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Welcher juristische Arbeitgeber passt zu mir?

Diese Charaktereigenschaften sind besonders wichtig


verfasst von Finn Holzky und veröffentlicht am 16.03.2020

 

Für angehende Juristen, Berufseinsteiger, aber auch für Jobwechsler mit erster Berufserfahrung stellt sich irgendwann die Frage, welche Art von Beruf und vor allem welcher Arbeitgeber eigentlich zu einem passt. Denn offensichtlich sind Menschen und damit natürlich auch Arbeitgeber sehr unterschiedlich. Nicht jeder wird mit der gleichen Arbeit glücklich und insbesondere der weit verbreitete Irrtum, dass Geld alles ausgleichen kann, löst sich für viele Berufseinsteiger erst dann auf, wenn es eigentlich schon ein bisschen zu spät ist. Es kommt also genügend Gründe, Charaktereigenschaften und Arbeitgeber aufeinander abzustimmen!

 

Die Großkanzlei: Nervenstark & belastbar sollte man sein

Trotz aller aktuellen Entwicklungen in Richtung Work-Life-Balance und der Berichterstattung über die neuen und weniger auf die Karriere fokussierten Generationen Y und Z, erfreuen sich Großkanzleien unter Studenten und Berufseinsteigern sehr großer Beliebtheit.

Das hat natürlich verschiedene Gründe und selbstverständlich spielen auch die gezahlten Gehälter, die mittlerweile im Durchschnitt bei um die 100.000 Euro brutto für Associates liegen, dabei eine Rolle. Doch auch die Mitarbeit an internationalen Mandaten, das gelebte Business und die Möglichkeit an verschiedenen Standorten einer Kanzlei oder auch im Ausland zu arbeiten, zieht junge und talentierte Juristen an.

 

Nicht zuletzt gibt es zudem natürlich eine spürbare Gegenbewegung zu erstgenannten Entwicklungen, bei der junge Akademiker genau wie vorangegangene Generationen weiterhin wert auf die Karriere und harte Arbeit legen.

 

Doch wie sollte man eigentlich gestrickt sein, wenn man für eine Großkanzlei arbeiten möchte? Nun gibt es sicherlich nicht den Prototypen schlechthin, der in jeder Großkanzlei bestehen würde, doch es gibt ein paar Charaktereigenschaften, die dabei auf jeden Fall behilflich und vielleicht sogar vonnöten sind. Da ist zunächst einmal die Belastbarkeit zu nennen. Auch wenn sich Großkanzleien ebenfalls dem Druck am Arbeitsmarkt beugen müssen und flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle oder das Home-Office eingeführt haben, ist die Arbeitsbelastung nach wie vor vergleichsweise hoch. Daraus machen die Mitarbeiter und Verantwortlichen dort auch nach wie vor keinen Hehl.

 

Nationale und internationale Großkanzlei - Das sind die Unterschiede!

 

Wer in diesen Sphären verdienen möchte und mit den größten Unternehmen und Mandanten zusammenarbeiten gedenkt, der muss entsprechend auch sehr viel leisten. Die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung sind dafür natürlich ebenfalls auf höchstem Niveau.

 

Aufgrund der komplexen Mandate und der Wichtigkeit vieler Entscheidungen gehört auch Nervenstärke definitiv zu den Voraussetzungen eines Anwalts oder eine Anwältin in einer Großkanzlei. Entscheidungen haben große Auswirkungen und da darf ein Mitarbeiter nicht an jeder Entscheidung förmlich zerbrechen. Entschlossenheit und Entscheidungsstärke sind also ebenfalls nützliche Eigenschaften für den Arbeitgeber Großkanzlei. Schließlich gehört neben der fachlichen Kompetenz natürlich auch noch der absolute Wille für Höchstleistungen zum Profil eines geeigneten Arbeitnehmers für eine Großkanzlei. Mit nine-to-five wird es bei der Großkanzlei eben nichts und es ist besser für alle, wenn das von Anfang an klar ist.

 


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Was braucht es als Mitarbeiter in einer Boutique Kanzlei?

Boutiquen sind im Grunde kleinere und spezialisierte Großkanzleien. Soll heißen es wird ebenfalls höchste Qualität bei Noten verlangt, es werden internationale Mandate bzw. Mandate von nationalen Großkonzernen bearbeitet und es werden auch entsprechende Gehälter gezahlt. Allerdings geschieht all dies in einem kleineren und vor allem spezialisierteren Rahmen. Eine Boutique Kanzlei ist dann zum Beispiel nur auf das Patentrecht spezialisiert und ist für dieses Rechtsgebiet ein Spitzendienstleister für Unternehmen und Konzerne.

 


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Die besten Kanzleien für bestimmte Fachgebiete


 

Die Hierarchien im Unternehmen sind flacher und das Profil der Mitarbeiter ist etwas anders als das in einer Großkanzlei.

 

Gesucht wird deutlich weniger der Allrounder, sondern der echte Spezialist. Auf dem entsprechenden Fachgebiete werden besonders gute Kenntnisse verlangt und zudem muss ein Mitarbeiter sehr gut in das kleine aber eben sehr feine Team passen.

 

Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist sind daher neben fachlicher Qualifikationen wohl die wichtigsten Eigenschaften eines Bewerbers. In Sachen Belastbarkeit und Nervenstärke gilt ebenfalls das gleiche wie für die Mitarbeit in einer Großkanzlei.

In Abhängigkeit der genauen Stellenbeschreibung kann bei einer Boutique Kanzlei auch noch ein anderer Aspekt hinzukommen, der in Großkanzleien zu Anfang vernachlässigt werden kann und erst später auf der Karriereleiter relevant wird. Es geht dabei um die Kommunikation mit Mandanten, denn in Boutiquen ist der Kontakt zu Mandanten aufgrund der geringeren Mitarbeiterzahl und den hochspeziellen Themengebieten deutlich höher als zum Beispiel im Backoffice einer Großkanzlei. Tendenziell gehört daher ein Talent für Organisation und Kommunikation ebenfalls in das Profil eines Mitarbeiters in einer Boutique Kanzlei.

 


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Staatstreue, Verlässlichkeit und Besonnenheit: Der Job als Richter und Staatsanwalt

Wen es in die Justiz zieht, dem sind Begriffe wie Verlässlichkeit und Staatstreue wahrscheinlich sowieso ein Begriff. Auch in der Justiz und gerade in den ersten Jahren ist zudem die Arbeitsbelastung sehr hoch, weshalb eine hohe Belastbarkeit ebenfalls eine Grundvoraussetzung für den Dienst in der Justiz ist.

 

Die Justiz eines Staates ist dessen juristisches Herz und muss daher gefüllt sein mit Menschen, denen das Wohl des Staates aber auch jeden einzelnen Bürgers besonders am Herzen liegt.

 

Besonnenheit und Entscheidungsstärke gehören daher zu den absolut wichtigsten Charaktereigenschaften von Mitarbeitern der Justiz. Auch ein weitestgehend seriöser Auftritt auch außerhalb des Berufsalltags gehört natürlich dazu. Eine gewisse Ordentlichkeit im Verhalten sollten Angehörige der Justiz daher ebenfalls an den Tag legen.

Justizangestellte sollten zudem unbedingt über ein erhöhtes Maß an Einfühlungsvermögen und Gerechtigkeitsempfinden besitzen. Egal, ob es in einem Fall einmal ein hartes Urteil oder nur deutliche Worte und eine milde Bestrafung braucht, ein Richter im Jugendstrafrecht zum Beispiel muss unbedingt versuchen die richtige Entscheidung zu finden und diese auch noch richtig zu verpacken. Ein Staatsanwalt hingegen muss täglich Entscheidungen treffen, ob etwas weiterverfolgt oder eingestellt wird. Es gehört also auch hier ein großes Maß an Entscheidungsstärke dazu. Im Vergleich zur Großkanzlei oder Boutique kann dafür vielleicht die Bereitschaft zur Leistung von maximal vielen Arbeitsstunden leicht abfallen.

 


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Pflichtbewusstsein, Verlässlichkeit und Ordnung: Das Berufsbild des Verwaltungsbeamten

Über kaum eine Berufsgruppe gibt es wohl mehr Klischees als über die Verwaltungsbeamten. Dass diese zu einem überwiegenden Teil nicht stimmen versteht sich von selbst, die wichtigsten Charaktereigenschaften klingen dennoch fast ein wenig klischeehaft. Dennoch, die strenge Bindung der Verwaltung an Recht und Gesetz und die Relevanz einzelner Entscheidungen für das Leben von Bürgern verlangen von den Beamten ein Maximum an Pflichtbewusstsein und die Einhaltung von Regeln und Gesetzen. Beamte brauchen ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit, müssen sie schließlich sehr häufig ähnlich gelagerte Fälle entscheiden und dennoch jedes Mal die kleinen Unterschiede aufspüren und richtig bewerten.

 

Verlässlichkeit und Staatstreue und nicht zuletzt ein Faible für Regeln und Gesetze gehören zumindest in Grundzügen auch zu dem Profil eines Verwaltungsbeamten.

 

Je nach genauer Dienstaufgabe gehören zudem auch Führungsqualitäten oder Stärken im Management zu den Voraussetzungen eines Beamten. Mit Personalverantwortung gehen natürlich auch diese Eigenschaften als notwendige Stärken einher.

 


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Das Allroundtalent: Selbstständige Anwälte und Advokaten in kleinen Kanzleien

Wer sich selbstständig macht oder aber in eine kleine Kanzlei einsteigt, der muss neben fachlicher Qualifikation eigentlich so gut wie alles mitbringen. Gerade zu Beginn ist ein Maximum an Belastbarkeit gefordert und nicht selten fehlt in solche Fällen zunächst einmal der monetäre Ausgleich hierfür. Neben Führungsqualitäten und der Fähigkeit zum Zeit- und Selbstmanagement kommen aber noch ganz andere Voraussetzungen in Betracht, die bei den bisherigen Berufsbildern eher vernachlässigt werden konnten.

 

Denn wer mit einer eigenen oder einer kleinen Kanzlei bestehen möchte, der muss Mandantenakquise betreiben können, seinen Stamm an Mandanten und damit den Kontakt zu diesen halten und die Kanzlei immer weiter vorantreiben.

 

Kommunikation im Allgemeinen aber eben auch Marketingfähigkeiten werden plötzlich auch für den gelernten Juristen ein echtes Thema. Sollte man sich dagegen entscheiden, diese Punkte selbst anzugehen, gehört eine ganz andere Charaktereigenschaft zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Selbstständigkeit: Die Fähigkeit Aufgaben zu delegieren. Gerade die personifizierte Ein-Mann-Armee tut sich damit gerne schwer. Verantwortungen zu übertragen und die Fäden aus der Hand zu geben fällt nicht allen leicht, ist zumindest aber ab einem bestimmten Punk unumgänglich.

 

Die Berufsbilder sind offensichtlich trotz den gemeinsamen Nenner „Jura“ sehr unterschiedlich. Gerade Großkanzleien und Boutiquen fordern ganz andere Eigenschaften, als zum Beispiel der Staat von seinen Beamten einfordert. Wer in das kalte Wasser der Selbstständigkeit springt, der tauscht zunächst Freizeit gegen ein Maximum an Selbstverwirklichung, braucht aber plötzlich Stärken und Fähigkeiten, die angestellten Juristen eher vernachlässigen können. Es gibt sprichwörtlich für jeden Topf den richtigen Deckel, man muss ihn nur finden. Im Zweifel heißt es bei der Jobwahl aber am Ende doch „probieren geht über studieren“, denn oft lernt man seine Eigenschaften selbst erst kennen, wenn sie auch benötigt werden.

 


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Über den Autor

Finn Holzky

Schreibt neben seinem Jurastudium seit 2 Jahren für TalentRocket und hat gerade sein 1. Staatsexamen in Göttingen hinter sich gebracht.

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