Welche Sprachen lohnen sich für Juristen?

Nicht nur Chinesisch ist gefragt


verfasst von Annika Lintz und veröffentlicht am 09.12.2019

 

Englisch ist die Weltsprache schlechthin und damit eine unverzichtbare Voraussetzung für viele Berufsfelder. In einigen Großkanzleien findet die Arbeit hauptsächlich auf Englisch statt. Es kann jedoch sinnvoll sein, darüber hinaus noch andere Fremdsprachen zu beherrschen. Immer mehr angehende Juristen verbringen während des Studiums oder des Referendariats ein paar Monate im Ausland oder belegen einen Sprachkurs. Welche Sprachen sich besonders lohnen, hängt von dem jeweiligen Berufswunsch ab.

 

Chinesisch: Die Sprache der Zukunft?

China entwickelt sich aktuell in nahezu allen Bereichen zu einer Großmacht. Chinesisch zu lernen hat daher großes Zukunftspotential. Es gibt eine Vielzahl chinesischer Sprachen. Standardsprache ist Hochchinesisch, das auf Mandarin basiert. Wer Chinesisch lernt, hat es deshalb in der Regel mit Mandarin-Chinesisch zu tun.

 

Vor allem in Berufsfeldern mit wirtschaftlichem Bezug steigt die Relevanz chinesischer Unternehmen kontinuierlich.

 

Wer bei Verhandlungen ein Gespräch auf Chinesisch anbieten kann, hat große Vorteile. Besonders punkten können Juristen, die im Rahmen ihrer Ausbildung eine Zeit in China verbracht haben und dadurch Erfahrungen mit der Kultur mitbringen. Auch ohne einen solchen Aufenthalt sind Mandarin-Kenntnisse sehr wertvoll für alle, die später in internationalen Kanzleien oder anderen Unternehmen mit dem Fokus auf wirtschaftlichen Themen arbeiten wollen. Absolventen mit entsprechenden Kenntnissen haben gute Chancen bei Arbeitgebern, die in diesem Bereich tätig sind. Nur wenige Schulen in Deutschland bieten Mandarin als Schulfach an, dafür gibt es an vielen Universitäten inzwischen Sprachkurse.

 

Es ist zu erwarten, dass die Bedeutung der chinesischen Sprache in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

 


Diese Kanzleien und Unternehmen sind weltweit aktiv


 

Europäische Sprachen 

Die Europäische Union bildet einen großen Wirtschaftsraum, in dem alle Staaten eng miteinander verbunden sind. Jeder Arbeitnehmer hat die Möglichkeit, in anderen EU-Staaten zu arbeiten. Auch die EU selbst bietet zahlreiche Möglichkeiten für Juristen. Das macht die europäischen Sprachen sehr attraktiv. Einige dieser Sprachen werden auch in anderen Teilen der Welt gesprochen.

Besondere Relevanz hat etwa die französische Sprache. Wer sich für einen Job im europäischen Bereich interessiert, sollte Französisch lernen oder die Sprachkenntnisse aus der Schule vertiefen. Als Amtssprache der EU hat Französisch für diese Berufsfelder eine große Bedeutung, gute Kenntnisse steigern die Chancen für eine erfolgreiche Bewerbung. Das gilt auch für andere internationale Organisationen.

 

Französisch ist eine der Amts- und neben Englisch die einzige Arbeitssprache der Vereinten Nationen. Für Interessierte in diesem Bereich ist die Sprache damit praktisch unverzichtbar.

 

Auch für den diplomatischen Dienst sind Französischkenntnisse eine wichtige Qualifikation. Wer sich vorstellen kann, später als Diplomat zu arbeiten, sollte diese Sprache beherrschen. Das ist zwar keine zwingende Voraussetzung, wird aber gerne gesehen. Insbesondere für eine Tätigkeit in Afrika sind entsprechende Kenntnisse sinnvoll, weil Französisch dort weit verbreitet und in vielen Staaten sogar Amtssprache ist. Aber auch innerhalb Europas steigt die Mobilität durch Französischkenntnisse. In Belgien und in der Schweiz ist es eine der offiziellen Sprachen.

 


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Spanisch ist ebenfalls eine weltweit bedeutende Sprache, die auf verschiedenen Kontinenten in Erscheinung tritt. Wer Spanischkenntnisse vorweist, kann damit im europäischen Bereich punkten. Darüber hinaus wird die Sprache in vielen Staaten Süd- und Mittelamerikas, darunter in großen Staaten wie Argentinien, sowie in Mexiko gesprochen. Auch in den USA ist Spanisch eine verbreitete Standardsprache.

Portugiesisch ist ebenfalls über das eine Land hinaus in weiteren Staaten verbreitet. Relevant ist dabei vor allem Brasilien als größtes und bevölkerungsreichstes Land Südamerikas, aber auch in einigen afrikanischen Staaten ist Portugiesisch noch immer Amtssprache.

 

Generelle Vorteile durch Sprachkenntnisse

Allgemein ist es nützlich, möglichst viele Sprachen zu sprechen. Das gilt auch für die Arbeit in kleineren Kanzleien, die nicht international tätig sind.

 

Anwälte mit vielfältigen Fremdsprachenkenntnissen sind besonders begehrt, weil es Mandanten gibt, die nicht so gut Deutsch sprechen.

 

Wer zum Beispiel Italienisch-, Türkisch- oder Russischkenntnisse hat, kann betroffenen Mandanten ein Gespräch in ihrer Muttersprache anbieten und dadurch Vertrauen schaffen. In der Regel ist mit den Sprachkenntnissen auch ein Grundwissen über die Kultur des jeweiligen Landes verbunden, das zu einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Anwalt und Mandant beiträgt. Das Vertrauen in einen Anwalt spielt für Mandanten eine große Rolle. Sprachkenntnisse sind daher auch für kleinere Kanzleien und andere Unternehmen ein wichtiger Faktor.

 

Durch die große Zahl an Asylverfahren mit Beteiligten aus dem arabischsprachigen Raum sind Juristen mit entsprechenden Kenntnissen aktuell besonders gefragt.

 

Anwälte, die Arabisch beherrschen, können diese Verfahren besonders gut betreuen. Es ist davon auszugehen, dass die Relevanz der arabischen Sprache in Deutschland auch in Zukunft hoch sein wird.

 


Wer hier studiert, möchte gar nicht mehr nach Hause:

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Die beste Möglichkeit, um eine gelernte Sprache anzuwenden, ist im Auslandsstudium. Entdecke hier Law Schools in aller Welt:


 

Herausstechen mit weniger verbreiteten Sprachen

Es sich allerdings auch lohnen, bewusst eine nicht ganz so verbreitete Sprache zu lernen. Juristen, die eine solche Sprache beherrschen, können bei Bewerbungen möglicherweise mit einem Alleinstellungsmerkmal herausstechen. Wer sich beispielsweise entscheidet, statt Chinesisch lieber Japanisch zu lernen, hat eine echte Besonderheit vorzuweisen. Auch die Beherrschung der skandinavischen Sprachen Schwedisch, Norwegisch und Dänisch oder einer osteuropäischen Sprache wie zum Beispiel Polnisch kann einen guten Eindruck machen.

 


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Welche Angebote gibt es?

An vielen Universitäten in Deutschland ist ein Fremdsprachenschein inzwischen Pflicht. Jeder Student muss dann eine Veranstaltung in einem ausländischen Recht besuchen und eine Prüfung ablegen. Darüber hinaus bieten manche Unis fachspezifische Fremdsprachenausbildungen an, die deutlich tiefergehend sind. Der Vorteil gegenüber einem fachunabhängigen Sprachkurs ist der direkte Bezug zu rechtswissenschaftlichen Themen.

 

In diesen Veranstaltungen erfahren die Studenten etwas über die Rechtsordnung des jeweiligen Landes und lernen gleichzeitig das juristische Vokabular.

 

Noch hilfreicher zum Lernen einer Sprache ist ein Auslandsaufenthalt. Während des Studiums gibt es die Option, ein oder zwei Semester an einer anderen Universität zu verbringen. Im europäischen Raum bietet das ERASMUS-Programm zahlreiche verschiedene Möglichkeiten. Viele Unis haben darüber hinaus Kooperationen außerhalb Europas und können auf diese Weise Austauschplätze anbieten. Auch während des Referendariats ist es möglich, einen Teil der Stationen im Ausland zu absolvieren. Daneben könnte sich auch ein LL.M. anbieten.

 

In einer globalisierten Welt sind Fremdsprachenkenntnisse eine wichtige Schlüsselqualifikation für Juristen. Insbesondere in international agierenden Kanzleien ist die Relevanz besonders hoch, aber auch in kleineren Unternehmen sind entsprechende Kenntnisse sehr gefragt. Absolventen, die Auslandsaufenthalte oder Sprachkurse vorweisen können, haben bei der Bewerbung für die entsprechenden Stellen bessere Chancen. Bei der Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Sprache sollte auch der konkrete Berufswunsch eine entscheidende Rolle spielen.

 


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Über den Autor

Annika Lintz - Autorin TalentRocket

Annika Lintz

Studiert Jura im 7. Semester in Frankfurt am Main und arbeitet nebenbei als Aushilfe in einer Kanzlei mit dem Schwerpunkt Mietrecht.

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