Wann "Eigengewächse" Partner werden

Counsel als sinnvolle Zwischenstation?


veröffentlicht am 08.07.2019

Dr. Marius Boewe und Dr. Marcel Nuys (unten rechts) sind als Leiter der Praxisgruppe für Kartellrecht in der Düsseldorfer Niederlassung für Herbert Smith Freehills tätig. Beide wurden vor Kurzem zum Partner ernannt. Hierbei hat uns besonders interessiert, wie dies bei Dr. Marius Boewe ablief, da er bereits jahrelang als Counsel tätig war. Ist der Weg des Counsel also doch keine Sackgasse? Im Interview verraten sie uns die Antwort hierauf sowie viele weiter Informationen zum Ablauf der Partnerernennung und Ihre Erfahrungen im Kartellrecht.

 

Sie sind beide zum Partner ernannt worden. War es schon immer das Ziel Ihres Karriereweges Partner in einer Kanzlei zu werden?

 Dr. Marius Boewe   Marcel Nuys - Partner Herbert Smith Freehills

Marius Boewe: Der Wunsch, Anwalt in einer internationalen Großkanzlei zu werden, ist bei mir im Verlauf meines Referendariats entstanden. Nachdem ich früher immer davon ausgegangen bin, dass "Großkanzlei" gleichbedeutend mit "Corporate/M&A" sei, war es damals eine freudige Überraschung, dass es in diesem Universum auch Platz für Anwälte mit Schwerpunkt im Öffentlichen Recht gibt. Mir wurde vor den ersten Vorstellungsgesprächen der Rat erteilt, auf die Frage "wollen Sie einmal Partner werden" auf jeden Fall mit "ja" zu antworten. Allerdings wurde schnell nach Berufsantritt klar, dass dies ein hochgestecktes Ziel ist, dessen Erreichen von vielen Faktoren abhängt, die man nur zum Teil selbst beeinflussen kann. 

 

Trotzdem kann man eine Partnerschaft nach meiner Überzeugung nur erreichen, wenn man sie als sein eigenes Ziel definiert und darauf hinarbeitet.

 

Marcel Nuys: Vor mehr als 20 Jahren absolvierte ich als Schüler ein Schülerpraktikum in einer lokalen Anwaltskanzlei. Seitdem war mir klar, dass ich Anwalt werden möchte und arbeitete während meines Studiums auch in dieser Kanzlei. Mit der Welt der Großkanzleien kam ich erst kurz vor Beginn des Referendariats in Berührung und war sprichwörtlich "Feuer und Flamme". Ich fand es gleichzeitig schon immer spannend, unternehmerische Verantwortung zu tragen und konnte mir seit jeher vorstellen, Partner in einer (Groß-)Kanzlei zu werden – wenn auch dieser Wunsch zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn natürlich nicht im Mittelpunkt stand.

 


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Wie ist der typische Weg zur Partnerernennung und wie lief die Kommunikation zu Beginn intern dahingehend ab?

Marcel Nuys: Potentielle Partnerkandidaten werden auf ihrem Weg in die Partnerschaft von HSF eng begleitet. Schon für Senior Associates werden Kurse in London angeboten, bei denen z.B. Business Development-Kenntnisse vermittelt werden.

 

Wirklich konkret wird es bei der Aufnahme in das Partnerentwicklungsprogramm (PPDC).

 

Hierbei handelt es sich um ein zweijähriges Programm, das Fähigkeiten vermittelt, die für junge Partner essentiell sind (Teamführung, Financial Performance, etc.). In die heiße Phase ging es für mich im Jahr 2017 als mir Stephen Wisking - unser Global Head of Practice - mitteilte, dass die Kanzlei mich für das PPDC ausgewählt hat. Das Programm habe ich als überaus hilfreich empfunden und glaube, dass es mich hervorragend auf die Herausforderungen als Jungpartner vorbereitet hat. Selbstverständlich lässt die Kanzlei die Jungpartner nicht allein. Mir wurde Kyriakos Fountoukakos - Managing Partner in unserem Brüsseler Büro - als Mentor zur Seite gestellt.

 

Herr Dr. Boewe, Sie werden vom Counsel zum Partner ernannt. Würden Sie sagen dieser Zwischenschritt hat Ihnen persönlich geholfen oder denken Sie für viele ist der alternative Weg des Counsels eher eine Sackgasse?

Marius Boewe: Das hängt nach meiner Erfahrung von der Kanzlei und ihrem Verständnis der Position des Counsels ab. Als ich 2016 die New Counsel Induction in London besuchte, erfuhr ich dass regelmäßig ca. die Hälfte der Partnerernennungen aus dem Counsel-Kreis erfolgt.

 

Wenn man in einer solchen Kanzlei arbeitet, ist der Counsel eine sehr sinnvolle Zwischenstation.

 



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Aber selbstverständlich gibt es auch Kanzleien, die dies anders handhaben und keine Permeabilität vorsehen.

 

Herr Dr. Nuys, Sie werden bereits recht früh zum Partner ernannt. Was hat Ihnen am meisten dabei geholfen und würden Sie sagen, dass die Kanzlei Herbert Smith Freehills den Partnerweg besonders fördert?

Marcel Nuys: Die Kanzlei hat mir schon sehr früh das Gefühl gegeben, langfristig mit mir zu planen. Die Aufnahme in das PPDC war ein weiterer Schritt im beruflichen Miteinander und hat mich angespornt, meinen Weg mit der Kanzlei weiter erfolgreich zu beschreiten. Zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens über den Weggang des vormals einzigen Kartellrechtspartners in Deutschland und zugleich Praxisgruppenleiter Ende 2018 hat man mir sofort das Vertrauen für eine weitere Zusammenarbeit ausgesprochen.

 



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Herr Dr. Boewe, bereuten Sie zunächst, den Weg als Counsel eingeschlagen zu haben? Wie kam es dann doch ganz anders?

Marius Boewe: Ich hatte vor meinem Wechsel zu HSF 2016 mehrere Angebote, jeweils die öffentlich-rechtliche Praxis für internationale Kanzleien in Deutschland aufzubauen. Die mir angebotenen Positionen waren zum Großteil Partnerstellen. Meine Entscheidung, bei HSF zunächst Counsel zu werden, fiel mir nie schwer, da bekannt ist, dass diese Firma weltweit zu den absoluten Top-Adressen gehört und für Deutschland einen echten Masterplan hat.

 

Wenn man die Chance hat, in einem solchen Setting einen eigenen Bereich aufzubauen, ist das schon sehr verlockend.

 

Zumal mir unser damaliger Managing Partner Ralf Thaeter zusagte, mich in die Partnerschaft zu führen, sobald der Business Case belastbar darstellbar sei. Es war eine sehr schöne Erfahrung zu sehen, dass HSF auch an dieser Stelle Wort gehalten hat.

 

Sie beide sind mit dem Aufbau einer neuen Praxisgruppe im Kartell- und Öffentlichen Wirtschaftsrecht beschäftigt. Wie haben Sie es geschafft, parallel die Partnerschaft zu erreichen und gleichzeitig ein funktionierendes Team aufzubauen?

Marius Boewe: Als die von Marcel Nuys oben erwähnte Entscheidung über den Weggang unseres damaligen Praxisgruppenleiters bekannt wurde, haben wir uns tief in die Augen gesehen und uns versprochen, die Abteilung gemeinsam fortzuführen und wiederaufzubauen, sollte uns HSF die Chance dafür geben. Wir haben sehr ähnliche Vorstellungen von einer guten Praxis, arbeiten gerne mit dem gleichen Typ Mensch zusammen und versuchen, uns gegenseitig so gut wie möglich zu unterstützen. Mit einem Kollegen an seiner Seite, dem man zu 100% vertraut, kann man auch eine solche Aufgabe angehen und bestehen.

 

Praxisgruppe mit Partnern - Kartellrecht Herbert Smith Freehills

Teambild

 

Was wünschen Sie sich für Ihre Praxisgruppe in den nächsten fünf Jahren? Herbert Smith Freehills war immerhin bereits 2016 die Kanzlei des Jahres für Immobilien- und Baurecht. Gehen Ihre Pläne als Partner in eine ähnliche Richtung?

Marius Boewe: Wir haben im letzten dreiviertel Jahr ein großartiges Team zusammengestellt, das wunderbar harmoniert. Selbstverständlich sind wir ehrgeizig und wollen das Bestmögliche erreichen. Ob wir irgendwann einmal hierfür eine Auszeichnung bekommen, müssen andere entscheiden - die wichtigste Anerkennung ist für uns die Zufriedenheit unserer Mandanten.

 

Derzeit ist Ihre Praxisgruppe noch überschaubar. Ist die Ernennung von gleich zwei Partnern nun ein Zeichen für eine grundlegende Umstrukturierung, gegebenenfalls auch international?

Marcel Nuys: Es bestand schon immer der Plan, unsere deutsche Praxis weiter auszubauen. Die beiden Partnerernennungen sind nun ein weiterer Schritt in diese Richtung und ein starkes Signal an den Markt. Gleichzeitig stärken wir weiter unser internationales Netzwerk. Unser Standort in Brüssel, dessen Rolle als europäischer HSF-Hub weiter ausgebaut werden soll, ist hierfür zentral zu benennen. Die deutschen und auch alle anderen HSF-Büros arbeiten bei internationalen Transaktionen eng mit den Kollegen in Brüssel zusammen. Ich bin alle zwei Wochen in unserem Brüsseler Büro, um die Verbindung zwischen Brüssel und Deutschland weiter zu stärken.

 

Wenn die Zeit eines gezeigt hat, dann dass das Geld niemals schläft, ebenso wenig wie Kartelle. Was betrachten Sie gerade in Bezug auf Ihre Praxisgruppe innerhalb Europas als besonders spannend? 

Marcel Nuys: Die Europäische Kommission, als auch die nationalen Wettbewerbsbehörden, wie z.B. das Bundeskartellamt, sind unverändert aktiv bei der Aufdeckung und Verfolgung von Kartellen. Ein verstärktes Interesse zeigen die Behörden im Zusammenhang mit der Digitalisierung im Allgemeinen und dem Umgang mit Daten im Wesentlichen. Besonders anschaulich zeigt dies auch das Verfahren des Bundeskartellamts gegen Facebook, das im Februar diesen Jahres einen vorläufigen Abschluss gefunden hat: die Behörde hat Facebook in eigener Entscheidung aufgegeben, ihren Umgang mit Daten zu ändern. Das Verfahren wird allerdings in weitere Runden gehen, weil Facebook Beschwerde beim OLG Düsseldorf eingelegt hat. Aber auch die Europäische Kommission zeigt sich interessiert an Daten. Mitte Mai 2019 hat sie ein Verfahren gegen Insurance Irland, eine Vereinigung mehrerer in Irland tätiger Versicherungsunternehmen, wegen eines möglicherweise kartellrechtswidrigen Datenpooling, eingeleitet.

 

Immer ernst, oder auch mal heiter bis lustig? Bei der öffentlichen Bekanntmachung Ihrer Ernennung gab es M&Ms, bedruckt mit Ihren Porträts sowie Helium-Ballons. Gönnen sich auch Partner mal den einen oder anderen Spaß unter Kollegen?

Marcel Nuys: Auch in stressigen Zeiten (die selbstverständlich dazugehören), steht das Team bei uns an vorderer Stelle.

 

Wir legen besonderen Wert darauf, "dass die Chemie stimmt".

 

Bevor wir die Entscheidung über ein neues Teammitglied treffen, binden wir sowohl unsere PAs als auch die Associates ein. Bei einem solch handverlesenen, zusammengestellten Team versteht es sich von selbst, dass wir uns gut verstehen. Da gehört der ein oder andere Spaß natürlich auch dazu.

 

Dadurch, dass Ihre Kanzlei vorwiegend international arbeitet haben Sie auch oft mit anderen Rechtssystemen zu tun. Schaffen Sie es zukünftig als Partner sich dennoch eine Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten oder leben Sie das Klischee des Jetsetter Lebens?

Marius Boewe: Work-Life-Balance wird in internationalen Wirtschaftskanzleien sicherlich anders definiert als in den meisten Berufen. Trotzdem bin ich auch und vor allem glücklicher Familienvater, der seine Familie nicht nur am Wochenende sehen will.

 


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Der Ritter auf dem weißen Ross oder doch Sisyphus? Wie fühlen Sie sich in Ihrer täglichen Arbeit zwischen Unternehmen, Behörden und Kartellen?

Marcel Nuys: In der täglichen Arbeit kommt es in der Tat auch mal vor, dass man sich ein wenig wie Sisyphus fühlt. Die Behörden sitzen in vielen Situationen am längeren Hebel und - insbesondere schwierige Transaktionen - geraten so häufig zu einem uphill battle.

An dieser Stelle möchte ich aber auch mit einem oftmals geäußerten Vorurteil aufräumen.

 

In der öffentlichen Wahrnehmung werden wir häufig als "Darth Vader", der auf der dunklen Seite der Macht steht, dargestellt.

 

Dem ist aber nicht so. Vielmehr sind wir wichtige Interessensvertreter für Unternehmen und stellen so sicher, dass die Interessen der Unternehmen angemessen verteidigt werden. Oft genug stellt sich etwa ein Anfangsverdacht im Kartellverfahren als unzutreffend heraus.

 

Welchen Tipp möchten Sie Nachwuchsjuristen für Ihren juristischen Werdegang mit auf den Weg geben, gibt es oft Sackgassen oder bleibt man trotzdem immer Herr seiner eigenen Entscheidungen?

Marius Boewe: Schauen Sie sich möglichst viele, unterschiedliche juristische Tätigkeiten an, bevor Sie sich für einen Weg entscheiden. Jura ist ein faszinierendes Fach - die Kunst ist, hierbei seinen eigenen Bereich und seine individuelle Berufung zu finden.

 

Vielen Dank für Ihre Einblicke, Herr Dr. Marius Boewe und Herr Dr. Marcel Nuys!
 

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