Voraussetzungen für den Beruf des Staatsanwalts als Jurist

Verfasst von Julian Wagner. 

Wie wird man Staatsanwalt?

Einstellungsvoraussetzungen und Arbeitsalltag als Jurist in der Staatsanwaltschaft

Nachwuchsjuristen, welche mit Prädikat versehen sind, bieten sich in Deutschland bekanntermaßen so einige attraktive Karriereoptionen am Arbeitsmarkt: Ob als Associates in einer mächtigen Sozietät, als Unternehmensjurist in einem international vernetzten Konzern, als Anwalt in der eigenen Kanzlei, oder als Staatsdiener in einer Beamtenlaufbahn.

Die beliebtesten Stellen in der Gerichtsbarkeit sind in erster Linie natürlich das Richteramt und der Beruf des Staatsanwaltes. Diese Positionen sind jedoch nur Volljuristen vorbehalten, die sämtliche Einstellungskriterien erfüllen. Wir klären die Frage, wie genau aus einem gut qualifizierten Nachwuchsjuristen in der Praxis ein Vertreter der Anklage werden kann.

Das Einstellungsverfahren: Kein Prädikat, keine Chance?

Dass nicht aus jedem Volljuristen ein Richter oder Staatsanwalt werden kann, ist wohl selbstverständlich. Zum einen ist die verfügbare Stellenanzahl begrenzt, zum anderen werden an die Bewerber entsprechende Anforderungen gestellt, um auch in Zukunft die fachliche Kompetenz der im Staatsdienst tätigen Juristen zu gewährleisten.

Grundsätzlich kann in Deutschland nur Staatsanwalt werden, wer bereits die Befähigung zum Richteramt hat. Diese erlangen grundsätzlich Personen, welche die erste juristische Prüfung und zudem den Vorbereitungsdienst (Referendariat) sowie das zweite Staatsexamen erfolgreich absolviert haben. Im Bezug auf speziellere Voraussetzungen sei darauf hingewiesen, dass die geltenden Bestimmungen von Bundesland zu Bundesland variieren.

Die Einstellung von neuen Richtern erfolgt in Bayern beispielsweise zwei Mal pro Jahr jeweils nach Durchgangsabschluss der zweiten juristischen Staatsprüfungen (April/Mai und Oktober/November).

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen in Bayern pro Einstellungstermin jeweils 50 offene Stellen für Richter und Staatsanwälte zur Verfügung. Die eigene Bewerbung gilt es dann beim Bayerischen Justizministerium einzureichen, welches zentral für alle OLG-Bezirke in Bayern, also das OLG Bamberg, OLG München und OLG Nürnberg, einstellt. 

Die Mindestnote für eine Zulassung zum Einstellungsverfahren liegt in Bayern momentan bei 8,0 Punkten im zweiten Examen. Insofern ist vor allem die zweite juristische Prüfung ausschlaggebend und aktuell kein Prädikatsexamen nötig, auch wenn die Note „8 Punkte“ natürlich immer noch eine weit überdurchschnittlich gute Bewertung darstellt.

Des Weiteren können auch relevante Zusatzqualifikationen durchaus zum Erfolg der eigenen Bewerbung beitragen. Dazu zählen insbesondere ein Zweitstudium oder eine Zusatzausbildung, zum Beispiel ein betriebswirtschaftlicher Abschluss, jedoch auch eine Ausbildung zum Rechtspfleger oder eine abgeschlossene Banklehre. Genauso können berufsbezogene Auslandserfahrungen, eine bisherige Anwaltstätigkeit, besondere Sprachkenntnisse oder eine (Lehr-)Tätigkeit an der Universität dem Bewerber in die Karten spielen.

Übrigens: Wer sich in Bayern für die Tätigkeit als Staatsanwalt entscheidet, tut dies auch gleichzeitig für das Richteramt...und umgekehrt. Dementsprechend ist in Bayern der Wechsel zwischen Richteramt und dem staatsanwaltschaftlichen Dienst üblich. 

Welche Aufgaben hat man als Staatsanwalt und wie sieht der Arbeitsalltag aus?

Bevor man nun überhastet zur Bewerbungsmappe greift, sollte man sich zuerst einmal vergegenwärtigen, welche Inhalte und Aufgaben den Arbeitsalltag eines Staatsanwaltes prägen. Als oberster Vertreter der Anklage ist der Staatsanwalt Teil der Staatsanwaltschaft, die sowohl Ermittlungsbehörde als auch Anklagebehörde ist. Die Staatsanwaltschaft ist somit ein elementares Organ der Rechtspflege und zum einen für die Strafverfolgung, zum anderen für die Strafvollstreckung zuständig.

Die primäre Aufgabe im Rahmen ihrer Arbeit als Ermittlungsbehörde ist es – ganz im Sinne des Legalitätsprinzips - jedem Verdacht einer Straftat nachzugehen. Ergibt sich beispielsweise aufgrund einer Strafanzeige ein sogenannter Anfangsverdacht, ist die Staatsanwaltschaft von Amts wegen dazu verpflichtet, zu ermitteln. Deshalb muss in derartigen Fällen ein Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft eingeleitet werden.

Die nun anstehenden Untersuchungen werden von der Staatsanwaltschaft und der Polizei geführt, wobei in der Praxis vor allem die Polizei tätig wird. Ziel dieser Ermittlungen ist es festzustellen, ob sich der bereits bestehende Anfangsverdacht zu einem hinreichenden Tatverdacht verdichtet oder nicht. Dieser liegt dann vor, wenn nach der vorläufigen Beurteilung der Beweislage eine Verurteilung des Beschuldigten als wahrscheinlich gilt.

Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, kann die Staatsanwaltschaft entweder das Verfahren gegen den Beschuldigten einstellen oder öffentlich Klage erheben und somit ihre Aufgabe als Anklagebehörde wahrnehmen. Ab diesem Moment wird der Beschuldigte dann auch als Angeschuldigter bezeichnet.

Übrigens: Während Richter im Rahmen ihrer rechtsprechenden Tätigkeit nur dem Gesetz unterworfen und an Weisungen nicht gebunden sind, müssen sich Staatsanwälte nach §146 Gerichtsverfassungsgesetz grundsätzlich an Weisungen ihrer Vorgesetzten halten. Dazu kommt, dass Richterinnen und Richter auf Lebenszeit auch persönlich unabhängig sind und somit normalerweise nicht gegen ihren Willen versetzt werden können.

Wer sich also schon wie Cameron Dennis aus der Serie „Suits“ vor Gericht plädieren sieht, um reihenweise Wirtschaftskriminelle dingfest zu machen, wird beim Berufseinstieg (wahrscheinlich) von der tatsächlichen Praxis etwas enttäuscht sein. Einem Staatsanwalt obliegt nämlich in erster Linie die verantwortungsvolle Leitung des strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens, die Erhebung und Vertretung der Anklage vor Gericht, sowie die Strafvollstreckung – diese Aufgaben gehen (zumindest während des Berufseinstieges) mit einer langen und anstrengenden Arbeitswoche von bis zu 60 Stunden einher und haben zumeist wenig mit aufregenden „white collar crimes“ zu tun. Das Wälzen von Akten und das Vortragen von Anklagen vor Gericht steht daher wohl eher im Vordergrund.

Berufsein- und Aufstieg eines Staatsanwalts

Natürlich spielen für Bewerber und Interessierte auch Faktoren wie Bezahlung, Arbeitsbedingungen und Aufstiegschancen eine maßgebliche Rolle bei der Berufswahl. Das lange und zähe Jura-Studium sowie die beiden knallharten Examina sollen sich ja schließlich auszahlen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Ob man seine berufliche Laufbahn als Staatsanwalt beginnt, hängt jedoch nicht zuletzt vom aktuellen Bedarf und den jeweiligen Bundesländern mit ihren üblichen Prozeduren ab. In Bayern gilt nämlich grundsätzlich, dass Nachwuchskräfte ihre Karriere entweder bei einer Staatsanwaltschaft oder bei einem Gericht beginnen – je nach Verfügbarkeit. Allerdings wechseln Assessoren, die zunächst bei einem Gericht eingesetzt werden, regelmäßig nach eineinhalb bis zwei Jahren zur Staatsanwaltschaft.

Wer allerdings direkt die Chance hatte, bei der Staatsanwaltschaft zu beginnen, bleibt dort häufig während der gesamten dreijährigen Probezeit. Danach folgt normalerweise die Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit. Das Einstiegsgehalt eines Staatsanwaltes bemisst sich – wie bei Richtern – nach der Besoldungsgruppe „R“. Dementsprechend verdient ein Staatsanwalt in Bayern beim Berufseinstieg ca. 4200 Euro brutto (R1).

Falls man sich zu diesem Zeitpunkt dann doch nicht mehr so sehr für den Beruf des Staatsanwalts begeistern kann, kann man die Möglichkeit nutzen und sich um eine freie Stelle als Richter bei einem Gericht seiner Wahl zu bewerben. Ein Berufswechsel ist also durchaus möglich.

Wer in seinem Job jedoch zufrieden ist und die Karriereleiter weiter emporklettern möchte, sollte sich um das Amt des Gruppenleiters bemühen. Weitere attraktive Beförderungsmöglichkeiten sind danach die Posten des Oberstaatsanwalts und des Behördenleiters. Hier wird bereits nach „R2“ vergütet, was ca. 5100 Euro brutto in Bayern entspricht.

Ob man seine berufliche Laufbahn als Staatsanwalt beginnt, hängt jedoch nicht zuletzt vom aktuellen Bedarf und den jeweiligen Bundesländern mit ihren üblichen Prozeduren ab.

Der Beruf des Staatsanwalts ist nicht nur gesellschaftlich angesehen und unter Nachwuchsjuristen begehrt, sondern auch tatsächlich eine attraktive Karriereoption. Allerdings ist er lediglich für diejenigen erreichbar, die mit einem starken Ergebnis im 2. Staatsexamen auftrumpfen können. Wer dann noch das anspruchsvolle Bewerbungsverfahren erfolgreich durchläuft, wird letztlich mit einem interessanten - aber zugleich auch anstrengenden - Berufsalltag konfrontiert.

Die Belohnung ist ein solides Einstiegsgehalt inklusive aller bekannter Vorteile des Beamtentums. Weitere Vorteile sind gleichermaßen die Flexibilität hinsichtlich der Option ins Richteramt wechseln zu können, sowie die diversen fachlichen Einsatzmöglichkeiten. All dies macht den Beruf des Staatsanwalts – zusammen mit dem Richteramt – wohl zu einer der attraktivsten Einstiegsmöglichkeiten in das deutsche Justizwesen.

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