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19. November 2014

Experteninterview: So zieht man sich als Jurist an - Der Dress Code für Juristen

Oder: Wie asiatische Mandanten im Rheinland das Fürchten lernten

#Praktikum

Es ist gar nicht so leicht, sich als Jurist „passend“ zu kleiden. Als wir bei der Recherche nach einheitlichen Kleidervorschriften nur noch Krawatten, Blusen und Kragenformen sahen, haben wir beschlossen, uns Unterstützung zu holen. Deshalb haben wir uns die Expertin Frau Dr. Laura Kubach ins Boot geholt, die uns sowohl als Rechtsanwältin als auch als Gründerin eines Modelabels mit hervorragendem Fachwissen zur Seite steht. Lies jetzt, was du als Jurist und Juristin zur Arbeit anziehen solltest, und wie asiatische Mandanten im Rheinland das Fürchten lernten.

 

„Es kommt darauf an“: Der Unterschied zwischen Großkanzleien und kleineren Kanzleien

Frau Dr. Kubach spricht aus Erfahrung, wenn sie von den Unterschieden bei den Unterschiedlichen Kanzleien spricht. Der Wechsel von einer Großkanzlei in eine kleinere Kanzlei bedeute für sie (unter anderem) einen Tausch von Kostüm und Hosenanzug gegen fahrradtaugliche Jeans:

 

Der Vorteil in einer kleineren Kanzlei mit logischerweise auch weniger Mandantenbesuchen ist ja der, dass man vorher weiß, wann ein Termin ansteht, für den man sich als „Anwältin“ verkleiden sollte. Für einen normalen Bürotag, an dem ich mit den Mandanten ganz unsichtbar telefoniere und maile, ziehe ich daher das an, wonach mir gerade ist. Sollte dann aus heiterem Himmel doch ein Mandantentermin drohen, habe ich für den Notfall immer ein komplettes Business-Outfit im Büro hängen

„In der Großkanzlei muss man dagegen ständig für ganz hohen Besuch gestylt sein – schließlich könnte einem der Geschäftsführer eines Aktienkonzerns zufällig auf dem Flur begegnen…“

 

Gefährliches Rheinland: Verkleidete, wildgewordene Frauen schneiden asiatischen Mandanten die Krawatten ab

Frau Dr. Kubach erzählt: „Mein absolutes Highlight einer Großkanzlei im Rheinland war in diesem Zusammenhang der „Leitfaden zum Umgang mit rheinischer Karnevalskultur“ – um asiatischen Mandanten den Schrecken zu nehmen, wenn sich plötzlich verkleidete, wildgewordene Frauen mit Scheren auf ihre Krawatten stürzen sollten.“

 

 

Klassisch: So zieht Mann sich als Jurist in konservativen Kanzleien an

-Anzug:

  • setze auf zeitlose Klassiker, die du noch länger anziehen kannst

  • bei konservativen Kanzleien: kein beige oder braun als Anzugsfarbe

  • Dezente Muster wie Nadelstreifen

-Hemd:

  • hell, oft weiß oder hellblau

  • Kragen: Haifisch- oder Kentkragen

  • gern gesehen: starke Kontraste zwischen Hemd und Anzug, etwa schwarz-weiß

-Gürtel: ja, immer!

-Schuhe:

  • in konservativen Kanzleien schwarz, vor allem abends nie braune Schuhe tragen

  • Gürtel und Schuhe sollen zueinander passen

-Socken: schwarz

 

„Ach schau mal, wie niedlich, eine junge Juristin!“: Kostüm oder Hosenanzug?

Die Unsicherheit junger Berufsanfängerinnen im Bezug auf die richtige Kleiderwahl kann Frau Dr. Kubach gut nachvollziehen: „Ich habe mich gerade als Berufsanfängerin immer sehr unwohl gefühlt, wenn ich – vorzugsweise in einer reinen Männerrunde – diese „Ach-schau-mal-wie-niedlich-Blicke“ bekommen habe. Dem habe ich daher gern mit einem besonders strengen, selbstbewussten Look (z.B. dunkle, eher maskulin geschnittene Hosenanzüge) entgegenzuwirken versucht.“

Frau Dr. Kubach rät jungen Juristinnen: „Einer jungen Juristin würde ich also vor allem raten, sich so anzuziehen, dass sie selbstbewusst auftreten kann, weil sie sich wohl fühlt. – Und zwar nicht deshalb, weil die Kleidung besonders bequem ist, sondern weil sie einerseits zur Situation passt und andererseits dieses gewisse „Power“-Gefühl vermittelt. Das kann eben auch nicht jeder x-beliebige Hosenanzug und manchmal muss hier zum Berufsstart erst einmal ein bisschen investiert werden – das lohnt sich aber! (und macht daneben auch noch Spaß).“

Sie schlägt auch vor, bei Unsicherheit einfach mal nachzufragen: „Ich habe mal mit einem Partner zusammengearbeitet, der extrem viel Wert auf superkorrekte Kleidung gelegt hat – da war ich dann doch sehr dankbar, vorher von einer Kollegin gewarnt worden zu sein. Bei einem hochsommerlichen Termin hätte ich sonst die Nylonstrumpfhose vielleicht doch weggelassen…“

 

Was soll ich zum Bewerbungsgespräch anziehen? Der Rat der Expertin

Im Interview erfahren wir, dass es besser ist, von Experimenten aller Art beim Antrittsbesuch abzusehen. „Das geht auch in Richtung Farbwahl. Wie weit man mit Farben und lässigeren Schnitten im jeweiligen Umfeld gehen kann, würde ich immer behutsam testen und ganz sicher nicht am ersten Tag oder beim Bewerbungsgespräch.

 

Casual Friday: Der Unternehmenskultur auf die Schliche kommen

Anders als beim klassischen Business Look gibt es hier keine wirklichen Orientierungsgrößen. Wie Frau Dr. Kubach feststellt, lebt jedes Unternehmen und jede Kanzlei diesen Begriff ein bisschen anders. Die Kunst ist es also, dieser Unternehmenskultur auf die Schliche zu kommen, bevor man danebengreift. „Mir wurde damals zuerst geraten, das zu tragen, was ich in meiner Freizeit trage. Na großartig! Da wäre ich aber mächtig aufgefallen, wenn ich wirklich mit meinen Lieblingsturnschuhen und Kapuzenpulli aufgelaufen wäre und nicht vorher noch einmal etwas genauer nachgeforscht hätte. Zu meiner Beruhigung fand ich dann heraus, dass keiner der netten Kollegen in der Freizeit „smart casual“ trägt so wie auf ebenjener Veranstaltung. Das hätte mich ansonsten tief schockiert!“

 

Overdressed: Gibt es das in der Juristerei überhaupt?

Nicht wirklich, sagt Frau Dr. Kubach. „Was nicht passieren sollte ist, dass man wegen „unzureichender Kleidung“ unangenehm auffällt. Im Zweifel also immer eher etwas schicker und frisch aus der Reinigung.“

 

Sie erzählt auch von einem Praktikanten, der durch seine Kleidung - positiv - auffiel:

 

„Wir hatten mal einen Praktikanten, der in unsere eher lässigere Kanzlei immer top gestylt mit täglich wechselndem Anzug und Einstecktuch kam. Das wirkte manchmal etwas putzig, wenn wir (ansonsten eher in Jeans und Blazer gekleidet) gemeinsam zum Mittagessen gingen, war aber in keinem Moment unangemessen. Auch wenn bei einem gemeinsamen Termin der Praktikant besser gekleidet war als der Anwalt, war das ok, denn der Anwalt, der vom üblichen Business-Look abweicht, macht dies ja in der Regel ganz bewusst und steht dazu. Ganz im Gegenteil, wir freuten uns täglich an unserem schicken und auch ansonsten sehr ansehnlichen und blitzgescheiten Praktikanten.“

 

Juristinnen: Selbstbewusst auch vor Gericht

Laura Kubach ist Gründerin des Mode-Labels Garde-Robe, das moderne und vorteilhafte Roben für Juristinnen entwirft. Wie Frau Dr. Kubach erzählt: „Mit den Roben für Damen möchte ich es ermöglichen, dass auch eine zierliche Frau vor Gericht würdevoll auftreten kann und sich viel leichter selbstbewusst und ernstgenommen fühlt!“

 

Hier geht‘s zur Homepage: garde-robe.biz

 

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