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Jura-Knigge – Teil 2

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Knigge für Juristen – Teil 2

Das besondere Verhältnis zwischen einem Anwalt und seinen Mandanten...

 

In der Fortsetzung dieser kleinen Serie soll es nun um ein ganz besonderes Verhältnis gehen, nämlich das zwischen einem Anwalt und seinen Mandanten. Alleine der Begriff „Mandant“ deutet schon darauf hin, dass es sich hierbei nicht um ein gewöhnliches Unternehmer / Kunden – Verhältnis handelt. Doch worauf muss ein Anwalt unbedingt im Umgang mit seinen Mandanten achten?

 

Der Kunde ist König, der Mandant auch?

Die ganz einfache Antwort auf diese Frage würde "ja" lauten. Der Mandant zahlt und sucht sich seinen Anwalt aus, also ist er auch König. Wer sich aber genauer mit dieser Frage beschäftigt, der stößt auf einige kleine aber entscheidende Unterschiede, nach denen sich eine Antwort auf diese Frage stets zu richten hat.

Denn ein Anwalt ist zwar auf der einen Seite ein Dienstleister und somit derjenige, der dem Mandanten etwas schuldig ist, doch ist er auch gleichzeitig ein Organ der Rechtspflege und des gesamten Rechtssystems. Hieraus ergeben sich Pflichten, die mit den Interessen des Mandanten in Konflikt geraten können.

Beispielsweise dann, wenn ein Mandant ein bestimmtes Vorgehen für sinnvoll erachtet, der beratende Anwalt darin allerdings einen offensichtlichen Verstoß gegen das Gesetz sieht. Wie aber sollte in so einer Situation mit einem Mandanten umgegangen werden?

 

Ehrlichkeit und Seriosität sind hier die entscheidenden Attribute, die ein Anwalt nicht nur haben, sondern auch zur Geltung bringen muss. Der unbedingte Wille, dem Mandanten zur Seite zu stehen, ist ein absolutes Muss. Doch darüber hinaus kann von keinem Anwalt der Welt verlangt werden gegen das Gesetz zu handeln.

Das wissen auch die Mandanten und werden daher stets einen integren und aufrichtigen Anwalt schätzen, der ihnen bereits im Vorfeld solcher Aktionen den Wind aus den Segeln nimmt und somit sich und vor allem seinen Mandanten vor negativen Folgen schützt.

Was aber bedeutet das für unsere Ausgangsfrage? Nun die Antwort lautet, wie so oft bei uns Juristen „Ja, aber...“ und zwar konkret „Ja, der Mandant ist König, aber auch für Könige gibt es bestimmte Regeln.“

 

Wie ein Gast...

… sollte sich ein Mandant bei seinem Anwalt fühlen dürfen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man seine Mandanten zu sich nach Hause einladen muss, doch einen guten Mandanten zum Essen einzuladen kann nie schaden. Auch andere Umgangsformen sollten an denen eines guten Gastgebers orientiert sein.

Wer mit einem Mandanten einen Raum, um im Beispiel zu bleiben – ein Restaurant, betritt, der sollte ihm die Tür aufhalten. Öffnet sich eine Tür nach innen, so geziemt es sich, den Raum vor dem Mandanten zu betreten und ihn aus der geöffneten Tür heraus mit einer eröffnenden Geste in den Raum zu bitten.

Das Essen sollte einerseits zwanglos ablaufen und einem Essen mit einem Freund ähneln, gleichzeitig gilt es dennoch einiges zu beachten. Beim Bestellen zum Beispiel kann eine freundliche Empfehlung eines Essens oder Weins Vertrauen aufbauend wirken. Gänzlich falsch könnte es wiederum verstanden werden, wenn der Anwalt übermütig drauflos bestellt und am Ende noch seinen Mandanten bevormundet.

Während des Essens ist die Kunst des Smalltalks gefragter denn je. Geschäftliche oder anderweitig brisante Themen haben während des Essens weniger Platz am Tisch. Unverfänglichere Themen aus Gesellschaft, Sport oder Politik bieten sich schon eher an, wobei auch hier immer auf die Reaktionen des Gegenüber geachtet werden sollte, damit nicht aus Versehen ein Reizthema wortwörtlich auf den Tisch kommt.

Soll das Essen aber nun dennoch als Geschäftsessen genutzt werden, so bietet sich hierfür die Phase nach dem Hauptgang, egal ob in Form eines Getränks oder eines Desserts, an. Während das Essen ausklingt, dürfen nun auch geschäftliche Dinge angesprochen werden, wobei ein Mandant immer das Recht haben muss, dies auf die gemeinsamen Besprechungen zu verweisen.

Wichtig ist vor allem, dass der Gegenüber nicht das Gefühl bekommt, das Essen wäre ein reines Mittel zum Zweck, selbst wenn das einmal der Fall sein sollte!

 

 

 

Kommunikation ist alles

Zwischen einem Rechtsanwalt und einem Mandanten gibt es naturgemäß vieles zu besprechen und einiges davon ist leider häufig auch unerfreulich. Da sich der Mandant teilweise seinem Anwalt extrem anvertraut und seine Geheimnisse preisgeben muss, ist es von essentieller Bedeutung, dass er ein dementsprechendes Verhalten im Umgang mit ihm an den Tag legt.

Wichtige und vor allem negative Entscheidungen oder Nachrichten sind daher stets persönlich zu überbringen. Je nach Art und Inhalt der Nachricht, aber auch nach der Art der typischen Kommunikation kann hierfür auch ein Anruf oder sogar eine E-Mail genügen.

Auf keinen Fall dürfen solche Nachrichten jedoch von der Sekretärin oder irgendeinem - dem Mandanten unbekannten - Kollegen überbracht werden.

Ein Anwalt steht schließlich auch für Diskretion.

Auch im persönlichen Gespräch gilt es daher auf den Mandanten einzugehen. So interessieren einen Mandanten häufig nicht juristische Spitzfindigkeiten, sondern er möchte konkret wissen, was auf ihn zukommt oder was rechtlich möglich ist. Das „Warum“ spielt dabei oft nur eine sehr geringe Rolle.

Auch können Wünsche von Mandanten teilweise an die Grenze des Absurden stoßen und trotzdem hat ein guter Anwalt sich nach ihnen zu richten.

Natürlich muss er keine Luftschlösser bauen, doch besteht in solchen Fällen seine Aufgabe auch darin, seinem Mandanten realistische Optionen aufzuzeigen und diesem gleichzeitig einen positiven Ausblick zu verschaffen!

 

Pünktlichkeit und Verlässlichkeit

Nichts ist Mandanten wichtiger als diese beiden Eigenschaften. Alleine und verlassen vor Gericht sollte kein Mandant jemals stehen. Für Mandanten stehen immer, wenigstens subjektiv, wichtige Dinge auf dem Spiel.

Nur weil ein Anwalt in seiner Karriere sehr viel miterlebt und vielleicht von einigen Vorgängen gelangweilt ist, ändert das nichts daran, dass seinen Mandanten stets seine volle Konzentration und Hingabe zusteht.

Doch nicht nur vor Gericht hat er sich daran zu halten. Auch im Schriftverkehr gilt es, Fristen und Versprechen von selbst und automatisch einzuhalten. Schließlich haben Mandanten in der Regel noch viel mehr als einen bestimmten Rechtsstreit zu tun und die Aufgabe der rechtlichen Vertretung wurde nicht zuletzt deswegen an den Anwalt delegiert.

 

Das Verhältnis von Anwälten und Mandanten ist besonders und dementsprechendes Verhalten ist ein absolutes Muss! Das Vertrauensverhältnis basiert auf Ehrlichkeit und Seriosität des Anwalts und wird untermauert von freundlichen Gesten, wie das Beispiel des Geschäftsessen aufzeigt.

Wer sich an „der Mandant ist König“ orientiert und gute Gepflogenheiten aufweisen kann, der ist bei seinen Mandanten nicht nur vor Gericht, sondern auch abseits des Fachlichen stets beliebt.

 


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12. Mai 2017


Finn Holzky

Autor:

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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