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Mitarbeiterentwicklung in der Großkanzlei

Diese Möglichkeiten bietet Freshfields


veröffentlicht am 16.09.2020

Elena Möller ist HR Senior Consultant bei Freshfields. Gemeinsam mit ihren Kolleg*innen im Learning and Development kümmert sie sich um die Konzeption, Umsetzung und Evaluation des Weiterbildungsangebots der Großkanzlei, das sich an alle Mitarbeiter*innen richtet.

Elena Möller Freshfields
Seit rund sechs Jahren bei Freshfields: Elena Möller

 

Frau Möller, Sie sind HR Senior Consultant bei Freshfields. Wie bewerten Sie den Stellenwert von Learning and Development als Voraussetzung für den Erfolg der Kanzlei?

Weiterbildung ist im Allgemeinen heutzutage ein Entscheidungskriterium für oder auch gegen einen Arbeitgeber. In einer Branche, in der die Einstiegsgehälter bei den Marktführern weitgehend einheitlich sind, kommt es daher auf andere Faktoren an, und dazu gehört meines Erachtens sicherlich die Möglichkeit, sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. In Bezug auf den Rekrutierungserfolg messe ich L&D daher eine sehr große Bedeutung bei. Zugleich stellt diese Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden die Grundvoraussetzung dafür dar, schnell und flexibel auf Marktentwicklungen reagieren zu können, um so letztlich einen langfristigen Unternehmenserfolg zu gewährleisten.
 

Für einen reibungslosen Ablauf ist insbesondere die Einarbeitung in die fachspezifischen Teams erforderlich. Wir wird dies von Kanzleiseite organisiert und was bleibt dennoch learning by doing?

Zu Beginn der Tätigkeit bei Freshfields bekommt man eine*n „Buddy“ zugeteilt, der*die die Aufgabe hat, eine reibungslose Einarbeitung und Integration ins Team zu gewährleisten. Kanzleiseitig werden verschiedene Ressourcen und Initiativen bereitgestellt, um das fachliche Onboarding sicherzustellen. Letztlich kann man ein von zwischenmenschlicher Interaktion geprägtes „People Business“ jedoch nur durch praktische Erfahrung vollständig erlernen. So gesehen ist auch „learning on the job“, wie wir es nennen, ein essentieller Bestandteil der Einarbeitung. 
 


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Wie ist das Weiterbildungsprogramm grundsätzlich aufgebaut und auf welchen Inhalten liegt der Fokus bei der Planung des sich jährlich erneuernden Programms? 

Wir unterscheiden bei unserem Angebot zwischen fachlichen und nicht-fachlichen Angeboten, manche davon sind obligatorisch, andere optional und reichen von geschäftsrelevanten Themen wie Verhandlungsmanagement oder Bilanzierung über Sprachkurse bis hin zu Kursen über Kommunikation und das professionelle Auftreten.
 

Durch diese breite Palette können sich unsere Mitarbeitenden ein individuelles Weiterbildungsprogramm zusammenstellen, das zu den Anforderungen ihres jeweiligen Arbeitsalltages passt und sie gezielt fördert. Da sich die Anforderungen in der heutigen Zeit stetig ändern, überarbeiten wir unser Angebot standardmäßig jährlich gemäß dem Bedarf, der uns aus der Praxis gemeldet wird.


Gleichzeitig reagieren wir jedoch auch spontan auf erhöhte Nachfrage zu bestimmten Themen und setzen unterjährig neue Angebote auf. 
 

Die rund 60 Veranstaltungen finden ganzjährig statt und richten sich an alle Mitarbeiter*innen – welche Vorteile hat es, hier auf einen vielfältigen Hintergrund der Teilnehmer*innen zu setzen?

Diversität hat viele Facetten. Häufig wird zunächst an Gender Diversität gedacht oder an Personen unterschiedlicher Hautfarbe – doch auch in Sachen Alter, Hierarchie, kulturellem Hintergrund und sexueller Orientierung hat Freshfields den Anspruch, seine Teams möglichst divers aufzustellen. Was all diese Dimensionen gemeinsam haben, ist, dass sie verschiedene Denkweisen und Perspektiven mit sich bringen, was zum Erkenntnisreichtum eines Seminars erheblich beitragen kann. Gleichzeitig gibt es Angebote, die sich gezielt an spezifische Zielgruppen richten, z.B. Programme zur Frauenförderung, in denen eine homogene Teilnehmerschaft – zumindest hinsichtlich dieser Dimension von Diversität – von Vorteil ist. Wir versuchen daher, Vielfältigkeit in der Teilnehmerschaft überall dort zu generieren, wo sie von Vorteil ist.
 


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Einen Schwerpunkt der Weiterbildungsangebote bilden die fachspezifischen Seminare für Anwält*innen. Erleichtern solche Seminare vor allem neuen Kolleg*innen den Einstieg bei Freshfields? 

Sicherlich erleichtert es den Einstieg, wenn man fachlich weitergehend geschult wird, da das Staatsexamen häufig einen anderen Schwerpunkt hatte als das letztendliche Arbeitsgebiet in der Wirtschaftskanzlei. Jedoch ist fachliche Weiterbildung keineswegs nur in den ersten Monaten von Relevanz – die Gesetzgebung ändert sich fortwährend, weshalb auch die fachspezifische Weiterbildung kontinuierlich stattfinden muss. 
 

Ebenso hält das Kursangebot auch einige Seminare mit Fokus auf jobrelevante Soft Skills bereit. Inwiefern sind Veranstaltungen, die sich beispielsweise um Themen rund um Bilanzierung und Buchführung drehen, eine optimale Ergänzung zu den juristischen Hard Skills?

Um exzellente Rechtsberatung leisten zu können, muss man die Ausgangssituation der Mandantin verstehen können. Dazu kann mitunter das Lesen von Geschäftsberichten gehören, was in der Regel nicht Teil des Jurastudiums ist. Worin Jurastudent*innen ebenfalls nicht standardmäßig unterrichtet werden, sind beispielsweise Verhandlungstechniken, die aber für bestimmte Rechtsbereiche von essentieller Bedeutung sind. Darum sind diese Soft Skills sozusagen das Handwerkszeug, um die anwaltlichen Fähigkeiten im Berufsalltag bestmöglich umsetzen zu können. 
 

Allein in Deutschland hat Freshfields fünf Niederlassungen. Ist das Seminarangebot standortübergreifend identisch oder haben einzelne Büros zum Teil individuelle Schwerpunkte?

Das Weiterbildungsangebot richtet sich an alle Standorte gleichermaßen, Teilnehmer*innen dürfen – abgesehen von gegenwärtigen Reiserestriktionen aufgrund von Corona – an andere Standorte reisen, um dort an den Seminaren teilzunehmen. Standortspezifische Angebote sind relativ selten, und werden ggf. dezentral, d.h. eigeninitiativ vom Standort oder aus der Praxisgruppe heraus organisiert.
 


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Aktuell ist vor allem agiles Arbeiten in aller Munde. Inwiefern hat dieses Thema auch bei Freshfields Einzug erhalten und was zeichnet agiles Arbeiten in einer Großkanzlei aus?

Hierbei ist es wichtig, agiles Arbeiten von flexiblem Arbeiten zu unterscheiden. Häufig wird „agiles Arbeiten“ als Begriff dafür verwendet, zeitlich und räumlich flexibel zu arbeiten. Dies ist ein Aspekt, der immer öfter auch von Bewerber*innen nachgefragt wird. Das Seminarangebot hinsichtlich agilem Arbeiten bezieht sich jedoch auf agile Arbeitsprozesse. Design Thinking und SCRUM sind zwei relativ bekannte Beispiele dafür. Zugegebenermaßen lassen sich solche innovativen Arbeitsmethoden nicht über Nacht in einem Unternehmen implementieren, das mit den bestehenden Prozessen sehr erfolgreich ist.
 

Die Nachfrage nach diesen Themen ist jedoch enorm gestiegen und wir sehen erste Bereiche, zum Beispiel in unserem Innovation Team, wo nicht mehr nur die berufserfahrenen Partner, sondern auch Associates zu viel früheren Zeitpunkten in ihrer Karriere Projekte leiten und Teams führen, da sie aufgrund eines bestimmten Skillsets am besten dafür geeignet sind.  


Ein weiteres wichtiges und präsentes Thema ist „Diversity and Inclusion“. Welche Inhalte dürfen die Teilnehmer*innen hier erwarten und wie kann eine Weiterbildung in diesem Bereich auch den beruflichen Erfolg als Jurist*in beeinflussen?

In der Tat steht das Thema „Diversity&Inclusion“ sehr weit oben auf unserer Tagesordnung.
 

Wir gehen davon aus, dass vielfältige Teams, ein vielfältiges Denken und Handeln nicht nur maßgeblich zum Erfolg der Kanzlei, sondern auch jedes/jeder Einzelnen beiträgt. Nicht nur hinsichtlich des beruflichen, sondern auch des persönlichen Erfolges.


Daher schulen wir passende Inhalte auf allen Ebenen. Dazu gehören Trainings zum Thema „Inclusive Behaviour“, „Inclusive Leadership“, „Durchsetzungsstark kommunizieren“ und Themen rund um Mentale Stärke. Wir prüfen alle Programme auf die passende Zielgruppe und bieten darüber hinaus maßgeschneiderte Trainings auf einzelne Bedarfe an, die von Region zu Region unterschiedlich ausfallen können.
 

Großkanzlei
Freshfields Bruckhaus Deringer LLP

Freshfields Bruckhaus Deringer LLP


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Insbesondere in Führungspositionen wird mentale Stärke gefordert. Bereitet Freshfields mit entsprechenden Seminaren so schon junge Anwält*innen auf bevorstehende Führungsaufgaben vor?

Jede*r Einzelne sollte sich der Auswirkung seiner gesunden mentalen Verfassung bewusst sein.
 

Führungskräfte haben dabei die besondere Aufgabe, als Vorbild zu agieren und die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden im Auge zu haben. Sie haben eine Fürsorgepflicht und müssen daher Möglichkeiten und Grenzen ihres Handelns abwägen, sollten Verhaltensänderungen wahrnehmen, ansprechen und gemeinsam eine Lösung finden. Das ist durchaus keine einfache Aufgabe, weshalb wir dieser mit einer passenden Trainingsreihe begegnen.


Wir bieten an unseren Standorten für alle Interessierten ein Training zum Thema „Mentale Stärke macht den Unterschied“ an. Die Führungskräfte durchlaufen außerdem das entsprechende Seminar „Mentale Gesundheit und Führung: Die Verantwortung der Führung, Möglichkeiten und Grenzen“. Wer sich als so genannter „Mental Health Mentor“ qualifizieren möchte, kann ein Ganztagstraining durchlaufen, welches dazu befähigt, als Ansprechperson für alle Belange der Kolleginnen und Kollegen des Standortes hinsichtlich mentaler Belange zu agieren. So können sich auch junge Jurist*innen auf die zukünftigen Aufgaben als Führungskraft vorbereiten.
 

Wie sind die Schulungen und Seminare personell organisiert? Übernehmen Mitarbeiter*innen aus eigenen Reihen die Aufgabe oder arbeitet Freshfields mit externen Coaches zusammen, die noch einmal einen anderen Blick auf verschiedene Aspekte mitbringen?

Die Qualität unserer Seminare ist uns sehr wichtig. Wir suchen daher in aller Regel nach passenden Anbieter*innen auf dem Markt – gleichzeitig gibt es Themen, bei denen eine „Innensicht“ von Vorteil ist, weshalb wir auch auf hausinterne Referent*innen zurückgreifen. Ein Beispiel ist das Thema Projektmanagement. Hier arbeiten wir mit einem Referententandem aus einem externen Trainer und einem internen Project Manager, um zu gewährleisten, dass die Theorie in der Freshfields-Praxis verankert wird. Abgesehen davon setzen wir gerade bei fachlichen Weiterbildungen auf interne Ressourcen: Warum in die Ferne schweifen, wenn zahlreiche der besten Anwält*innen des Landes bei uns arbeiten? Gerade in diesen Fällen haben interne Referent*innen aufgrund des Fachwissens, gepaart mit der Kenntnis über das Geschäft und unsere Mandant*innen, einen signifikantem Vorteil gegenüber externen Anbieter*innen. 
 


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Mit Corona wurde in der Arbeitswelt vieles auf digitale Inhalte umgestellt. Welchen Einfluss hatte diese Umstellung auf die Weiterbildungsangebote bei Freshfields und hat sich dadurch auch etwas an den Inhalten geändert?

Corona kam für uns alle überraschend. Es war sehr schnell klar, dass Präsenzveranstaltungen bis auf weiteres nicht stattfinden können, aber auch, dass wir unser Weiterbildungsangebot nicht auf unbestimmte Zeit pausieren können und wollen. Wir haben daraufhin Kontakt zu allen Referent*innen aufgenommen, um eine digitale Durchführung der Seminare zu ermöglichen. Allerdings ist es nicht damit getan, die Referent*innen einfach vor eine Webcam zu setzen. Digitale Formate bringen besondere Herausforderungen mit sich (Aufmerksamkeitsspanne vor dem Bildschirm, Ablenkung durch eingehende E-Mails, geringere Interaktionsmöglichkeiten), weshalb wir die Formate leicht anpassen mussten. Beispielsweise finden ursprünglich eintägige Seminare nun in kleineren Einheiten über mehrere Tage verteilt statt. Das grundsätzliche Bestreben ist allerdings, die Inhalte soweit wie irgend möglich und vollumfänglich beizubehalten. 
 

Wie sieht das Feedback aus den eigenen Reihen aus? Welche Vorteile und welche Nachteile bringt die Umstellung auf Webinare mit sich?

Das Feedback ist insgesamt äußerst positiv! Selbstverständlich wird Bedauern darüber geäußert, dass Netzwerken mit Leuten an anderen Standorten, was in Präsenzveranstaltungen ganz automatisch passiert, nicht bzw. nur in sehr geringem Maße stattfindet. Auch sind ein paar wenige Themen nicht virtuell umsetzbar und werden daher vorerst nicht angeboten.
 

Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, dass die Zugänglichkeit der Angebote sich verbessert hat und zu einer diverseren Teilnehmerschaft führt: Dadurch, dass die Einheiten kürzer sind, sind sie für viele einfacher in den Arbeitsalltag integrierbar und wir haben seit der Umstellung auf virtuelle Formate eine auffällig hohe Partnerpräsenz in der Teilnehmerschaft!


Und auch Leute, die unter normalen Umständen wegen der weiten Entfernung am Vorabend hätten anreisen müssen, dies aber aufgrund persönlicher Umstände nicht konnten, können nun von Zuhause aus am Seminar teilnehmen. 
 

Welche Themen aus dem Weiterbildungsangebot erfreuen sich einer besonderen Beliebtheit und welche stoßen tendenziell auf weniger Interesse?

Themen, die schon seit vielen Jahren im Programm sind, weil es eine konstant hohe Nachfrage gibt, sind z.B. Verhandlungsmanagement, Stimm- und Sprechtraining, Buchführung und Bilanzierung sowie Präsentationsseminare – Evergreens sozusagen. Abgesehen davon sind gegenwärtig Seminare rund um die Themen Projektmanagement und virtuelle Präsenz sehr gefragt. Seminare, für die es in der Vergangenheit wenig Interesse gab, haben wir aus dem Programm genommen, so gesehen gibt es momentan eigentlich keinen „Ladenhüter“.
 

Zum Abschluss: Wie steht es um die Möglichkeit, selbst als Mitarbeiter*in Vorschläge für Seminare einzusteuern? 

Vorschläge sind immer und sehr willkommen! Unser Weiterbildungsangebot soll größtmöglichen Nutzen stiften und dazu sind wir angewiesen auf den Input der Zielgruppen. Zudem können wir nur so auch kurzfristig auf Bedarfe reagieren und Angebote schaffen.
 

Ihr Fazit?

Veränderung wird nicht immer mit Freude begegnet – aber oftmals stellt man fest, dass Dinge durch Veränderung besser werden. Die anfängliche Skepsis gegenüber virtuellen Formaten ist einer regen Inanspruchnahme gewichen. Und wo Veränderung keine Verbesserung bringt, werden wir zu gegebener Zeit zu Altbewährtem zurückkehren.
 

Vielen Dank, Frau Möller!

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