Aufkampfschirm kommt. Das ist immer ein Fall, den ich über Gutachten bewerten muss und wo ich Probleme lösen muss. Deshalb ist das Klausurformat als solches fest vorgegeben. Und das hilft natürlich dann, wenn ich dieses Klausurformat möglichst früh übe. Ich denke deshalb, Klausuren sollte man so schnell wie möglich anfangen, gerade auch um ein Gefühl für die Zeit, für diese Methodik, für das Schreiben, für das Formulieren zu bekommen. Aber gerade am Anfang ist natürlich dann noch der Wissenserwerb als solcher im Fokus. Ich habe mir das dann meist so eingeteilt, dass ich zuerst eine Phase hatte, wo wirklich das Wissen als solches im Fokus stand. Also das Aufbauen von Wissen, wo ich dann eine Klausur pro Woche geschrieben habe und ansonsten halt eher mit Lehrbüchern, Skripten und anderen Materialien probiert habe, mir mein Wissen zusammenzutragen und das hat sich dann mit der Zeit immer weiter gesteigert. Irgendwann waren es dann zwei Klausuren pro Woche oder mehr Fälle und am Ende habe ich eigentlich nur noch mit Fällen gearbeitet, als das Wissen theoretisch dann aufbereitet gewesen ist und so hat sich das dann nach und nach verschoben. Aber am Anfang reicht es, wie gesagt, so ein bisschen mit Fällen zu arbeiten. Das ist auch überhaupt nicht schlimm, wenn man die Fälle zum Beispiel probiert, mit seinen Aufzeichnungen zu lösen oder dann Hilfsmittel zur Verfügung nimmt. Denn es ist wichtig überhaupt erst mal reinzukommen und diese Hemmschwelle zu überschreiten.

Magdalena: Würdest du sagen, es ist auch ratsam, bevor man in das richtige Examen einsteigt, zum Beispiel einen Probeexamen mitzuschreiben, das ja viele Universitäten anbieten?

Ron: Ich habe es zweimal gemacht und ich fand es beidemal eine richtig gute Erfahrung. Natürlich ist es anstrengend, weil wenn unter Originalbedingungen dann letztendlich diese Klausuren da probiert werden und man wirklich in einem Raum mit anderen Studierenden zusammensitzt, wie es unter originalen Examsbedingungen dann auch laufen soll, dann ist das natürlich eine gewisse Belastung. Vielleicht auch die Frage, bin ich wirklich bereit dafür? Aber es ist das beste Feedback, was man am Ende bekommen kann, weil man sich dann genau mit diesen Themen auseinandersetzt, weil man genau diesen Ablauf einmal bekommt und mir hat das dann auch für das richtige Examen am Ende Sicherheit gegeben. Also es war eine harte Zeit dann natürlich, wie die gesamte Examsvorbereitung und wahrscheinlich nochmal eine größere Belastung, als wenn ich nur normale Klausuren pro Woche schreibe. Aber ich finde, es hat sich gelohnt und vor allem, wenn ich mir meine Ergebnisse anschaue, im Vergleich to den Probeexamen ist dann mein richtiges Ergebnis tatsächlich sogar nochmal besser gewesen, sodass ich glaube, dass auch dieser Lerneffekt und dieses Reinkommen, dieses ich schreibe mehrere Klausuren aus verschiedenen Gebieten an mehreren Tagen hintereinander, dann auch so einen Lerneffekt hatte für das eigentliche Vorgehen der Klausur.


6. Wie geht man mit dem psychischen Druck im Jura Examen um?

Magdalena: Lass uns gerne noch mal ein bisschen tiefer einsteigen bei dem Thema Belastung, sowohl in der Vorbereitung als auch im tatsächlichen Examen. Ich glaube, es ist ziemlich einzigartig bei dem Jurastudiengang, dass zwei Wochen letztlich über fünf Jahre Studium entscheiden. Wie schätzt du das ein und wie schätzt auch du mit diesem sehr guten Ergebnis die Belastung ein, die man im Vorfeld hat und die man auch während des Exams hat?

Ron: Also ich denke, die Belastung ist während des gesamten Studiums schon ziemlich hoch. Das fängt ja im ersten Semester an. Teilweise hört man diese bösen Sprüche aus Veranstaltungen für Erstis, schauen sie links, schauen sie rechts. Die Menschen neben ihnen werden demnächst nicht mehr da sein. Und all solche Sprüche, das ist ja im Jura leider an manchen Stellen immer noch Realität. Nicht an allen Universitäten, natürlich auch nicht in allen Veranstaltungen, aber es ist so unterbewusst immer dieser Druck, der da mitspielt, oder die Erwartung von vornherein, seit Beginn des Studiums, sie machen jetzt hier ihre universitäre Ausbildung und gehen danach ins kommerzielle Repetitorium, wo sie dann nochmal die Examsvorbereitung ein Jahr, eineinhalb Jahre machen und schreiben dann das Examen. Sie wissen jetzt schon, es wird eine ganz, ganz furchtbare Zeit. Das sind ja so diese Sprüche, mit denen man von vornherein konfrontiert wird, und dazu dann auch im Studium, was man ja häufig erlebt, die tendenziell negative und im unteren Bereich angesiedelte Bewertung. Also das, glaube ich, führt alles dazu, dass dieses gesamte Studium und dieser gesamte Weg, den ich überhaupt bis zum Examen nehme, schon eine ziemlich große Belastung und vor allem auch einen ziemlich großen Respekt vor dem Examen erzeugt. Und ich glaube deshalb, dass man schon auch sehr stark... diese psychische Belastung, diese mentale Komponente berücksichtigen muss, denn wenn ich weiß und mir über Jahre hinweg eingetrichtert wird, das wird eine furchtbare Zeit, aber zwei Wochen entscheiden effektiv für mein Leben, da kommt noch der Schwerpunkt dazu mit 30 Prozent, aber ansonsten sind es genau diese zwei Wochen, da kann alles passieren, da kann ein Ausrutscher passieren, da kann ich krank werden vorher, da kann ich mir irgendeine Verletzung zufügen, ich könnte mittendrin einen Unfall haben oder sonst irgendwelche Schreckensszenarien und das hat dann unmittelbare Auswirkungen auf meine Zukunft natürlich. Ich könnte natürlich in Verbesserungsversuch gehen oder ich kann einen Zweitversuch antreten beim Examen, aber die Belastung ist ja trotzdem da. Deshalb, ich glaube die Zeit ist schon sehr anstrengend und das ist so eine omnipräsente Belastung, die die gesamte Examsbereitung langgeht und auch das Studium schon und sich dann mit jeder Stufe quasi noch mal verschärft.

Magdalena: Jetzt sagen ja viele auch, die dann im Anwaltsberuf tätig sind, ja, aber so eine gewisse Durchhaltefähigkeit kann man auch eben durch diese Examsvorbereitung zeigen, die dich auch später auf den Beruf vorbereitet. Siehst du das auch so oder sagst du, es ist eigentlich falsch, durch diese stressige Zeit gehen zu müssen und überhaupt zum Examen zu kommen?

Ron: Also sicherlich wird man eine gewisse Stressresistenz entwickeln müssen in diesen Berufen. Und insoweit ist das Examen auch eine reife Prüfung. Ich frage mich aber trotzdem, ob das zeitgemäß ist, wenn ein großer Teil der Studierenden ja trotzdem beim Studium zerbricht. Es gibt ja immer wieder Abbrecher oder Personen, die gar nicht erst zum Examen kommen. Und wenn ich mir die Statistiken anschaue, es gab ja aus dem letzten Jahr zum Beispiel eine Befragung, die Absolventenbefragung des Bundesfachschaftsrats oder der Vereinigung der Bundesfachschaftsräte Jura, wo zwei Drittel der Jurastudenten angegeben haben, dass sie ihr Studium nicht weiterempfehlen würden, dann frage ich mich eher, ob das noch Belastungstest oder nicht eigentlich Alarmsignal ist und zeigt, wie am Ende wir eigentlich sind. Denn auf lange Sicht wird das dann natürlich logisch dazu führen, dass wir Nachwuchsprobleme bekommen im Jura. Wir stehen vor großen strukturellen Herausforderungen. Gerade im Osten sind es ja immer größere Wellen an Pensionierungen, die eingehen. Ich habe letztens gelesen, in Sachsen ist es wohl fast jeder Zweite, der in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen wird im Justiz-Dienst. Und das heißt, die Stellen müssen nachbesetzt werden. Aber wenn das Studium so abschreckend gestaltet ist oder wenn dieser psychische Druck immer weiter zunimmt, ist das natürlich auch die Frage, wie viele Menschen tun sich das gerade wirklich an. Und gerade jetzt im Kontext, ich nehme es zumindest so wahr, die Generation Z ist ja ein bisschen anders beschaffen als die vorherige Generation, legt mehr Wert auf dieses mentale, gesundheitsorientierte, auf mehr Freiraum, auf mehr Lebensführung und stellt die Arbeit vielleicht nicht mehr ganz so sehr in den Fokus, wie es andere Generationen noch gemacht haben. Dann entwickelt sich natürlich auch ein neues Lebensgefühl und die Frage, ob solche Menschen in Zukunft dann wirklich dieses Studium noch mit auf sich nehmen würden. Ich kann die Frage für mich nicht beantworten, aber ich glaube, das muss man im Auge haben. Und das kann es dann halt nicht sein, vor allem auch wenn alles auf diese zwei Wochen herabgeschätzt ist und alles, was ich bis dahin erreicht habe, ja dann gar nicht mehr zählt.


7. Welche Reformen würden das Jurastudium verbessern?

Magdalena: Hast du eine Vorstellung, wie man es besser machen könnte, wie es aussehen könnte?

Ron: Also auf lange Sicht glaube ich, dass der beste Schritt ist, diese zwei Wochen Prüfungen zu entschlacken. Also einerseits inhaltlich natürlich, dazu können wir ja gleich vielleicht noch mal ein bisschen näher sprechen, aber ich glaube strukturell geht es vor allem darum, dass man nicht alles auf diese zwei Wochen als Gesamtergebnis ausrichtet, denn der Weg bis zum Examen ist ein sehr langer Weg. Wir erbringen ja ziemlich viele Leistungen, von Uni zu Uni verschieden, wir schreiben Hausarbeiten, wir schreiben Klausuren, wir besuchen Vorlesungen, noch und nöcher. Wir haben also eine riesengroße Entwicklung, das Wissen anzueignen und ich bin der Meinung, dass auch dieser Weg ja schon eine gewisse Entwicklung oder einen Zugewinn an Erkenntnissen bringt und dass das vielleicht sogar eher realitätsnäher eine Bezeichnung oder eine Entwicklung bewerten kann, welchen Weg ich genommen habe, wenn ich mich in die Arbeit reinhänge und wie ich über einen längeren Zeitraum herauf mit juristischen Problemen umgehe, als wenn ich in zwei Wochen den reinen Prüfungsmodus abfrage. Deshalb finde ich das eigentlich sinnvoll, dann die Studienleistungen entsprechend mit ins Examen hereinzunehmen. Ich kann den Punkt, wie gesagt, mit dem Stresstest natürlich verstehen, dass diese zwei Wochen Klausuren gerade diesen Stress emulieren sollen, aber das kann man als Komponente behalten, aber es sollte nicht das einzige sein, was im Studium zählt. Zumal wir jetzt auch ganz veränderte Realitäten haben und heutzutage wahrscheinlich nicht mehr nur das Klausur schreiben oder das in den Klausuren abgeprüfte Fertigkeiten pendant dieses Ausformulieren, Diskutieren und Gutachten formulieren das einzige ist, was in juristischen Berufen eine Rolle spielt. Wir müssen uns mal mit der Zeit gehen und feststellen, dass es vielleicht auch ein bisschen aus der Zeit gefallen ist, in einer Klausur, wo ich nur das Gesetz als Hilfsmittel habe, das reine Wissen abzufragen und die ganzen anderen Entwicklungen, KI und Zugriff auf Daten von quasi überall her, nicht mehr im Auge zu behalten.

Magdalena: Ja, das finde ich auch eine spannende Frage. Fünf Stunden Klausur, mehr oder weniger ohne Hilfsmittel, außer dem Gesetz. Würdest du sagen, das ist Relikt oder eine sinnvolle Anforderung?

Ron: Die Mischung macht es. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man abprüft, ob das Wissen als solches vorhanden ist. Aber wie ich schon meinte, es kann nicht die einzige Bewertungsgrundlage sein. Ich finde Soft Skills viel, viel wichtiger, teilweise im Studium. Denn natürlich Ausdrucksfähigkeit und Schreiben und Gedanken zu Papierbringen ist wichtig. Aber genauso ist ja zum Beispiel auch Auftreten, Sprechen, rhetorische Fähigkeiten und ähnliches wichtig. Wenn ich in juristischen Berufen bin, habe ich immer Menschenkontakt. Das heißt, da können auch Fähigkeiten wie Empathie, Einfühlungsvermögen und ähnliches eine wichtige Rolle spielen. Aber auch die Möglichkeit, wie trete ich auf, wie stelle ich mich selbst dar, ist wichtig in diesen Berufen vor Gericht. Wenn ich dort auftrete, aber auch in anderen Berufen der Universität, im Professurium zum Beispiel, wenn ich Veranstaltungen halte oder sonst andere Tätigkeiten. Ich muss mit Menschen sprechen und ich muss vor Menschen sprechen. Das hat auch einen gewissen Aussagecharakter. Man kann durchs ganze Studium kommen, ohne ein einziges Wort gesprochen zu haben, wenn man es beschreibt. Ich habe im Schwerpunkt vielleicht diese eine Vortragsleistung und dann die mündliche Prüfung im Staatsexamen. Ansonsten komme ich, ohne ein Wort gesprochen zu haben, effektiv durch das Studium und das ist natürlich auch kritisch zu hinterfragen, ob das wirklich noch zeitgemäß ist und das abbildet, was dann am Ende in juristischen Berufen verlangt wird.

Magdalena: Wie hast du das denn für dich gelöst? Hast du dir das trotzdem versucht, dann auch außerhalb der Universität anzueignen?

Ron: Ja, schon. Ich habe dann irgendwann im Verlauf des Studiums eine Schwerpunktqualifikation in Rhetorik belegt. Das war auch eine ganz spannende Erfahrung, wo man dann vielleicht auch mal so vor Augen geführt bekommen hat, was man eigentlich alles beachten muss oder wie das Ganze läuft oder auf welche Kleinigkeit man vielleicht auch achten kann, die dann ja auch einen erstaunlichen Mehrwert haben können. Und vor allem habe ich mich immer selber gezwungen, im Studium zu reden, sei es nun durch aktive Mitarbeit in Lehrveranstaltungen oder aber, das war im weiteren Studium bei mir dann extrem wichtig, durch Lerngruppen, wo man dann natürlich gegenseitig die Fälle beschreiben muss und dann gegenseitig für sich vorträgt und probiert darzustellen und gemeinsam zu entwickeln. Das sind ja alles Diskussionsthemen oder alles Möglichkeiten, wo ich gerade dieses Sprechen üben muss. Und das war für mich die beste Übung und hat mir am Ende vor allem auch die mündliche Prüfung sehr, sehr stark erleichtert, weil man irgendwann in dieser Übung ist, gemeinsam Fälle zu entwickeln, gemeinsam da ein Rechtsthema zu besprechen. Und was anderes ist die mündliche Prüfung am Ende ja dann auch nicht gewesen.

Magdalena: Es gibt ja doch in einigen Bundesländern die Möglichkeit, nach Rechtsbereichen abzuschichten im Examen. Also es heißt, dass man sich die Fachbereiche so aufteilen kann, dass man eben nicht alles innerhalb zwei Wochen hat, sondern zu verschiedenen Zeitpunkten. Würdest du sagen, das ist sinnvoll und warum hat sich das bundesweit eigentlich nicht durchgesetzt?

Ron: Warum es sich bundesweit nicht durchgesetzt hat, ist eine spannende Frage, die ich wahrscheinlich nicht beantworten kann. Aber ich finde die Gedanken gar nicht mal schlecht. Letztendlich ist es ja auch so, im Anwaltsberuf insbesondere spezialisiert man sich auf bestimmte Gebiete. Wenn es gut läuft, hat man also nicht mit allem und jedem Gebiet gleichzeitig zu tun. Ich finde trotzdem, dass die juristische Einheitsausbildung, die wir in Deutschland haben, ja schon einen gewissen Charme hat. Die sorgt dafür, dass wir ein gewisses Ansehen weltweit haben, weil man letztendlich im Jura mit allen Themengebieten lernt zu arbeiten. Es geht ja nicht so sehr um die Inhalte wie um die Methodik, dass ich an unbekannte Rechtsgebiete herangehe, dass ich lerne, mit Normen zu arbeiten, dass ich Probleme strukturiert angehe und dementsprechend diese Kompetenzen entwickle. Und ich finde, das kann man auch machen, wenn man einzelne Rechtsgebiete abschichtet und sich dann Schwerpunkte bildet. Was ich aber ein bisschen problematisch bei diesem Hintergrund sehe, ist diese Vergleichbarkeit bundesweit. Also wenn nur einzelne Bundesländer diese Möglichkeit haben, dass ich abschichten kann, dann ist natürlich immer eine Frage der Chancengleichheit. Wie sieht das aus, wenn ich mich da vorbereiten kann auf ein Rechtsgebiet, wohingegen ich in anderen Bundesländern mehrere Rechtsgebiete gleichzeitig vorbereiten kann. Deshalb wäre nicht hier eigentlich eine bundeseinheitliche Lösung am ehesten charmant, und dann hätte ich prinzipiell auch kein Problem mit der Möglichkeit zum Abschichten.

Magdalena: Wenn du jetzt wirklich drei konkrete Reformschritte umsetzen könntest, sozusagen wenn du Kultusminister wärst, auf welche drei würdest du dich festlegen? Was würdest du am Jurastudium ändern wollen?

Ron: Also das Allererste, was ich quasi sofort einführen würde, wären verdeckte Zweitkorrekturen. Ich finde, das ist ein Unding, dass die Bewertung des Erstkorrektors dem Zweitkorrektor ja gleichzeitig zur Verfügung gestellt wird. So bildet er sich kein eigenständiges Bild, sondern ist erst vorbelastet. Das führt dazu, dass die Klausur wirklich zweimal bewertet ist, wenn ich nicht vorher weiß, wie hat mein Erstkorrektor die Arbeit eingeschätzt, sondern ich bilde mir mein eigenes Bild und das erhöht natürlich den objektiven Wertgehalt der ganzen Bewertung. Und dann haben wir nicht mehr solche Voten wie, ich schließe mich dem Erstkorrektor nach eigener Prüfung an. Das wäre der erste Schritt, den ich wirklich wichtig fände umzusetzen. Und meiner Meinung nach ist es auch ein Schritt, der eigentlich relativ leicht und schnell erfolgen könnte, denn das ist ja eigentlich kein großes Hexenwerk, dass man das auf den Weg bringt. Ich weiß, in Rheinland-Pfalz wurde das jetzt wieder eingeführt und es gibt Möglichkeiten und es gibt viel positives Feedback vor allem auch und diese großen Erwartungen dieses Auseinandergehen von Noten hat sich da gar nicht mehr so sehr bewahrheitet, aber es ist halt natürlich in einer objektiven Instanz, wenn ich wirklich weiß und sicher sein kann, dass zwei Personen neutral voneinander die Klausur angeschaut haben. Deshalb finde ich das eigentlich eine schöne Sache, die man schnell umsetzen kann. Langfristig, wie gesagt, wäre ich ein großer Fan davon, das Staatsexamen so weit zu reformieren, dass es noch einen Teilaspekt der Gesamtbewertung bringt und dass man andere Dinge weiter in den Fokus rückt, zum Beispiel die Studienleistungen, denn dann habe ich mehrere Jahre Zeit mir bereits eine Art Sicherheitspolster aufzubauen, zum Beispiel durch die Klausur, die ich in der Universität geschrieben habe, durch Hausarbeiten und sonstige Leistungen. Und dann hängt nicht mehr alles so sehr von diesen zwei Wochen ab. Das heißt also, das würde den Druck wahrscheinlich schon rausnehmen. Man hat aber trotzdem das Staatsexamen als gewisse reife Prüfung oder als diese Stress-Bewältigungssituation immer noch mit drin. Nur eben ohne daran zu zerbrechen, weil man sich bereits ein bisschen darauf verlassen kann, dass man eine Grundlage oder einen Grundstein gelegt hat, ohne dass auf diese zwei Wochen alles ankommt. Und zum Dritten würde ich mir auch die Studieninhalte natürlich noch ein bisschen anschauen. Wie gesagt, der Einheitsjurist als solcher, das finde ich, ist eine gute Sache, wenn man zeigt, dass man in allen Bereichen ein Grundlagenkenntnis hat. Aber ich glaube, dass das Ziel der juristischen Ausbildung auch zu erreichen ist, wenn man über die konkreten Inhalte ein bisschen näher nachdenkt. Denn wir wollen ja nicht am Ende, dass jeder Jurist und jede Juristin alle Themen bis ins letzte Detail perfekt beherrscht, weil er hunderttausend Probleme auswendig gelernt hat. Sondern es geht ja letztendlich darum, dass ich die Methodik des Rechts verstehe. Lerne an Unbekanntes heranzugehen, dass ich mit unbekannten Normen entwickeln kann, indem ich mit dem Gesetz arbeite, indem ich verstehe, was im Gesetz steht und dann die Probleme entsprechend herleite, strukturiere, sauber löse und aufbaue. Das ist ja eigentlich das, wo wir hinwollen und da ist meiner Meinung nach auch voll und ganz ausreichend, wenn ich einzelne Regelungsgebiete z.B. dann aus dem Pflichtstoff herausstreiche und dafür den Fokus dann auf andere weniger große Themenkomplexe lege.


8. Wie meistert man unbekannte Fälle und nutzt Lerngruppen richtig?

Magdalena: Ein Satz, der einem immer noch häufig begegnet von Nichtjuristen ist, wenn man sagt, dass man Jura studiert hat, oh Gott, da muss man ja extrem viel auswendig lernen. Du hast jetzt gerade ganz klar schon gesagt, man sollte auf die Methodik setzen, aber wie erklärst du letztlich Kommilitonen und Kommilitoninnen, die seit Jahren auf Meinungsstreits setzen und die pauken, den Unterschied?

Ron: Das ist eigentlich relativ leicht erklärt, und wenn man sich neutral und faktisch anschaut, ist es eigentlich die logische Konsequenz. Ich will gar nicht durchgehen, wie viele Meinungsstreits es gibt. Ich habe mir natürlich auch Meinungsstreits angeschaut, häufig auch aufgeschrieben und dann in einem Dokument gesammelt für Rechtsgebiete. Im Strafrecht bin ich op über 500 Meinungsstreits gekommen. Und im Zivilrecht kommen noch mal welche dazu, im öffentlichen Recht noch mal. Und das sind nur diejenigen, mit denen ich mich in irgendeiner Form schon beschäftigt habe. Die Chance, dass ein Meinungsstreit rankommt, den ich nicht kenne, angesichts dessen, dass ja im Staatsexamen auch ganz gerne mal unbekannte Normen abgeprüft werden, gerade im öffentlichen Recht, die ist also relativ hoch. Und das bedeutet, die Chance, dass einer der Streitigkeiten dabei ist, die ich gelernt habe und die ich dann auch noch so gut verinnerlicht habe, dass ich es ohne Probleme zu Papier bringen kann, die ist relativ gering. Deshalb ist die logische Schlussfolgerung daraus, nicht die Streitigkeiten und Argumente als solche zu lernen, sondern die Methodik dahinter zu verstehen. Also sich zum Beispiel anzuschauen, hier gibt es ein Problem, ähnlich funktioniert das in den gleichen Bereichen hier und dort. Und dort kann ich ähnlich argumentieren. Hier kann ich mit dem Gesetz herleiten, mit den Auslegungsmethoden, Wortlaut, Zweck und Systematik. Historischer Kontext ist in der Klausur ja klassischerweise schwierig. Aber dass ich da dann immer wieder die gleichen Anhaltspunkte finde und sauber entwickle, wo kommt das her? Wie kann ich zu einer möglichen Lösung kommen? Es muss ja nicht immer die herrschende Meinung sein, die ich dann am Ende finde und die ich so entwickle. Aber solange ich auf das Gesetz gestützt, methodisch sauber arbeite und zeige, wie ich zu einem Ergebnis gekommen bin, kann ich auch unbekannte Probleme in den Griff bekommen. Bei sechs bis sieben Examsklausuren ist die Chance schon sehr, sehr hoch, dass ich mindestens ein, wenn nicht sogar mehrere unbekannte Probleme haben werde.

Magdalena: Du hast auch gesagt, dass Lerngruppen für dich ein Erfolgsfaktor waren. Aber eben nicht um gemeinsam zu wiederholen, sondern vor allem auch zum aktiven Erklären. Wie kann man sich das dann konkret vorstellen?

Ron: Das ist natürlich auch wieder eine individuelle Frage, wie alles, ich meinte ja schon vorhin, die Examsvorbereitung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass man seinen eigenen Weg geht und seinen eigenen Weg findet. Und bei mir hat es sehr, sehr gut geholfen, wie gesagt, mit Lerngruppen zu arbeiten. Wir waren in der Examsvorbereitung eine Gruppe von drei Personen. Wir haben uns dann am Anfang zusammengetan, haben überlegt, wie gehen wir vor, haben also quasi eine Art Organisationstermin gemacht, wo wir uns die Themen angeschaut haben, grob durchgesprochen haben, was wollen wir machen, wie wollen wir arbeiten, wie häufig wollen wir uns treffen und dann wirklich mit festen Terminen jede Woche zwei Mal jeweils einen Fall besprochen. Wir haben das damals so aufgeteilt, jede Woche ein Zivilrechtsfall und Strafrecht und öffentliches Recht jeweils im Wechsel an den anderen Termin. Und dann war das quasi wie so eine Art eigene Arbeitsgemeinschaft. Wir haben die Fälle vorab ausgewählt, dann hat jeder ihn mit einer Lösungs-Skizze vorbereitet und dann haben wir die gemeinsam durchgesprochen. Das hat genau dazu geführt, wir haben uns alle mit Problemen beschäftigt, haben dann aber auch in der gemeinsamen Diskussion gemerkt, an der einen oder anderen Stelle sitzt es vielleicht noch nicht, oder auch bei Dingen, wo wir denken, wir haben es verstanden, stellt sich dann, wenn ich es anderen erklären soll, heraus, ach nee, ganz so gut klappt es ja doch noch nicht, das muss ich mir doch noch mal anschauen. Durch diesen gemeinsamen Austausch und das Entwickeln von Problemen fand ich es immer sehr, sehr schön, dass man viele neue Anhaltspunkte und Ansätze bekommen hat, denn da kommen dann Argumente oder Ideen, auf die wäre ich allein nicht gekommen, und so hat man dann wieder einen gemeinsamen Gruppenmehrwert, um den Fall bestmöglich zu besprechen. Wie ich vorhin schon gemeint, am Ende lernt man quasi für die Klausur als solche schon mal komplett und lernt, mit der mündlichen Prüfung zusammen zu interagieren, das Ganze gesprochen zu bekommen, aber wenn ich es gesprochen habe, dann weiß ich auch gleichzeitig, wie ich es in Wörter packe, um es in der Klausur niederzuschreiben. Deshalb finde ich, hat die Lerngruppe den besten Mehrwert, um genau das alles miteinander zu verbinden: zu sprechen, sich aktiv mit Themen beschäftigen und vor allem auch gezwungen sein, das jede Woche zu machen. Wenn ich konkrete Termine habe, wo sich andere Personen auf mich verlassen und die man gemeinsam aufgeschrieben hat, dann ist es schwieriger wieder abzusagen und aus der Nummer rauszukommen.

Magdalena: Das stimmt. Würdest du sagen, es ist wichtig in der Lerngruppe mit Personen zu lernen, die ein ähnliches Leistungsniveau haben?

Ron: Nicht unbedingt. Außerdem, das ist ja auch mal so eine Frage, was heißt gleiches Leistungsniveau? Ganz häufig ist es ja so, eine Person ist in einem Rechtsgebiet sehr stark und im anderen vielleicht noch nicht so sehr oder in allen Gebieten so relativ gut dabei. Und ich glaube, in der Examsvorbereitung ist es so, dass sich vieles davon auch erst mit der Zeit findet. Mir ging es so, dass mein Erkenntniszuwachs gefühlt erst in den letzten vier, fűnf, sechs Monaten so richtig gekommen ist, wo ich dann gemerkt habe, ach Mensch, so hängt das alles zusammen, so fällt das alles an den gleichen Platz zusammen und dadurch kann man das Leistungsniveau vielleicht auch in der Gruppe vorher gar nicht so richtig bestimmen. Ich denke wichtig ist es, dass man mit Personen arbeitet, mit denen man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann, die so vielleicht auch von der Vorgehensweise her ähnlich denken oder sich ähnlich auf Dinge einlassen. Es müssen nicht unbedingt die allerbesten Freunde sein, denn das verleitet natürlich auch mal so ein bisschen dazu, dass man in der Lerngruppe abschweift, aber ich kann garantieren, es entwickelt sich aus der Lerngruppe heraus dann irgendwann auch eine Freundschaft, weil es quasi diese berühmte Gefahrengemeinschaft im Strafrecht als Garantengruppe – wenn man gemeinsam diesen langen Weg bis zum Examen geht, dann ist man irgendwann so sehr miteinander verbunden, weil man dann ja dieses Auf und Ab und diese ganze Situation miterlebt hat und gemeinsam den Weg begleitet, dass man am Ende wirklich sehr, sehr eng verbunden ist.


9. Wie sinnvoll ist ein kommerzielles Repetitorium wirklich?

Magdalena: Du hast ja eine mutige Entscheidung getroffen, indem du das externe Repetitorium abgebrochen hast. Das trauen sich gar nicht so viele. Was war denn für dich der Moment, an dem du das entschieden hast?

Ron: Das war ungefähr nach dem ersten halben Jahr. Also ich wie auch gleich dazu sagen, es ist eine individuelle Entscheidung. Ich hatte das ja in einem Zeitungsartikel auch erwähnt, dass ich vom Repetitorium kein Fan war, dann ziemlich viele Instagram Nachrichten bekommen von teilweise verängstigten, teilweise schockierten Jurastudierenden, die meinten, wie ich denn sowas sagen kann, ihnen bringt das Repetitorium viel, es bringt ihnen Struktur, es hilft ihnen bei der Vorbereitung und deshalb ist mir vor allem immer wichtig zu sagen, man muss den eigenen Weg finden. So wie es mir nichts gebracht hat, ist es für andere wichtig, um eben diese Struktur zu bekommen, um in kleinen Portionen das Wissen aufbereitet zu bekommen und dann genau an die Hand genommen zu werden, was muss ich tun, wie geht es weiter, worauf muss ich achten. Das ist also, was mich eher gestört hat, dieses langsame, schrittweise Vorgehen, dieses hinterher hinken teilweise, das was anderen extrem hilft, weil es ihnen Sicherheit und durch diesen ständigen Wiederholungseffekt auch so ein gewisses Schutzpolster mit an die Hand gibt. Für mich war das dann aber am Ende leider ein bisschen zu langsam. Also ich habe halt gemerkt, ich sitze in den Veranstaltungen und nehme mir daraus nichts aktiv heraus, weil Dinge, die für mich sehr klar waren oder die ich auf Anhieb verstanden habe, dann halt zehnmal erklärt wurden und immer wieder aufs neue thematisiert worden sind und daraus habe ich dann irgendwann nichts mehr mitgenommen. Und dann war für mich die logische Konsequenz: Ich muss meine Zeit nicht vergeuden und umsonst hier sitzen, sondern ich lasse es jetzt sein. Noch dazu hatte ich immer so ein bisschen das Gefühl, dass gerade in den Präsenzveranstaltungen gerne auch ein bisschen Angst vor dem Examen erzeugt wird. So nach dem Motto, ihr schafft das Examen nur, wenn ihr genau das tut, was wir euch hier auf den Weg bringen. Ihr müsst euch da ganz genau daran halten und dann quasi immer so ein bisschen in diese Richtung Abhängigkeitsverhältnis vielleicht auch schon zu gehen. Und da ich generell immer schon ein bisschen anders oder meine Meinung oder mein Herangehen sich vielleicht von dem unterschieden hat, was manche andere machen, hat das dann nicht immer ganz so stimmig funktioniert. Also ich habe dann vieles von dem, zum Beispiel was im Repetitorium als „so muss man es zwingend machen“ geraten wurde, hinterfragt oder anders gesehen – nein, ich würde es eher so herum machen, denn das macht für mich so und so mehr Sinn. Und das hat dann natürlich auch ein bisschen zu Konflikten mit den Repetitoren geführt, die dann am Ende halt auch nichts für den gesamten Kurs gebracht haben. Und dann war es für mich die logische Entscheidung: Okay, dann gehe ich jetzt meinen eigenen Weg und mache allein damit weiter.

Magdalena: Lass uns nochmal auch dazu sprechen, wie du den mentalen Druck im Jurastudium letztlich bewältigt hast, also was deine individuelle Lösung dafür war. Und was dir geholfen hat?

Ron: Mir hat vor allem immer geholfen, diese ganze Planung auf einen Blick zu haben. Also dadurch, dass ich von vornherein wusste, es ist ein längerer Zeitraum. Es ist zwar sehr lang, aber es ist ein Zeitraum, der auch wieder zu Ende geht. Hat mir das vor allem so geholfen, zu wissen, ein Ende ist in Sicht. Irgendwann ist es vorbei und dann wird es auch wieder besser. Das hat mir so ein bisschen immer Halt gegeben, um auch die schwierigen Phasen durchzustehen. Und ansonsten war dann für mich immer dieses Vorplanen und vor allem auch dieses Gemeinsame mit anderen relativ wichtig. Gerade die Lerngruppe war nicht nur ein Ort zum Austauschen über Inhalte, sondern es war auch ein Ort, wo man sich gegenseitig Rückhalt geben konnte. Und wo man eben gemeinsam durch das Examen gegangen ist. Wo man sich gegenseitig dann mal unterstützen konnte. Oder wenn es der einen Person gerade in den Examen nicht gut ging oder Zweifel kamen, wo man sich gegenseitig auch Rückhalt geben konnte. Und das fand ich war immer eine schöne Sache, weil man sich dann gegenseitig aufgeholfen hat. Deshalb finde ich ehrlicherweise war das der beste Weg, gemeinsam mit anderen, die genau in der gleichen Situation sind, die nachvollziehen können: Was bedeutet es, Staatsexamen zu schreiben oder Staatsexamen vorzubereiten? Was hängt davon ab, dass man sich da dann gegenseitig unterstützen konnte und da füreinander da war? Und was man auch nicht unterschätzen darf: Pausen. Also es ist ja häufig so, manche genieren sich dafür zuzugeben, sie haben pausen gemacht oder sie probieren die Pausen zu reduzieren oder brüsten sich damit: Sie waren heute wieder von 8 bis 21 Uhr in der Bibliothek und all solche Geschichten, die man ja teilweise kennt, wo ich mir dann immer sage, Pausen gehören genauso zum Lernen dazu, denn ich brauche einen... zwischen den einzelnen Lerneinheiten oder zwischen den einzelnen Phasen brauche ich auch einen Zeitpunkt, wo ich das Wissen verarbeite, wo ich also meinem Kopf quasi eine Auszeit gebe und dafür sind Pausen extrem wichtig und dann ist es halt auch mal in Ordnung, wenn man merkt, es geht nicht weiter, eine zusätzliche Kaffeepause einzubauen oder mit Freuden den Tag immer früher zu beenden oder auch wenn man merkt, es geht gar nicht weiter, dann vielleicht auch mal ein oder zwei Tage auszusetzen oder zwischendrin auch mal einen Urlaub zu machen. Also auch das gehört mit dazu, dass man immer die Balance findet zwischen dem Arbeiten und dem wieder zur Ruhe kommen, wieder den richtigen Weg finden und so entsprechend dann vorankommt.

Magdalena: Wie sah das denn bei dir aus? Hast du leeren Pausen gemacht? Warst du jeden Tag von 8 bis 21 Uhr in der Bib und gab es auch mal in der Examsvorbereitung einen Urlaub?

Ron: Ich war nicht jeden Tag in der Bib, aber ich habe probiert, schon häufig hinzugehen, weil mir auch dieser räumliche Aspekt mal gut getan hat, dass ich quasi wusste, ich bin in der Bibliothek und wenn ich dann wieder zu Hause bin, dann wird nichts mehr gemacht oder... das hat am Anfang funktioniert, ich gebe es ja zu, am Ende nicht mehr ganz so gut, aber es war halt schon immer so eine Sache, dass diese dieses Arbeiten... ich habe mir zwei Grenzen gesetzt oder ich habe mir immer so eine Schlusslinie gesetzt: jetzt ist Schluss. Und es waren häufig schon Tage so neun bis achtzehn Uhr in der Bibliothek oder ähnliches, aber dazwischen waren natürlich auch mal Pausen. Das heißt nicht, dass ich von neun bis achtzehn Uhr durchgearbeitet habe, sondern dann gab es eine Mittagspause und sehr häufig auch noch mal eine Kaffeepause und die haben dann gedauert, wie lange sie eben gedauert haben. Also es war nicht so „15 Minuten sind vorbei, zurück in die Bibliothek“, sondern dann saß man auch mal 30 Minuten oder 45 Minuten oder vielleicht auch mal eine Stunde und hat dann noch ein bisschen gequatscht oder sonst irgendwie die Zeit verbracht oder einen Spaziergang beim Campus gemacht. Das gehört immer dazu und das ist genauso wichtig, dass man das in die Zeit mit einbringt. Und Urlaub gab es dann auch. Ich muss sagen, vor dem schriftlichen Examen habe ich das dann nicht mehr so sehr gemacht, da habe ich schon durchgezogen, aber das hat sich aus anderen Gründen, das hat sich einfach zeitlich nicht ergeben. Ich habe dann im Dezember, also quasi im Dezember 2024, wenn ich im Oktober 25 das Examen geschrieben habe, noch mal ein bisschen mehr Urlaub gemacht und war dann noch mal zwei oder drei Wochen unterwegs und habe mir da die Zeit noch mal genommen. Das hat mir geholfen. Und vor den mündlichen Prüfungswochen, was dann tatsächlich so das Wochenende, bevor ich in die mündliche Prüfung gegangen bin, da habe ich dann auch noch mal ein Wochenende Urlaub gemacht und das war auch eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe und die ich glaube, die auch ganz gut gewesen ist, weil ich da noch mal Ruhe finden konnte und mich so ein bisschen gesammelt habe, ohne dass ich mich mit dem Stoff verrückt mache.


10. Warum entscheidet sich Ron Straßburg für die Uni und gegen die Großkanzlei?

Magdalena: Hast du dann auch ein Ritual gehabt während des Exams? Also auch wenn dann, du hast deinen Platz eingenommen, die Klausuren wurden verteilt und so weiter. Also wie sah der Tag bei dir aus, oder die Tage?

Ron: Ein richtiges Ritual hatte ich gar nicht mal so sehr. Für mich war der schlimmste Moment immer quasi diese Unwissenheit, bis der Sachverhalt auf dem Tisch lag. Also man kommt in den Raum rein, man sitzt am Tisch und wartet, dass es endlich losgeht. Und dann werden die Blätter ausgeteilt. Dieser Moment, bis man umdreht und dann sieht, was auf dem Sachverhalt steht, was in der Klausur vorkommt. Das war dann immer für mich so ein bisschen die Feuerprobe, dieses Abwarten, dieser Moment, wo ich regelmäßig gedacht habe, ich werde verrückt, ich werde wahnsinnig. Aber sobald es dann losgegangen ist, bin ich quasi ein bisschen wie in meiner eigenen Welt versunken. Ich habe mich mit dem Fall beschäftigt. Ich wusste fünf Stunden ab jetzt, jetzt ist es nur dieser Fall und das, was ich weiß, was in dem Gesetz steht und womit ich arbeiten muss. Und habe mich dann wirklich voll und ganz darauf konzentriert. Habe ich alles andere um mich herum ausgeblendet und mich dann wirklich voll und ganz darauf gestürzt, habe das probiert zu bearbeiten, so gut wie es geht. Und wenn ich was nicht wusste oder wenn eine unbekannte Norm drin ist, mein Gott, dann habe ich halt mit den Methoden, die ich hatte, probiert, etwas zu entwickeln. Also in einer Klausur, das war eine Zivilrechtsklausur zum Beispiel, da war der Schwerpunkt dann die Vorgesellschaft und dann entsprechend GmbH-Recht und all solche Sachen. Und ich muss dazu sagen, mit Gesellschaftsrecht habe ich mich niemals so dezidiert auseinandergesetzt. Im ersten Moment war es natürlich: Oh Mann, was soll das, wie gehe ich an sowas ran? Aber am Ende habe ich die Klausur trotzdem ganz gut gemeistert, nämlich genau damit, dass ich aus dem Gesetz entwickelt habe und genau auf diese normalen Grundlagen – was braucht man, dass eine Gesellschaft entsteht, wie ist damit umzugehen, handelt es sich um eine Personengesellschaft, liegt eine Voraussetzung für eine GmbH-Gründung bereits vor – all diese Sachen einfach sauber und ordentlich dargestellt habe und bin so zu einem guten Ergebnis gekommen. Und das hat mir dann, glaube ich, den Rückhalt gegeben, mich nicht verrückt zu machen während der Klausur.

Magdalena: Und diese fünf Stunden, wie waren die für dich, wie hast du das empfunden? Kamst du mit den fünf Stunden immer gut klar?

Ron: Ich glaube, ich war da sehr, sehr privilegiert in der Hinsicht. Also es gab kaum eine Klausur, wo ich nicht früher fertig war. Teilweise hatte ich gut eine Stunde noch Zeit, um da nochmal durchzugucken oder durch die Arbeit zu schauen. Das liegt vor allem daran, ich schreibe relativ schnell und ich verbringe nicht viel Zeit mit Lösungs-Skizzen. Ich weiß, es ist ja immer so ein berühmter Spruch, man sollte die Arbeit erst mal komplett durchdacht haben, bevor man anfängt wirklich niederzuschreiben. Das war bei mir leider nicht so, denn ich habe klassischerweise wirklich immer, wenn ich mir eine Lösungs-Skizze geschrieben habe, am Ende ein ganz anderes Ergebnis rausbekommen. Also ich bin so ein Mensch, ich denke beim Schreiben und dann kommt mir noch mal ein Einfall oder sonst eine Kehrtwendung und am Ende ist das, was auf meiner Klausur im Gutachten steht, dann etwas ganz anderes als das, was in meiner Lösungs-Skizze stand. Deshalb waren meine Lösungs-Skizzen meistens eine Sache von 10, 15, vielleicht 20 Minuten, wo ich mir dann wirklich nur so die wesentlichsten Punkte, Probleme, Normen, die ich prüfen möchte, aufgeschrieben habe und dann ging es direkt ans Schreiben. Das hat mich dann natürlich damit nach vorn gebracht, dass ich relativ schnell ins Schreiben gekommen bin, dann alles runtergeschrieben habe. Gut, manchmal musste ich dann noch durch entsprechende Nachträge oder so auf Zusatzseiten dann vielleicht noch mal einen späteren Gedanken mit reinbringen, aber da habe ich nicht so viel Zeit verloren, in Anführungszeichen, als wenn ich erstmal zwei Stunden mit der Lösungskizze verbracht hätte. Das war so ein Punkt, der mich sehr schnell vorangebracht hat und eben auch dieses viele Trainieren aus dem Klausuren schreiben – wirklich immer mit genau dem gleichen Füller habe ich das dann auch gemacht, dass ich genau weiß, mit diesem kann ich schreiben, das funktioniert, so komme ich voran und deshalb war die Klausur und das eigentliche Ausformulieren immer eine relativ entspannte Sache für mich zum Schreiben. Es ist anstrengend natürlich, es geht auf die Hand, aber es war zeitlich für mich zumindest sehr gut machbar.

Magdalena: Was würdest du den Studierenden raten, die mit dem Gedanken spielen, das Examen abzubrechen, weil ihnen der Druck zu groß wird?

Ron: Das ist natürlich eine schwierige Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Grundsätzlich heißt es natürlich, die Gesundheit und die Psyche sollten natürlich in gewisser Weise Priorität haben. Denn es bringt nichts, wenn ich am Ende zwar irgendwie durchs Examen durchgekommen bin, aber so ausgebrannt bin, dass ich eigentlich nicht mehr auf die Berufswelt losgelassen werden kann. Man muss wahrscheinlich die Balance finden. Mir hat geholfen, ich wusste, es ist ein eng begrenzter Zeitraum, es wird wieder besser und es kommen auch andere Zeiten in Sicht. Aber wenn ich merke, dass es gar nicht mehr vorangeht, dann wäre vielleicht die Möglichkeit zu bedenken, dass man nur den Bachelor, soweit er integriert ist, im Studium macht. Und dann mit einem Master in einem anderen Feld noch mal probiert weiterzugehen, dass man sein Studium quasi in eine andere Richtung legt. Und das ist vielleicht auch eine Frage, die sich gerade stellt: Möchte ich in einen von diesen klassischen juristischen Berufen oder zieht es mich ohnehin in eine andere Richtung? Mir steht am Ende die Welt offen. Ich habe ja allein durch dieses Studium schon viel über diese Methodik gelernt, an Probleme heranzugehen, zu systematisieren, mich auszudrücken, zu formulieren und das kann man ja in ganz, ganz vielen verschiedenen Feldern gebrauchen. Deshalb kann ich mir auch sehr gut vorstellen, dass man das Staatsexamen gar nicht mehr braucht, sondern wenn man da mit Bachelor und Mastern im anderen Feld irgendwo anders hingeht, einen interdisziplinären Ansatz hat, der vielleicht sogar einen viel, viel schöneren Weg bildet und mit dem man dann wesentlich glücklicher wird.

Magdalena: Mit diesem Examsergebnis, das du erzielt hast, steht einem ja tatsächlich die Welt offen. Wie war das denn? Wie viele potenzielle Arbeitgeber sind schon auf dich zugekommen und haben versucht, dir eine Karriere bei ihnen schmackhaft zu machen?

Ron: Es ist natürlich am Anfang sehr überfordernd. Ich meinte ja schon, ich habe nicht mit solchen Ergebnissen gerechnet und schon gar nicht mit so einem riesigen Wirbel dann ringsherum. Es gab da ein paar Angebote, aber ich habe relativ viel relativ schnell abgelehnt, weil für mich mein Weg erstmal schon feststand oder auch feststeht. Ich wollte, bevor es weitergeht irgendwie in juristischen Berufen – man weiß, das zweite Staatsexamen steht natürlich noch an –, und ich wollte davor auch noch einen Doktor machen und genau das ist, womit ich mich gerade beschäftigt. Ich promoviere gerade in Potsdam an der Universität und wollte dann auch an der Universität bleiben als akademischer Mitarbeiter. Das konnte ich jetzt tun, jetzt bin ich da tätig, und dann quasi an der Uni erhalten bleiben, quasi parallel die Seite zu wechseln, und jetzt in der Lehre, aber auch in der Forschung nochmal ein paar Eindrücke sammeln, mich dann wirklich dezidiert mit Themen auseinanderzusetzen, für die im Studium vielleicht nicht so viel Zeit war, und die perspektive zu wechseln, die man dann quasi aus der Lehrenden-Sicht auf das Studium hat.

Magdalena: Du hast jetzt seit kurzem auch eigene Lehrveranstaltungen. Was würdest du denn sagen, ist der größte Unterschied zwischen Lernen und Lehren?

Ron: Also ich habe dieses Jahr zwei Arbeitsgemeinschaften im Strafrecht zu den Vermögensdelikten im vierten Semester. Das sind immer wieder spannende Erfahrungen, vor allem auch, weil man es nicht planen kann. Ich bemühe mich zwar natürlich, die Veranstaltung bestmöglich vorzubereiten und auf alles gewappnet zu sein, aber man muss dazu sagen, man wird immer wieder überrascht von den Studierenden und ihren Ideen und Vorschlägen. Manchmal ist es dann so ein Zeitding, dass ich denke, okay, die Stelle ist relativ schnell abgearbeitet und am Ende diskutiert man dann doch eine längere Zeit. Manchmal sind es dann Stellen, die man für problematisch hält, die dann in einem Zug abgearbeitet sind oder wo direkt der richtige Gedanke oder die richtige Lösung kommt, wo man denkt, hier hätte ich eigentlich mehr Zeit eingeplant zum Hinführen oder zum Entwickeln. Und das ist halt dieses einerseits spannende, aber auch ein bisschen lästige, diese unvorhersehbare Veranstaltung, aber es macht trotzdem immer unglaublich viel Spaß, gemeinsam diese Fälle zu entwickeln, gemeinsam vielleicht auf neue Gedanken zu kommen oder aus dem Stegreif heraus dann irgendwelche Fragen beantworten zu müssen, über die man sich vielleicht noch nie so richtig selber Gedanken gemacht hat. Und es macht schon unglaublich viel Spaß, diesen Weg dann zu sehen und ich habe vor allem gemerkt, die Lehrperspektive ist doch anstrengender als die Studieperspektive, selbst wenn man mitdenkt und mitarbeitet. Man steht dann trotzdem in einem ganz anderen Licht, wenn man vorne, vor der versammelten Mannschaft steht, vor 40, 50 Leuten, im Gegensatz zu wenn man da auf seinem Platz sitzt und quasi für sich mitdenkt und nicht so im Rampenlicht steht. Und bei mir wird das noch mal verstärkt, glaube ich, dadurch, dass meine beiden Arbeitsgemeinschaften direkt hintereinander stattfinden. Also ich habe eine ungünstige Zeit erwischt, ich beginne um 8 und meine letzte Arbeitsgemeinschaft endet dann um 12. So dass ich 4 Stunden hintereinander dann quasi nochmal mache und das macht es natürlich nochmal anstrengender, aber gleichzeitig auch schöner zu sehen, wie unterschiedlich verschiedene Studiengruppen sein können.

Magdalena: Großkanzleien hast du in deinen Karriereplänen bisher nicht erwähnt, warum eigentlich?

Ron: Ich sehe mich da irgendwie nicht so richtig, also es ist ja natürlich jedem die eigene Entscheidung. Aber für mich kamen Großkanzleien bisher nie so richtig in Betracht, weil ich mir halt irgendwie denke, der Einfluss oder dieser Zweck des Ganzen, der ist da ja gar nicht so groß. Am Ende in der Großkanzlei habe ich einen 80- bis 120-Stunden-Tag – nicht Tag, Woche. 120-Stunden-Tag, das wäre auch eine neue Erfindung. Man hat einen extrem hohen Arbeitsaufwand und ich glaube, dass da wenig Zeit für sich selbst, für sein Privatleben, für andere Dinge bleibt. Und ich habe mich immer halt so gesehen: Ich möchte irgendwie auch der Gesellschaft irgendwas zurückgeben und wir haben in der Justiz einen großen Bedarf, wir brauchen Richter, wir brauchen Staatsanwälte, wir brauchen engagierte Juristinnen und Juristen in der deutschen Verwaltung und ich sehe mich irgendwie eher so auf dieser Lehrperspektive. Ich hab Spaß, wie vorhin schon gesagt, daran, Wissen weiterzugeben. Ich hab das immer total gern gemacht. Gemeinsam entwickeln, gemeinsam Probleme lösen oder dann entsprechend Wissen weiterzugeben. Und das kann ich, glaube ich, an der Uni am besten umsetzen und da dann mit dem, was ich gerne mache und wo ich glaube, dass ich auch mittlerweile relativ gut geworden bin, dann auch wirklich weitergeben, anstatt dann in einer Kanzlei immer nur mit einem einzigen Fall oder mit mehreren Fällen, aber auf einen engen, beschränkten Personenkreis beschränkt zu bleiben.

Magdalena: Also ganz klar die Professur als Ziel, aber alle Optionen offen. Das heißt, was müsste passieren, dass du dich vielleicht doch noch gegen die akademische Karriere entscheidest?

Ron: Man weiß es nie. Also erstmal akademische Bereiche sind ja immer auch so ein bisschen unvorhersehbar. Man weiß nie, kommt irgendwann un Ruf, kommt er nicht oder wie sind die Optionen? Und vor allem, das steht für mich auch fest, ich will definitiv auch das zweite Staatsexamen machen. Dort kriegt man erst diesen richtigen Einblick in die Praxis, indem man in die verschiedenen Stationen geht und da dann entwickelt und kennenlernt. Und wer weiß, vielleicht zeigt es sich ja dann, dass irgendwas von diesen Sachen doch noch mal mehr zu mir passt oder dass ich da merke, dass ich mich hier doch wohler fühle und dann kann es ja immer noch einen anderen Weg gehen.

Magdalena: Vielen, vielen Dank, Ron, dass du deinen Weg mit uns geteilt hast. Ich glaube, es war heute besonders wertvoll von einer Person, die so gut durchs System gekommen ist, trotzdem mal zu hören, was man besser machen könnte, um für viele andere Studierende den Weg eben zu ebnen und vor allem auch den Weg dann in die Berufswelt vielleicht ein bisschen einfacher zu machen. Also herzlichen Dank an dich.

Ron: Sehr, sehr gerne. Und wie gesagt, es ist immer schön, diesen Weg zu teilen und vor allem auch im Hinterkopf zu behalten: Man muss nicht immer mit allerbesten Ergebnissen herausgehen. Man muss nicht top abschließen. Und was auch immer wichtig ist – so wie es aktuell läuft, kann es vielleicht nicht weitergehen. Dementsprechend hat man vielleicht noch Hoffnung, dass es sich doch noch ein bisschen in die richtige Richtung entwickelt.

Magdalena: Eine Frage noch zum Schluss. Kann man deinen Weg eigentlich irgendwo weiterverfolgen? Du hast am Anfang Instagram erwähnt, da kam der Stein ja erst ins Rollen. Bist du da selbst aktiv?

Ron: Ich bin ein wenig aktiv. Nach meinem Examen und nach diesem Medienrummel habe ich ziemlich viele Anfragen bekommen, ob ich meinen Weg nicht teilen könnte. Momentan probiere ich meine Examstipps und Strategien auf meinem Instagram-Account regelmäßig zu teilen. Dort findet man vielleicht immer so ein bisschen Auszüge oder Ausflüge aus meinem Weg, meinem aktuellen akademischen Leben und dem, was ansonsten so ansteht.

Magdalena: Perfekt. Den Link packen wir auf jeden Fall in die Show Notes und freuen uns dann zu sehen, was als nächstes geschieht. Vielen Dank.


Laura Hörner-author-avatar-image
Mehr Informationen zum oder zur Autor:in
Laura Hörner
Kulturwirtschaft Uni Passau

Als freie Autorin schreibt Laura Hörner bei TalentRocket über Themen rund um die juristische Karriere. Besonders interessiert sie sich dabei für die vielfältigen Karrierewege, die Jurist:innen offenstehen.