Mein Weg als Volljuristin in die Finanzverwaltung

Veröffentlicht am 04.12.2023

Auf die Plätze, fertig, Führungskraft!

Julia Gustafsson Thieme vom Ministerium der Finanzen NRW im Interview

Frau Gustafsson Thieme ist in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen als Sachgebietsleiterin im Finanzamt Bochum Süd tätig. Ihre juristische Arbeit umfasst unter anderem die Vortragstätigkeit im Rahmen der Umsetzung der Grundsteuerreform.

 

Frau Gustafsson Thieme, Sie sind als Volljuristin in der Finanzverwaltung tätig. Welche Schwerpunkte umfasst Ihre Arbeit? Warum haben Sie sich für diese Tätigkeit entschieden?

Meine Arbeit ist sehr vielseitig und abwechslungsreich. Als Führungskraft in einem Finanzamt kommt man mit vielen Personalthemen in Berührung und arbeitet nicht nur streng juristisch und fachlich. Das war auch der Grund, warum ich mich beworben habe. Eines der klassischen Berufsbilder kam für mich nicht in Betracht und der Ausblick auf eine gute Mischung juristischer Tätigkeit und Personalmanagement war für mich ausschlaggebend.

Verantwortung ab dem ersten Arbeitstag

Ganz ehrlich und ohne Umschweife: Als Juristin in einer Behörde – ist das wirklich so langweilig und eintönig, wie die Vorurteile behaupten? Welche Klischees bewahrheiten sich?

Also wer behauptet, die Arbeit als Juristin oder Jurist in einer Behörde sei langweilig, der war wohl noch nie in einer. Jedenfalls für die Finanzverwaltung kann ich das ausschließen.

Ich denke, es ist immer am besten, seine eigenen Erfahrungen zu machen und wenn man sich nicht sicher ist, ist es vielleicht eine Idee, erstmal ein Praktikum zu machen. Klar gibt es auch Klischees, die sich bewahrheiten und so muss man angesichts mancher Regeln schmunzeln, aber worauf es ankommt, ist eine gute, kollegiale Zusammenarbeit und das habe ich bisher in jedem Bereich so erlebt.   
 

Können Sie anhand eines aktuellen Projektes die spannenden Seiten Ihres Arbeitsalltags aufzeigen?

Aktuell erarbeite ich zusammen mit meinem Kollegen ein Personalentwicklungskonzept für die gesamte nordrhein-westfälische Finanzverwaltung. Dabei sind die angedachten Regelungen aus Verwaltungssicht und aus juristischer Sicht zu beleuchten und Wechselwirkungen vorherzusehen.

Im Verlauf der Entwicklung und des Inkrafttretens müssen alle Ressorts und die Personalvertretung beteiligt werden. Letztlich entscheidet der Staatssekretär über die tatsächliche Umsetzung unseres Konzeptes. Solche Prozesse mit einer so großen Tragweite zu begleiten ist super spannend und abwechslungsreich. 
 

Stichwort: Schnelllebigkeit. Müssen Sie in Ihrer Tätigkeit auch rechtlich immer „am Ball bleiben”? 

Absolut! Insbesondere was die für uns wichtigen Gesetze, Verordnungen und aktuellen Entscheidungen anbelangt. Da müssen wir immer auf dem aktuellsten Stand bleiben und genau wissen, welche gesetzlichen Änderungen sich ergeben. Es kann aber auch gut sein, dass wir selber auch mal ein Gesetzänderungsverfahren anstoßen, weil eine Landesregelung nicht mehr zu unseren Zielen der Personalentwicklung passt. Das ist dann Legislative live!

Julia Gustafsson Thieme
Julia Gustafsson Thieme
Also wer behauptet, die Arbeit als Juristin oder Jurist in einer Behörde sei langweilig, der war wohl noch nie in einer.
Julia Gustafsson Thieme

Wird das berufliche Fortkommen bei der Finanzverwaltung unterstützt? Welche Erlebnisse bzw. Erkenntnisse haben Ihren Werdegang geprägt?

Die berufliche Entwicklung steht aus Führungskräftesicht an oberster Stelle und wird in jeder Hinsicht gefördert und unterstützt. Gleich zu Beginn der Tätigkeit wird man mit einem großen Paket Fortbildungen zu Personalthemen, zugeschnitten auf die Finanzverwaltung, hervorragend auf die Tätigkeit vorbereitet.

Jährlich wird dann die persönliche Entwicklung mit der eigenen Führungskraft besprochen und die Ziele fürs nächste Jahr gesteckt. Für Volljuristinnen und Volljuristen bietet die Finanzverwaltung verschiedenste Karrierewege, ob nun als Leiter eines Finanzamtes, Referatsleiters in der Oberfinanzdirektion oder als Referatsleiter im Ministerium der Finanzen. Dabei kann man individuell einen juristischen oder personalwirtschaftlichen Schwerpunkt setzen. 

Für mich war meine Zeit als Führungskraft im Finanzamt sehr lehrreich und eine tolle Erfahrung, die mir die Verwaltung und ihre Funktionsweise erfahrbar gemacht hat und mich sehr gut auf meine jetzige Tätigkeit im Personalbereich des Ministeriums der Finanzen vorbereitet hat. 
 

Sehen Sie einen Unterschied zwischen den Aufstiegschancen in Behörden zu denen in Kanzleien?

Das kann ich nicht beurteilen, da ich nie in einer Kanzlei gearbeitet habe. Bezüglich der Aufstiegschancen in der Finanzverwaltung kann ich aber sagen, dass sie in jedem Fall transparent und rein leistungsabhängig sind. 
 

Ist die Zuteilung in einem bestimmten Fachbereich reine Glückssache für Jurist:innen? Wie viel Mitspracherecht haben Sie bei der Wahl Ihres Arbeitsortes?

Da muss ich differenzieren. Die Zuteilung von Fachbereichen im Finanzamt kann zu einem bestimmten Grad beeinflusst und Wünsche erfüllt werden. Örtlich gibt es bei 104 Finanzämtern entsprechend viele Möglichkeiten, wobei immer ein wohnortnaher Einsatz oberste Priorität hat.

Sobald der Karriereweg in die Oberfinanzdirektion oder das Ministerium führt, ist man völlig frei in der Auswahl eines Fachbereichs. Die Wahl des Arbeitsortes liegt dann auch mit Köln, Münster oder Düsseldorf fest. An dieser Stelle würde ich aber gerne darauf hinweisen, dass die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, besteht.

Welchen kulturellen Werten hat sich die Finanzverwaltung hinsichtlich Zusammenhalt und Arbeitsklima verschrieben, Frau Gustafsson Thieme?

Offenheit, Empathie, Kollegialität, konstruktives Feedback, Flexibilität.
 

Berufliches Speed-Dating mit jungen Jurist:innen. Wie können Sie von der Arbeit in der Finanzverwaltung überzeugen? 

Du suchst einen vielseitigen und sicheren Arbeitsplatz mit abwechslungsreichen Einsätzen und besten Karriereaussichten im öffentlichen Dienst? – Dann lass die Kiste mit den Vorurteilen verschlossen und schau es dir selber an. 
 

Mal unter uns: Fallen Ihnen die jährlichen Steuererklärungen leichter, seit Sie in der Finanzverwaltung arbeiten? Oder graut es Ihnen bei dem Gedanken an Steuerrecht?

Ja, das ist ein netter Nebeneffekt! Und grauen muss es eigentlich niemandem vor dem Steuerrecht.
 

Ihr Fazit?

Die Arbeit in der Finanzverwaltung ist entgegen der gängigen Klischees sehr vielfältig und abwechselungsreich. Als Jurist und Jurist besteht die Möglichkeit bereits zu Beginn Führungs- und Leitungspositionen zu übernehmen. Jeder Interessierte und jede Interessierte sollte sich selbst ein Bild von der Tätigkeit in der Behörde machen und den nächsten Schritt wagen!
 

Vielen Dank, Frau Gustafsson Thieme!

 Die Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen
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