Inhouse-Consulting für Juristen - Gehalt und mehr....

Interne Beratung als echte Alternative zum klassischen juristischen Berufsweg?!


verfasst von Hüveyda Asenger und veröffentlicht am 30.05.2018

 

Unternehmensberater im eigenen Unternehmen sein und eigene Kollegen beraten: Inhouse-Consulting ist für viele eine ernsthafte Karriereoption. In den letzten Jahren ist der Bereich stetig gewachsen und komplexer geworden. Eine starke Nachfrage nach Bewerbern für die kommenden Jahre wird schon länger prognostiziert. Doch ist das Inhouse-Consulting für Juristen und die dortige Bezahlung sowie Work-Life-Balance eine echte Alternative zum klassisch-juristischen Berufsbild, wo Gehälter zwischen 80.000 bis 120.000 € nicht unüblich sind?! 

Interessant hier auch: Welches Einstiegsgehalt kann man wirklich als Jurist generell fordern?

 

Für Unternehmen bietet diese Form der Beratung vor allem Kostenvorteile, die dauerhafte Eingliederung einer eigenen Organisationseinheit in das Unternehmen ist auf Dauer günstiger als externe Unternehmensberatung. Außerdem lassen sich beispielsweise langfristige Projekte mit Inhouse-Consultants besser planen und umsetzen. Weiterhin genießen die internen Berater eine größere Akzeptanz unter den Kollegen und in dem Unternehmen insgesamt.

Darüber hinaus ist diese Art von Unternehmensberatung insgesamt zeitsparend: die eigenen Strukturen und Besonderheiten des Unternehmens sind dem Inhouse-Consultant in der Regel schon bekannt und eine gesonderte und lange Einarbeitung in diese Prozesse ist nicht mehr notwendig. Insgesamt ist es für viele Unternehmen eine gute und häufige Alternative zur externen Unternehmensberatung geworden.

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Warum Inhouse-Consulting immer beliebter wird

Vor allem für diejenigen, die gerade nicht so viel reisen möchten, wie externe Unternehmensberater und eine Ortsgebundenheit befürworten, bietet sich Inhouse-Consulting gut an. Bei diesem sind die Reisen auf ein Mindestmaß reduziert und die Flexibilität somit auch. Dies bietet einen Anreiz für junge Absolventinnen und Absolventen. Der Arbeitsmarkt bietet auch in dieser Branche mehr Kapazitäten, so wird durchschnittlich ein Viertel aller Beratungsaufträge an interne Beratungen vergeben.

Unter anderem wird von vielen, die im Bereich des Inhouse-Consultings tätig sind und vorher im klassischen Unternehmensberatungsbereich tätig waren, angeführt, dass es eine bessere Work-Life-Balance geben würde. Das liegt vor allem daran, dass nicht so viel gereist werden muss wie bei der externen Strategieberatung.  

Bezogen auf den Verdienst stellt sich jedoch die Frage, ob ein Einstieg in dieser Branche -vor allem im Vergleich zu anderen Branchen mit gleicher Qualifikation- lohnenswert ist. Im Bereich des Inhouse-Consultings lassen sich schwer allgemeine Aussagen bezogen auf das Gehalt treffen. Es gibt branchentypisch wenig Daten und Fakten über die Gehälter. Selten werden diese transparent gemacht.

Vielfach hängen die Gehälter von verschiedensten Faktoren ab, wie etwa der Anzahl der bereits tätigen Consultants, der Branche im Allgemeinen oder den möglichen Führungspositionen und Boni.

 

Einstiegsgehalt beim Inhouse-Consulting

Inzwischen ist der Branche entsprechend auch das Einstiegsgehalt höher als in früheren Zeiten und es lässt sich ein positiver Trend verzeichnen. Zwar gibt es -wie bereits erwähnt- keine allgemeinen Richtwerte. Je nach Branche ist das Einstiegsgehalt bei ca. 50.000 bis 60.000 € angesetzt, teilweise sogar darunter (es gibt auch Einstiegsgehälter von 39.000 € jährlich).

Das liegt im Vergleich zu anderen Einstiegsgehälter mit gleicher Qualifikation deutlich unter dem Durchschnitt. Besonders schlecht schneiden die Gehälter im Bereich des Gesundheitswesens, Logistik und Verkehr sowie öffentlicher Verwaltung ab (letzteres mit ca. 39.000 € jährlich).

Dieses Einstiegsgehalt trifft jedoch nicht auf jede Branche im Inhouse-Consulting zu. Es ist in anderen Branchen, wie etwa im Sektor der Pharmaindustrie oder Energiewirtschaft dagegen auch ein höheres Einstiegsgehalt üblich und möglich.

Das Grundgehalt im Inhouse-Consulting ist in der Regel wegen der Beteiligung an Gewinnen und Boni in einigen Fällen im Gegensatz zu anderen Gehältern weniger aussagekräftig. Diese müssen zwingend in die Beurteilung des Grundgehalts miteinbezogen werden, da sie gerade im Inhouse-Consulting eine wichtige Rolle spielen. Fallen diese allerdings gering aus, lohnt sich ein Einstieg -vor allem ohne ernsthafte Aufstiegschancen- kaum.

 

Gehalt in der externen Unternehmensberatung

In der externen Unternehmensberatung ist nicht automatisch ein höherer Verdienst als im Inhouse-Consulting zu verzeichnen. Auch in diesem Bereich ist vieles nicht transparent. Den großen Verdienst gibt es jedoch meistens in den führenden, großen Unternehmensberatungen. Bei den großen Consultingunternehmen kann mit ca. 70.000 bis 80.000 € Einstiegsgehalt oder mehr gerechnet werden. Die zahlreichen Vergünstigungen, wie etwa Dienstautos oder eine betriebliche Altersversorgung, sind hier natürlich ausgenommen. Juristen in kleineren oder mittleren Beratungsunternehmen verdienen als Einstiegsgehalt ähnlich viel bzw. wenig wie im Bereich des Inhouse-Consultings.

 

Gehälter mit Berufserfahrung

Mit Berufserfahrung liegen die Verdienstchancen natürlich höher. Das kommt aber vor allem darauf an, ob man eine Führungsposition bekleidet oder ohne Führungsposition gearbeitet wird.

Mittlerweile ist auch ein jährlicher Verdienst von ca. 70.000 € nicht selten. Ein Verdienst unter 70.000 € ist jedoch nicht per se -abgesehen vom finanziellen Aspekt- nachteilig. Ausgeglichen wird ein niedriger Verdienst des Öfteren mit Zusatzleistungen verschiedenster Art, wie typischerweise Boni. Dies ist von Unternehmen zu Unternehmen stark unterschiedlich. Bleibt der geringe Verdienst ohne große Boni oder Zusatzqualifikationen, ist das Angebot wenig aussichtsreich – gerade ohne Führungsposition.

Mit Führungsposition sind die Aussichten naturgemäß besser. Ohne Führungsposition ist die Aussicht eher mager. In einigen Branchen ist jedoch nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung bereits ein Grundgehalt von 90.000 € -zusammen mit anfallenden Boni- möglich.

 

Karrierechancen

Ob und wie schnell ein Aufstieg im Unternehmen in eine Führungsposition möglich ist, hängt natürlich von den Eigenheiten und Hierarchien im Unternehmen selbst ab. In einer Studie der European Business School (EBS) und Bayer Business Services wurde festgestellt, dass ungefähr ganze 66 Prozent der internen Berater innerhalb von wenigen Jahren in die Führungsebene aufsteigen. Somit ist Inhouse-Consulting ein guter Weg, Karriere im jeweiligen Konzern zu machen. Das setzt wiederum voraus, auf eine bestimmte Branche oder Unternehmen festgelegt zu sein.

Informiere dich hier über Unternehmen und Unternehmensberatungen, die Juristen suchen

 

Fazit

Bezogen auf die Entwicklung der Gehälter in diesem Bereich lässt sich insgesamt eine eher positive Entwicklung der Größenordnung verzeichnen. Werden Boni in der Größenordnung von beispielsweise 40.000 € miteinbezogen, kann sich ein Einstieg lohnen. Der deutsche Markt schneidet aber dennoch erheblich schlechter im Vergleich zu den Inhouse-Gehältern im führenden US-amerikanischen Wirtschaftsmarkt ab.

Insgesamt lässt sich aber dennoch eine erfreuliche und positive Entwicklung der Inhouse-Gehälter verzeichnen. Beachtet werden muss aber, dass die Bezahlung den jetzigen Anforderungen an den Arbeitsmarkt in diesem Sektor nicht mehr gerecht wird. In Bezug auf die Digitalisierung ergeben sich im Bereich Consulting immer neue Anknüpfungspunkte und komplexere Aufgabenstellungen, die sich in Unternehmenskulturen widerspiegeln und umgesetzt werden müssen, was mit einer höheren und komplexeren Arbeitsbelastung einhergeht. Damit werden an Berater neue Anforderungen gestellt.

Insbesondere die Einstiegsgehälter und Gehälter derjenigen ohne Führungsposition werden der Branche und den komplexer werdenden Zusammenhängen und Arbeitsbelastung nicht mehr gerecht. Teilweise kann dieser Umstand durch die Gewinnbeteiligung ausgeglichen und attraktiv gemacht werden, dies gelingt jedoch nicht immer.

 


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Über den Autor

Hüveyda Asenger

Hüveyda Asenger

hat Jura an der Freien Universität Berlin studiert und arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin in einer Kanzlei.

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