Magdalena: Jetzt spielt eine große Rolle ja natürlich auch Social Media. Also wer Marketing sagt, muss irgendwie auch zumindest die Überlegung anstellen, möchten wir auch auf Social Media präsent sein. Lohnt es sich in diesem Jahr, 2026 überhaupt noch, für Arbeitgeber mit Social Media anzufangen oder ist das Feld schon so voll, dass man gar nicht mehr auffallen kann?
Saskia: Also es lohnt sich auf jeden Fall noch. Wir haben uns da so ein bisschen unseren Lieblingssatz zurechtgelegt. Wir sagen immer, der beste Tag mit Social Media zu starten, der war gestern, der zweitbeste ist heute. Natürlich wird das Feld voller, auch bei den Juristen. Da hat sich in den letzten Jahren doch glücklicherweise auch das ein oder andere ein bisschen getan. Aber es ist noch unglaublich viel Platz für die verschiedenen Rechtsbereiche, für die verschiedenen Nischen, da lohnt es sich auf jeden Fall jetzt Gas zu geben.
Magdalena: Hast du da auch ein paar Hacks mitgebracht, wie man denn noch auf Social Media auch vielleicht organisch Reichweite erzielen kann? Wie stellt man Inhalte da oder wie kann man sich auch von anderen abheben, dass man eben nicht dieses, was du gerade schon gesagt hast, mit diesem klassischen Standardsatz oder dem klassischen Standard auftreten, eigentlich die Nutzer dazu bringt, eher schnell weiter zu scrollen?
Saskia: Also der ganz oder der allerwichtigste Tipp, den ich habe, ist auf jeden Fall einfach zu machen. Die Allermeisten halten sich damit auf, dass sie irgendwie wochenlang in ihr Branding investieren. Dann überlegen sie sich, welche Farbnuancen jetzt perfekt zusammenpassen. Dann überlegen sie sich, welche Plattform sie bespielen und wie sie da heißen. Und da wird dann ewig an einem Profilslogan oder so rumgehangen. Und natürlich haben alle Juristen sehr, sehr wenig Zeit. Und dann ziehen sich diese Prozesse ewig und dann startet man am Ende einfach gar nicht und das ist natürlich super schade, weil man braucht überhaupt nicht irgendwie ein super krasses Konzept oder den perfekten Plan schon von vorne rein. Das Wichtigste ist eigentlich, dass man sich in den Account stellt, sich da kurz darstellt und dann direkt loslegt. Das heißt, direkt in die Aufklärung geht, seine Mandanten abholt, gegebenenfalls Kollegen abholt, wenn man eben das Ziel der Rekrutierung hat und da dann einfach sichtbar bleibt und in möglichst kurzen und einfachen Worten erklärt, wofür er steht, wie er Mehrwert liefern kann und was man von ihm erwarten darf.
Magdalena: Wie siehst du da jetzt auch nochmal die Unterscheidung Instagram, LinkedIn oder gibt es zum Beispiel einen Kanal, den du für bestimmte Partner, für bestimmte Kunden mehr empfehlen würdest als den anderen?
Saskia: Auf jeden Fall. Ich finde beide Plattformen gleichermaßen interessant. Ich finde für viele Juristen und Rechtsbereiche ist LinkedIn so ein bisschen interessanter, weil es natürlich eine Businessplattform ist. Das heißt, wenn man jetzt irgendwie Mandanten im Immobilientransaktionsbereich oder im Gesellschaftsrecht oder so abholen möchte, dann wird man erfahrungsgemäß auf LinkedIn eher ein bisschen besser landen. Wenn man jetzt sehr niedrigschwellig nahbare Rechtsgebiete hat, wie zum Beispiel das Strafrecht oder auch insbesondere eine junge Zielgruppe im Jugendstrafrecht hat, dann sind natürlich Plattformen wie Instagram oder auch TikTok deutlich besser angesehen. Auch wenn man vielleicht im Arbeitsrecht tätig ist, also einfach ein Rechtsgebiet hat, das sehr, sehr viel, in Anführungszeichen, normale Menschen betrifft, dann sind Plattformen wie Instagram deutlich einfacher zu handhaben, wie jetzt was sehr Professionelles wie LinkedIn.
Magdalena: Wir kommen auch immer mehr mit, also der Weg ist definitiv weg von Hochglanzbroschüren oder eben Generalaussagen. Wie würdest du jetzt auf LinkedIn starten, wenn du, wenn ein Partner oder auch ein Associate einer Kanzlei sich überlegt, ich möchte da präsenter sein, ich möchte sichtbarer werden. Was, was können so die ersten Schritte sein? Wie kann man sich auch Inhalte überlegen, mit denen man dann da auftreten möchte?
Saskia: Also wenn man sich schon das Profil erstellt hat und es einigermaßen sauber professionell gestaltet hat und schon an der Themenfindung jetzt steht, dann kann man das ganz einfach mal anfangen, indem man sich ein bisschen notiert, welche Fragen Mandanten zu einem in die Gespräche bringen. Also wenn man jetzt beratend tätig ist, kann man sich ein bisschen notieren, welche Fragen wirklich immer gestellt werden von Mandanten, weil die einfachen hohen Nutzen dann haben. Denn wenn die Frage in Beratungsgesprächen regelmäßig auftaucht, dann werden sie sich vermutlich in der Zielgruppe noch deutlich häufiger gestellt, sodass man hier möglichst mit wenig Aufwand, denn die Fragen beantwortet man in seinen Beratungsgesprächen ja eh regelmäßig, kann man mit wenig Aufwand schon guten Content kreieren. Und dann sollte man eben darauf achten, dass man da keinen krassen Aufsatz draus macht, so wie man das jetzt vielleicht machen würde, wenn man das publiziert, sondern wirklich kurz und prägnant schnell zum Punkt kommen und dann eben auch so einfach sprechen, dass es die breite Masse auch verstehen kann.
Magdalena: Also so ein Absatz oder so würde dem Blogsatz definitiv gut tun.
Saskia: Ja, absolut.
Magdalena: Hast du auch so ein paar Don'ts, bei denen du sagst, okay, das fällt sogar eher negativ auf?
Saskia: Wenn man sich zu sehr selbst darstellt, das heißt, wenn es in jedem Post eigentlich nur darum geht, wie toll man ist und wie viele Auszeichnungen man erhält und welche Noten man hat und sich da zu sehr profiliert, dann fällt es meistens schon negativ auf. Natürlich sollte und darf man sagen, dass man das gut kann. Man will sich ja auch entsprechend positionieren als Experte und man möchte ja auch kompetent wahrgenommen werden. Da spricht auch überhaupt nichts dagegen. Wenn es aber halt so ein bisschen kippt in dieses, ich bin jetzt der Allertollste und meine ganzen Kollegen, die sind alle doof oder so, das stößt dann schon vielen eher sauer auf und da sollte man auf jeden Fall von absehen. Es gibt ja immer genug Möglichkeiten, sich kompetent darzustellen, ohne jetzt in die Übertreibung zu gehen oder gleich die Kollegen schlecht zu reden.
Magdalena: Was sagst du von der Frequenz? Also Kontinuität sagt einem eigentlich jeder, der sich mit Social Media auskennt, wenn man beginnen möchte, ist extrem wichtig. Was sagst du? Würdest du Kanzleien/ Anwälten raten, wie häufig muss man pro Woche posten, um überhaupt in Erinnerung zu bleiben?
Saskia: Also Kontinuität ist auf jeden Fall deutlich wichtiger, als jetzt irgendwie den perfekten Post rauszuhauen. Ich würde schon sagen, dass man einmal pro Woche auf jeden Fall was posten sollte, solange man eben Qualität sicherstellen kann. Es gibt auch Leute, die täglich posten. Da bleibt dann natürlich immer so ein bisschen die Überlegung, wie viel Qualität jeder einzelne Post jetzt noch hat. Es gibt Leute, die das natürlich unglaublich gut machen können. Da hat aber natürlich ehrlicherweise auch nicht jetzt jeder die Zeit dafür. Mit einem Post ist man auf jeden Fall gut dabei pro Woche. Zwei sind natürlich umso besser.
Magdalena: Bedenken, die dann immer wieder geäußert werden, ja, aber hast du überhaupt Zeit für sowas, ist das ein gutes Zeichen, wenn ein Anwalt sich auf LinkedIn rumtreibt, anstatt seine Mandanten zu betreuen oder neu zu akquirieren? Hast du da auch einen guten Konter, wie man das auch vertreten kann oder vielleicht auch als Associate vor seinem Partner verargumentieren kann, dass es eben doch sinnvoll ist, da in die Sichtbarkeit zu gehen?
Saskia: Ich glaube, das ist so ziemlich das meiste oder das häufigste Vorurteil, dass ich auch immer wieder höre, so ja, ich habe dafür keine Zeit. Und wenn ich dafür Zeit mir nehme und dann sichtbar bin, dann denken ja alle, ich habe eigentlich gar nichts zu tun. Und das kann man aber wunderbar, finde ich, entschärfen, indem man einfach damit kontert, dass man sagt, mir ist es wichtig, die breite Masse da abzuholen und meiner Verantwortung, die mir als Jurist einfach irgendwo auch obliegt, gerecht zu werden und die Leute da wirklich niedrigschwellig zu informieren. Das ist ja was super Positives, was einem eigentlich keiner absprechen sollte und auch die Partner. Also ich kenne wenig Partner, die das jetzt so superaktiv kritisieren, wenn man ja auch, also die meisten haben ja bei LinkedIn dann auch ihre Kanzlei hinterlegt, wo sie gerade arbeiten. Es gibt inzwischen auch von total vielen Kanzleien schöne Banner, die sie ihren Arbeitnehmern zur Verfügung stellen und das ist ja auch was Tolles, wenn die eigenen Anwälte sich dann mit der Kanzlei identifizieren können und für diese Kanzlei dann einfach auch entsprechend Content erstellen und sich da als kompetenten Experten positionieren. Das ist ja für jede Kanzlei auf jeden Fall mehr wert und ich denke viele haben das inzwischen aber auch realisiert.
Magdalena: Ja und ich glaube spätestens, wenn der erste Mandant darüber akquiriert wird oder auch die erste Bewerbung darüber eingeht, dann gibt einem ja auch sozusagen der Erfolg Recht und dann zeigt das auch, dass es auch was zurückgibt für den Aufwand, den man ja durchaus damit betreiben müsste.