Markenrecht im Unternehmen

Veröffentlicht am 18.07.2022

Markenrecht im Unternehmen

Vanessa Maniura über ihren Karriereweg nach dem LL.M.-Studiengang "Internationales Linzenzrecht"

Vanessa Maniura hat 2016 den LL.M.-Studiengang Internationales Lizenzrecht an der Hochschule Darmstadt absolviert und ist derzeit bei der STADA Arzneimittel AG als Manager Trademarks angestellt. An ihrer aktuellen Tätigkeit im IP- und speziell im Markenbereich schätzt sie insbesondere die spannenden und vielfältigen Aufgaben.

Vanessa Maniura
Vanessa Maniura

Frau Maniura, Sie sind seit 2021 Managerin Trademarks bei STADA Arzneimittel AG. Wie sind Sie zum Markenrecht gekommen und was reizt Sie besonders daran?

Zum Markenrecht bin ich durch mein Studium gekommen. Vorlesungen zum deutschen, europäischen und u.s.-amerikanischen Markenrecht waren Bestandteil des Curriculums und ich merkte schnell, dass mir dieser Rechtsbereich Spaß macht. Mich reizt daran besonders, dass es durch den konkreten Produktbezug ein sehr lebhaftes Rechtsgebiet ist.
 

Im Anschluss zu Ihrem Bachelorabschluss Informationsrecht (LL.B.) haben Sie den Master of Laws (LL.M.) Internationales Lizenzrecht an der Hochschule Darmstadt absolviert. Welche vertieften Kenntnisse werden durch den LL.M vermittelt und gehören lizenzrechtliche Fragestellungen zu Ihrem Arbeitsalltag?

Der Bachelorstudiengang hat grundlegende juristische Kenntnisse vermittelt, angefangen beim Zustandekommen eines Vertrages bis hin zu den Gewerblichen Schutzrechten und Datenschutzrecht. Im Masterstudiengang konnte auf dieses Grundwissen aufgebaut werden und wir konnten in verschiedenen Übungen praxisrelevante Fälle besprechen.

Dabei haben wir Marken- und Softwarelizenzen in kleinen Gruppen „verhandelt“, sodass die verschiedenen Sichtweisen aufgezeigt werden konnten. Dies hilft mir in meinem Arbeitsalltag, da wir mal als Lizenzgeber und mal als Lizenznehmer in Markenlizenzverträgen agieren.
 

Von 2017 bis 2021 waren Sie als juristische Mitarbeiterin bei der FALKE KGaA für den Bereich Gewerbliche Schutzrechte sowie Markenrecht tätig. Wie haben Sie den Berufseinstieg nach Ihrem LL.M.-Abschluss wahrgenommen und gab es Aspekte in der Praxis, die Sie überrascht haben?

Den Berufseinstieg habe ich noch als sehr positiv in Erinnerung. Bei der Einarbeitung konnte direkt in die Details gegangen werden, da die Kenntnisse in den gewerblichen Schutzrechten bereits vorhanden waren. Überrascht hatte mich, wie wichtig die allgemeine Unternehmenskultur für Entscheidungsfindungen ist. 

Unterscheidet sich der Praxisbezug zu Ihren Tätigkeiten bei der Falke KGaA und der STADA Arzneimittel AG?

Der Praxisbezug unterscheidet sich hauptsächlich darin, dass bei der STADA Arzneimittel AG im Vergleich zu den Tätigkeiten bei der FALKE KGaA mehr markenvertragliche Aspekte relevant sind,  insbesondere Markenkauf und Markenlizensierung.

Weitere Unterschiede ergeben sich aus den unterschiedlichen Branchen und entsprechenden Regularien und den damit verbundenen Abstimmungen innerhalb der Abteilungen.
 

Der LL.M.-Studiengang entspricht in der Ausrichtung vor allem dem gehobenen Arbeitgebermarkt in international tätigen Unternehmen. Welche wichtigen Module oder Praxisbezüge werden hier angeboten, die für Sie in Ihrer Position als Managerin Trademarks von Vorteil sind? 

Hilfreich waren der Fokus auf internationale Rechtssysteme, insbesondere EU- und U.S.-amerikanisches Recht, statt einer Konzentration auf deutsches Recht. So wurden Vorlesungen teilweise vollständig auf Englisch abgehalten, wodurch die Fachbegriffe bereits geläufig waren. Neben diesen fachlich relevanten Aspekten sind auch Module, bei denen stellenweise in Gruppen Themen recherchiert und präsentiert werden mussten, für die tägliche Arbeit im Beruf von Bedeutung.      
 

Sie beraten unter anderem zu sämtlichen Markenangelegenheiten, Markenrecherchen, -anmeldungen, -verlängerungen. Ist hierbei ein gewisses wirtschaftliches Verständnis Ihrer Ansicht nach zwingend notwendig? Welche weiteren Qualifikationen sind für die Tätigkeit als Managerin Trademarks unumgänglich?

Ein wirtschaftliches Verständnis sollte vorhanden sein, um die Kosten mit dem Nutzen für das Unternehmen abwägen zu können. Nicht immer sind die rechtlich möglichen Vorgehensweisen auch die wirtschaftlich sinnvollsten.

Da man täglich mit vielen kleinen Fragestellungen und Entscheidungen zu tun hat, halte ich eine strukturierte Arbeitsweise für hilfreich, um den Überblick nicht zu verlieren.

Generell bietet das Studium bereits Möglichkeiten, durch freiwillige Praktika während der vorlesungsfreien Zeit oder in den Praxisphasen herauszufinden, wie das spätere Berufsleben aussehen könnte.
Vanessa Maniura

Welche Herausforderungen bringt das Markenrecht mit sich – sowohl in der Theorie als auch in der Praxis –  und welche Rolle spielen grenzüberschreitende Projekte im gewerblichen Rechtsschutz?

Die Herausforderung, aber gleichzeitig auch das Spannende am Markenrecht ist, die überzeugenden Argumente für die eigene Position zu finden, beispielsweise wenn die Ähnlichkeit zweier Marken zu beurteilen ist. Da hierfür auch der Tatsachenvortrag von Bedeutung ist, besteht eine weitere Herausforderung darin, ausreichende Nachweise zusammenzustellen.

Das Markenrecht ist ein territoriales Schutzrecht. Bei internationalen Projekten ist es daher von Vorteil, bereits zu Beginn weitere Länder von Interesse zu evaluieren, um auch dort Marken anmelden zu können – denn ein Produktlaunch ohne Markenschutz stellt ein hohes Risiko dar.      
 

Gibt es ein Projekt, welches Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Spannend war ein Projekt zur Entwicklung der Markenstrategie. Dabei wurde zunächst der Status quo ermittelt und dann nach Absprache mit unterschiedlichen Abteilungen eine neue Markenstrategie entwickelt. Interessant war hierbei, die unterschiedlichen Ansätze aufzuzeigen, um dann die beste Strategie für das Unternehmen herauszukristallisieren.    
 

Neben Ihrer Beratungstätigkeit gehören auch die Verteidigung von Marken in Koordination mit einer Anwaltskanzlei sowie die Begleitung von M&A-Projekten zu Ihren Schwerpunkten. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit und inwieweit überschneiden sich die Bereiche M&A und gewerblicher Rechtsschutz?

Mit der externen Anwaltskanzlei besteht ein sehr enger Austausch. Wir werden zunächst über ähnliche Markenanmeldungen informiert und entscheiden dann, ob wir gegen die Anmeldung vorgehen möchten. Oftmals kann die Streitigkeit mithilfe von Vereinbarungen beigelegt werden. Diese werden unter Einbeziehung der Kanzlei entworfen.

In der Regel werden innerhalb von M&A Projekten die zu den Produkten gehörigen Marken erworben, sodass der Vertrag auch markenrechtliche Aspekte enthält. Im Nachhinein sind wir für die Umschreibung der Marken im Register zuständig und auch interner Ansprechpartner für mögliche Roll-outs.

Zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet: die Hochschule Darmstadt

Welche Modelle bzw. Formen der Markenverwaltung für Unternehmen gibt es und wird jedes Projekt nach dem gleichen „Schema“ bearbeitet?

Bei der Markenverwaltung ist man auf nationale Vertreter angewiesen, da diese in der Regel von den Markenämtern gefordert werden, wenn man als ausländisches Unternehmen eine Marke anmelden möchte. Diese nationalen Vertreter können von den internen Mitarbeitern beauftragt werden, sodass ein direkter Kontakt besteht.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit einer Anwaltskanzlei eng zusammenzuarbeiten, die ihrerseits auf das Netzwerk an Vertretern zurückgreift. Ein direkter Kontakt zu den nationalen Vertretern besteht dabei nicht oder nur in seltenen Fällen.

Das Vorgehen bei Projekten ist meiner Erfahrung nach sehr von der Art des Projekts abhängig. Grundsätzlich sind jedoch ähnliche Fragestellungen zu klären: beispielsweise in M&A-Projekten, wer Inhaber der Marken ist, wie umfassend das Waren- und Dienstleistungsverzeichnis ist und ob es Vereinbarungen zu den Marken gibt.
 

Haben Sie ein Team, mit dem Sie fest zusammenarbeiten und wie funktioniert die Beratung bei internationalen Fällen?

Ja, ich arbeite intern in einem festen Team und extern in engem Austausch mit der Kanzlei. In der Regel werden wir von den jeweiligen Produktmanagern frühzeitig eingebunden, um bei der Findung neuer Produktnamen unterstützen zu können. So recherchieren wir nach ähnlichen Marken und geben Empfehlungen ab, welcher Name die besten Chancen auf Markenregistrierung hat.
 

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Tätigkeit als Managerin Trademarks in einem Unternehmen und welche Vorteile bieten sich Ihrer Ansicht nach gegenüber der klassischen Ausbildung von Jurist:innen, die sich dann erst im Berufsleben für den gewerblichen Rechtsschutz entscheiden?

An meiner Tätigkeit als Managerin Trademarks schätze ich besonders die Vielseitigkeit der Aufgaben und den engen Bezug zu den Produkten.  

Der Vorteil gegenüber dem klassischen Jurastudium liegt vor allem darin, dass bereits während des Studiums ein Schwerpunkt auf die Gewerblichen Schutzrechte gelegt wird. Vielen Jurist:innen ist das Markenrecht fremd, sodass sie sich dieses nach dem Jurastudium aneignen müssen. Einen weiteren Vorteil sehe ich in dem Praxisbezug. 

Wie blicken Sie auf Ihren Werdegang zurück und welche Karrierechancen ergeben sich aus dem LL.M. Internationales Lizenzrecht Ihrer Meinung nach?

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man mit dem Abschluss in LL.M. Internationales Lizenzrecht Spezialist:in in einem Rechtsbereich wird und die Chancen, in einem Unternehmen angestellt zu werden, größer sind als in einer Kanzlei tätig zu werden.

Weiterhin sehe ich Chancen, mit diesem Abschluss Aufstiegsmöglichkeiten zu haben und beispielsweise eine leitende Position für den entsprechenden Bereich innezuhaben. Ich bin froh, diesen Weg gegangen zu sein. 
 

Welche Tipps möchten Sie Studierenden oder Berufseinsteiger:innen, die sich für Markenrecht interessieren, mit auf den Weg geben?

Generell bietet das Studium bereits Möglichkeiten, durch freiwillige Praktika während der vorlesungsfreien Zeit oder in den Praxisphasen herauszufinden, wie das spätere Berufsleben aussehen könnte. Praxiserfahrung aufweisen zu können, erleichtert meiner Erfahrung nach dem Berufseinstieg.    
 

Ihr Fazit?

Durch das Studium wird man gut auf das spätere Berufsleben vorbereitet. Aber es ist erstaunlich, wie viel Detailwissen man sich durch die einzelnen Fälle im Beruf noch aneignen kann. Und gerade das ist es, was dieses Rechtsgebiet meiner Meinung nach so spannend macht.    
 

Vielen Dank, Frau Maniura!

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