Dr. Friedrich Gebert | ARQIS

 Veröffentlicht am 07.02.2022.

„Aus meiner Sicht gibt es derzeit kein spannenderes Feld!“

ARQIS-Partner Dr. Friedrich Gebert über den Aufbau der Einheit Öffentliches Wirtschaftsrecht, die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit und die Arbeit in der „Big Law Boutique“

Dr. Friedrich Gebert ist seit 2021 bei ARQIS, seit Januar 2022 ist er Mitglied der Partnerschaft. Nach beruflichen Stationen in einer internationalen Großkanzlei und einer auf das öffentliche Recht spezialisierten Kanzleiboutique, baut er seit dem vergangenen Jahr den Fachbereich öffentliches Wirtschaftsrecht bei ARQIS auf und aus. Einer seiner Beratungsschwerpunkte liegt im Planungs- und Umweltrecht:

„Bei ARQIS konzentrieren wir das öffentliche Wirtschaftsrecht auf die drängenden Fragen der nächsten Generation. Es geht um die neue EU-Green-Deal-Regulierung, Climate Change Law, Nachhaltigkeit, die Kreislaufwirtschaft und die Verkehrswende. Unser Ziel ist es, eine möglichst dekarbonisierte und funktionierende Wirtschaft zu erreichen. Dafür begleiten wir unsere Mandantinnen und Mandanten umfassend bei allen Fragen des öffentlichen Rechts, aber auch in enger Zusammenarbeit mit unseren Fokusteams, also der Transaktionsberatung, HR.Law, Data.Law und Risk sowie bei der Beratung unserer japanischen Mandantinnen und Mandanten.“

Herr Dr. Gebert, Sie sind seit Mai 2021 als Counsel bei ARQIS im Bereich „Public and Regulatory Law“ tätig und zum Januar 2022 in die Partnerschaft aufgenommen worden. Wie sind Sie zu der Kanzlei gekommen und was sind Ihre Beratungsschwerpunkte?

ARQIS hatte das öffentliche Wirtschaftsrecht noch nicht besetzt. Das war für mich eine einmalige Chance, denn ich habe in meinen bisherigen Stationen festgestellt, dass mir gerade der Aufbau einer Einheit viel Freude bereitet. ARQIS steht in der Beratung seiner Fokusgruppen für Spitzenqualität. Das öffentliche Wirtschaftsrecht auf so ein Niveau hin zu entwickeln, ist eine einmalige Chance und eine große Herausforderung für mich. 

Das Ziel unserer Einheit ist es, bis zum Jahr 2050 die Ziele des EU Green Deals zu begleiten und in einen gewinnbringenden Ausgleich mit dem Industriestandort zu bringen. Schwerpunkt sind die daraus gerade entstehenden neuen Regulierungen, aber auch Climate Change Law, Nachhaltigkeit, die Kreislaufwirtschaft und die Verkehrswende. 

Das führt uns in spannende Bereiche wie die Nachhaltigkeit in der Modeindustrie oder die neue Regulierung im Quick-Commerce-Sektor. Ebenso können wir Solar- und Windparkprojekte unterstützen. Diese erreichen inzwischen Größenordnungen, die ganze Kraftwerksblöcke ersetzen. Es sind wahnsinnig spannende Verfahren.
 

Sie haben das Fachgebiet Öffentliches Recht, das bis zu Ihrem Einstieg noch nicht inhouse war, besetzt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb Ihres Teams und arbeiten Sie auch mit anderen Praxisgruppen zusammen?

Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Wir unterstützen fachübergreifend alle Bereiche der Kanzlei bei öffentlich-rechtlichen Fragen. Es gibt immer neue Themen: Unsere Mandantinnen und Mandanten im Japan Desk haben ganz andere öffentlich-rechtliche Fragen als es etwa die Begleitung der Transaktionen erfordert. Wir unterstützen auch, wenn im Team Risk zum Beispiel eine Versicherung eine Garantie aus den Transaktionen versichern will und uns fragt, wie hier das Risiko zu bewerten ist. 

ARQIS ist eine „Big Law Boutique“. Auf der einen Seite sind wir hoch spezialisiert und bieten Fokusgruppen auf Weltklasseniveau. Zugleich können wir für unsere Mandanten Full-Service-Beratung bieten. Das setzt eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit aller Teams voraus. 

Sie sind somit für den Aufbau der neuen Einheit des Öffentlichen Wirtschaftsrechts bei ARQIS verantwortlich. Welche Herausforderungen sind Ihnen hierbei begegnet?

Der Aufbau der neuen Einheit ist eine riesige Freude. Ich kann hier den inhaltlichen Schwerpunkt setzen, die tägliche Arbeit formen und wir haben mit einem jungen und dynamischen Team alles auf die Themen der Zukunft ausgerichtet. Die zeitliche Herausforderung, die das mit sich bringt, ist intensiv, ich nehme sie aber fast immer sehr gerne an. Ich bin im Öffentlichen Recht zuhause und mag die Arbeit an Details, aber unser Team arbeitet mit Transaktions-DNA und will zügig klare Ergebnisse liefern. 
 

Regulatorische Folgen EU Green Deal: Sie begleiten die Mandantinnen und Mandanten bei der Regulierung im deutschen und europäischen Recht. Wie laufen solche Beratungen ab und gibt es ein Projekt, an das Sie sich besonders erinnern?

Die Beratung des EU Green Deals ist für unsere Mandantinnen und Mandanten von ganz zentraler Bedeutung. Das geht weit über das öffentliche Wirtschaftsrecht hinaus. Die Ziele des Green Deals wälzen gerade sämtliche Bereiche des Wirtschaftslebens um. Das geht bei den neuen Vorgaben für „sustainable finance“ los und hört bei den neuen beihilferechtlichen Kriterien mit Rücksicht auf den Klimawandel auf. 

Derzeit besonders spannend ist das Beispiel der Modebranche. Hier wurde erkannt, dass Nachhaltigkeit zu einem zentralen Risiko des Geschäftsfeldes werden kann. Wir können dabei in der alltäglichen Beratung unterstützen und genehmigungsrechtliche Fragen bewerten oder Behördenprozesse begleiten. Zugleich helfen wir beim Blick in die Zukunft: Was kommt aus regulatorischer Sicht auf das Unternehmen noch alles zu? 
 

Durch den Klimawandel wird folglich die gesamte Bandbreite des wirtschaftsrelevanten Umwelt- und Regulierungsrechts neu aufgestellt. Haben sich bereits in den letzten Jahren große Gesetzesänderungen ergeben?

Ja, hier tut sich derzeit an jeder Stellschraube etwas. Seit 2021 gibt es einen nationalen Emissionshandel, der nicht an die Anlage und ihren Ausstoß anknüpft, sondern an den Rohstoff selbst (Öl, Gas, Kohle). Zudem wird es bald eine europäische Grenzsteuer für den Import von Produkten geben, die im Herkunftsland noch nicht einer CO2-Besteuerung unterlagen. Unternehmen werden EU-weit neue Berichtspflichten auferlegt, die Nachhaltigkeit ins Zentrum stellen. 

Die beiden wichtigsten Instrumentarien aus 2021 sind aus meiner Sicht das Urteil des Bundesverfassungsgerichts und das daraufhin nachgebesserte Klimaschutzgesetz der Bundesregierung. Klimaneutralität hat nun Verfassungsrang. Die Entscheidung ist rein rechtswissenschaftlich betrachtet zumindest spannend, die fachwissenschaftlichen Grundlagen kann man mit der Lupe auch noch einmal genau betrachten.

In ihren Folgen ist die Entscheidung nun aber unumstößlich: Sie wird als Meilenstein auf sämtliche Behördenentscheidungen und Abwägungen des Gesetzgebers durchschlagen. Es gibt nun ein CO2-Restbudget für das Land, zudem sektorspezifische Minderungsziele bis 2030 und 2050. 

„THE ARQIS WAY OF PERFORMING"

Hatten Sie bereits während Ihres Studium Kontakt mit dem Bereich Öffentliches Wirtschaftsrecht und Umweltrecht und sollte der Bereich Umweltrecht Ihrer Meinung nach stärker in den Lehrplan eingebunden werden?

Das klassische Umwelt- und Planungsrecht ist ein guter Bestandteil der Ausbildung – und war es auch für mich. Der Lehrplan könnte aus meiner Sicht in Zukunft noch mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutzfragen ausgedehnt werden. Früher hat man bei „Umwelt und Planung“ an industrielle Großanlagen und die Genehmigung von Großvorhaben gedacht. Heute sind Themen wie Nachhaltigkeit, climate change litigation und Klimaschutzrecht mindestens ebenso gewichtig hinzugetreten. Diese neuen Themen bergen immens wichtige Fragen, die sich nicht alle mit den bisherigen rechtlichen Werkzeugen beantworten lassen.
 

Vor Ihrem Einstieg bei ARQIS waren Sie bereits in anderen Kanzleien im Öffentlichen Wirtschaftsrecht tätig. Ist berufliche Vorerfahrung Ihrer Ansicht nach ein „Muss”, um bei einem Aufbau einer neuen Einheit mitzuwirken und als Anwältin oder Anwalt in diesem Fachbereich beraten zu können?

Meine berufliche Vorerfahrung hat für den Aufbau der neuen Einheit bei ARQIS einen entscheidenden Unterschied gemacht. Ich hatte eine sehr gute Ausbildung bei überaus erfahrenen Anwälten im Umwelt- und Planungsrecht. Das hat mir die Basis verschafft und es hilft mir beim Umgang mit neuen rechtlichen Themen und vor allem bei der Gewichtung der immer lauernden Risiken. Ohne diese Grundlagen wäre ein Start, wie er jetzt bei ARQIS geglückt ist, aus meiner Sicht nicht möglich gewesen. 
 

Was macht das Öffentliche Wirtschaftsrecht und Umweltrecht für Sie so spannend und wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Vor zehn Jahren war das Umweltrecht ein Randbereich und führte ein Schattendasein. Inzwischen ist das Thema ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Aus meiner Sicht gibt es derzeit kein spannenderes Feld. Regulierung und Klima entscheiden die politischen Wahlen und elektrisieren die Bevölkerung.

Den regulatorischen Rahmen für die Dekarbonisierung einer Industrienation zu begleiten und zu gestalten, ist sicherlich eine zentrale Aufgabe unserer Generation. Hier sind sehr unterschiedliche Ziele zu vereinen. Ohne die heutigen Arbeitsplätze der Industrienation werden wir die Dekarbonisierung jedoch finanziell nicht schaffen – spannender geht es aus meiner Sicht nicht. 

Die Beratung des EU Green Deals ist für unsere Mandantinnen und Mandanten von ganz zentraler Bedeutung. Das geht weit über das öffentliche Wirtschaftsrecht hinaus.
Dr. Friedrich Gebert

Werden neue Associates in Ihrem Team direkt in Fälle eingebunden und arbeiten eigenständig an Mandaten?

Neue Associates werden im Team unbedingt sofort in die Mandate eingebunden. Sie sind auch unmittelbar im Kontakt mit unseren Mandantinnen und Mandanten. Die Qualität der Arbeit ist natürlich der zentrale Maßstab. Die Lernkurve ist nicht nur in den ersten Monaten und Jahren hoch – sie hört auch später nicht auf. Das schließt mich ein. Markups dürfen daher nie als Abschreckung gesehen werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das weh tut und auch Zeit rauben kann, aber es bringt uns voran und baut Stück für Stück unseren Erfahrungsschatz auf. 

Sie arbeiten nicht nur mit deutschen, sondern auch mit ausländischem Recht – Fremdsprachenkenntnisse sind also unumgänglich. Welche weiteren Qualifikationen und Interessen sollten Anwältinnen und Anwälte für die Arbeit in Ihrem Fachbereich mitbringen?

Der sichere Umgang mit juristischem Englisch ist unumgänglich. Darüber hinaus halte ich es für sehr wichtig, dass junge Anwältinnen und Anwälte Neugier und das Vermögen zu kritischen Fragen mitbringen. Die besten juristischen Produkte entstehen immer erst dann, wenn man mit einer gewissen Freude auch die letzten Details ausleuchtet und weiter hinterfragt.

Hinzu kommt ein weiterer sehr wichtiger Schritt: die Brille der Mandantinnen und Mandanten aufzusetzen und Fragen so knapp, klar und einfach wie möglich zu beantworten. Das kann schmerzlich sein, denn aus einer langen Recherche wird ein knapper Bullet. Mehr will die Mandantin oder der Mandant aber nicht und die Recherche war deswegen nicht weniger wichtig. 
 

Neben der Beratung in den Schwerpunktbereichen EU Green Deal und Energiewende bilden Sie mit Ihrem Team die öffentliche-rechtliche Seite des M&A-Geschäfts ab. Welche Aufgaben umfasst dieser Bereich und arbeiten Sie hierfür in größeren Teams?

Wir verstehen uns ganz bewusst als Anwältinnen und Anwälte mit Transaktions-DNA. Nicht nur weil Transaktionen immer wieder Bestandteil unserer Arbeit sind. Wir wollen dann bestmöglich zuarbeiten und sind innerhalb größerer Teams tätig. Aber die Transaktions-DNA hilft gerade dem typischen „ÖffRechtler“, immer mit Zug zum Tor zu schreiben. Sie fördert das gewünschte zügige Antworten, ein schnelles Durchdringen der immer wieder neuen Rechtsfragen und eine knappe Darstellung der Risiken aus öffentlich-rechtlicher Sicht. 

ARQIS-Partner Tobias Neufeld im Podcast New Lawyers

Tobias Neufeld ist Rechtsanwalt und berät Unternehmen unter anderen zur Datenschutz Compliance. Er ist spezialisiert auf die Bereiche Digitalisierung und Unternehmensverantwortung. Darüber hinaus ist er Gründer und Leiter von Data.Law bei ARQIS, einer neuen ganzheitlichen Beratungslösung für datenbezogene Rechtsfragen.

Mit Alisha Andert spricht er natürlich über den Umgang mit Daten, digitale Ethik und warum das Thema auch für Unternehmen an Bedeutung gewinnt.

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Sind Gerichtsverfahren sowohl im Öffentlichen Wirtschaftsrecht als auch im Umweltrecht Bestandteil Ihrer täglichen Arbeit?

Gerichtsverfahren sind in der Tat ein großer Bestandteil unserer Beratung. In unserem Team werden mehrere öffentlich-rechtliche Verfahren geführt. Das reicht von Widerspruchsverfahren bei Behörden bis zu den sich anschließenden Verfahren vor den Verwaltungsgerichten in allen Instanzen. Auch Klagen vor den ordentlichen Gerichten oder zum Beispiel Schiedsgerichten begleiten wir, wenn es im Kern um einen öffentlich-rechtlichen Streit geht. 
 

Inwiefern können Sie und ARQIS Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowohl auf ihrem Karriereweg als auch bei der fachlichen und persönlichen Weiterbildung unterstützen?

Für interessierte Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger mit einem klaren Ziel versuchen wir alles möglich zu machen. ARQIS ist hier aus meiner Sicht sehr professionell aufgestellt. Das HybridWork@ARQIS-Konzept bietet alle individuellen Möglichkeiten. Es gibt eine ARQIS Academy für Weiterbildungen, man ist beim HR-Team hier – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – in den besten Händen. 

Was möchten Sie jungen Juristinnen und Juristen mit auf den Weg geben, die sich für das Öffentliche Wirtschaftsrecht und Umweltrecht interessieren und sich auf diesen Fachbereich spezialisieren wollen?

Beschäftigen Sie sich mit den Fragen der Zukunft. Wie konkret können eigentlich Unternehmen mit Blick auf den Klimawandel verklagt werden, wie kann man Klimafolgen hier zurechnen? Was folgt in den nächsten 20 Jahren aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, die Erreichung von Klimaneutralität habe Verfassungsrang? Wie wird das auf jede Entscheidung der Planungsbehörden in Deutschland durchschlagen? Wo kommt der massive Mehrbedarf an Strom her, wenn wir nun so viele weitere Sektoren elektrifizieren? 

Wenn Sie das öffentliche Recht mögen, nutzen Sie jede Möglichkeit, diese zentralen Fragen mit Sachverstand und Vernunft aufzubohren und dann für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten. 
 

Ihr Fazit?

Der EU Green Deal wird in den kommenden Jahren noch viele neue Herausforderungen bereithalten. Es ist ein Transformationsvorhaben für ganz Europa, mit immensen Folgewirkungen. Wir wollen als Team dazu beitragen, Lösungen für die drängenden Fragen der Zeit zu finden. Unser Ziel ist es, das Wirtschaftsleben gewinnbringend zu begleiten und unsere Fachkenntnisse für eine nachhaltigere Zukunft einzusetzen.
 

Vielen Dank, Herr Dr. Gebert!

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