Eine Frau zieht mit einem Karton aus dem Büro

Verfasst von Marie-Theres Boetzkes|Veröffentlicht am 02.10.2023

3 Warnsignale, die dir zeigen, dass du JETZT den Job wechseln solltest

Berufliche Veränderung als Jurist:in

Dieser Artikel erscheint im Rahmen unserer dreiteiligen Artikelserie mit Maresi Boetzkes. In der Artikelserie teilt Maresi ihre Erfahrungen und Learnings, die sie während ihrer eigenen beruflichen Veränderung machen durfte.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, der für mich alles veränderte. Der mir deutlich machte, dass ich SOFORT ins Handeln kommen, meinen Job kündigen und mir etwas Neues suchen musste:

Nach einem Mandantentermin saß ich abends völlig außer mir vor Frust und Verzweiflung weinend auf einem Hotelbett. Es war nichts furchtbar Schlimmes vorgefallen. Es war einfach alles so gewesen wie immer. Aber genau das war das Problem. Ich konnte so einfach nicht mehr weiterarbeiten. Nach fast zwei Jahren in meinem ersten Kanzleijob musste ich endlich ehrlich zu mir sein und Konsequenzen ziehen.

Erst einige Jahre nach diesem Zusammenbruch verstand ich, dass ich bereits über viele Monate ganz eindeutige Warnsignale ignoriert hatte, die mir eigentlich schon früh genug meldeten, dass es Zeit für einen Jobwechsel war.

Damit du dir eine solche Erfahrung künftig ersparen kannst, teile ich mit dir hier die drei wichtigsten Warnsignale, die dir zeigen, dass du schleunigst den Job wechseln solltest.

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1. Du hast nie Lust auf Arbeit

Ich bin mir fast sicher, dass du bei Punkt 1 bereits Unbehagen verspürst, richtig? Vielleicht hast du den Gedanken: „Was soll das denn für ein Warnsignal sein?“ oder „Arbeit macht halt auch nicht immer Spaß.“ oder „Was hat die denn für überzogene Ansprüche an Arbeit?“ 

Gekauft! Denn derartige Gedanken hatte ich ja auch. Irgendwie hatte ich verinnerlicht, dass Arbeit ja nicht Freizeit ist und somit auch nicht unbedingt immer mit Freude verbunden ist. In meiner Vorstellung war Arbeit anstrengend. Arbeit war etwas, wozu ich mich selbst motivieren musste und etwas, das ich natürlich nur gegen Geld tat.

Was ich erst viel später verstand (als ich endlich einen Job hatte, der mich erfüllte, der mir Spaß machte und auf dessen Inhalte ich richtig Lust hatte): Wenn ich grundsätzlich keine Lust auf einen Job habe, dann ist das wirklich ein schlechtes Zeichen – und auf jeden Fall ein Warnsignal.

Und sehen wir uns mal die harten Fakten an: Wir Jurist:innen arbeiten in der Regel mehr als 40 Stunden pro Woche. Das ist mindestens ein Drittel unserer Zeit, die uns pro Woche zur Verfügung steht (Schlaf von durchschnittlich 7 Stunden pro Nacht bereits abgezogen). Und wir sollen JEDE Woche ein Drittel unserer Zeit mit Unlust in die Arbeit gehen? 

Nicht jeder Tag muss Spaß machen

Bei alldem ist mir klar, dass nicht jede Aufgabe im Job Spaß macht und dass es auch mal richtig anstrengend sein kann. Mir geht es wirklich darum, dass es sich grundsätzlich gut anfühlen sollte. Dass du montags grundsätzlich Lust darauf haben solltest, dass wieder eine neue Arbeitswoche startet – oder zumindest auch kein Grauen davor. Falls dem nicht so sein sollte, dann solltest du dringend hinterfragen, woran das liegt.

Und hier noch etwas „Realtalk“: Ich hatte bereits nach zwei Wochen in meinem ersten Job schon keine Lust mehr – und habe mich dennoch hingequält. Woche für Woche, Monat für Monat. Hätte ich besser auf mich gehört und hätte ich mir früher die Frage gestellt, was mir dort nicht gefällt, hätte ich mir so viel Zeit und Frustration gespart. Vielleicht ist es die Art zu arbeiten, vielleicht die Struktur des Arbeitgebers, vielleicht passen aber auch einfach die Inhalte nicht. Die Gründe können so vielfältig sein. Wichtig ist, dass du sie dir bewusst machst. Das Ziel ist: Arbeit darf auch leicht und freudvoll sein. Du darfst auch als Jurist:in jeden Tag gerne und mit Lust in die Arbeit gehen.

2. Dein Selbstbewusstsein wird von Tag zu Tag schlechter

Nach zwei Examina und einer Promotion kam ich mit einem ziemlich guten Selbstbewusstsein in meinen ersten Job. Nach dem bekannten Narrativ, dass man es geschafft hat, wenn man als Jurist:in später einmal in einer Großkanzlei anheuern darf. Und dann passierte etwas, was ich so nicht erwartet hatte: Statt nach den ersten Wochen bzw. Monaten routinierter, selbstbewusster und professioneller zu werden, sank mein Selbstbewusstsein von Tag zu Tag.

Auch hier verstand ich erst nach vielen Jahren, was damals geschehen war: ich wollte gut sein und meinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht werden, tat inhaltlich aber etwas, was mich – gelinde gesagt – nicht die Bohne interessierte. Eine verheerende Situation, die oft (und auch bei mir) in einem Teufelskreis endet. Diese Irritation, die ich in mir hatte, dass irgendwas an meinem Job nicht für mich passte, führte bei mir dazu, dass ich die Arbeit, die ich zu tun hatte, nicht mit vollem Elan erledigte. 

Dadurch waren meine Arbeitsergebnisse zwar in Ordnung, aber nicht richtig gut. Dadurch war das Feedback okay, aber auch nicht mehr – und ich regelmäßig von mir enttäuscht. Im Austausch mit vielen anderen Jurist:innen habe ich dieses Phänomen schon oft erzählt und auch erzählt bekommen.

Erfolg ist relativ

Wenn der Ort, an dem du beruflich wirkst, nicht zu Deinen Interessen, Stärken, ja gar Werten passt, erfährst du nicht die Erfolgserlebnisse, die du dir wünschst. Du wirst nie richtig gut in deinem Job und auch nicht erfolgreich sein. Und mit Erfolg meine ich nicht den klassischen finanziellen Erfolg und auch nicht den Erfolg, den man mit der Karriereleiter verbindet.

Mit Erfolg meine ich: 

  • Du wirst gesehen in dem, was du tust. 
  • Du wirst gesehen in dem, was du kannst. 
  • Deine Arbeit wird geschätzt. 
  • Und du fühlst Dich stark und selbstbewusst und hast Lust, immer besser zu werden und dich weiterzuentwickeln.

Übrigens kann ein sinkendes Selbstbewusstsein auch mit den Strukturen an Deinem Arbeitsplatz zusammenhängen. Ein toxisches Umfeld, das von starker Kontrolle, mangelnder Fehlerkultur und fehlendem Vertrauen geprägt ist, ist ein Umfeld, das Menschen klein macht und klein hält.

So oder so: Dein Selbstbewusstsein sollte eher besser als schlechter werden im Job. Ist das nicht der Fall, sieh dies als Warnsignal und überdenke deine berufliche Situation. 
 

Statt nach den ersten Wochen bzw. Monaten routinierter, selbstbewusster und professioneller zu werden, sank mein Selbstbewusstsein von Tag zu Tag.

3. Dein Körper gibt dir klare Zeichen

Mein Körper gab mir damals die eindeutigsten Signale und bettelte förmlich um eine Veränderung meiner Situation. Aber als Kopfmensch mit einem beruflichen Hintergrund, der viel auf Ratio aber weniger auf Gefühl gibt, hatte ich die Verbindung zu meinem Körper irgendwie verloren. Und hatte vergessen auf ihn zu hören.

So entwickelte ich unter anderem schon nach kurzer Zeit im Job Schlafstörungen. Meine Gedanken hüpften hin und her und kamen einfach nicht zur Ruhe.

Entweder ging ich die Rechtsfragen, die mich tagsüber beschäftigt hatten in der Nacht noch einmal im Geiste durch oder aber ich stellte mir immer wiederkehrend Sinnfragen wie:

  • „Warum macht mir meine Arbeit keinen Spaß?“,
  • „Werde ich jemals eine Arbeit finden, die sich leicht anfühlt?“,
  • „Wann ist endlich wieder Wochenende?“,
  • „Warum kann ich nicht einfach zufrieden sein?“,
  • „Das macht doch alles keinen Sinn!“

Auf Warnsignale hören

Schlafen konnte ich irgendwann nur noch mit Schlafmaske und Ohropax, ich schlief erst spät ein und wachte ständig wieder auf. Und auch Bauchschmerzen waren mein steter Begleiter auf dem Weg in die Arbeit. Besonders schlimm war es Montagmorgens. Besser wurde es erst Freitagabends. Mit Yoga versuchte ich mich zu entspannen – doch eine Stunde Yoga kann kaum etwas ausrichten gegen 40 Stunden im falschen Job.

Ich bin immer noch erstaunt, wie lange ich all diese „Unannehmlichkeiten“ hinnahm und nicht handelte. Wie lange ich diese Zustände auch gar nicht so richtig bewusst wahrnahm. Auch hier kam erst Jahre später die Erkenntnis, wie positiv sich mein Schlaf verändert hatte, wie entspannt ich vor, während und nach der Arbeit plötzlich war. Weil mein neuer Job eben so viel besser zu mir und meiner Arbeitsweise passte. Weil ich dort die Strukturen vorfand, in denen sich meine Talente bestmöglich entfalten konnten und die Inhalte, die mich interessierten und mir große Lust machten, für eine Mission loszugehen. 

In dem Sinne: Hör auf deinen Körper – meistens sagt er dir recht schnell, wenn etwas nicht stimmt. Du musst ihm nur Aufmerksamkeit schenken.

Auf der Suche nach einem neuen Job?

Die letzte Bewerbung ist schon etwas her und du bist aus der Übung? Erhalte hier wertvolle Tipps und Unterstützung und erhalte Antworten auf diese und weitere Fragen:

  • Wie sieht der perfekte Lebenslauf aus?
  • Wie zeige ich meine Stärken und Erfahrungen?
  • Für welche Fragen sollte ich im Vorstellungsgespräch gewappnet sein?

→ Alles rund um die Bewerbung

Warnsignale auch bei dir – was nun?

Vielleicht erkennst du eines dieser Warnsignale auch bei dir? Du verstehst vielleicht gerade, dass du genauer hinschauen solltest, aber dir macht die Aussicht auf eine berufliche Veränderung Angst? 

An dieser Stelle will ich dir sagen: Du bist nicht allein! Die allermeisten Menschen können schlecht mit Veränderung umgehen und wollen Veränderung tunlichst vermeiden. So ging es auch mir.

Aber wie wäre es, wenn du es einmal so siehst: Wenn du gerade erkannt hast, dass Dein Job vielleicht nicht der richtige für dich ist und du etwas verändern solltest, dann bist du meinem damaligen Ich schon einmal einen großen Schritt voraus (Du hast schon mal keinen Nervenzusammenbruch auf einem Hotelbett, richtig?:)).

Geh den ersten Schritt

Du kannst nun also den ersten Schritt gehen und analysieren, was nicht passt:

  • Was zermürbt dich?
  • Was frustriert dich?
  • Was ärgert dich?
  • Was langweilt dich? 

Kannst Du irgendetwas davon direkt mit kleinen Anpassungen verändern? Vielleicht brauchst Du einfach mehr Zeit für Dich? Passt es für dich besser, weniger zu arbeiten, um wieder mehr Freude in an der Arbeit zu empfinden? Vielleicht bist du im falschen Rechtsgebiet und kannst ohne großen Aufwand die Abteilung wechseln? Mit welcher minimalinvasiven Maßnahme wird es vielleicht schon ab morgen direkt besser für dich?

Wenn du mehr hierzu erfahren willst, dann darfst du dich bereits auf meinen nächsten Artikel in dieser Reihe zum Thema: „Berufliche Veränderung als Jurist:in" freuen, der in zwei Wochen erscheint. Und falls du Fragen haben solltest oder eine Erfahrung oder einen Impuls dazu mit mir teilen willst, freue ich mich sehr, wenn du mir eine E-Mail schreibst.

Bis dahin hab es gut und vergiss nicht: „Mit Jura kannst du alles machen!“

Deine Maresi

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Marie-Theres Boetzkes
Business Development & Trainerin

Dr. Marie-Theres „Maresi“ Boetzkes ist studierte und promovierte Juristin. Nach einigen Jahren in der Kanzleiwelt beschloss Maresi frei nach dem Motto „Mit Jura kannst du alles machen!“ ihren ganz eigenen unkonventionellen Karriereweg als Juristin einzuschlagen. Sie hat seither als Business Developerin, Trainerin für Potenzialentfaltung und Fundraiserin gearbeitet und unterstützt seit 2023 Jurist:innen dabei, ebenfalls berufliche Erfüllung zu finden. Zur Website: https://mitjurakannstduallesmachen.de