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Jura Doktorarbeit - Timing & Motivation?

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Jura Doktorarbeit - Timing & Motivation?

Richtiger Zeitpunkt und Tipps zur Motivation...


Der Doktortitel.
In der Medizin und bei den Naturwissenschaften, wie Physik oder Chemie, ist er quasi Pflicht. Aber auch der juristische Doktortitel ist nach wie vor sehr beliebt, immer mehr Kanzleien stellen bevorzugt junge Juristen mit abgeschlossener Promotion ein. Daran haben selbst etwaige Plagiatsaffären aus der jüngeren Vergangenheit nichts geändert.

 

Eine ordentliche Doktorarbeit ist aber in aller Regel ein Projekt, das viel Zeit und Ausdauer erfordert. Deshalb sind zwei Fragen genauer zu beleuchten, namentlich wann der geeignetste Zeitpunkt für die Promotion ist und wie man die entsprechende Motivation aufbringt, um ein solches Projekt auch erfolgreich zu Ende zu führen.

 

1. Wann beginne ich mit meiner Dissertation am sinnvollsten?

Zu den Planungen einer Promotion gehört selbstverständlich auch die Wahl des richtigen Zeitpunkts, also wann mit der Doktorarbeit überhaupt begonnen werden sollte. Bei der juristischen Dissertation kommen schließlich mehrere Möglichkeiten in Betracht, insbesondere unmittelbar nach dem:

  • ersten Staatsexamen, aber noch vor dem Referendariat
  • ersten Staatsexamen und parallel zum Referendariat
  • zweiten Staatsexamen und berufsbegleitend
  • zweiten Staatsexamen, aber nicht berufsbegleitend.

Der richtige Zeitpunkt für eine Promotion ist unter anderem vom Inhalt der Doktorarbeit abhängig. Eine Dissertation, die Grundsatzfragen behandelt, etwa Wahlgrundsätze, sittenwidrige Rechtsgeschäfte oder strafrechtliche Verantwortlichkeit, lässt sich in aller Regel in einem großzügigeren Zeitraum schreiben als eine Dissertation, die auf aktuell brisante Probleme eingeht.

Dazu gehören etwa rechtliche Folgen des Brexits, konkrete Entscheidungen der Europäischen Union oder steuerrechtliche Fragen. Der Zeitraum für eine Doktorarbeit kann allein deshalb bereits zwischen zwei und fünf Jahren liegen. Einige wenige Doktoranden schaffen ihre Promotion sogar innerhalb eines Jahres.

Dazu muss sich aber zum einen das gewählte Thema anbieten, zum anderen wird die Promotion zur Vollzeitarbeit. Dies ist also nur dann möglich, wenn eine entsprechende finanzielle Absicherung gegeben ist, zum Beispiel durch eigenes Vermögen oder ein Stipendium.

Alternativ versuchen viele Promovenden eine der beliebten (halben) Stellen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl zu ergattern. Diese sind oftmals auf zwei bis fünf Jahre befristet, um einen Zeitrahmen für die Promotion zu liefern.

Aber auch Kanzleien bieten Stellen als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an. Dort wird man zumeist ein bis zwei Tage in der Kanzlei eingesetzt und kann sich den Rest der Woche voll und ganz auf die Promotion konzentrieren. Zusätzlich verliert man auch nicht ganz so sehr den Praxiskontakt und bei manchen Themen bietet sich der Praxiskontakt natürlich an.

Hier geht es zur Jobsuche für entsprechende Stellen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Bestimmung des richtigen Zeitpunkts für eine Promotion ist, wie bereits angedeutet, die Wahl des Promotions-Themas. Das Dissertationsthema bestimmt nicht nur die Betreuerwahl, sondern es bildet vor allem das Fundament der gesamten Doktorarbeit. Nicht zuletzt deshalb kann die Themensuche an sich bereits bis zu drei Monate oder sogar länger dauern.

Allein daher ist es sinnvoll, sich möglichst frühzeitig für ein Thema zu entscheiden. Die Themenfindung gilt zuweilen jedoch als nervlich anstrengendster Teil der gesamten Arbeit. Grund dafür ist, dass man zu Beginn noch nicht so recht weiß, ob die Thematik wirklich etwas hergibt. Dies lässt sich oft nur dann herausfinden, wenn man sich in mehrere Themenbereiche eingearbeitet hat.

Ferner stellt der angedachte Umfang der Dissertation einen wichtigen Faktor für die Bestimmung des richtigen Zeitpunkts dar. Eine Doktorarbeit kann zwischen 150 und sogar mehr als 500 Seiten Umfang aufweisen. Eine zu hohe Anzahl an Seiten wird sicherlich nicht nur die Gutachter ärgern, sondern sie allein ist mitnichten ein Qualitätsmerkmal einer juristischen Dissertation.
 

Kurzum:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wann eine juristische Promotion angegangen werden kann. Der individuell richtige Zeitpunkt hängt jedoch von vielen verschiedenen Faktoren ab und kann deshalb nicht allgemeingültig bestimmt werden. Ratsam ist jedenfalls eine frühzeitige Wahl des Themas, aus der sich ein Überblick über die Aktualität sowie des angedachten Umfangs ergibt. Erst dann sind Finanzierungsfragen und persönliche Präferenzen mit einzubeziehen.


 

2. Wie behalte ich mir die entsprechende Motivation für eine Dissertation?

Bei einem so zeitintensiven Projekt, wie eine Promotion, wird Durchhalten zur Überlebensstrategie, insbesondere da sich das Arbeitsmuster oftmals wiederholt:

Der Doktorand forscht, liest, denkt, diskutiert, schreibt.

Dabei stellen sich unvorhergesehenen Fragen und sodann heißt es erneut: Der Promovend forscht, liest, denkt, diskutiert, korrigiert beziehungsweise schreibt ;).

Dieses jahrelange Procedere - nicht selten gepaart mit temporären Selbstzweifeln und zahlreichen Schwierigkeiten beim Erstellen der Arbeit („Schreibblockaden“ o.ä.) - kann durchaus an den Nerven zehren. Ohne die nötige Selbstmotivation kann sich dadurch außerdem auch eine Frustration einstellen.

  • Ein Mittel hiergegen sind unter anderem fest geplante Auszeiten, die genutzt werden sollten, um einen Ausgleich zu schaffen, etwa durch Sport, Freunde etc.
  • Ein weiteres Mittel gegen die Promotionsdepression ist das Schaffen einer Routine beziehungsweise einer Gewohnheit beim Arbeiten, etwa der immer gleiche Ablauf des Tages, der gleiche Arbeitsplatz (der eine konstruktive Arbeitsatmosphäre schafft, das heißt ordentlich usw., sein sollte) etc.
  • Ferner hilft es zur Selbstmotivation, sich stets kleine und durchaus erfüllbare Ziele zu setzen, sei es lediglich eine gewisse Anzahl an Artikel zu lesen oder eine bestimmte Anzahl von Seiten zu schreiben. Sinn und Zweck ist es, dass diese Ziele erreicht werden, um dadurch ein Erfolgserlebnis zu haben und einen positiven Schub zu erhalten.
  • Schließlich kann die notwendige Selbstmotivation auch durch „What’s my why?“ gefunden werden, also mit der Frage, wieso man sich für ein Dissertationsprojekt überhaupt entschieden hat, sei es zum Beispiel ein genuines Forschungsinteresse („Ich muss das herausfinden!“), bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt beziehungsweise höheres Gehalt etc.


Oberstes Motto einer Promotion ist das ‚Durchhalten‘. Der mit einer Dissertation einhergehende immer größer werdende Frust lässt sich mit freizeitlichem Ausgleich, Routine beziehungsweise Gewohnheit und erfüllbaren Zwischenzielen in Zaum halten, womit ein Durchhalten bis zum Ende der Promotion ermöglicht wird.

 

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08. September 2017


Sebastian M. Klingenberg

Autor:

Sebastian M. Klingenberg

hat an der JGU in Mainz Jura studiert, wo er derzeit auch promoviert (Jugend-/Strafrecht & Kriminologie). Nebenbei schreibt er freiberuflich diverse Artikel, die auch auf seinem Blog zu finden sind.

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