Immobilienrecht - warum spezialisieren sich wenige Juristen?

Mit einer kurzen Umfrage gehen wir den Ansätzen auf den Grund...


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 03.01.2018

 

Der Bedarf an Juristen im Bereich des Immobilienrechts ist sehr hoch, doch nur wenig junge Anwälte und Studenten planen, sich auf dieses Rechtsgebiet zu spezialisieren oder sind es bereits. Woran liegt das?

 

These Nummer 1: Das Studium ist schuld

Betrachtet man das Immobilienrecht aus studentischer Sicht, ist es im Studium kaum bis gar nicht von Bedeutung. Lediglich die Grundlagen des Immobiliarsachenrechts und des Mietrechts spielen eine wirkliche Rolle im Studium bis zum Staatsexamen.

Die tatsächliche Ausgestaltung von Verträgen über Grundstücke spielt indes gar keine Rolle, gleiches gilt für Mietverträge. Bezüglich Grundstückstransaktionen werden lediglich die Pflicht zur notariellen Beglaubigung, die Grundbucheintragung und die Arten des gutgläubigen Erwerbs genauer erfasst.

Im Bereich des Mietrechts liegt der Fokus auf Mieter- und Vermieterrechten in Bezug auf außerordentliche Kündigungen, Mieterhöhungen oder dem Vermieterpfandrecht. Einen echten Mietspiegel bekommt ein Student nicht zu Gesicht, was genau ein Vermieter für Pflichten hat oder wie eine Nebenkostenabrechnung zu erfolgen hat wird nicht gelehrt.

Die Praxisrelevanz des Pflichtstoffes im Jurastudium ist daher leider minimal. Tiefer in die Materie einsteigen kann ein Student in der Regel nur im Rahmen des Schwerpunktstudiums.

Das Problem ist, dass es kaum entsprechende Schwerpunkte gibt. Das Immobilienrecht ist lediglich an der Universität Regensburg ein eigenständiger Schwerpunkt. Ansonsten wird es nur partiell im Schwerpunktbereich „allgemeines Wirtschaftsrecht an verschiedenen Universitäten angeboten.

Weder das Grundstudium noch das Schwerpunktstudium, mit Ausnahme der Universität Regensburg, führt Studenten in das Immobilienrecht ein.

 

These Nummer 2: Immobilienrecht ist langweilig

Die geringe Zahl an Juristen, die sich auf das Immobilienrecht spezialisieren möchten, könnte freilich auch aus der Unattraktivität des Rechtsgebiets an sich resultieren. Um dies zu überprüfen habe ich eine Umfrage gestartet, die zwar nicht repräsentativ für „alle“ Juristen stehen kann, da nur 46 Studenten teilgenommen haben, allerdings erscheint sie doch recht aussagekräftig bezüglich der vorangestellten These. Die Studenten dabei stehen alle zwischen dem Grundstudium und dem 1. Examen.


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Es wurden fünf Fragen zum Immobilienrecht gestellt:


1: „Wie bist du im Studium schon einmal mit Immobilienrecht in Kontakt gekommen?“

[4] Gar nicht

[35] Im Sachenrecht/Mietrecht

[7] Auch darüber hinaus

 

2: „Wie denkst du über die Zukunftsaussichten auf dem im Immobilienrecht?“

[32] Gute Aussichten

[6] Schlechte Aussichten

[8] Keine Angabe

 

3: „Käme im Schwerpunktstudium der Schwerpunkt Immobilienrecht für dich in Frage?“

[27] Ja

[19] Nein

 

4: „Hat das Immobilienrecht bereits jetzt für dich Relevanz? Wenn ja, wie?“

[3] Nein

[26] Ja, als Mieter

[8] Ja, weil aus dem Umfeld Fragen kommen

[9] Ja, im Nebenjob/Praktikum/fortgeschrittenem Studium

 

5: „Könntest du dir vorstellen im Immobilienrecht tätig zu sein?“

[34] Ja

[12] Nein

 

Auch wenn die Umfrage natürlich nicht repräsentativ für alle Jurastudenten ist, lässt sich deutlich ein Trend erkennen, dass das Immobilienrecht mitnichten so uninteressant ist, wie es aufgrund des geringen Angebots im Studium erscheinen mag.

Lösungsvorschläge: Da in der Wirtschaft ein hoher Bedarf an Juristen im Immobilienrecht besteht, erscheint es sinnvoll Lösungen für diese Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage zu finden.

Hier findest du alle Stellenangebote im Immobilienrecht (Praktikum, Referendariat, Volljuristen)

 

Wichtig wäre es bereits früh diesen Bedarf aufzuzeigen und dementsprechend auch das Interesse von Studenten an diesem Thema zu wecken. Dies könnte beispielsweise in Form von kostenlosen Workshops bei Kanzleien stattfinden oder durch Nebenjobs als (Hilfs-)wissenschaftliche Mitarbeiter in genau diesem Rechtsgebiet. Auch eine Initiative hinsichtlich mehr solcher konkreten Schwerpunkte im Bereich des Immobilienrechts / Real Estate an den Universitäten könnte sich positiv auswirken!

 

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Über den Autor

Finn Holzky

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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