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Ein Auslandssemester in Lausanne

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Ein Auslandssemester in Lausanne

Deutsches Recht auf Schweizer Boden?

 

Ein Auslandssemester ist für viele Studierende zum Must-Have geworden. Die Frage des „Ob“ erlebte eine Transformation zum schlichten „Wann“ und „Wohin“. Ein wenig vorbeigegangen ist dieser Trend an angehenden Juristen. Zwar sind auch hier Austauschsemester keine Unbekannte. Da sich das Studium des deutschen Rechts allerdings selten sinnvoll im Ausland weiterführen lässt, sind Auslandssemester bei Weitem nicht so gängig, wie in anderen Studiengängen. Das ohnehin schon lange Studium verbietet dem einen oder anderen, eine „Auszeit“ für ein oder zwei Semester zu nehmen – andere wollen auf ihrem Weg zum Volljuristen einfach keine Zeit verlieren.

 

Sonderfall „Chaire de droit allemand“ an der Universität Lausanne

In den schweizerischen Alpen, genauer gesagt am wunderschönen Genfer See, war man sich dieses Problems offenbar bewusst. Die Universität Lausanne schuf so etwas, was seither seinesgleichen in Europa sucht: Einen Lehrstuhl für deutsches Recht. Ganzjährlich – wie in Deutschland gibt es auch in Lausanne zwei Semester pro Jahr – wird hier die Übung im Zivilrecht für Fortgeschrittene angeboten. In den Frühjahrssemestern findet zudem noch die Übung für Fortgeschrittene im Öffentlichen Recht statt. Ergänzt wird das Studienangebot durch Vorlesungen im internationalen Wirtschaftsrecht, im internationalen Privatrecht, dem deutschen Zivilprozessrecht im Vergleich mit der schweizerischen Prozessordnung, einem zivilrechtlichen Wiederholungskurs sowie verschiedenen Seminaren.

Alles schön und gut, mag sich der interessierte Leser denken, gleichzeitig aber schon sich selbst vor dem heimischen Prüfungsamt um die Anerkennung seiner Leistungen aus dem Ausland streiten sehen. Doch auch hier kann die Universität Lausanne mit breiter Brust vorangehen:

Die an der Universität Lausanne erworbenen Scheine im deutschen Recht werden von deutschen Prüfungsämtern in der Regel problemlos anerkannt.

Ein vorheriges Gespräch mit dem zuständigen Prüfungsamt ist natürlich dennoch empfehlenswert, die Studienleistungen und Angebote aus Lausanne sind jedoch flächendeckend sowohl be- als auch anerkannt.

 

Networking par excellence

Darüber hinaus punktet der Lehrstuhl mit einem besonderen Draht zu Wirtschaft und Politik. Seminare und freizeitliche Aktivitäten mit internationalen Großkanzleien finden regelmäßig statt. Besuche beim Bundesgericht – praktischerweise in Lausanne selbst gelegen – oder bei den Vereinten Nationen in Genf gehören ebenso dazu wie gesellige Abende mit Alumni, die in einem intensiv geführten Alumni-Netzwerk organisiert sind. Lausanne ist also nicht nur für den Moment, sondern auch auf die Zukunft bedacht.

 

Wehmutstropfen Lebensunterhaltskosten & Wohnungssuche

Einen kleinen Haken hat das Ganze dennoch: Lausanne ist wie die gesamte Schweiz kein günstiges Pflaster. Die monatlichen Kosten belaufen sich je nach Lebensstil und „Glück“ auf dem Wohnungsmarkt zwischen 1000 und 1400 Euro. Unterstützung bei der Finanzierung bieten dabei einige Auslandsstipendien und auch das Erasmusprogramm. Ein frühes Informationsgespräch empfiehlt sich daher dringlich. Der bereits angesprochene Wohnungsmarkt ist zudem mehr als angespannt – frühes Bemühen um eine Unterkunft ist daher ebenfalls Pflicht. Spontanes vor-Ort-Suchen ist mehr als riskant. Anlaufstellen sind auch hier typischerweise Wohnheime und örtliche Ausschreibungen.

 

Was Lausanne sonst noch zu bieten hat...

… lässt sich nicht so einfach zusammenfassen, es ist einfach so viel. Der Genfer See lädt zum Flanieren, Schwimmen und Wassersport ein. Die Universität unterhält sogar eine eigene Segelschule. Dasselbe gilt für Wintersport in den Alpen direkt vor der Tür. Die Universität bietet kostengünstige Skifreizeiten in der hauseigenen Skihütte an.

Darüber hinaus bietet Lausanne als Studentenstadt eine Vielzahl von Ausgehmöglichkeiten und kulturellen Angeboten. Doch nicht nur mit sich selbst kann Lausanne groß aufwarten – auch die geographische Lage tut ihr Übriges dazu. Die umliegenden Länder wie beispielsweise Italien oder Frankreich sind schnell und verhältnismäßig kostengünstig zu erreichen und auch die nähere Umgebung in der Schweiz selbst liest sich nicht nur im Reiseführer vielversprechend. Wer sich selbst ein Bild der verschiedenen Möglichkeiten in Lausanne und Umgebung machen möchte, der sei auf die vielen Erfahrungsberichte deutscher Austauschstudenten auf der Homepage des Lehrstuhls verwiesen.

Aktuelle Impressionen vom Lehrstuhl für deutsches Recht findet man auf der Facebook-Seite CDA.

Bewerbungsfrist

Die nächste Bewerbungsfrist für das Frühjahrssemster 2017 endet am 30. November 2016.

Die Bewerbung für ein Studium am Lehrstuhl für Deutsches Recht kann man online auf der Internetseite des Immatrikulationsbüros der Universität Lausanne vornehmen.

Bei Rückfragen kann man sich auf der Homepage des Lehrstuhls für deutsches Recht genauer informieren.

 

Wer sich für einen Auslandsaufenthalt interessiert, aber eigentlich kein Semester „verlieren“ möchte und sich ein Leben zwischen See und Alpen vorstellen kann, dem sei Lausanne wärmstens ans Herz gelegt. Die Universität und Stadt bieten sowohl dem karrierebewussten Nachwuchsstar als auch dem kulturell interessierten Reisenden so gut wie alles, was das Herz begehrt. Einzig und allein Kosten und administrative Hindernisse sind negativ zu bewerten – ansonsten lässt es sich in der französischsprachigen Schweiz sehr gut leben – übrigens auch ohne besonders gute Französischkenntnisse, denn das Studium ist größtenteils auf Deutsch, die gängige Sprache aufgrund der internationalen Studentenschaft eher Englisch und das gesprochene Französisch ist deutlich reiner und langsamer als das der eigentlichen Franzosen. Eine Sprachbarriere ist also ebenso wie Langeweile nicht zu befürchten!

 

03. August 2016


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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